{"id":1177536,"date":"2026-07-19T08:12:15","date_gmt":"2026-07-19T08:12:15","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/1177536\/"},"modified":"2026-07-19T08:12:15","modified_gmt":"2026-07-19T08:12:15","slug":"fuehrerschein-fuer-viele-menschen-unbezahlbar","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/1177536\/","title":{"rendered":"F\u00fchrerschein f\u00fcr viele Menschen unbezahlbar"},"content":{"rendered":"<p>            <img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"ts-image\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2026\/07\/fahrschule-114.jpg\" alt=\"Fahrschule\" title=\"Fahrschule | picture alliance \/ Geisler-Fotop\"\/><\/p>\n<p class=\"metatextline\">Stand: 19.07.2026 \u2022 09:11 Uhr<\/p>\n<p class=\"article-head__shorttext\">\n        <strong><strong>Der F\u00fchrerschein ist f\u00fcr viele junge Menschen der Schl\u00fcssel zur Ausbildung, zum ersten Job und zur eigenen Mobilit\u00e4t. Doch in Deutschland wird er zunehmend zum Luxus. <\/strong><\/strong>\n    <\/p>\n<p>Von Christoph Peters, mdr\n                    <\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">Kurz nach zehn Uhr legt Jessica K\u00f6hler die Flex aus der Hand. Seit sechs Uhr morgens arbeitet sie in einem Metallbaubetrieb im s\u00e4chsischen Mei\u00dfen. Drau\u00dfen wartet bereits die Fahrlehrerin. F\u00fcr ihren Beruf ist der F\u00fchrerschein unverzichtbar &#8211; doch bezahlen k\u00f6nnte sie ihn allein nicht. &#8222;4.000 Euro ist schon eine ganz sch\u00f6n gro\u00dfe Summe. Das allein hinzubekommen, ist wirklich schwer&#8220;, sagt die Auszubildende.<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">Jessica hat Gl\u00fcck: Ihr Betrieb \u00fcbernimmt die Kosten. Rund 9.000 Euro investiert das Unternehmen in die F\u00fchrerscheine seiner beiden Auszubildenden. Ohne Fahrerlaubnis k\u00f6nnen sie sp\u00e4ter nicht auf Baustellen und Montagen eingesetzt werden.<\/p>\n<p>    Warum der F\u00fchrerschein immer teurer wird<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">Die Preise sind in den vergangenen zehn Jahren massiv gestiegen. Kostete die Ausbildung 2015 im Schnitt noch rund 2.100 Euro, liegen die Gesamtkosten heute bei etwa 3.750 Euro &#8211; inflationsbereinigt ein Plus von rund 40 Prozent. Deshalb verschieben immer mehr junge Menschen den F\u00fchrerschein oder verzichten zun\u00e4chst ganz darauf.<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">F\u00fcr den Preisanstieg gibt es Gr\u00fcnde, sagen die Fahrlehrer: steigenden Kosten f\u00fcr Fahrzeuge, Kraftstoff, Versicherungen und Werkst\u00e4tten. Gleichzeitig fehlen vielerorts Fahrlehrerinnen und Fahrlehrer. Hinzu kommt: Viele Fahrsch\u00fcler ben\u00f6tigen heute mehr Fahrstunden als noch vor einigen Jahren. Jede zus\u00e4tzliche Stunde verteuert die Ausbildung.<\/p>\n<p>    F\u00fchrerscheinerwerb soll einfacher, flexibler und g\u00fcnstiger werden<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">Die Entwicklung besch\u00e4ftigt inzwischen auch die Politik. Bundesverkehrsminister Patrick <a href=\"https:\/\/www.tagesschau.de\/inland\/innenpolitik\/kabinett-beschluss-fuehrerschein-reform-102.html\" title=\"So soll der F\u00fchrerschein g\u00fcnstiger werden\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Schnieder will den F\u00fchrerscheinerwerb einfacher, flexibler und g\u00fcnstiger machen<\/a>. Gepr\u00fcft werden digitale Theorieangebote, der st\u00e4rkere Einsatz von Fahrsimulatoren und \u00c4nderungen bei den verpflichtenden Sonderfahrten.<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">Doch genau hier beginnt der Streit. W\u00e4hrend das Ministerium auf Modernisierung setzt, warnen die Fahrlehrerverb\u00e4nde davor, bew\u00e4hrte Ausbildungsstandards aufzuweichen. Die entscheidende Frage lautet: L\u00e4sst sich der F\u00fchrerschein g\u00fcnstiger machen, ohne die Verkehrssicherheit zu gef\u00e4hrden? Die Suche nach Antworten f\u00fchrt nach Frankreich.<\/p>\n<p>    Frankreich: Mehr Praxis, weniger Kosten<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">Paris, 17. Arrondissement. Camille Maillard steuert einen klobigen SUV sicher durch den dichten Stadtverkehr. Neben ihr sitzt ihr Vater Emanuele. Was deutsche Autofahrer \u00fcberraschen d\u00fcrfte: Die 17-J\u00e4hrige besitzt noch gar keinen F\u00fchrerschein. &#8222;Das Fahren mit meinen Eltern hat mir viel mehr Vertrauen gegeben&#8220;, sagt sie. &#8222;Ich habe viele unterschiedliche Situationen erlebt und bin dadurch besser vorbereitet, sp\u00e4ter allein zu fahren.&#8220;<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">Was in Deutschland kaum vorstellbar ist, geh\u00f6rt in Frankreich seit Jahrzehnten zum Ausbildungssystem. Beim Modell Conduite accompagn\u00e9e d\u00fcrfen Jugendliche bereits ab 15 Jahren nach mindestens 20 Fahrstunden mit einem Fahrlehrer 3.000 Kilometer Fahrpraxis mit einer eingetragenen Begleitperson sammeln.