{"id":1173475,"date":"2026-07-17T13:50:16","date_gmt":"2026-07-17T13:50:16","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/1173475\/"},"modified":"2026-07-17T13:50:16","modified_gmt":"2026-07-17T13:50:16","slug":"anne-frank-im-engelsgarten-beruehrendes-theater-gegen-das-vergessen-blickfeld","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/1173475\/","title":{"rendered":"Anne Frank im Engelsgarten: Ber\u00fchrendes Theater gegen das Vergessen &#8211; blickfeld"},"content":{"rendered":"<p class=\"wp-block-paragraph\">Wenn <strong>Otto Frank<\/strong>, gespielt von <strong>Alexander Peiler<\/strong>, im Sessel inmitten des mit wei\u00dfen T\u00fcchern verhangenen Raumes sitzt, wirkt das wie ein <strong>Besuch in der Totenwelt<\/strong>. \u00dcber zwei Jahre hat er sich hier in diesem Hinterhaus auf nur 50 Quadratmetern mit seiner Familie und noch vier weiteren Personen vor den Nazis versteckt. Niemand au\u00dfer ihm \u2013 weder die <strong>Ehefrau Edith<\/strong> noch die beiden <strong>T\u00f6chter Anne und Margot <\/strong>\u2013 \u00fcberlebt die <strong>Konzentrationslager<\/strong>. Den Vater, der lange und vergeblich nach \u00dcberlebensspuren von ihnen gesucht hatte, h\u00e4lt in <strong>Amsterdam <\/strong>nichts mehr. Doch pl\u00f6tzlich dringt in diesen schweigsamen Raum eine Stimme, als ihm seine fr\u00fchere <strong>Mitarbeiterin Miep Gies<\/strong> ein Buch \u00fcberreicht. Es ist <strong>Annes Tagebuch<\/strong>, das die Familie nach ihrer Verhaftung durch die <strong>Gestapo <\/strong>zur\u00fcckgelassen hatte. Das gro\u00dfe rot-wei\u00df karierte Buch h\u00f6hnt, poltert und bebt, aus ihm spricht \u2013 auch \u00fcber 80 Jahre sp\u00e4ter \u2013 die Stimme eines <strong>13-j\u00e4hrigen M\u00e4dchens<\/strong>, das wie kein anderer zu tr\u00e4umen und zu hoffen wusste.<\/p>\n<p>\u201eAls Zuschauer kann man bei den eindringlichen Szenen nicht anders, als mit den Figuren zu lachen, zu trauern und sich zu sorgen\u201c<\/p>\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Evgenia:<\/strong> \u201eDas St\u00fcck handelt von tragischen Ereignissen, ist aber in seinem Kern nicht schwerm\u00fctig. Julia Meier verk\u00f6rpert eine Anne, wie man sie von dem ber\u00fchmten schwarz-wei\u00dfen Portrait her kennt \u2013 aufgeweckt und fr\u00f6hlich, manchmal auch ungest\u00fcm und alles andere als gehorsam. Mehr als zwei Jahre auf engstem Raum mitten in der Pubert\u00e4t, wenn unter normalen Umst\u00e4nden so viele Abenteuer da drau\u00dfen auf sie gewartet h\u00e4tten. Die eigenen Eltern und Schwester, das Ehepaar van Daan (Paula P\u00fcschel und Lucas Brosch) mit gleichaltrigem Sohn und den ebenso fremden Zahnarzt Dussel (Kevin Wilke) ununterbrochen sehen zu m\u00fcssen \u2013 das war mehr als genug Z\u00fcndstoff und Bew\u00e4hrungsprobe f\u00fcr Anne, an denen sie sich abarbeiten und wachsen konnte. Im St\u00fcck entstehen durch die erzwungene N\u00e4he viele stressige, aber auch lustige Situationen, etwa wenn Anne einen s\u00fcndhaft teuren Pelzmantel ihrer Mitbewohnerin versehentlich in die Katzensch\u00fcssel schleudert oder \u2013 ungeachtet der allgemeinen Missbilligung \u2013 zielsicher auf ihren ersten Kuss mit Peter van Daan alias Kevin Wilke (in einer Doppelrolle) hinsteuert. Die Figuren der anderen Frauen, gespielt von Julia Wolff, Aline Blum und Paula P\u00fcschel, greifen mit ihrer vornehmen Bl\u00e4sse und Dauerwelle optisch die \u00c4sthetik der vom Art d\u00e9co inspirierten Malerin Tamara de Lempicka auf. Auch mit ihrem Verhalten versuchen sie sich, mit mehr oder weniger Erfolg, ganz in die Gestalt der widerspruchslosen, freundlichen Ehefrau einzuf\u00fcgen. Vor der Enge, in die sie getrieben sind, kann allerdings keine Fassade standhalten. Als Zuschauer kann man bei den eindringlichen Szenen nicht anders, als mit den Figuren zu lachen, zu trauern und sich zu sorgen \u2013 bis zum bitteren Ende, wenn donnernde Schritte kommen, um die geheime T\u00fcr des Verstecks aufzubrechen.\u201c<\/p>\n<blockquote data-service=\"instagram\" data-category=\"marketing\" data-placeholder-image=\"https:\/\/www.blickfeld-wuppertal.de\/wp-content\/plugins\/complianz-gdpr\/assets\/images\/placeholders\/instagram-minimal.jpg\" class=\"cmplz-placeholder-element instagram-media\" data-instgrm-permalink=\"https:\/\/www.instagram.com\/reel\/DYO92uoofsG\/?utm_source=ig_embed&amp;utm_campaign=loading\" data-instgrm-version=\"14\" style=\" background:#FFF; border:0; border-radius:3px; box-shadow:0 0 1px 0 rgba(0,0,0,0.5),0 1px 10px 0 rgba(0,0,0,0.15); margin: 1px; max-width:540px; min-width:326px; padding:0; width:99.375%; width:-webkit-calc(100% - 2px); width:calc(100% - 2px);\"\/>\n<p>\u201eEs ist kaum vorstellbar, was dieses Heranwachsen in st\u00e4ndiger Todesangst