{"id":1175815,"date":"2026-07-18T13:14:21","date_gmt":"2026-07-18T13:14:21","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/1175815\/"},"modified":"2026-07-18T13:14:21","modified_gmt":"2026-07-18T13:14:21","slug":"russlands-diesel-krise-warum-tanken-dadurch-in-deutschland-immer-teurer-wird","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/1175815\/","title":{"rendered":"Russlands Diesel-Krise: Warum Tanken dadurch in Deutschland immer teurer wird"},"content":{"rendered":"<p>                            <img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2026\/07\/shutterstock_2070351383-3bd5b679501482d7.jpeg\"  width=\"6653\" height=\"3738\"  alt=\"Blue,Luxury,Suv,Car,Fueling,At,Gas,Station.,Refuel,Fill\" class=\"img-responsive\"\/><\/p>\n<p class=\"source akwa-caption__source\">(Bild:\u00a0Fahroni\/Shutterstock.com)<\/p>\n<p class=\"lead beitraganriss\">Russland stoppt alle Diesel-Exporte, fast 60 Prozent der Raffineriekapazit\u00e4t stehen still. Auch an deutschen Zapfs\u00e4ulen klettert dadurch der Preis.<\/p>\n<p>Wenn in Omsk eine Raffinerie brennt, wird es an der Zapfs\u00e4ule in Hessen teurer. Was erst einmal wie eine gewagte These klingt, beschreibt die aktuelle Lage auf den globalen Energiem\u00e4rkten allerdings ziemlich pr\u00e4zise.<\/p>\n<p>        Weiterlesen nach der Anzeige<\/p>\n<p>Die Ukraine hat ihre Angriffe auf Raffinerien in Russland in den vergangenen Monaten deutlich ausgeweitet. Die Internationale Energieagentur (IEA) spricht in ihrem  <a href=\"https:\/\/www.iea.org\/reports\/oil-market-report-july-2026\" rel=\"external noopener nofollow\" target=\"_blank\">j\u00fcngsten Marktbericht<\/a> von massiven, dokumentierten Angriffen auf russische Raffinerien.<\/p>\n<p>Allein im Juni 2026 z\u00e4hlte die IEA mindestens zehn Treffer. Fast jede gro\u00dfe Anlage im Westen Russlands sei inzwischen getroffen worden, viele davon mehrfach.<\/p>\n<p>Lange hatte Moskau versucht, die Situation zu \u00fcbert\u00fcnchen. Doch am 8. Juli zog der Kreml die Notbremse: Vizepremier Alexander Novak verk\u00fcndete in einer Regierungssitzung, die im Fernsehen \u00fcbertragen wurde, ein  <a href=\"https:\/\/www.internazionale.it\/ultime-notizie-reuters\/2026\/07\/08\/russia-bans-diesel-exports-to-ensure-domestic-supply-after-targeted-ukrainian-drone-strikes\" rel=\"external noopener nofollow\" target=\"_blank\">vollst\u00e4ndiges Exportverbot f\u00fcr Diesel<\/a>, zun\u00e4chst befristet bis Ende Juli. Ein <a href=\"https:\/\/www.telepolis.de\/article\/Russland-dreht-Hahn-fuer-Benzin-und-Diesel-zu-Wird-Tanken-jetzt-zum-Luxus-9314436.html\" rel=\"external noopener nofollow\" target=\"_blank\">Exportverbot f\u00fcr Diesel<\/a> hatte der Kreml schon einmal 2023 verh\u00e4ngt.<\/p>\n<p>Russland werde jetzt auch damit beginnen, Kraftstoff zu importieren, erkl\u00e4rte Novak weiter. Es sei \u201eklar, dass die aktuelle Situation an den Tankstellen in der Bev\u00f6lkerung Besorgnis ausl\u00f6st\u201c.