{"id":1180957,"date":"2026-07-20T20:57:13","date_gmt":"2026-07-20T20:57:13","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/1180957\/"},"modified":"2026-07-20T20:57:13","modified_gmt":"2026-07-20T20:57:13","slug":"auftritt-bei-die-anstalt-jeder-chefredakteur-der-bei-trost-ist-kann-so-was-nicht-ueber-den-sender-laufen-lassen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/1180957\/","title":{"rendered":"Auftritt bei \u201eDie Anstalt\u201c: \u201eJeder Chefredakteur, der bei Trost ist, kann so was nicht \u00fcber den Sender laufen lassen\u201c"},"content":{"rendered":"<p>ZDF, Satiriker und Juristen ringen um ein radikales Lied. \u201eKeine Angst\u201c preist antifaschistische Selbstverteidigung und gr\u00fc\u00dft mutma\u00dfliche Gewaltt\u00e4ter. Gegner sprechen von \u201elinksradikalem Mansplaining\u201c.<\/p>\n<p class=\"is-first-paragraph\" data-external=\"Article.FirstParagraph\">Die Debatte um die Ausladung des deutschen S\u00e4ngers Danger Dan aus der ZDF-Sendung \u201eDie Anstalt\u201c dauert an. Kurzfristig hatte der Sender die Performance des K\u00fcnstlers unterbunden. Der Song \u201eKeine Angst\u201c k\u00f6nne als \u201eAufruf zu Gewalt\u201c verstanden werden, hatte das ZDF die Entscheidung begr\u00fcndet \u2013 und angek\u00fcndigt, sich \u201edokumentarisch-journalistisch\u201c mit dem Lied zu befassen und es an anderer Stelle im Programm aufzuarbeiten.<\/p>\n<p>Verwirklicht wurde das nun in einer Sondersendung des Kulturformats \u201eAspekte\u201c. \u201eWas darf man wo noch singen?\u201c, lautete die Leitfrage der von Jo Sch\u00fcck moderierten Ausgabe. In der Anmoderation hie\u00df es: Mit einer \u201eArt Anleitung zum antifaschistischen Kampf\u201c setze Danger Dan zum \u201ek\u00fcnstlerischen Schlag gegen Rechtsextremismus\u201c an. Auf die Polizei sei dabei kein Verlass, vielmehr m\u00fcsse die eigene Sicherheit selbst organisiert werden. <\/p>\n<p>\u201eKeine Angst, nehmt es selber in die Hand. Die sehen gef\u00e4hrlich aus, aber wir legen sie lang\u201c, wird aus dem Songtext zitiert. An dieser Stelle d\u00fcrften laut Sch\u00fcck \u201ein der ZDF-F\u00fchrungsetage die Alarmglocken gel\u00e4utet haben\u201c, sagte Sch\u00fcck. Zudem gr\u00fc\u00dfe der Rapper \u201eLina, Gucci, Maja und Nanuk\u201c, womit die gewaltt\u00e4tige antifaschistische Gruppierung <a class=\"is-link c-block-items__link c-link--rich-text-renderer\" href=\"https:\/\/www.welt.de\/politik\/deutschland\/video69259e51f60b758bebd56ed8\/terrorismusexperte-stockhammer-hammerbande-gilt-vielerorts-als-eine-art-neue-raf.html\" data-internal-tracking-enabled=\"true\" data-internal-tracking=\"{&quot;action&quot;:&quot;click&quot;,&quot;label&quot;:&quot;link&quot;,&quot;name&quot;:&quot;Inline Element&quot;,&quot;data&quot;:{&quot;source&quot;:&quot;&quot;,&quot;target&quot;:&quot;https:\/\/www.welt.de\/politik\/deutschland\/video69259e51f60b758bebd56ed8\/terrorismusexperte-stockhammer-hammerbande-gilt-vielerorts-als-eine-art-neue-raf.html&quot;,&quot;trackingName&quot;:&quot;&quot;,&quot;trackingLabel&quot;:&quot;&quot;}}\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">\u201eHammerbande\u201c<\/a> gemeint sein d\u00fcrfte.<\/p>\n<p>Ob es sich dabei um eine \u00f6ffentliche Aufforderung zur Begehung von Straftaten handele? Die Redaktion lie\u00df das von Rechtsanwalt<b> <\/b>Peter Raue einordnen: \u201eSo weit w\u00fcrde ich nicht gehen.