{"id":1178134,"date":"2026-07-19T14:41:18","date_gmt":"2026-07-19T14:41:18","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/1178134\/"},"modified":"2026-07-19T14:41:18","modified_gmt":"2026-07-19T14:41:18","slug":"laufender-prozess-kreuzer-online","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/1178134\/","title":{"rendered":"Laufender Prozess \u2014 kreuzer online"},"content":{"rendered":"<p>Leipzig ist die fu\u00dfg\u00e4ngerfreundlichste Stadt Deutschlands. Den sogenannten Fu\u00dfverkehrspreis f\u00fcr besonderes Engagement im Fu\u00dfverkehrsraum bekam die Stadt 2025. Zu allem \u00dcberfluss an K\u00e4semauken-Referenz war der Preisstifter auch noch der Fuss e. V., der Fachverband, der sich seit mehr als vierzig Jahren f\u00fcr die Interessen von Fu\u00dfg\u00e4ngerinnen und Fu\u00dfg\u00e4ngern einsetzt. Die konkreten Gr\u00fcnde f\u00fcr die Auszeichnung waren sicher gestaltete Parkeing\u00e4nge am Rabet oder Karl-Heine-Platz. Dar\u00fcber hinaus lobte die Jury Leipzigs E-Scooter-Politik. Als einzige Stadt in Deutschland hat Leipzig fest markierte Abstellfl\u00e4chen, so dass Gehwege nicht wild durch Roller zugestellt werden. Nicht zu vergessen der Superblock an der Eisenbahnstra\u00dfe, der \u00fcber Poller die angrenzende Hildegardstra\u00dfe teilweise absperrt und die Fahrbahn zu einem einladenden Verweilort transformieren soll.<\/p>\n<p>In einer kommunalen B\u00fcrgerumfrage, die die Stadt seit 1991 durchf\u00fchrt, haben in diesem Jahr 36 Prozent der Befragten angegeben, unzufrieden mit der Gehwegsituation in Leipzig zu sein. Die Bewertung der Fu\u00dfwege ist zudem stark wohnortabh\u00e4ngig. W\u00e4hrend sie in der Innenstadt oder in Seehausen einen Notenschnitt von 2,2 erreichten, betrug der in M\u00f6lkau, Anger-Crottendorf oder D\u00f6litz-D\u00f6sen nur 3,2. Trotz der Auszeichnung f\u00fcr die Stadt besteht also noch Handlungsbedarf \u2013 immerhin legen ein Drittel der Leipzigerinnen und Leipziger ihre t\u00e4glichen Wege zu Fu\u00df zur\u00fcck. Das geht aus dem sogenannten Modal Split der Stadt hervor, einer statistischen Aufteilung der Verkehrsarten. Bisher \u00fcberwog der Kfz-Verkehr stets deutlich. Inzwischen liegt er mit 31 Prozent leicht hinter dem Fu\u00dfverkehr. <\/p>\n<p>\u00bbDiese Entwicklung ist eine, die ich sehr bef\u00fcrworte\u00ab, meint Bertram Weisshaar, Leiter der Leipziger Ortsgruppe des Fuss e. V. In Sachen Fu\u00dfverkehr gebe es dennoch \u00bbeiniges nachzuholen\u00ab. Die in der B\u00fcrgerumfrage genannten Missst\u00e4nde f\u00fchrt Weisshaar vor allem auf die mangelnde Instandhaltung der Gehwege zur\u00fcck. So gebe es vielerorts Schlagl\u00f6cher, herausstehende Gehwegplatten und Orte, die eine starke Ansammlung von Regenwasser zulassen. Dabei vermerkt Weisshaar auch, dass das Thema Fu\u00dfverkehr politisch in den letzten Jahren st\u00e4rker gewichtet werde und sich die Infrastruktur \u00fcberhaupt als kritisierbarer Punkt bei der Bev\u00f6lkerung festsetze. \u00bbDa steigt auch einfach die Sensibilit\u00e4t bei den Menschen.