{"id":1179739,"date":"2026-07-20T08:23:19","date_gmt":"2026-07-20T08:23:19","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/1179739\/"},"modified":"2026-07-20T08:23:19","modified_gmt":"2026-07-20T08:23:19","slug":"lauf-um-dein-leben-als-der-terror-nach-utoya-kam","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/1179739\/","title":{"rendered":"&#8222;Lauf um dein Leben&#8220;: Als der Terror nach Ut\u00f8ya kam"},"content":{"rendered":"<p>&#8222;Lauf um dein Leben&#8220;Als der Terror nach Ut\u00f8ya kam<img decoding=\"async\" class=\"Image_img__fQCi0 Image_Img_16_9__4BLfH widget-picture-inline_maximizable__t_E7h\" loading=\"eager\" fetchpriority=\"high\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2026\/07\/ARCHIV-31-05-2017-Norwegen-Utoya-Blick-ueber-die-Insel-Utoya-15-Jahre-ist-es-her-dass-der-norwegisch.webp\" alt=\"ARCHIV-31-05-2017-Norwegen-Utoya-Blick-ueber-die-Insel-Utoya-15-Jahre-ist-es-her-dass-der-norwegische-Terrorist-Anders-Behring-Breivik-in-Oslo-und-auf-der-Insel-Ut\u00f8ya-insgesamt-77-Menschen-toetete\"\/>Blick \u00fcber die Insel Ut\u00f8ya, wo 77 vor allem junge Menschen ihr Leben verloren. (Foto: Meek, Tore\/NTB scanpix\/dpa)TeilenFolgen auf:<a href=\"https:\/\/www.whatsapp.com\/channel\/0029Va5cdVJD8SDp5YZgYF01\" title=\"Auf WhatsApp folgen\" target=\"_blank\" rel=\"nofollow noopener\"><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.n-tv.de\/socialIcons\/whatsapp.svg\" alt=\"whatsapp\" class=\"ArticleShare_icon__FsrC2\"\/><\/a><a href=\"https:\/\/www.google.com\/preferences\/source?q=n-tv.de\" title=\"ntv als bevorzugte Quelle auf Google hinzuf\u00fcgen\" target=\"_blank\" rel=\"nofollow noopener\"><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.n-tv.de\/socialIcons\/google.svg\" alt=\"whatsapp\" class=\"ArticleShare_icon__FsrC2\"\/><\/a><\/p>\n<p class=\"Typography_text-m__XI0da Typography_weight-bold__uT6mq storyline_lead_text_leadtext__q_wg8\">Vor 15 Jahren t\u00f6tete der Massenm\u00f6rder Breivik 77 Menschen in Oslo und auf der Insel Ut\u00f8ya. Magnus H\u00e5konsen entkam ihm knapp. Heute erz\u00e4hlt er von dem Kampf ums \u00dcberleben &#8211; und dem Trauma, das bleibt.<\/p>\n<p class=\"Typography_text-default__P3otY Typography_weight-normal__pqUbH storyline_paragraph_p__qSR5N\">Am 22. Juli 2011 rennt der 18-j\u00e4hrige Magnus H\u00e5konsen auf der Insel Ut\u00f8ya um sein Leben. Er wei\u00df nicht, vor wem er wegrennt, zun\u00e4chst versteht er nicht einmal, dass er es muss. Als er Sch\u00fcsse h\u00f6rt, denkt er, jemand erlaube sich einen Spa\u00df mit Feuerwerksk\u00f6rpern &#8211; und geht genau in die Richtung, aus der das Knallen kommt. &#8222;Dann sehe ich pl\u00f6tzlich 30, 40 Menschen auf mich zurennen und schreien: &#8218;Lauf, lauf um dein Leben!'&#8220;, erz\u00e4hlt er. Er sprintet bis zum Ende der Insel, st\u00fcrzt sich einen Abhang hinunter und ins Wasser. &#8222;Da sehe ich, dass jemand oben steht und auf mich zielt.&#8220; Mehrere Sch\u00fcsse verfehlen ihn nur knapp, H\u00e5konsen rennt weiter und f\u00e4llt. &#8222;Da habe ich gedacht, ok, das war&#8217;s. Jetzt sterbe ich.