bedeutete\u201c<\/p>\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Martin: <\/strong>\u201eAm Ende einer Auff\u00fchrung wird die Leistung des Ensembles meist mit donnerndem Applaus gew\u00fcrdigt. Was Julia Meier, Alexander Peiler und die gesamte Besetzung in \u201aDas Tagebuch der Anne Frank\u2018 auf die B\u00fchne bringen, hat diesen Beifall absolut verdient. Und dennoch f\u00fchlt er sich im ersten Moment falsch an. Denn nach 761 Tagen im Versteck, die hier in rund anderthalb Stunden B\u00fchnenzeit \u00fcbergehen, hat Otto Frank alles verloren \u2013 alles, bis auf das Tagebuch seiner Tochter. Bei dessen Entstehung im Zustand absoluter Isolation und ohne jede Privatsph\u00e4re waren wir gerade noch Zeugen. Es ist kaum vorstellbar, was dieses Heranwachsen in st\u00e4ndiger Todesangst bedeutete. Das Schauspiel Wuppertal zeigt dies mit emotionaler Wucht \u2013 von den qu\u00e4lenden Spannungen unter den Bewohnern \u00fcber die panische Angst vor der Entdeckung bis hin zu den unerwartet leichten, fast am\u00fcsanten Momenten. Doch das Ende ist unausweichlich, und es l\u00e4sst das Publikum fassungslos zur\u00fcck.\u201c \u00bb<a href=\"https:\/\/www.blickfeld-wuppertal.de\/ueber-uns\/blickfeld-redaktion\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">mw &amp; ge<\/a>\u00ab<\/p>\n<p>Historischer Hintergrund<\/p>\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Nach der <strong>Macht\u00fcbernahme Adolf Hitlers<\/strong> am 30. Januar 1933 entschloss sich die in Frankfurt am Main sesshafte Familie zur <strong>Emigration in die Niederlande<\/strong>. In Amsterdam gr\u00fcndete <strong>Otto Frank<\/strong> die niederl\u00e4ndische Gesellschaft der Firma Opekta \u2013 eines K\u00f6lner Herstellers von Geliermitteln und pektinhaltigen Produkten \u2013 und \u00fcbernahm deren Leitung. Nach der <strong>niederl\u00e4ndischen Kapitulation<\/strong> im Mai 1940 errichtete das NS-Regime ein Reichskommissariat mit dem Ziel, die niederl\u00e4ndische Bev\u00f6lkerung ideologisch an Deutschland zu binden. Was darauf folgte, waren <strong>Massenverhaftungen, Enteignungen und Deportationen<\/strong> der j\u00fcdischen Bev\u00f6lkerung.<\/p>\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Auf der <strong>Wannsee-Konferenz<\/strong> am 20. Januar 1942 wurde die systematische Organisation und Koordination der <strong>\u201eEndl\u00f6sung der Judenfrage\u201c<\/strong> festgelegt. Ab dem 3. Mai 1942 mussten j\u00fcdische Niederl\u00e4nder:innen einen sechszackigen gelben Davidstern mit dem Wort \u201eJood\u201c (niederl\u00e4ndisch f\u00fcr \u201eJude\u201c) in der Mitte tragen. Annes Schwester Margot erhielt Anfang Juli die Vorladung, um zur <strong>Zwangsarbeit nach Deutschland<\/strong> gebracht zu werden. Am 6. Juli 1942 t\u00e4uschte die Familie Frank eine Flucht ins Ausland vor, um in dem <strong>Hinterhaus des B\u00fcro- und Lagergeb\u00e4udes<\/strong> in der Prinsengracht 263 unterzutauchen.<\/p>\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Am 4. August 1944 wurden die <strong>Familie Frank<\/strong> zusammen mit der <strong>Familie van Pels und Fritz Pfeffer <\/strong>(von Anne Frank im Tagebuch van Daan und Dussel genannt) von der Gestapo und niederl\u00e4ndischen Polizisten entdeckt und verhaftet. Sie hatten sich zu diesem Zeitpunkt genau <strong>761 Tage<\/strong> (etwas mehr als zwei Jahre) in dem Versteck aufgehalten.<\/p>\n<p>\t\t\t<script async src=\"\/\/www.instagram.com\/embed.js\"><\/script><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Wenn Otto Frank, gespielt von Alexander Peiler, im Sessel inmitten des mit wei\u00dfen T\u00fcchern verhangenen Raumes sitzt, wirkt&hellip;\n","protected":false},"author":2,"featured_media":1173476,"comment_status":"","ping_status":"","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":"","_share_on_mastodon":"0"},"categories":[1840],"tags":[34227,3364,29,35333,30,2989,80,35334,1209,4418,34229],"class_list":["post-1173475","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","category-wuppertal","tag-buehnenflatrate","tag-de","tag-deutschland","tag-ge","tag-germany","tag-geschichte","tag-kultur","tag-mw","tag-nordrhein-westfalen","tag-wuppertal","tag-wuppertaler-buehnen"],"share_on_mastodon":{"url":"https:\/\/pubeurope.com\/@de\/116935644219392757","error":""},"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/1173475","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=1173475"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/1173475\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media\/1173476"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=1173475"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=1173475"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=1173475"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}