<\/p>\n<p>Dieses Eingest\u00e4ndnis ist f\u00fcr Beobachter durchaus bemerkenswert. Schlie\u00dflich verschleiert Moskau die wirtschaftlichen Folgen des Kriegs gegen die Ukraine seit 2022 systematisch. Selbst Statistiken, aus denen man die Folgen ablesen k\u00f6nnte, wurden eingestellt.<\/p>\n<p>Das verleitet auch zu Spekulationen bei westlichen Geheimdiensten. Laut Axios  <a href=\"https:\/\/www.axios.com\/2026\/07\/17\/russia-diesel-oil-drones\" rel=\"external noopener nofollow\" target=\"_blank\">vermuten sie zudem<\/a>, dass auch die Zahlen, die noch ver\u00f6ffentlicht werden, gesch\u00f6nt sind. Ein Exportverbot f\u00fcr den weltweit gr\u00f6\u00dften Diesel-Lieferanten l\u00e4sst sich allerdings schlecht verbergen.<\/p>\n<p>        Weiterlesen nach der Anzeige<\/p>\n<p>60 Prozent der Raffineriekapazit\u00e4t au\u00dfer Betrieb<\/p>\n<p>Die Analysten von S&amp;P Global Energy CERA beziffern das Ausma\u00df der Sch\u00e4den in einer  <a href=\"https:\/\/www.spglobal.com\/energy\/en\/news-research\/latest-news\/crude-oil\/071426-global-diesel-market-tightens-as-russian-export-ban-ukraine-strikes-bite\" rel=\"external noopener nofollow\" target=\"_blank\">detaillierten Auswertung<\/a>: Ende Juni lagen demnach mehr als 2,5 Millionen Barrel pro Tag an Raffineriekapazit\u00e4t still \u2013 \u00fcber ein Drittel der Gesamtkapazit\u00e4t von 6,9 Millionen Barrel.<\/p>\n<p>In der Woche bis zum 10. Juli stieg der Wert sogar auf \u00fcber 4 Millionen Barrel pro Tag. Das entspricht fast 60 Prozent.<\/p>\n<p>Zwischen dem 1. M\u00e4rz und dem 10. Juli nahm die Ukraine Anlagen mit einer Nennkapazit\u00e4t von insgesamt 5,6 Millionen Barrel pro Tag ins Visier. Mindestens zw\u00f6lf Raffinerien wurden mehr als zweimal attackiert.<\/p>\n<p>Besonders kritisch war der Treffer in der Raffinerie in Omsk am 6. Juli \u2013 nicht nur deshalb, weil sie mit <a href=\"https:\/\/www.eia.gov\/international\/content\/analysis\/countries_long\/russia\/\" rel=\"external noopener nofollow\" target=\"_blank\">rund 440.000 Barrel pro Tag<\/a> die gr\u00f6\u00dfte Raffinerie des Landes ist. Sie ist auch die, die von allen anvisierten Anlagen am weitesten von der Ukraine entfernt liegt.<\/p>\n<p>Die Moskauer Raffinerie Kapotnja, die <a href=\"https:\/\/www.telepolis.de\/article\/Gazprom-Anlagen-brennen-Russlands-Wirtschaft-ist-im-Endstadium-11339941.html\" rel=\"external noopener nofollow\" target=\"_blank\">\u00fcber ein Drittel des Kraftstoffbedarfs der Hauptstadtregion deckt<\/a>, fiel nach dem dritten Treffer seit M\u00e4rz komplett aus. Die Reparaturen ziehen sich hin, denn westliche Sanktionen blockieren den Nachschub an Katalysatoren, Steuerungssystemen und Spezialpumpen.<\/p>\n<p>Die Folgen im russischen Alltag sind drastisch: <a href=\"https:\/\/www.telepolis.de\/article\/Von-Moskau-bis-Sibirien-Russlands-Treibstoffkrise-spitzt-sich-zu-11355945.html\" rel=\"external noopener nofollow\" target=\"_blank\">Von Moskau bis Sibirien stehen Autofahrer stundenlang an leeren Zapfs\u00e4ulen<\/a>, Tankstellen rationieren den Verkauf, in manchen Regionen verlangen unabh\u00e4ngige Anbieter 50 Prozent \u00fcber dem normalen Preisniveau.