\u201c Der Song ermahne die H\u00f6rerschaft, Handschuhe zu tragen, keine Fingerabdr\u00fccke zu hinterlassen und sich nicht zu filmen, r\u00e4umte er ein. \u201eDas ist nat\u00fcrlich eine Anweisung, wie man sich verhalten soll. Das ist kritisch. Aber einen Aufruf zur Gewalt w\u00fcrde ich darin nicht sehen.\u201c <\/p>\n<p>Im Zweifel m\u00fcsste \u201eKeine Angst\u201c zugunsten des Verfassers ausgelegt werden. \u201eWenn eine \u00c4u\u00dferung so oder so ausgelegt werden kann, dann muss sie in der liberalen Richtung ausgelegt werden. Wenn es aufrufen k\u00f6nnte und auch nicht, dann muss man den Text so lesen, dass er nicht zur Gewalt aufruft.\u201c<\/p>\n<p>\u201eFocus\u201c-Kolumnist Jan Fleischhauer zeigte sich bei \u201eAspekte\u201c weniger nachsichtig mit der Bewertung des Songs. \u201eJeder Chefredakteur, der bei Trost ist, kann so was nicht \u00fcber den Sender laufen lassen\u201c, sagte er in der Sendung. \u201eEin Eingriff in die Meinungsfreiheit w\u00e4re es, wenn er seinen Song nicht ver\u00f6ffentlichen k\u00f6nnte.\u201c Stattdessen werde der Song in den kommenden Tagen viral gehen. \u201eIst das ein Akt der Zensur? Nein, das ist kein Akt der Zensur. Das ist die Aufgabe von Chefredakteuren und Intendanten, zu gucken: Wollen wir das verantworten\u00a0\u2013 ja oder nein?\u201c<\/p>\n<p>Die Idee, Danger Dan und Igor Levit eine B\u00fchne in \u201eDie Anstalt\u201c zu bieten, um anschlie\u00dfend \u00fcber das Werk zu diskutieren, tat Fleischhauer ab. \u201eWollen dann die Macher der Sendung, die Moderatoren, ins Gespr\u00e4ch mit den Liedermachern gehen \u00fcber die Verwerflichkeit dieses Liedes? Das kann man sich doch gar nicht vorstellen.\u201c <\/p>\n<p>Dem widersprach Kabarettist Florian Schroeder in einem Einspieler. \u201eGerade in einer k\u00fcnstlerischen Sendung wie einer Satiresendung l\u00e4sst sich so was wunderbar einordnen\u201c, unterstrich er. <\/p>\n<p>\u201eAls K\u00fcnstlerkollege sage ich, das ist ein provokativer Song. Das geh\u00f6rt dazu, das geh\u00f6rt zur Kunst. Man muss das nicht alles Wort f\u00fcr Wort unterschreiben. Aber das ist ein Debattenbeitrag.\u201c F\u00fcr den Satiriker sei alles gut, \u201ewas eine Debatte ausl\u00f6st, was Leute aufschreckt oder ins Nachdenken bringt\u201c, wie er betonte. \u201eAber man kann sie nur f\u00fchren, wenn es den Song gibt. Und wenn er so radikal ist, wie er ist. Das genau ist die Aufgabe von Kunst.\u201c<\/p>\n<p>In den sozialen Medien f\u00fchrte Schroeder seine Argumentation aus. Danger Dan und Igor Levit h\u00e4tten seiner Ansicht nach im ZDF auftreten sollen, \u201ewenngleich oder gerade weil ich den Song \u201aKeine Angst\u2018 ziemlich misslungen finde\u201c, f\u00fchrte der Kabarettist aus. \u201eEr ist linksradikales Mansplaining und Stra\u00dfenk\u00e4mpfer-Lagerfeuer der selbsternannten Edlen und Guten in einem.\u201c Zugleich sei der Beitrag trotz des juristischen Graubereichs von der Kunstfreiheit gedeckt \u2013 \u201eund die steht \u00fcber allem.\u201c<\/p>\n<p>\u201eEin linker Songwriter fordert, was Linke am besten fordern k\u00f6nnen: \u00f6ffentliche Besch\u00e4mung und Ausgrenzung\u201c, urteilte Schroeder. Danger Dan fantasiere sich eine \u201eB\u00fcrgerkriegssituation\u201c herbei und flirte mit einem \u201eAusnahmezustand, der Selbstjustiz als letztes Mittel n\u00f6tig\u201c mache. \u201eUnd genau das ist \u00fcbrigens das Programm der Rechtsextremisten, die der Song doch so leidenschaftlich anklagt.