{"id":1180560,"date":"2026-07-20T16:47:30","date_gmt":"2026-07-20T16:47:30","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/1180560\/"},"modified":"2026-07-20T16:47:30","modified_gmt":"2026-07-20T16:47:30","slug":"224-000-euro-schaden-angeklagter-gesteht-perfiden-betrug-mit-elektronik-bestellungen-%c2%b7-leipziger-zeitung","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/1180560\/","title":{"rendered":"224.000 Euro Schaden: Angeklagter gesteht perfiden Betrug mit Elektronik-Bestellungen \u00b7 Leipziger Zeitung"},"content":{"rendered":"<p>Die Masche war simpel \u2013 und funktionierte jahrelang bis zu seiner Verhaftung Anfang 2026: Mit fiktiven Personalien orderte ein junger Mann im Online-Handel hochwertige Elektronik, f\u00fcr die er sich nach einer Schein-Retour den Kaufpreis erstatten lie\u00df, ohne die Ware tats\u00e4chlich zur\u00fcckzugeben. Stattdessen vertickte er sie teilweise weiter. Seit Montag, dem 20. Juli 2026, muss sich der 28-J\u00e4hrige am Landgericht Leipzig verantworten.<\/p>\n<p>Wer betr\u00fcgen will, findet einen Weg, der manchmal erschreckend einfach und effektiv ist: So lie\u00dfe sich vielleicht auch der Fall von Simon B. (Name ge\u00e4ndert) umschreiben. Wegen gewerbsm\u00e4\u00dfiger F\u00e4lschung beweiserheblicher Daten, gewerbsm\u00e4\u00dfigen Computerbetrugs in 53 F\u00e4llen sowie eines schweren Falls des versuchten gemeinschaftlichen Betrugs muss sich der 28-J\u00e4hrige seit Montag am Landgericht Leipzig verantworten.<img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2026\/07\/027e682e8b834c739548ca897acf83dc.gif\" alt=\"\" width=\"https:\/\/www.l-iz.de\/leben\/faelle-unfaelle\/2026\/07\/1\" height=\"https:\/\/www.l-iz.de\/leben\/faelle-unfaelle\/2026\/07\/1\"\/><\/p>\n<p>Massenhaft Bestellungen mit Fake-Accounts<\/p>\n<p>Laut Anklageschrift, deren Verlesung allein \u00fcber zweieinhalb Stunden in Anspruch nahm, soll sich Simon B. mutma\u00dflich 2019 dazu entschlossen haben, durch Straftaten eine dauerhafte Einnahmequelle zum pers\u00f6nlichen Lebensunterhalt zu generieren. Zwischen Oktober 2020 und Januar 2026 habe er unter eigens angelegten Fake-Accounts bei bekannten Online-Anbietern teure Elektronik bestellt: Macbooks, Systemkameras, Profi-Objektive, ein iPhone, eine Grafikkarte \u2013 Objekte im vierstelligen Preissegment.<\/p>\n<p>Die Abholung der hochwertigen Ware in Paketshops und Tankstellen in Leipzig sowie an weiteren Orten Sachsens und im Bundesgebiet habe Simon B. pers\u00f6nlich vorgenommen, dazu eine Vollmacht der nicht existierenden Besteller pr\u00e4sentiert, die Fantasienamen wie \u201eMax Vogel\u201c, \u201eFrank Richter\u201c, \u201eFelix Silberbach\u201c und \u00e4hnlich trugen. Zur Untermauerung soll Simon B. teilweise gef\u00e4lschte F\u00fchrerscheine vorgelegt haben.<\/p>\n<p>Kurz nach Entgegennahme habe er die Bestellungen zur Retour angemeldet, teils Bescheinigungen eingesandt bzw. Pakete aufgegeben, in denen freilich meist nicht die Originalware enthalten war. Die habe Simon B. einfach behalten, um sie \u00fcber Wiederverkaufsplattformen mit Gewinn zu ver\u00e4u\u00dfern: \u201eTats\u00e4chlich erfolgte, wie beabsichtigt, keine R\u00fcck\u00fcbersendung\u201c, sagte Staatsanwalt Alexander Scherf-Str\u00f6del. Jedoch h\u00e4tten Kundencenter in der Annahme, die Bestellung sei ordnungsgem\u00e4\u00df zur\u00fcckgegangen, den Kaufpreis bereits an Simon B. zur\u00fcckerstattet.<\/p>\n<p>Angeklagter: Ich bereue mein Handeln<\/p>\n<p>Den angeh\u00e4uften Schaden beziffern die Ermittler insgesamt auf mehr als 224.000 Euro. In einer mit seinem Anwalt Tino Gunkel abgestimmten Erkl\u00e4rung gab der Angeklagte die Tatvorw\u00fcrfe am Montag kleinlaut zu: \u201eIch r\u00e4ume die Taten umfassend ein\u201c, trug er vor. Es sei richtig, dass er ein Einkommen f\u00fcr sich gesucht habe, er wolle Verantwortung \u00fcbernehmen und sich entschuldigen.