{"id":117535,"date":"2025-05-17T10:54:10","date_gmt":"2025-05-17T10:54:10","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/117535\/"},"modified":"2025-05-17T10:54:10","modified_gmt":"2025-05-17T10:54:10","slug":"frankreich-wie-zwei-migrations-hardliner-die-konservativen-gegen-le-pen-in-stellung-bringen-wollen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/117535\/","title":{"rendered":"Frankreich: Wie zwei Migrations-Hardliner die Konservativen gegen Le Pen in Stellung bringen wollen"},"content":{"rendered":"<p>Die franz\u00f6sischen Konservativen w\u00e4hlen einen neuen Vorsitzenden, der sich auch f\u00fcr das Pr\u00e4sidentschaftsamt in Stellung bringen wird. Im Zentrum des Machtkampfes steht der Kurs gegen die Rechtsnationalen \u2013 deren Zeichen mehr auf Flirt als auf Abgrenzung stehen.<\/p>\n<p class=\"is-first-paragraph\" data-external=\"Article.FirstParagraph\">Unter Frankreichs Republikanern ist ein Richtungsstreit entbrannt, eine Art Kalter Krieg der Konservativen. Am Wochenende stimmen die rund 120.000 Mitglieder von Les R\u00e9publicains (LR) \u00fcber den zuk\u00fcnftigen Vorsitzenden der Partei ab.<\/p>\n<p>Zwei M\u00e4nner k\u00e4mpfen um dasselbe Amt. Der eine, Laurent Wauquiez, 50 Jahre alt, ist flamboyant, aber unbeliebt. Sein Gegner,<a class=\"is-link c-block-items__link c-link--rich-text-renderer\" href=\"https:\/\/www.welt.de\/plus253737404\" data-internal-tracking-enabled=\"true\" data-internal-tracking=\"{&quot;action&quot;:&quot;click&quot;,&quot;label&quot;:&quot;link&quot;,&quot;name&quot;:&quot;Inline Element&quot;,&quot;data&quot;:{&quot;source&quot;:&quot;&quot;,&quot;target&quot;:&quot;\/plus253737404&quot;,&quot;trackingName&quot;:&quot;&quot;,&quot;trackingLabel&quot;:&quot;&quot;}}\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\"> Bruno Retailleau<\/a>, 64, ein solider, aber unscheinbarer Politiker aus der Provinz, der sich im Amt des Innenministers Respekt verschafft hat, gilt als Favorit.<\/p>\n<p>Beide m\u00f6chten bei den franz\u00f6sischen Pr\u00e4sidentschaftswahlen 2027 f\u00fcr die Konservativen antreten. Der Parteivorsitz ist in ihren Augen eine Art Startblock f\u00fcr das Rennen um das h\u00f6chste Amt im Land. Die Richtungswahl hat viele zur\u00fcck in die Partei gelockt. <\/p>\n<p>Die Mitgliederzahl von LR hat sich seit Jahresbeginn verdreifacht. Jetzt fehlen der Partei nur noch die W\u00e4hler. Diese sind in den vergangenen Jahren entweder nach rechts, zu Marine Le Pen und ihrem Rassemblement National (RN), oder in die Mitte, zur Partei Renaissance des amtierenden Pr\u00e4sidenten <a class=\"is-link c-block-items__link c-link--rich-text-renderer\" href=\"https:\/\/www.welt.de\/themen\/emmanuel-macron\/\" data-internal-tracking-enabled=\"true\" data-internal-tracking=\"{&quot;action&quot;:&quot;click&quot;,&quot;label&quot;:&quot;link&quot;,&quot;name&quot;:&quot;Inline Element&quot;,&quot;data&quot;:{&quot;source&quot;:&quot;&quot;,&quot;target&quot;:&quot;\/themen\/emmanuel-macron\/&quot;,&quot;trackingName&quot;:&quot;&quot;,&quot;trackingLabel&quot;:&quot;&quot;}}\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Emmanuel Macron<\/a>, abgewandert. <\/p>\n<p>Der Abstieg der Konservativen begann 2012, nach der Amtszeit von Pr\u00e4sident <a class=\"is-link c-block-items__link