\u00ab<\/p>\n<p><strong>Viele Beispiele f\u00fcr funktionierenden Fu\u00dfverkehr in der Stadt<\/strong><\/p>\n<p>Denn auf der anderen Seite sei von der Stadt durchaus schon viel gemacht worden. Als Teile der Mobilit\u00e4tsstrategie 2030, die eine nachhaltige Verkehrswende zum Ziel setzt, wurde in Leipzig beispielsweise der erste Zebrastreifen Deutschlands eingerichtet, der \u00fcber einen Radweg geht (am Goerdelerring). Weiterhin h\u00e4tten die neuen breiten Radwege am Innenstadtring dazu gef\u00fchrt, dass auf den Gehwegen mehr Platz sei und sich Fu\u00dfg\u00e4ngerinnen und Fu\u00dfg\u00e4nger sicherer f\u00fchlen k\u00f6nnen. Neben der Erschlie\u00dfungs- und Verbindungsfunktion des motorisierten und Radverkehrs h\u00e4tten Stra\u00dfen und Wege im Fu\u00dfverkehr immer auch eine Aufenthaltsfunktion: als Flaniermeile, Einkaufsareal oder Ort der Erholung. \u00bbAllein deswegen ist es wichtig, sich f\u00fcr den Fu\u00dfverkehr einzusetzen\u00ab, betont Weisshaar. <\/p>\n<p>Das best\u00e4tigt auch Friedemann Goerl im Gespr\u00e4ch mit dem kreuzer. Um weiter im Sinne der Mobilit\u00e4tswende zu agieren, hat er, der Fu\u00dfverkehrsbeauftragte der Stadt Leipzig, zusammen mit Frederik Sander, dem Radverkehrsbeauftragten, einen \u00bbBedeutungsplan\u00ab entwickelt. Unter dem unhandlichen Namen Fu\u00dfverkehrsentwicklungsplan (FVEP) wurde die Situation des Fu\u00dfverkehrs in der gesamten Stadt erstmals systematisch analysiert und aufgezeigt, welche Orte und Wege besondere Bedeutung haben. Das Ganze wird durch eine Heatmap, eine Karte, die Datens\u00e4tze visualisiert, aufgezeigt. Ganz konkret machten Goerl und Sander zun\u00e4chst sogenannte Points of Interest aus \u2013 mit jeweils bestimmtem Ausstrahlungsfaktor, der die jeweilige Bedeutung im st\u00e4dtischen Raum beschreibt. Eine Schule, eine Haltestelle oder ein stark frequentierter Laden \u00bbstrahlen\u00ab unterschiedlich stark in die angrenzenden Fu\u00dfwege hinein und erzeugen so verkehrsrelevante Zonen. Die \u00dcberlagerung von Punkten macht sichtbar, wo sich tats\u00e4chliche Alltagswege b\u00fcndeln. Erwartungsgem\u00e4\u00df passiert das an zentralen Orten, wie dem Lindenauer Markt, der Innenstadt oder dem Connewitzer Kreuz.<\/p>\n<p><strong><br \/>Konkrete Ma\u00dfnahmen geplant<\/strong><\/p>\n<p>Laut Baub\u00fcrgermeister Thomas Dienberg (Gr\u00fcne), der bei unserem Gespr\u00e4ch mit Friedemann Goerl auch mit am Tisch sitzt, habe es der bisherigen Fu\u00dfverkehrsstrategie an \u00bbhandlungsleitender Themenstellung\u00ab gemangelt. \u00bbDa musste man auch mal die Ellbogen ausfahren\u00ab, um sich am Verhandlungstisch zu behaupten, sagt Dienberg. Ohne eine konkrete Datengrundlage sei es auch laut Goerl schwierig gewesen, sich gegen die Platzhirsche im Verkehr \u2013 Kfz-, \u00d6PN- und seit einigen Jahren auch Radverkehr \u2013 durchzusetzen. Mit dem neuen Plan konnte nun \u00bbWaffengleichheit\u00ab, wie Goerl es nennt, hergestellt