{"id":1173048,"date":"2026-07-17T09:34:16","date_gmt":"2026-07-17T09:34:16","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/1173048\/"},"modified":"2026-07-17T09:34:16","modified_gmt":"2026-07-17T09:34:16","slug":"eu-sanktionen-gegen-russland-fisch-importstopp-gekippt","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/1173048\/","title":{"rendered":"EU-Sanktionen gegen Russland: Fisch-Importstopp gekippt"},"content":{"rendered":"<p class=\"text_ohne_einzug richtext text-em-55 !leading-serif mx-6 desktop:mx-0\"> Dass auf h\u00f6chster EU-Ebene \u00fcber Fischst\u00e4bchen diskutiert wird, kommt selten vor. Doch w\u00e4hrend der Verhandlungen \u00fcber das 21. Sanktionspaket gegen <a href=\"https:\/\/rp-online.de\/thema\/russland\/\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Russland<\/a> schreckten die von der Industrie gemalten Horrorszenarien selbst Br\u00fcsseler Diplomaten auf.<\/p>\n<p class=\"richtext text-em-55 !leading-serif mx-6 desktop:mx-0\">Die <a href=\"https:\/\/rp-online.de\/thema\/eu-kommission\/\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">EU-Kommission<\/a> hatte Einfuhrbeschr\u00e4nkungen f\u00fcr frischen Fisch aus Russland vorgeschlagen, etwa f\u00fcr Seehecht und Seelachs. Was aber w\u00fcrde passieren, wenn pl\u00f6tzlich der Deutschen liebste Tiefk\u00fchlkost teurer wird oder die Versorgung gar gef\u00e4hrdet ist? Man mag sich den \u00c4rger am heimischen Esstisch kaum vorstellen. \u201eDroht eine Fischst\u00e4bchenkrise?\u201c, fragte Christopher Zimmermann vom Th\u00fcnen-Institut vor einigen Wochen in einem Beitrag, in dem er vor m\u00f6glichen Folgen der geplanten Ma\u00dfnahmen f\u00fcr die deutsche Fischwirtschaft warnte. Die lebt \u00fcberwiegend vom Alaska-Seelachs aus Russland.<\/p>\n<p>Deutschland k\u00f6nnte Ausfall russischer Seelachs-Lieferungen nicht ersetzen      <\/p>\n<p class=\"richtext text-em-55 !leading-serif mx-6 desktop:mx-0\">Die Bundesrepublik stellt aus dem wei\u00dfen und gr\u00e4tenfreien Fleisch vor allem Fischst\u00e4bchen sowie verschiedene Arten von \u201eSchlemmerfilets\u201c her. Dass die weltweit gr\u00f6\u00dften Fabriken in <a href=\"https:\/\/rp-online.de\/thema\/deutschland\/\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Deutschland<\/a> stehen, \u00fcberraschte selbst manche EU-Beamte. Hinzu k\u00e4men \u201eTausende von Arbeitspl\u00e4tzen\u201c, die auf dem Spiel st\u00fcnden, meinte ein Diplomat.<\/p>\n<p class=\"richtext text-em-55 !leading-serif mx-6 desktop:mx-0\">Weil lediglich die Amerikaner vergleichbare Mengen produzierten, die aber durch langfristige Liefervertr\u00e4ge gebunden seien, k\u00f6nnte man einen Ausfall russischer Lieferungen nicht ersetzen. Die Bundesregierung wehrte sich w\u00e4hrend der Sanktions-Verhandlungen dementsprechend gegen den Schritt. Und es hagelte Kritik. Wie k\u00f6nnten die Deutschen von <a href=\"https:\/\/rp-online.de\/thema\/athen\/\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Athen<\/a> einfordern, die strikteren Ma\u00dfnahmen beim Thema Fl\u00fcssiggas mitzutragen, wenn man selbst eine rote Linie bei Fischst\u00e4bchen zieht? Tats\u00e4chlich ist die Erz\u00e4hlung, dass die Deutschen allein f\u00fcr die Aush\u00f6hlung des j\u00fcngsten Strafpakets verantwortlich sind, nicht ganz korrekt. Zahlreiche Mitgliedstaaten wehrten sich. Portugal wollte nicht auf den Kabeljau aus russischen Gew\u00e4ssern verzichten, Frankreich f\u00fcrchtete um seine Surimi-Sticks, die ebenfalls aus Seelachs gefertigt werden.