c-link--rich-text-renderer\" href=\"https:\/\/www.welt.de\/themen\/nicolas-sarkozy\/\" data-internal-tracking-enabled=\"true\" data-internal-tracking=\"{&quot;action&quot;:&quot;click&quot;,&quot;label&quot;:&quot;link&quot;,&quot;name&quot;:&quot;Inline Element&quot;,&quot;data&quot;:{&quot;source&quot;:&quot;&quot;,&quot;target&quot;:&quot;\/themen\/nicolas-sarkozy\/&quot;,&quot;trackingName&quot;:&quot;&quot;,&quot;trackingLabel&quot;:&quot;&quot;}}\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Nicolas Sarkozy<\/a>. Damals hatte die Partei noch 229 Sitze in der Nationalversammlung. Heute verf\u00fcgen sie \u00fcber 48. Man kann eine ersch\u00fctternde Rechnung aufstellen: Die Konservativen werden seit 20 Jahren nicht mehr an der Macht gewesen sein, wenn Frankreich 2027 einen neuen Pr\u00e4sidenten w\u00e4hlt. <\/p>\n<p>Der Tiefpunkt in der Geschichte der Partei war das Ergebnis der Pr\u00e4sidentschaftswahlen 2022, als Val\u00e9rie P\u00e9cresse nicht einmal mehr \u00fcber die F\u00fcnf-Prozent-Marke kam. Doch in der Provinz sind die Konservativen immer noch stark. Sie haben die Mehrheit im Senat, regieren \u00fcber der H\u00e4lfte der 13 Regionen und stellen 40 Prozent der B\u00fcrgermeister.<\/p>\n<p>W\u00e4hler sehnen sich nach klarer Linie<\/p>\n<p>Unberechtigt ist die Hoffnung auf eine R\u00fcckkehr an die Macht deshalb nicht. Macrons Ideologie des \u201eSowohl als auch\u201c, also links und zugleich rechts, liberal und zugleich sozial zu agieren, ist abgenutzt. Nach acht Jahren im Amt, das Land ist hoch verschuldet, w\u00fcnschen sich viele W\u00e4hler wieder eine klare Linie, vor allem aber die Kontrolle \u00fcber die Kassen. Doch wie gewinnt man die W\u00e4hler zur\u00fcck, die in beide Richtungen abgewandert sind? Und gibt es tats\u00e4chlich eine L\u00fccke zwischen einem RN, der in die Mitte ger\u00fcckt ist, und Macrons Linie, die inzwischen klar nach rechts tendiert? <\/p>\n<p>Als <a class=\"is-link c-block-items__link c-link--rich-text-renderer\" href=\"https:\/\/www.welt.de\/article252042996\" data-internal-tracking-enabled=\"true\" data-internal-tracking=\"{&quot;action&quot;:&quot;click&quot;,&quot;label&quot;:&quot;link&quot;,&quot;name&quot;:&quot;Inline Element&quot;,&quot;data&quot;:{&quot;source&quot;:&quot;&quot;,&quot;target&quot;:&quot;\/article252042996&quot;,&quot;trackingName&quot;:&quot;&quot;,&quot;trackingLabel&quot;:&quot;&quot;}}\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">LR-Parteichef \u00c9ric Ciotti <\/a>vor den <a class=\"is-link c-block-items__link c-link--rich-text-renderer\" href=\"https:\/\/www.welt.de\/plus253684342\" data-internal-tracking-enabled=\"true\" data-internal-tracking=\"{&quot;action&quot;:&quot;click&quot;,&quot;label&quot;:&quot;link&quot;,&quot;name&quot;:&quot;Inline Element&quot;,&quot;data&quot;:{&quot;source&quot;:&quot;&quot;,&quot;target&quot;:&quot;\/plus253684342&quot;,&quot;trackingName&quot;:&quot;&quot;,&quot;trackingLabel&quot;:&quot;&quot;}}\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">\u00dcberraschungswahlen im Juni<\/a> ein Wahlb\u00fcndnis mit Le Pen vorschlug, war das ein Tabubruch. Ciotti verbarrikadierte sich hinter der gro\u00dfen Holzpforte des Parteisitzes und wurde aus der Partei ausgeschlossen. Das Ganze hatte etwas von Boulevardtheater, illustrierte aber perfekt das Dilemma der Partei. <\/p>\n<p>Jetzt geht es darum, die Linie zu bestimmen, die zum