&#8220;<\/p>\n<p class=\"Typography_text-default__P3otY Typography_weight-normal__pqUbH storyline_paragraph_p__qSR5N\">Magnus H\u00e5konsen stirbt an diesem Tag nicht. Er schwimmt durch den kalten Tyrifjord, bis er sich v\u00f6llig entkr\u00e4ftet auf ein Boot retten kann. 69 andere, darunter viele seiner Freunde, \u00fcberleben den Tag nicht. Die meisten sterben durch Sch\u00fcsse des rechtsextremen Terroristen Anders Behring Breivik. Manche ertrinken auf der Flucht. Als Polizist verkleidet war der Attent\u00e4ter mit der F\u00e4hre auf die Insel gelangt, auf der ein Sommerlager der Jugendorganisation der norwegischen Sozialdemokraten stattfand. F\u00fcr Hunderte Jugendliche das Highlight des Sommers: Tage voller politischer Reden, Baden, Volleyballspielen.<\/p>\n<p class=\"Typography_text-default__P3otY Typography_weight-normal__pqUbH storyline_paragraph_p__qSR5N\">Der Tag, der als schw\u00e4rzester Tag in der Geschichte des Landes endet, beginnt auf Ut\u00f8ya mit scheu\u00dflichem Regen, erinnert sich H\u00e5konsen: &#8222;Ich hatte mich erk\u00e4ltet und wollte am Abend abreisen.&#8220; Da h\u00f6rt er von einem Freund, dass es im Regierungsviertel in Oslo eine Explosion gegeben haben soll.<\/p>\n<p class=\"Typography_text-default__P3otY Typography_weight-normal__pqUbH storyline_paragraph_p__qSR5N\">Die Details kennen die Jugendlichen da noch nicht. Dass durch eine von Breivik gez\u00fcndete Autobombe acht Menschen sterben und viele verletzt werden. Und dass der T\u00e4ter mit dem Auto l\u00e4ngst auf dem Weg Richtung Ut\u00f8ya ist, w\u00e4hrend Polizei und Rettungskr\u00e4fte sich auf den Anschlag in Oslo konzentrieren.<\/p>\n<p>Ein letztes Telefonat mit der Tochter<\/p>\n<p class=\"Typography_text-default__P3otY Typography_weight-normal__pqUbH storyline_paragraph_p__qSR5N\">Trotzdem macht sich Unruhe auf der Insel breit. Alle werden zusammengetrommelt, viele rufen ihre Eltern an: Aber keine Sorge, hier sind wir sicher, so hei\u00dft es. Auch Merete Stamneshagen telefoniert mit ihrer Tochter Silje. Es wird das letzte Mal sein, dass sie deren Stimme h\u00f6rt. Als sie von den Sch\u00fcssen auf Ut\u00f8ya erf\u00e4hrt, ruft Stamneshagen wieder bei ihrer Tochter an: &#8222;Sie ging nicht dran.&#8220; Mit ihrem Mann macht sie sich auf den Weg zur Insel, die Fahrt dauert sieben Stunden: &#8222;Wir sind ohne Pause durchgefahren.&#8220;<\/p>\n<p class=\"Typography_text-default__P3otY Typography_weight-normal__pqUbH storyline_paragraph_p__qSR5N\">In einem zum Sammelplatz umfunktionierten Hotel h\u00e4ngt eine Liste mit Namen derjenigen, die es an Land geschafft haben. Siljes Name steht nicht darauf. &#8222;Es dauerte eine ganze Woche, bis wir endg\u00fcltig Gewissheit hatten&#8220;, erz\u00e4hlt Merete Stamneshagen. &#8222;Sie war mit drei Sch\u00fcssen in den Kopf get\u00f6tet worden und man hatte sie auf dem &#8218;Pfad der Verliebten&#8216; gefunden.&#8220; \u00dcber eine Stunde lang konnte Breivik auf Ut\u00f8ya ungest\u00f6rt um sich schie\u00dfen.<\/p>\n<p class=\"Typography_text-default__P3otY Typography_weight-normal__pqUbH storyline_paragraph_p__qSR5N\">Heute ist der schmale Pfad, der am steilen Ufer der Insel entlangf\u00fchrt, ein Ort des Gedenkens an die Opfer. 15 Jahre sind seit dem Attentat vergangen. Der M\u00f6rder, der 77 Menschen auf dem Gewissen hat, muss wohl sein Leben lang im Gef\u00e4ngnis bleiben. Doch besonders vor dem Jahrestag holt die Erinnerung \u00dcberlebende und Angeh\u00f6rige ein. &#8222;Es ist so ein schleichendes Gef\u00fchl&#8220;, beschreibt Magnus H\u00e5konsen, der sich wie Stamneshagen in der Selbsthilfegruppe f\u00fcr die Betroffenen des 22. Juli engagiert. &#8222;Man ist d\u00fcnnh\u00e4utiger, schneller gereizt, wird leichter traurig, reagiert empfindlicher.