{"id":1173667,"date":"2026-07-17T15:41:16","date_gmt":"2026-07-17T15:41:16","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/1173667\/"},"modified":"2026-07-17T15:41:16","modified_gmt":"2026-07-17T15:41:16","slug":"nsu-prozess-in-dresden-dresdner-nsu-prozess-helferin-kommt-mit-bewaehrungsstrafe-davon","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/1173667\/","title":{"rendered":"NSU-Prozess in Dresden \u2013 Dresdner NSU-Prozess: Helferin kommt mit Bew\u00e4hrungsstrafe davon"},"content":{"rendered":"<p>\t\t\t\t\t\t<img decoding=\"async\" id=\"img323571\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2026\/07\/323571.jpeg\" alt=\"Am letzten Prozesstag demonstrierten Unterst\u00fctzer*innen der NSU-Opferfamilien und Angeh\u00f6rige der Toten vor dem Dresdner Oberlandesgericht f\u00fcr Entsch\u00e4digung und Gerechtigkeit.\"\/><\/p>\n<p>Am letzten Prozesstag demonstrierten Unterst\u00fctzer*innen der NSU-Opferfamilien und Angeh\u00f6rige der Toten vor dem Dresdner Oberlandesgericht f\u00fcr Entsch\u00e4digung und Gerechtigkeit.<\/p>\n<p>Foto: dpa\/Sebastian Kahnert<\/p>\n<p>Michalina Boulgarides konnte es nicht fassen. \u00bbDieses Urteil ist ein Skandal\u00ab, sagte <a href=\"https:\/\/www.nd-aktuell.de\/artikel\/1198801.jahre-nach-nsu-morden-opfer-familien-fordern-weiter-aufklaerung.html\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">die Tochter von Theodoros Boulgarides<\/a>, der am 15. Juni 2005 in M\u00fcnchen von den Rechtsterroristen des Nationalsozialistischen Untergrunds (NSU) ermordet wurde. F\u00fcr sie kommt die Bew\u00e4hrungsstrafe, die am Freitag <a href=\"https:\/\/www.nd-aktuell.de\/artikel\/1200867.nationalsozialistischer-untergrund-nsu-unterstuetzerin-soll-ins-gefaengnis.html\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">gegen die NSU-Unterst\u00fctzerin Susann E.<\/a> verk\u00fcndet wurde, einem Freispruch gleich. \u00bbZehn Menschen wurden kaltbl\u00fctig hingerichtet, unz\u00e4hlige bei Sprengstoffanschl\u00e4gen verletzt\u00ab, sagte Boulgarides. \u00bbWann kriegen die Opfer ihre Gerechtigkeit?\u00ab<\/p>\n<p>Es war der zweite und aller Voraussicht nach letzte Prozess um die rassistische Mordserie des NSU: Mehr als acht Monate lang hat das Dresdner Oberlandesgericht gegen die einst <a href=\"https:\/\/www.nd-aktuell.de\/artikel\/1195991.nsu-prozess-in-dresden-wir-brauchen-keine-nebuloesen-aussagen-und-keine-inszenierung.html\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">engste Freundin der Rechtsterroristin Beate Zsch\u00e4pe<\/a> verhandelt. Unterst\u00fctzung einer terroristischen Vereinigung und Beihilfe zur besonders schweren r\u00e4uberischen Erpressung wurden der 45-j\u00e4hrigen Zwickauerin zur Last gelegt. \u00bbDie Anklagevorw\u00fcrfe haben sich in vollem Umfang best\u00e4tigt\u00ab, sagte die Senatsvorsitzende Simone Herberger.<\/p>\n<p>Trotzdem halbierte das Gericht die von der Bundesanwaltschaft geforderten vier Jahre Haft, setzte die Strafe zur Bew\u00e4hrung aus und verzichtete dabei auf jegliche Bew\u00e4hrungsauflagen. Die Verfahrenskosten, die die Angeklagte und ihr Mann Andr\u00e9 zu bew\u00e4ltigen h\u00e4tten, seien schlimm genug, erkl\u00e4rte Herberger. Andr\u00e9 E., der sich einen \u00bbNationalsozialisten mit Haut und Haaren\u00ab nannte, war bereits 2018 im M\u00fcnchner NSU-Prozess verurteilt worden, zusammen mit Zsch\u00e4pe und drei Terrorhelfern.<\/p>\n<p>Die Eheleute waren die wohl engsten Vertrauten des NSU-Kerntrios. Andr\u00e9 E. hatte Beate Zsch\u00e4pe, Uwe Mundlos und Uwe B\u00f6hnhardt schon seit deren Untertauchen 1998 geholfen. Seine Frau tat das nach den Feststellungen des Gerichts seit 2007 \u2013 vor allem, indem sie Zsch\u00e4pe jahrelang immer wieder ihre Identit\u00e4t auslieh. F\u00fcr Bahncards, f\u00fcr Zahnarztbesuche mit ihrer Krankenkassenkarte, f\u00fcr Urlaubsbuchungen. Sogar zur Polizei ging Zsch\u00e4pe einmal mit dem Personalausweis der Freundin. Ohne dass das auffiel.<\/p>\n<p>\u00bbEs war v\u00f6llig eingew\u00f6hnt, dass die Angeklagte der Beate Zsch\u00e4pe ihre Personalien zur Verf\u00fcgung stellte\u00ab, sagte Herberger. Eine wesentliche Hilfe, um eine \u00bbharmlos und unverd\u00e4chtig scheinende Legende aufzubauen\u00ab, wie es die Richterin ausdr\u00fcckte. Au\u00dferdem hatten sich Zsch\u00e4pe und B\u00f6hnhardt von der Angeklagten zur Abholung des Wohnmobils kutschieren lassen, das Mundlos und B\u00f6hnhardt f\u00fcr ihren letzten Bank\u00fcberfall am 4. November 2011 in Eisenach benutzten. Und in dem sie sich mutma\u00dflich selbst erschossen, als ihnen die Polizei zu nahe kam.