<\/p>\n<p>    Weniger Fahrstunden dank Praxiserfahrung<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">Die zus\u00e4tzliche Praxis zahlt sich aus: W\u00e4hrend in Frankreich insgesamt rund 60 Prozent der Fahrsch\u00fcler die praktische Pr\u00fcfung bestehen, steigt die Erfolgsquote beim Begleiteten Fahren auf bis zu 75 Prozent. Gleichzeitig sparen viele Familien teure Fahrstunden, weil ein Teil der Ausbildung privat erfolgt.<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">Auch Camilles Vater sieht darin einen Sicherheitsgewinn. &#8222;Eltern wollen vor allem, dass ihre Kinder sicher unterwegs sind&#8220;, sagt Emanuele Maillard. &#8222;Deshalb achten wir vielleicht sogar noch st\u00e4rker auf vorsichtiges Fahren.&#8220; Genau darin liegt der Kern der deutschen Reformdebatte: Kann zus\u00e4tzliche Fahrpraxis im Familienalltag die klassische Fahrausbildung sinnvoll erg\u00e4nzen &#8211; oder leidet darunter am Ende die Ausbildungsqualit\u00e4t?<\/p>\n<p>    Zwischen Reform und Sicherheitsbedenken<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">Eins steht fest: Die Bundesregierung will die Fahrausbildung modernisieren. Geplant sind mehr digitale Lernangebote, der Einsatz von Fahrsimulatoren und weniger verpflichtende Sonderfahrten. Ziel ist es, den F\u00fchrerschein flexibler und g\u00fcnstiger zu machen.<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">Der Fahrlehrerverband sieht die Pl\u00e4ne kritisch. Vorsitzender J\u00fcrgen Kopp warnt davor, bew\u00e4hrte Ausbildungsstandards aufzuweichen. Simulatoren seien zwar hilfreich, k\u00f6nnten gef\u00e4hrliche Verkehrssituationen aber nicht realistisch vermitteln. Auch beim begleiteten Fahren mit den Eltern bef\u00fcrchtet der Verband, dass sich Fehler und ung\u00fcnstige Fahrgewohnheiten verfestigen.<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">Bundesverkehrsminister Schnieder h\u00e4lt dagegen. Viele Reformen seien in anderen europ\u00e4ischen L\u00e4ndern l\u00e4ngst bew\u00e4hrt. Das Sicherheitsargument d\u00fcrfe notwendige Ver\u00e4nderungen nicht grunds\u00e4tzlich verhindern.<\/p>\n<p>    Kompromissmodell aus \u00d6sterreich?<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">Der Blick nach Frankreich zeigt allerdings ein differenziertes Bild. Junge Autofahrer verungl\u00fccken dort h\u00e4ufiger t\u00f6dlich als in Deutschland. Fachleute f\u00fchren das jedoch nicht allein auf die Fahrausbildung zur\u00fcck. Als Ursachen gelten vor allem mehr schwere Landstra\u00dfenunf\u00e4lle, Unterschiede bei Infrastruktur und Verkehrsverhalten sowie der h\u00f6here Anteil motorisierter Zweir\u00e4der.<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">Dass g\u00fcnstiger und sicher kein Widerspruch sein m\u00fcssen, zeigt \u00d6sterreich. Dort ist begleitetes Fahren eng mit der professionellen Fahrausbildung verzahnt. Jugendliche sammeln zus\u00e4tzliche Fahrpraxis mit ihren Eltern, bleiben aber regelm\u00e4\u00dfig an die Fahrschule angebunden. F\u00fcr viele Fachleute ist das ein gangbarer Kompromiss.<\/p>\n<p>    Auch f\u00fcr den Wirtschaftsstandort wichtig<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">Wie die Reform am Ende aussehen wird, ist offen. Fest steht nur: Der Handlungsdruck w\u00e4chst. F\u00fcr viele junge Menschen &#8211; vor allem auf dem Land &#8211; entscheidet der F\u00fchrerschein dar\u00fcber, ob sie eine Ausbildung antreten, einen Job erreichen oder \u00fcberhaupt mobil sein k\u00f6nnen.<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">Wenn der F\u00fchrerschein f\u00fcr immer mehr Menschen unbezahlbar wird, betrifft das nicht nur Fahrsch\u00fcler &#8211; sondern auch Betriebe und den Wirtschaftsstandort Deutschland. Die Frage ist deshalb mittlerweile nicht mehr, ob die Fahrausbildung reformiert wird, sondern wie viel Ver\u00e4nderung Deutschland zul\u00e4sst.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Stand: 19.07.2026 \u2022 09:11 Uhr Der F\u00fchrerschein ist f\u00fcr viele junge Menschen der Schl\u00fcssel zur Ausbildung, zum ersten&hellip;\n","protected":false},"author":2,"featured_media":1177537,"comment_status":"","ping_status":"","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":"","_share_on_mastodon":"0"},"categories":[5],"tags":[331,332,3364,29,2641,35,246359,30,13,14,15,12],"class_list":["post-1177536","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","category-nachrichten","tag-aktuelle-nachrichten","tag-aktuelle-news","tag-de","tag-deutschland","tag-fahrschule","tag-fuehrerschein","tag-fuehrerscheinreform","tag-germany","tag-headlines","tag-nachrichten","tag-news","tag-schlagzeilen"],"share_on_mastodon":{"url":"https:\/\/pubeurope.com\/@de\/116945640947213325","error":""},"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/1177536","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=1177536"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/1177536\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media\/1177537"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=1177536"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=1177536"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=1177536"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}