<\/p>\n<p>\u201eIch konnte nicht aufh\u00f6ren. Es war wie ein Zwang\u201c, versuchte sich Simon B. an einer Erkl\u00e4rung f\u00fcr sein kriminelles Handeln. Vom Erl\u00f6s kaufte er sich nach eigenen Angaben Dinge, die ihn vermeintlich befriedigen sollten, die dann aber meist nur herumlagen. Oft habe er das illegal erworbene Geld aber auch gar nicht ausgegeben, sagte er. Ihm sei bewusst, dass er Anbieter gesch\u00e4digt und viele Menschen, besonders seine Eltern, entt\u00e4uscht habe.<\/p>\n<p>Als er Anfang 2026 nach umfassenden Durchsuchungen in U-Haft landete, sei dies f\u00fcr ihn ein Weckruf gewesen, \u201edass mein bisheriger Lebensweg so nicht weitergehen kann\u201c. Er w\u00e4re bereit, eine zu erwartende Strafhaft anzunehmen, und wolle seinen Realschulabschluss nachholen, beteuerte der junge Mann.<\/p>\n<p>Anklage auch gegen mutma\u00dfliche Helferin<\/p>\n<p>Anschlie\u00dfend schilderte der 28-J\u00e4hrige am Montag auf Nachfragen von Strafkammer und Staatsanwaltschaft im Detail unter anderem, wie er mithilfe von Bildbearbeitungsprogrammen Personaldokumente manipulierte und wie berechnend er bei seinen Bestellungen vorging. So habe er darauf geachtet, nur Elektronik zu ordern, deren Wiederverkaufswert mit dem Kaufpreis wenigstens identisch war \u2013 um kein Minusgesch\u00e4ft zu machen, wenn die R\u00fcck\u00fcberweisung des zun\u00e4chst gezahlten Geldes nicht funktionieren w\u00fcrde.<\/p>\n<p>Bei einem Teil der angeklagten Taten soll Simon B. von der Mitarbeiterin einer Paketannahme unterst\u00fctzt worden sein. Die Frau sei auch involviert gewesen, als Simon B. versuchte, in einem Zivilverfahren rund 7.000 Euro Schadensersatz von einem Transportanbieter geltend zu machen: Wahrheitswidrig habe der Angeklagte behauptet, eine Ware an den Anbieter zur\u00fcckgesandt zu haben. Gegen die mutma\u00dfliche Helferin ist nach Gerichtsangaben im Mai 2026 gesondert Anklage erhoben worden.<\/p>\n<p>Gest\u00e4ndnis soll honoriert werden<\/p>\n<p>Im Zuge der Hausdurchsuchungen hatten die Fahnder bei Simon B. im Fr\u00fchjahr 2026 gr\u00f6\u00dfere Bargeldmengen und Pakete sichergestellt. Auch auf Zahlungskonten sollen noch Gelder deponiert sein. In jedem Fall habe Simon B. durch sein Gest\u00e4ndnis und die Kooperation mit den Ermittlern eine richtige Entscheidung getroffen: \u201eDas werden wir nat\u00fcrlich ber\u00fccksichtigen bei der Strafzumessung\u201c, sagte der Vorsitzende Richter R\u00fcdiger Harr.<\/p>\n<p>F\u00fcr die Verhandlung wurden jetzt noch zwei Prozesstage anberaumt. Denkbar sei nach jetzigem Stand eine Strafobergrenze in dem Bereich, wo es am Landgericht eigentlich losgeht, so der Kammervorsitzende: In Deutschland sind Landgerichte als erste Instanz in Strafsachen zust\u00e4ndig, wenn das Urteil bei einem Schuldspruch mehr als vier Jahre Haft betr\u00e4gt.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Die Masche war simpel \u2013 und funktionierte jahrelang bis zu seiner Verhaftung Anfang 2026: Mit fiktiven Personalien orderte&hellip;\n","protected":false},"author":2,"featured_media":1180561,"comment_status":"","ping_status":"","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":"","_share_on_mastodon":"0"},"categories":[1832],"tags":[1483,3364,29,30,4933,71,25627,859],"class_list":["post-1180560","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","category-leipzig","tag-betrug","tag-de","tag-deutschland","tag-germany","tag-landgericht","tag-leipzig","tag-prozessbericht","tag-sachsen"],"share_on_mastodon":{"url":"https:\/\/pubeurope.com\/@de\/116953326912195518","error":""},"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/1180560","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=1180560"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/1180560\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media\/1180561"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=1180560"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=1180560"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=1180560"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}