&#8220; Sobald die Gedenkfeier vorbei sei, falle eine gro\u00dfe Last von ihm, &#8222;dass der Tag wieder \u00fcberstanden ist&#8220;.<\/p>\n<p>Hanne Waagans Gummistiefel blieben auf Ut\u00f8ya<\/p>\n<p class=\"Typography_text-default__P3otY Typography_weight-normal__pqUbH storyline_paragraph_p__qSR5N\">Hanne Waagan geht es \u00e4hnlich. Sie nennt es &#8222;das 22.-Juli-Gef\u00fchl&#8220;. &#8222;Es kommt jedes Jahr wieder, und dann f\u00fchlt es sich an wie ein Countdown bis zum Jahrestag.&#8220; Waagan ist 17 Jahre alt, als sie das Sommerlager auf der Insel besucht. Kurz zuvor hat sie sich neue Gummistiefel gekauft. &#8222;Als ich mich auf Ut\u00f8ya verstecken musste, blieben sie dort liegen, weil ich keine Zeit mehr hatte, sie anzuziehen&#8220;, erz\u00e4hlt sie. Erst mit 30 Jahren schafft sie es, sich neue Gummistiefel zu kaufen.<\/p>\n<p class=\"Typography_text-default__P3otY Typography_weight-normal__pqUbH storyline_paragraph_p__qSR5N\">Was damals auf der Insel passiert ist, dar\u00fcber m\u00f6chte sie nicht sprechen. Das Erlebte, aber vor allem die Zeit danach, hat sie in einem Theaterst\u00fcck verarbeitet. Der Titel: &#8222;Das M\u00e4dchen in Gummistiefeln&#8220;. &#8222;Gummistiefel klammern sich irgendwie an deine Beine. Deshalb sind sie ein Symbol f\u00fcr ein Trauma, das auf eine Art immer dabei ist&#8220;, sagt Waagan. F\u00fcr sie bedeutet das zum Beispiel, dass sie sich nie ganz sicher f\u00fchlt: &#8222;Ich bin immer wachsam.&#8220;<\/p>\n<p class=\"Typography_text-default__P3otY Typography_weight-normal__pqUbH storyline_paragraph_p__qSR5N\">Wie lebt man mit diesem Trauma weiter, das alles andere, Normale, das man erlebt, \u00fcberschattet? Darum geht es in ihrem St\u00fcck, aber auch noch um etwas anderes: &#8222;Der 22. Juli ist so gewaltig gro\u00df, so massiv&#8220;, sagt Waagan. &#8222;Deshalb ist es wichtig, dass wir nicht nur allgemein dar\u00fcber sprechen, sondern durch so eine pers\u00f6nliche Geschichte, wie wir sie auf der B\u00fchne erz\u00e4hlen.&#8220;<\/p>\n<p>H\u00e5konsen erz\u00e4hlt seinen Sch\u00fclern von Ut\u00f8ya<\/p>\n<p class=\"Typography_text-default__P3otY Typography_weight-normal__pqUbH storyline_paragraph_p__qSR5N\">Magnus H\u00e5konsen ist heute Lehrer f\u00fcr Gesellschaftskunde. Der 22. Juli steht fest im Lehrplan. Wenn seine Sch\u00fcler ihn fragen, antwortet H\u00e5konsen ehrlich mit seiner eigenen Geschichte: &#8222;Ich kann nicht dar\u00fcber sprechen, was damals passiert ist, ohne zu sagen, dass ich dort war.&#8220; Dar\u00fcber zu reden findet er aber noch aus einem anderen Grund wichtig: &#8222;Es ist eine Gelegenheit, \u00fcber rechtsextreme Kr\u00e4fte zu sprechen, und wie diese versuchen, Gruppen gegeneinander auszuspielen.&#8220;<\/p>\n<p class=\"Typography_text-default__P3otY Typography_weight-normal__pqUbH storyline_paragraph_p__qSR5N\">Auf Ut\u00f8ya waren damals ganz verschiedene Jugendliche, erz\u00e4hlt er &#8211; &#8222;von den gr\u00f6\u00dften politischen Nerds bis zu denjenigen, die geh\u00f6rt hatten, dass es ein Fu\u00dfballturnier gibt und wir am Lagerfeuer Lieder singen und Gitarre spielen&#8220;. Manche \u00dcberlebende leiden bis heute schwer unter den psychischen und k\u00f6rperlichen Folgen des Anschlags. Andere schaffen es, mit ihrem Trauma umzugehen. Einige haben politische Karriere gemacht.