<\/p>\n<p>Die Krise trifft l\u00e4ngst auch Landwirtschaft, Logistik und \u00f6ffentlichen Nahverkehr \u2013 und befeuert paradoxerweise <a href=\"https:\/\/www.telepolis.de\/article\/Spritkrise-in-Russland-Chinesische-E-Autos-fuellen-das-Markt-Vakuum-11353472.html\" rel=\"external noopener nofollow\" target=\"_blank\">die Nachfrage nach chinesischen Elektroautos<\/a>.<\/p>\n<p>Der ARA-Markt unter Druck<\/p>\n<p>Die knapper werdenden Raffineriekapazit\u00e4ten in Russland treffen Europa auf Umwegen, schlie\u00dflich importiert die Europ\u00e4ische Union schon seit 2023 kein Diesel, Benzin, Bitumen oder andere Raffinerieprodukte aus Russland.<\/p>\n<p>Der Mechanismus funktioniert so: Russlands bisherige Hauptabnehmer \u2013 die T\u00fcrkei, Brasilien, \u00c4gypten und mehrere afrikanische Staaten \u2013 m\u00fcssen sich anderweitig versorgen. Viele wenden sich an die USA, deren  <a href=\"https:\/\/money.usnews.com\/investing\/news\/articles\/2026-07-08\/us-diesel-futures-post-biggest-daily-gains-in-four-years-after-russia-bans-exports\" rel=\"external noopener nofollow\" target=\"_blank\">Destillatexporte in der ersten Juliwoche<\/a> mit 1,7 Millionen Barrel pro Tag einen saisonalen Rekordwert erreichten.<\/p>\n<p>Die US-Lagerbest\u00e4nde sanken gleichzeitig um fast 5 Millionen Barrel auf rund 103,6 Millionen Barrel \u2013 etwa 7 Prozent unter dem F\u00fcnfjahresdurchschnitt.<\/p>\n<p>Diese globale Umverteilung verknappt das Angebot am f\u00fcr Deutschland entscheidenden Handelsplatz Amsterdam-Rotterdam-Antwerpen (ARA). Der physische ARA-Diesel-Crack kletterte am 13. Juli auf 70,3 Dollar pro Barrel, den h\u00f6chsten Stand seit dem 23. M\u00e4rz.<\/p>\n<p>Im Mittelmeerraum lag der Platts-Referenzpreis bei 1149,25 Dollar pro Tonne \u2013 34,50 Dollar \u00fcber dem nordwesteurop\u00e4ischen Niveau.<\/p>\n<p>Europa importiert im Normalfall zus\u00e4tzlich zur eigenen Produktion fast 1 Million Barrel Diesel pro Tag. Das knappere Angebot auf den Weltm\u00e4rkten l\u00e4sst nat\u00fcrlich die Preise steigen.<\/p>\n<p>Verschlimmert wird die Situation aber noch durch den Krieg gegen den Iran, schlie\u00dflich kamen bislang 27 Prozent der europ\u00e4ischen Importe aus dem Nahen Osten. Diese Mengen fehlen seit der faktischen Blockade der Stra\u00dfe von Hormus ebenfalls.<\/p>\n<p>Doppelter Preistreiber: Hormus und Raffinerie-Krise<\/p>\n<p>Der Iran-Krieg und die ukrainische Drohnenkampagne wirken als doppelter Preistreiber, allerdings auf unterschiedlichen Ebenen.<\/p>\n<p>Die teilweise Sperrung der Stra\u00dfe von Hormus \u2013 Transitroute f\u00fcr rund ein F\u00fcnftel des weltweiten \u00d6lverbrauchs \u2013 dr\u00fcckt den Roh\u00f6lbasispreis nach oben. Nach dem Bruch des Waffenstillstands am 7. und 8. Juli stieg Nordsee-Roh\u00f6l von rund 68 auf 77 Dollar pro Barrel.<\/p>\n<p>Die russischen Raffinerieausf\u00e4lle hingegen treiben gezielt die Preise f\u00fcr fertige Kraftstoffe: Diesel-Futures an der New Yorker B\u00f6rse NYMEX sprangen am 8. Juli um 11,6 Prozent auf 154,71 Dollar pro Barrel \u2013 der gr\u00f6\u00dfte Tageszuwachs seit M\u00e4rz 2022.