<\/p>\n<p>&#13;<\/p>\n<blockquote><p>&#13;<\/p>\n<p>\u00bbWir leben in einem Land, das den Eindruck erweckt, mehr Verst\u00e4ndnis f\u00fcr die T\u00e4ter als Einf\u00fchlung f\u00fcr die Opfer zu haben. Das Urteil sendet an Rechtsextreme das Signal: Wenn ich mich so verhalte, passiert mir gar nichts.\u00ab<\/p>\n<p>&#13;<br \/>\nBarbara John\u2003Ombudsfrau des Bundes f\u00fcr die Opfer und Hinterbliebenen der NSU-Morde<\/p><\/blockquote>\n<p>&#13;<\/p>\n<p>Die <a href=\"https:\/\/www.nd-aktuell.de\/artikel\/1200994.rechtsterrorismus-angeblich-von-nichts-gewusst.html\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Verteidigung hatte geltend gemacht<\/a>, ihre Mandantin sei bei alledem vollkommen ahnungslos gewesen, und Freispruch verlangt. Auch Zsch\u00e4pe hatte als Zeugin im Prozess ihre einstige Freundin in Schutz genommen. Das Gericht befand jedoch: Susann E. habe wie ihr Mann Bescheid gewusst \u00fcber die Morde. Das zeige sich schon allein daran, dass in ihrem Wohnzimmer noch Jahre sp\u00e4ter Bleistiftportr\u00e4ts von Mundlos und B\u00f6hnhardt hingen, darauf das Wort \u00bbUnvergessen\u00ab. Und dass sie ihrem 2015 geborenen dritten Sohn unter anderem den Vornamen Uwe gaben. Was sie wohl kaum getan h\u00e4tten, w\u00e4ren sie bei der Selbstenttarnung des NSU aus allen Wolken gefallen.<\/p>\n<p>Dass die Strafe gleichwohl so mild ausfiel, begr\u00fcndete das Gericht mit der \u00fcberlangen Verfahrensdauer. Und damit, dass die Angeklagte den NSU erst nach dem letzten Mord unterst\u00fctzt hatte \u2013 anders als ihr Mann. Und der sei im M\u00fcnchner Prozess ja mit nur zweieinhalb Jahren Haft davongekommen.<\/p>\n<p>\u00bbDie d\u00fcnnen Ermittlungen, das verschleppte Verfahren und das skandal\u00f6se Urteil in M\u00fcnchen wirken bis heute nach\u00ab, kommentierte Caro Keller von der Initiative NSU-Watch. Zwar habe der Dresdner Staatsschutzsenat verstanden, dass Susann E. von den Taten des NSU gewusst und sie auch ideologisch unterst\u00fctzt habe. Das sei positiv anzuerkennen. \u00bbAber die empathische Zuwendung des Gerichts gegen\u00fcber der Angeklagten, w\u00e4hrend es f\u00fcr die Opfer und ihre Angeh\u00f6rigen kaum ein Wort gab, ist emp\u00f6rend.\u00ab Beim Aufz\u00e4hlen der Ermordeten hatte Richterin Herberger fast jeden Namen falsch ausgesprochen.<\/p>\n<p>\u00c4hnlich entgeistert reagierte Barbara John, Ombudsfrau der Bundesregierung f\u00fcr die Opfer und Hinterbliebenen des NSU: \u00bbWir leben in einem Land, das den Eindruck erweckt, mehr Verst\u00e4ndnis f\u00fcr die T\u00e4ter als Einf\u00fchlung f\u00fcr die Opfer zu haben\u00ab, sagte John nach der Urteilsverk\u00fcndung. \u00bbDas Urteil sendet an Rechtsextreme das Signal: Wenn ich mich so verhalte, passiert mir gar nichts. Ich kann mein Leben einfach so weiterleben.\u00ab<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Am letzten Prozesstag demonstrierten Unterst\u00fctzer*innen der NSU-Opferfamilien und Angeh\u00f6rige der Toten vor dem Dresdner Oberlandesgericht f\u00fcr Entsch\u00e4digung und&hellip;\n","protected":false},"author":2,"featured_media":1173668,"comment_status":"","ping_status":"","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":"","_share_on_mastodon":"0"},"categories":[1835],"tags":[3364,29,2386,30,1268,417,2417,859],"class_list":["post-1173667","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","category-dresden","tag-de","tag-deutschland","tag-dresden","tag-germany","tag-muenchen","tag-nsu","tag-rechtsradikalismus","tag-sachsen"],"share_on_mastodon":{"url":"https:\/\/pubeurope.com\/@de\/116936082097389977","error":""},"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/1173667","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=1173667"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/1173667\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media\/1173668"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=1173667"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=1173667"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=1173667"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}