werden. K\u00fcnftig sollen sich daraus Priorit\u00e4ten f\u00fcr konkrete Ma\u00dfnahmen ableiten lassen, die der Stadtrat im Rahmen der Haushaltsplanung festlegt. Dazu geh\u00f6ren Bordsteinabsenkungen, Instandhaltungsma\u00dfnahmen, Neubau und Projekte f\u00fcr die Verbesserung der Verkehrssicherheit. Zu Letzteren z\u00e4hlen insbesondere Zebrastreifen und Querungshilfen wie Mittelinseln und Gehwegnasen in der Fahrbahn. <\/p>\n<p>Nat\u00fcrlich haben zentrale Orte eine h\u00f6here Ausstrahlung als periphere. Damit st\u00e4dtische Gelder nicht ungleich verteilt werden, gibt es neben dem gesamtst\u00e4dtischen Plan auch einen nach Stadtbezirken und Ortsteilen r\u00e4umlich differenzierenden. Jeder Bezirk habe durch ihn eine relative Bedeutung, deren Ausstrahlung so vergleichbar gemacht werden soll, dass der Gehweg in M\u00f6lkau nicht in direkter Konkurrenz zum Waldplatz steht. Zumindest auf dem Papier. \u00bbIn M\u00f6lkau gibt es de facto an vielen Stellen keine Gehwege\u00ab, sagt Goerl, \u00bbdort ist man an einem ganz anderen Punkt als im Waldstra\u00dfenviertel, wo es um die Granitkrustenplatte im historisch eingebetteten Mosaikstreifen geht.\u00ab Der gesamte Stadtraum m\u00fcsse betrachtet werden. Daf\u00fcr lohne auch ein Blick nach Gr\u00fcnau. Denn der Stadtteil sei von Grund auf \u00bbungeheuer\u00ab fu\u00dfg\u00e4ngerfreundlich geplant. Anstatt das Rad neu zu erfinden, k\u00f6nne man durchaus auch auf Verkehrskonzepte von vor 50 Jahren schauen. <\/p>\n<p>F\u00fcr die Finanzierung setzt die Baubeh\u00f6rde zehn Euro pro Einwohnerin und Einwohner der Stadt im Jahr als Zielwert fest \u2013 also mehr als sechs Millionen Euro. Allein um die schlechtesten 13 Prozent der Leipziger Gehwege zu sanieren \u2013 also die mit einer Bewertung von 4 oder schlechter durch die B\u00fcrgerinnen und B\u00fcrger in der Umfrage \u2013, brauche es aber 98 Millionen Euro. Die definitiv nicht zur Verf\u00fcgung stehen. \u00bbIm Kern geht es darum, dass wir priorisieren m\u00fcssen\u00ab, h\u00e4lt Dienberg fest. Vor allem Antr\u00e4ge von Ortschaftsbeir\u00e4ten w\u00e4ren daf\u00fcr im Stadtrat hilfreich. Goerl betont au\u00dferdem, dass der Fu\u00dfverkehr im Gegensatz zu anderen Verkehrsarten auf vielen kleinen Projekten und Errungenschaften basiere. Selbst eine kleine Gehwegabsenkung habe das Potenzial, Menschen, auch wenn es nur wenige sind, wieder am \u00f6ffentlichen Leben teilhaben zu lassen. Vor allem in einer Zeit, in der eine alternde Gesellschaft st\u00e4rker auf barrierefreie Wege angewiesen sei. \u00bbDie vielen kleinen Sachen, die gar nicht so viel kosten, haben einen gro\u00dfen Hebel f\u00fcr Teilhabe und Mobilit\u00e4t insgesamt\u00ab, so Goerl. Der Entwicklungsplan k\u00f6nne dort sehr gut ansetzen und Leipzig noch fu\u00dfverkehrsfreundlicher machen. MANUEL VAN BENTUM <\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Leipzig ist die fu\u00dfg\u00e4ngerfreundlichste Stadt Deutschlands. 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