<\/p>\n<p>Tom Kloza, Chef-Energieberater bei Gulf Oil, brachte es demnach auf den Punkt:<\/p>\n<p class=\"indent rte__abs--indent\">\u201eDiesel ist das einzige Produkt, das jeder im Auge behalten muss. Die Lage war schon vor dem russischen Verbot angespannt, und jetzt haben wir eine sehr, sehr starke Konstellation f\u00fcr den mittleren Bereich des \u00d6lpreises.\u201c<\/p>\n<p>Die Carnegie-Stiftung wies im April  <a href=\"https:\/\/carnegieendowment.org\/russia-eurasia\/politika\/2026\/04\/russia-oil-gains-losses\" rel=\"external noopener nofollow\" target=\"_blank\">in einer Analyse<\/a> allerdings auf ein Paradox hin: Trotz sinkender Exportmengen stiegen Russlands \u00d6leinnahmen, weil der Preisanstieg die Verluste mehr als kompensierte. Die w\u00f6chentlichen Erl\u00f6se verdoppelten sich demnach gegen\u00fcber dem Februarniveau nahezu.<\/p>\n<p>Ein nachhaltiger Schaden entsteht f\u00fcr Russland erst dann, so die Carnegie-Stiftung, wenn die Angriffe Russland zwingen, die F\u00f6rderung dauerhaft zu drosseln.<\/p>\n<p>\u00dcber 2 Euro pro Liter in Deutschland<\/p>\n<p>Deutsche Autofahrer sp\u00fcren die Verwerfungen an den Energiem\u00e4rkten l\u00e4ngst. Nach <a href=\"https:\/\/presse.adac.de\/meldungen\/adac-ev\/verkehr\/benzin-im-saarland-und-den-stadtstaaten-aktuell-am-guenstigsten.html\" rel=\"external noopener nofollow\" target=\"_blank\">Daten des ADAC<\/a> vom 16. Juli liegen die Kraftstoffpreise in allen Bundesl\u00e4ndern deutlich \u00fcber der Marke von 2 Euro pro Liter.<\/p>\n<p>Super E10 kostete an dem Tag im g\u00fcnstigsten Bundesland, dem Saarland, 2,052 Euro, in Sachsen als teuerstem Land 2,097 Euro. Diesel liegt zwischen 2,080 Euro in Berlin und 2,126 Euro in Hessen.<\/p>\n<p>Der ADAC h\u00e4lt das Niveau f\u00fcr \u201ezu hoch\u201c und verweist darauf, dass der Roh\u00f6lpreis die Aufschl\u00e4ge nicht vollst\u00e4ndig rechtfertigt. Die Spanne zwischen teuerstem und g\u00fcnstigstem Bundesland f\u00e4llt mit 4,5 bis 4,6 Cent eher gering aus, was ein Indiz daf\u00fcr sein k\u00f6nnte, dass der Preisdruck vom Weltmarkt kommt und nicht von lokalen Faktoren.<\/p>\n<p>Ob in absehbarer Zeit Entwarnung gegeben werden kann, h\u00e4ngt von zwei Unbekannten ab: Gelingt eine Deeskalation im Iran-Konflikt, k\u00f6nnten sich die Roh\u00f6lm\u00e4rkte entspannen. Die IEA rechnet f\u00fcr das Jahresende mit einem Angebots\u00fcberschuss \u2013 sofern der Tankerverkehr durch die Stra\u00dfe von Hormus wieder in Gang kommt.<\/p>\n<p>Die Raffineriekrise in Russland d\u00fcrfte dagegen l\u00e4nger anhalten. Solange westliche Sanktionen den Zugang zu Ersatzteilen blockieren und die Ukraine ihre Drohnenangriffe fortsetzen kann, bleibt Diesel weltweit knapp.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"(Bild:\u00a0Fahroni\/Shutterstock.com) Russland stoppt alle Diesel-Exporte, fast 60 Prozent der Raffineriekapazit\u00e4t stehen still. 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