{"id":1179928,"date":"2026-07-20T10:26:12","date_gmt":"2026-07-20T10:26:12","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/1179928\/"},"modified":"2026-07-20T10:26:12","modified_gmt":"2026-07-20T10:26:12","slug":"erst-auf-dem-teller-dann-in-der-fahrbahn-frankreich-baut-strassen-aus-jacobsmuscheln","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/1179928\/","title":{"rendered":"Erst auf dem Teller, dann in der Fahrbahn: Frankreich baut Stra\u00dfen aus Jacobsmuscheln"},"content":{"rendered":"<p data-turn-id-container=\"7973508a-9acc-43d5-963b-0b247061e90b\" data-is-intersecting=\"true\">Zun\u00e4chst werden auf einer D\u00e9partementstra\u00dfe bei Potigny in der Normandie gemahlene Jakobsmuschelschalen mit Erde und Zement vermischt. Bevor die Asphaltdecke aufgetragen wird, kommt die Pulver-Mischung als Unterbau zum Einsatz.<\/p>\n<p>Calciumcarbonat steckt auch in Zement<\/p>\n<p>&#8222;Das Pulver aus Jakobsmuschelschalen besteht aus reinem Calciumcarbonat. Es handelt sich dabei um einen Bestandteil, der auch in Zement vorkommt. Durch seinen Einsatz k\u00f6nnen wir einen Teil des Zements ersetzen&#8220;, sagte Herv\u00e9 Dumont, zust\u00e4ndig f\u00fcr Sonderentwicklungen bei Eiffage Route, dem franz\u00f6sischen Fernsehsender TF1.<\/p>\n<p>Wie gro\u00df der Anteil des Muschelpulvers an der gesamten Mischung ist, wurde nicht genannt. Vollst\u00e4ndig ersetzt werden kann der Zement bei dem Projekt nicht.<\/p>\n<p>Pulver ist feiner als Talkum<\/p>\n<p>Vor dem Einsatz m\u00fcssen die Schalen gereinigt und zerkleinert werden. Sie stammen aus dem rund 80 Kilometer entfernten Hafen von Port-en-Bessin-Huppain im D\u00e9partement Calvados. Die Verarbeitung \u00fcbernimmt ein Werk des Unternehmens K\u00e9lifos in Colembert im Norden Frankreichs. Dort werden die Muschelschalen zu einem Pulver mit einer Korngr\u00f6\u00dfe von etwa 30 Mikrometern gemahlen. Das entspricht 0,03 Millimetern.<\/p>\n<p>&#8222;Das Pulver ist feiner als Talkum&#8220;, erkl\u00e4rte K\u00e9lifos-Pr\u00e4sident \u00c9tienne Denis gegen\u00fcber TF1. Durch die einheitliche Korngr\u00f6\u00dfe l\u00e4sst sich das Material gezielt mit den \u00fcbrigen Bestandteilen vermischen.<\/p>\n<p>In dem Werk werden nach Angaben des Berichts j\u00e4hrlich rund 2.000 Tonnen Jakobsmuschelschalen verarbeitet. Zuvor wurden diese R\u00fcckst\u00e4nde \u00fcberwiegend abgelagert. Die Anlage liegt in der N\u00e4he von Boulogne-sur-Mer, einem wichtigen Standort der franz\u00f6sischen Fisch- und Meeresfr\u00fcchteindustrie. Dort fallen die Schalen in gr\u00f6\u00dferen Mengen an.<\/p>\n<p>Versuchsstrecke wird drei Jahre gepr\u00fcft<\/p>\n<p>Die D\u00e9partementstra\u00dfe bei Potigny dient zun\u00e4chst als Versuchsstrecke. In den kommenden drei Jahren sollen die Haltbarkeit der Tragschicht und m\u00f6gliche Ver\u00e4nderungen durch Verkehr, Frost und Niederschl\u00e4ge untersucht werden.<\/p>\n<p>Auch die Kosten entscheiden dar\u00fcber, ob das Verfahren auf weiteren Stra\u00dfen eingesetzt werden kann. Angaben zum Preis der Mischung liegen bisher nicht vor. Neben der Aufbereitung m\u00fcssen dabei auch die Transporte vom Hafen zum Verarbeitungsbetrieb und anschlie\u00dfend zur Baustelle ber\u00fccksichtigt werden. Mehrere franz\u00f6sische D\u00e9partements sollen sich bereits f\u00fcr das Verfahren interessieren. Weitere konkrete Stra\u00dfenbauprojekte wurden jedoch noch nicht angek\u00fcndigt.<\/p>\n<p>Muschelschalen bereits in Pflastersteinen verwendet<\/p>\n<p>Neu ist die Verarbeitung von Jakobsmuschelschalen als Baustoff in Frankreich nicht. In Wimereux an der Kanalk\u00fcste wurde das Material bereits f\u00fcr die Herstellung von Pflastersteinen auf einem Platz genutzt. In Frankreich werden j\u00e4hrlich rund 150.000 Tonnen Jakobsmuscheln konsumiert. F\u00fcr eine gr\u00f6\u00dfere Nutzung im Bauwesen ist allerdings nicht allein die Gesamtmenge entscheidend. Die Schalen m\u00fcssen an geeigneten Standorten gesammelt, gereinigt und mit vertretbaren Transportwegen verarbeitet werden k\u00f6nnen.<\/p>\n<p class=\"ape-ir-info-panel ape-ir-info-panel-type-info\">Die Jakobsmuschel gilt in der franz\u00f6sischen und mediterranen K\u00fcche als hochwertige Delikatesse. Verwendet wird vor allem der wei\u00dfe Schlie\u00dfmuskel, der kurz gebraten, gratiniert oder roh als Carpaccio serviert wird. Ihr Fleisch schmeckt mild, leicht s\u00fc\u00dflich und bleibt bei kurzer Garzeit zart. In Frankreich geh\u00f6rt die &#8222;Coquille Saint-Jacques&#8220; besonders in der Normandie und der Bretagne zu den bekannten regionalen Spezialit\u00e4ten.<\/p>\n<p>Ob der Baustoff tats\u00e4chlich weniger CO\u2082 verursacht als eine herk\u00f6mmliche Mischung, ist noch nicht belegt. Daf\u00fcr m\u00fcssten neben dem geringeren Zementanteil auch der Energiebedarf f\u00fcr Reinigung und Zerkleinerung sowie die Transportwege ber\u00fccksichtigt werden.<\/p>\n<p>Fazit<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Zun\u00e4chst werden auf einer D\u00e9partementstra\u00dfe bei Potigny in der Normandie gemahlene Jakobsmuschelschalen mit Erde und Zement vermischt. 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