<\/p>\n<p>Sanktionspaket \u201enicht ganz so ambitioniert wie erhofft\u201c      <\/p>\n<p class=\"richtext text-em-55 !leading-serif mx-6 desktop:mx-0\">W\u00e4hrend Berlin offen f\u00fcr einen Kompromiss gewesen sein soll, der aus Kontingenten und einer \u00dcbergangsfrist der Beschr\u00e4nkungen h\u00e4tte bestehen k\u00f6nnen, blieben <a href=\"https:\/\/rp-online.de\/thema\/lissabon\/\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Lissabon<\/a> und Paris bei ihrem Widerstand. Folglich strich die Kommission den Fisch vollst\u00e4ndig aus dem Sanktionspaket, das \u201enicht ganz so ambitioniert ausf\u00e4llt wie erhofft\u201c. So beschrieb es ein Diplomat am Donnerstag, verabschiedet war es da noch immer nicht.<\/p>\n<p class=\"richtext text-em-55 !leading-serif mx-6 desktop:mx-0\">Das h\u00e4tte bis sp\u00e4testens Mitte dieser Woche passieren sollen, weil die Frist f\u00fcr die Erneuerung des Preisdeckels f\u00fcr russisches Erd\u00f6l ablief, der alle sechs Monate neu festgesetzt werden muss. Derzeit liegt die Obergrenze bei 15 Prozent unter dem durchschnittlichen Marktpreis des vorherigen Halbjahrs. Um der selbst auferlegten Regel zu folgen, die sicherstellen soll, dass der Preisdeckel automatisch der Marktentwicklung folgt, h\u00e4tten die Europ\u00e4er die Begrenzung von derzeit rund 44 US-Dollar pro Barrel deutlich anheben m\u00fcssen.<\/p>\n<p class=\"richtext text-em-55 !leading-serif mx-6 desktop:mx-0\">Das Problem: <a href=\"https:\/\/rp-online.de\/thema\/moskau\/\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Moskau<\/a> h\u00e4tte sich dann \u00fcber massive Zusatzeinnahmen freuen k\u00f6nnen. Bei der Festlegung der Regelung wurden m\u00f6gliche Extremsituationen offenbar nicht mitgedacht. Dazu kam es, weil der Iran-Krieg und die De-facto-Blockade der Stra\u00dfe von Hormus f\u00fcr einen drastischen Anstieg der Weltmarktpreise sorgte. Deshalb verst\u00e4ndigten sich die Mitgliedstaaten diese Woche darauf, den \u00d6lpreisdeckel bis zum 23. Juli auf dem aktuellen Niveau einzufrieren. \u00dcber die Verl\u00e4ngerung der Obergrenze herrschte Einigkeit, hie\u00df es am Donnerstag.<\/p>\n<p>Debatte um Transport von russischem Fl\u00fcssiggas      <\/p>\n<p class=\"richtext text-em-55 !leading-serif mx-6 desktop:mx-0\">Trotzdem gab es bis zuletzt kein gr\u00fcnes Licht f\u00fcr das gesamte Paket, das abermals die Finanzen von Russlands Kriegsmaschinerie treffen soll. Obwohl mit dem Wechsel der ungarischen Regierung der Dauerst\u00f6renfried Viktor Orb\u00e1n bei dieser Verhandlungsrunde erstmals fehlte und alle auf einfachere Gespr\u00e4che gehofft hatten, ringen die Partner seit Wochen um eine Vereinbarung. Die auch am Donnerstag noch offene Frage drehte sich um den Transport von russischem Fl\u00fcssiggas (LNG) in Drittstaaten.<\/p>\n<p class=\"richtext text-em-55 !leading-serif mx-6 desktop:mx-0\"><a href=\"https:\/\/rp-online.de\/thema\/griechenland\/\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Griechenland<\/a> wollte hier eine Ausnahme erreichen, um die heimischen Reeder zu sch\u00fctzen. Die kontrollieren fast ein Viertel der LNG-Tanker weltweit und sind deshalb der wichtigste westliche Transporteur von Fl\u00fcssiggas aus Russland in L\u00e4nder au\u00dferhalb der EU. Nach Informationen aus Diplomatenkreisen d\u00fcrfte sich Griechenland mit seiner Forderung durchsetzen. Insider klagten derweil, dass das Paket aufgrund von nationalen Einzelinteressen weiter aufgeweicht w\u00fcrde. Oder ist es mittlerweile fast schon entkernt? EU-Beamte betonten, man habe trotz aller \u00c4nderungen ein \u201esubstanzielles Paket\u201c geschn\u00fcrt, inklusive der Listung von rund 30 Tankern von Russlands Schattenflotte und weitgehenden Transaktionsverboten f\u00fcr Dutzende russische Banken und Krypto-Firmen. Es gelte bei den Sanktionen weiterhin die Devise, dass die Ma\u00dfnahmen Russland \u201emehr schaden sollten als uns\u201c. Und am Ende verteidigt jedes Land sein eigenes Fischst\u00e4bchen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Dass auf h\u00f6chster EU-Ebene \u00fcber Fischst\u00e4bchen diskutiert wird, kommt selten vor. 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