{"id":1173922,"date":"2026-07-17T18:13:20","date_gmt":"2026-07-17T18:13:20","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/1173922\/"},"modified":"2026-07-17T18:13:20","modified_gmt":"2026-07-17T18:13:20","slug":"leckeres-essen-austausch-und-unterstuetzung-zehn-jahre-hier-da-in-wuppertal","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/1173922\/","title":{"rendered":"Leckeres Essen, Austausch und Unterst\u00fctzung \u2013 zehn Jahre \u201eHier\u202f&#038;\u202fDa\u201c in Wuppertal"},"content":{"rendered":"<p class=\"text_ohne_einzug richtext text-em-55 !leading-serif mx-6 desktop:mx-0\">Die Heckinghauser Stra\u00dfe gleicht vor allem im Hochsommer einer Asphaltw\u00fcste. Anonym, wie Sebastian Pafundi sagen w\u00fcrde. \u201eIn Buenos Aires habe ich meinen Nachbarn im Hochhaus nicht gekannt.\u201c Vor 35 Jahren zog der Argentinier nach Wuppertal und verliebte sich in seine zweite Heimat. Dass sich heute vor dem \u201eHier &amp; Da\u201c eine fr\u00f6hliche Menschentraube versammelt und mit bunten Fahnengirlanden Urlaubsstimmung verbreitet, ist auch sein Verdienst. Das Caf\u00e9, das er mit der Gesa Stiftung als Tr\u00e4ger hier betreibt, feiert heute zehnj\u00e4hriges Bestehen.<\/p>\n<p class=\"richtext text-em-55 !leading-serif mx-6 desktop:mx-0\">Beim Betreten empf\u00e4ngt die Besucher der Duft von frisch gebr\u00fchtem Kaffee. Beatrice aus Nigeria sitzt mit einer Kollegin vor einem Tisch mit kleinen bunten Tassen \u2013 jeder darf zugreifen. \u201eAm Morgen geht es mit dem Fr\u00fchst\u00fcck los\u201c, erz\u00e4hlt sie ganz sachlich. Zur Auswahl stehen Spiegelei, R\u00fchrei oder K\u00e4se-Omelett. Mittags wechselt die Speisekarte t\u00e4glich und am Nachmittag gibt es Waffeln. Die Arbeit in der K\u00fcche macht ihr viel Spa\u00df, sagt Beatrice, die zuvor sieben Jahre als K\u00f6chin in einem Privathaushalt gearbeitet hatte. Nach f\u00fcnf Jahren bei \u201eHier &amp; Da\u201c endet ihre Zeit im Projekt, aber sie hat schon einen neuen Job gefunden.<\/p>\n<p class=\"richtext text-em-55 !leading-serif mx-6 desktop:mx-0\">Doch so viel Gl\u00fcck haben nicht alle, wei\u00df der Caf\u00e9-Leiter. \u201eAuch wenn die Teilnehmer einen Job haben wollen, hei\u00dft das noch nicht, dass die Gesellschaft ihnen einen Job geben will.\u201c Sebastian Pafundi bezeichnet sich selbst als Quereinsteiger in der Sozialarbeit. Seiner IHK-Pr\u00fcfung als Restaurantfachmann gingen dagegen viele Jahre in Wuppertaler Restaurant-K\u00fcchen voraus. Als Chef von \u201eHier &amp; Da\u201c er\u00f6ffnet er im Auftrag des Jobcenters nun anderen Menschen den Einstieg in die Gastronomie.<\/p>\n<p class=\"richtext text-em-55 !leading-serif mx-6 desktop:mx-0\">Beim Projekt \u201eBr\u00fcckenschlag\u201c erwerben sie erste Berufserfahrungen und \u00fcbernehmen Verantwortung. In der privaten Wirtschaft haben es seine Mitarbeiter schwer, gibt er zu, denn es kostet Zeit und Geduld, wenn man Menschen wieder den Glauben an sich selbst zur\u00fcckgeben m\u00f6chte. \u201eFr\u00fcher gab es in jeder Firma immer einen Job f\u00fcr Leute, die nicht viel konnten\u201c, sagt Pafundi. Diese Jobs fallen jetzt vermehrt weg und es g\u00e4be immer weniger Arbeitgeber, die sich eben diese Zeit und Geduld leisten k\u00f6nnen und wollen. Aber: \u201eHier passieren kleine Wunder\u201c, sagt Pafundi, wenn sich schon nach einer Woche die K\u00f6rperhaltung ver\u00e4ndert. Egal, ob bei Zugewanderten mit geringen Deutschkenntnissen, Frauen, die sich ihr ganzes Leben um ihre Familie zu Hause gek\u00fcmmert hatten, Menschen mit Suchterkrankungen oder Langzeitarbeitslosen mit viel zu vielen L\u00fccken im Lebenslauf. \u201eHier darf man Fehler machen \u2013 die beste M\u00f6glichkeit zu lernen, ist durch Fehler\u201c, betont Pafundi, \u201eund wir sind f\u00fcr alle da.\u201c Das Budget f\u00fcr zerschlagenes Geschirr oder angebrannte Schnitzel kommt schon zusammen, hier wird niemand daf\u00fcr abgestraft, wenn mal was schief geht.<\/p>\n<p class=\"richtext text-em-55 !leading-serif mx-6 desktop:mx-0\">Aber Kontrolle ist essenziell: F\u00fcr jeweils sechs Monate schlie\u00dft \u201eHier &amp; Da\u201c immer den Vertrag mit dem Jobcenter und erstattet anschlie\u00dfend Bericht \u00fcber die Fortschritte des Mitarbeiters, damit die Ma\u00dfnahme verl\u00e4ngert werden kann. Die Verdienstm\u00f6glichkeiten sind mit maximal 240 Euro im Monat bei sechsst\u00fcndigen Tagesschichten nicht \u00fcppig, aber daf\u00fcr wird der Betrag nicht von den Leistungen abgezogen.<\/p>\n<p class=\"richtext text-em-55 !leading-serif mx-6 desktop:mx-0\">Die G\u00e4ste, die heute da sind, kennen sich schon seit Jahren und kommen oft am langen Fenstertisch zusammen. \u201eDas ist ein gew\u00f6hnlicher Treffpunkt\u201c, sagt ein \u00e4lterer Herr mit einer Gewissheit, die keine Fragen offenl\u00e4sst. Und die Preise sind unschlagbar: Zwischen 2,50 Euro und 6,50 Euro kostet eine Mahlzeit mit Salat. Am beliebtesten seien zwar Schnitzel und Leberk\u00e4se, verr\u00e4t Pafundi, an Tagen mit Gem\u00fcsegerichten oder Pasta k\u00e4men sp\u00fcrbar weniger Besucher. Aber auch ein ruhigerer Tag sei ab und zu ok. Der Chef sei einer der Gr\u00fcnde, warum sie hier sehr gerne gearbeitet haben, sagen zwei fr\u00fchere Teilnehmerinnen, Gulbahar aus dem Irak und Yamina aus Marokko. Aber f\u00fcr am wichtigsten halten sie den Respekt, den sie hier erfahren haben und weswegen sie bis heute gerne zu Besuch kommen. Jeder Mensch hat Potenzial, findet Pafundi, und es gibt keine Alternative dazu, es weiterhin zu f\u00f6rdern.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Die Heckinghauser Stra\u00dfe gleicht vor allem im Hochsommer einer Asphaltw\u00fcste. 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