Erfolg f\u00fchrt. Auf den ersten Blick unterscheiden sich die beiden Bewerber kaum: Beide sind in Fragen von Sicherheit und Einwanderung Hardliner. Innenminister Retailleau steht f\u00fcr die klassische Linie, streng, aber seri\u00f6s. Er bezeichnet sich als Kandidat der \u201eanst\u00e4ndigen Leute\u201c. Angesichts steigender Kriminalit\u00e4t hat er die laxe, franz\u00f6sische Gesellschaft als \u201eFabrik von Barbaren\u201c bezeichnet. Er flirtet mit den Rechtspopulisten, aber respektiert den Rahmen der Republik. <\/p>\n<p>Der 14 Jahre j\u00fcngere Wauquiez geht weiter. Unl\u00e4ngst schlug er vor, ausgewiesene und als Gef\u00e4hrder eingestufte Ausl\u00e4nder, die von ihren Heimatl\u00e4ndern nicht zur\u00fcckgenommen werden, auf die Inseln Saint-Pierre-et-Miquelon vor der K\u00fcste Kanadas zu schicken. <\/p>\n<p>Er argumentierte, dass das franz\u00f6sische \u00dcberseegebiet vor Neufundland nicht sonderlich attraktiv sei: Durchschnittstemperatur f\u00fcnf Grad Celsius, mehr als 140 Tage Regen im Jahr, keine 5000 Einwohner. Das sei so abschreckend, dass Gef\u00e4hrder Frankreich vermutlich lieber aus freien St\u00fccken verlie\u00dfen. Der Spott blieb nicht aus. Wauquiez f\u00fchre das Arbeitslager wieder ein, hie\u00df es, die Verbannung. Von einem franz\u00f6sischen \u201eGuantanamo-sur-Mer\u201c sprach ein Sozialist ironisch. <\/p>\n<p>Wauquiez hatte damit tagelang die Aufmerksamkeit der Medien sicher. Aber es war keine Provokation. Er meint es ernst. Man muss ihm nur bei seinen Diskussionsveranstaltungen zuh\u00f6ren, w\u00e4hrend derer er f\u00fcr eine Parteilinie wirbt, die der des RN in nichts nachsteht. Die vergangenen Monate ist er durch das Land getourt, hat bis zu 15 Veranstaltungen in der Woche absolviert, oft stundenlang debattiert.<\/p>\n<p>Bruch mit Macron<\/p>\n<p> \u201e90 Prozent der Gef\u00e4hrder werden nach 90 Tagen Haft entlassen. Darunter sind gef\u00e4hrliche Profile, dahinter stehen die Namen von Lola und Philippine, das Attentat von M\u00fchlhausen\u201c, so Wauquiez mit Hinweis auf die Ermordung einer Sch\u00fclerin durch eine psychisch gest\u00f6rte Algerierin und einer Studentin durch einen vorbestraften Marokkaner, beides Verbrechen, die in Frankreich erhitzte Debatten ausgel\u00f6st haben. <\/p>\n<p>Wauquiez predigt den klaren Bruch mit Macron. Seinem Gegner Retailleau wirft er vor, sich kompromittiert zu haben, weil er in die Regierung gegangen ist. \u201eIch bin noch immer kein Macronist\u201c, erkl\u00e4rt Retailleau, er habe lediglich Verantwortung \u00fcbernommen und eine linke Regierung verhindern wollen.<\/p>\n<p>Obwohl nicht sicher ist, ob Marine Le Pen bei den Wahlen 2027 f\u00fcr das Rassemblement National antreten kann, reicht eine harte Linie von LR nicht zwingend, um wieder an die Macht zu kommen.<\/p>\n<p>Die Kandidaten der Mitte, die Macrons Nachfolge antreten wollen, kommen in den Umfragen auf rund 20 Prozent, Retailleau erhielte derzeit lediglich zehn Prozent. Der Einzige, der in den Umfragen zulegt, ist Jordan Bardella, der politische Ziehsohn Le Pens, Hoffnungstr\u00e4ger der Rechtspopulisten.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Die franz\u00f6sischen Konservativen w\u00e4hlen einen neuen Vorsitzenden, der sich auch f\u00fcr das Pr\u00e4sidentschaftsamt in Stellung bringen wird. 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