<\/p>\n<p>Kampf gegen das Vergessen &#8211; und rechtsextreme Kr\u00e4fte<\/p>\n<p class=\"Typography_text-default__P3otY Typography_weight-normal__pqUbH storyline_paragraph_p__qSR5N\">Mehrere Minister in der aktuellen norwegischen Regierung sind \u00dcberlebende des Attentats von 2011. Doch immer wieder m\u00fcssten sich Sozialdemokraten heute von politischen Gegnern anh\u00f6ren, die &#8222;Ut\u00f8ya-Karte&#8220; zu ziehen, wenn sie \u00fcber den Terror von damals spr\u00e4chen, sagt H\u00e5konsen. Soll hei\u00dfen: den Anschlag politisch f\u00fcr sich zu nutzen. Der 33-J\u00e4hrige h\u00e4lt das f\u00fcr fatal: &#8222;Wir m\u00fcssen den Mut haben, ehrlich dar\u00fcber zu sprechen, wie gef\u00e4hrlich antidemokratische Denkweisen sind.&#8220;<\/p>\n<p class=\"Typography_text-default__P3otY Typography_weight-normal__pqUbH storyline_paragraph_p__qSR5N\">Auch Merete Stamneshagen k\u00e4mpft deshalb gegen das Vergessen. &#8222;Der 22. Juli war nie wichtiger als heute, denn das rechtsextreme Milieu w\u00e4chst &#8211; und junge Menschen, die 2011 noch nicht einmal geboren waren, feiern Breivik f\u00fcr das, was er getan hat.&#8220; Zum Jahrestag ist Stamneshagen zur\u00fcck auf Ut\u00f8ya, um Silje und ihrer Freunde zu gedenken. Wie m\u00f6chte sie, dass man sich an ihre Tochter erinnert? &#8222;Sie war nicht jemand, der jedem Trend folgte, um wie alle anderen zu sein&#8220;, sagt Stamneshagen. &#8222;Da bin ich wirklich ziemlich stolz drauf: dass sie ganz sie selbst war.&#8220;<\/p>\n<p class=\"Typography_text-s__wu_cm Typography_weight-normal__pqUbH Typography_color-darkgrey__sZEnP article-detail-footer_source__KslPc\">Quelle: ntv.de, Julia W\u00e4schenbach, dpa<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"&#8222;Lauf um dein Leben&#8220;Als der Terror nach Ut\u00f8ya kamBlick \u00fcber die Insel Ut\u00f8ya, wo 77 vor allem junge&hellip;\n","protected":false},"author":2,"featured_media":1179740,"comment_status":"","ping_status":"","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":"","_share_on_mastodon":"0"},"categories":[3],"tags":[246720,13,984,14,15,913,770,12,927,2544,10,8,9,11,246719,103,104],"class_list":["post-1179739","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","category-welt","tag-anschlaege-in-norwegen","tag-headlines","tag-international","tag-nachrichten","tag-news","tag-norwegen","tag-rechtsextremismus","tag-schlagzeilen","tag-terroranschlaege","tag-terrorismus","tag-top-news","tag-top-meldungen","tag-topmeldungen","tag-topnews","tag-utoya","tag-welt","tag-world"],"share_on_mastodon":{"url":"https:\/\/pubeurope.com\/@de\/116951345410638384","error":""},"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/1179739","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=1179739"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/1179739\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media\/1179740"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=1179739"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=1179739"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=1179739"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}