\u201c Die abschlie\u00dfenden Gr\u00fc\u00dfe an die Gewaltt\u00e4ter der Hammerbande seien \u201eHypersatire\u00a0\u2013 oder gar keine\u201c.<\/p>\n<p>Damit lie\u00dfe sich Danger Dan mit dem Kabarettisten Uwe Steimle vergleichen, der unl\u00e4ngst auf einer AfD-Veranstaltung mit Tino Chrupalla und Ulrich Siegmund \u00fcber das Merkel-Portr\u00e4t gewitzelt hatte: \u201eWarum hat sie sich im Stehen malen lassen? Ich sag\u2019s ihnen, weil sie ahnt, sie wird bald sitzen. Im Moment h\u00e4ngt sie erstmal, und wenn alle Str\u00e4nge rei\u00dfen oder der Nagel bricht, dann stellen wir sie an die Wand.\u201c Damit bezog er sich auf ein Zitat des Kabarettisten Werner Finck, der besagten Witz nach der Machtergreifung der Nazis mit einem Hitler-Portr\u00e4t aufgef\u00fchrt hatte.<\/p>\n<p>\u201eDamit tat Uwe Steimle so, als sei er heute in einer faschistischen Diktatur, in einem Ausnahmezustand, in dem er der Letzte ist, der noch die Wahrheit ausspricht\u201c, beanstandete Schroeder. \u201eHier begegnen sich Danger Dan und Uwe Steimle. Sie agieren beide aus einer herbeifantasierten Notwehr, die Gewalt erm\u00f6glichen soll. Damit wird die Gegenwart endg\u00fcltig apokalyptisch. Und genauso, wie es Rechts- und Linksextremisten sich w\u00fcnschen.\u201c<\/p>\n<p>Den Vergleich mit dem Vorgang um Steimle zog auch Micky Beisenherz. Danger Dan solidarisiere sich mit dem Song mit Gewaltt\u00e4tern, kritisierte er. \u201eDu setzt Standards und an die bist du nicht bereit, dich zu halten, wenn es gegen die anderen geht\u201c, sagte er in seinem Podcast \u201eApokalypse &amp; Filterkaffee\u201c. <\/p>\n<p>\u201eIch kann doch nicht einerseits mich einen Tag vorher \u00fcber Uwe Steimle aufregen, der bei einer Veranstaltung in Dessau Friedrich Merz implizit erschie\u00dfen lassen oder Merkel aufh\u00e4ngen will\u00a0\u2013 unter dem Deckmantel der Satire \u2013 und gleichzeitig sagen: Jetzt lasst doch Danger Dan sein Lied singen, wo Nazis langgelegt werden und man sich in die juristische Grauzone hineinbewegt. Das ist doch in sich nicht schl\u00fcssig.\u201c<\/p>\n<p>Die Debatten um die impliziten Selbstjustiz-Aufrufe von Steimle und Danger Dan decken sich mit der Beobachtung des Soziologen Stefan Piasecki. \u201eDie Menschen merken seit vielen Jahren, dass die Politik anders spricht, als sie handelt, dass sie falsche Sicherheiten vermittelt\u201c, hatte dieser unl\u00e4ngst <a class=\"is-link c-block-items__link c-link--rich-text-renderer\" href=\"https:\/\/www.welt.de\/vermischtes\/plus6a57981ba4dd37e74df5637f\/fsk-pruefer-moeglicherweise-hat-sich-uwe-boll-durch-diese-ganze-diskussion-radikalisiert.html\" data-internal-tracking-enabled=\"true\" data-internal-tracking=\"{&quot;action&quot;:&quot;click&quot;,&quot;label&quot;:&quot;link&quot;,&quot;name&quot;:&quot;Inline Element&quot;,&quot;data&quot;:{&quot;source&quot;:&quot;&quot;,&quot;target&quot;:&quot;https:\/\/www.welt.de\/vermischtes\/plus6a57981ba4dd37e74df5637f\/fsk-pruefer-moeglicherweise-hat-sich-uwe-boll-durch-diese-ganze-diskussion-radikalisiert.html&quot;,&quot;trackingName&quot;:&quot;&quot;,&quot;trackingLabel&quot;:&quot;&quot;}}\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">im WELT-Interview zum kontroversen Film \u201eCitizen Vigilante\u201c<\/a> erkl\u00e4rt. \u201eUnd sie haben \u2013 von links und von rechts \u2013 den Glauben an den Rechtsstaat verloren. Das ist ein ganz gro\u00dfes Gefahrenmoment.\u201c Die vermittelte einfache L\u00f6sung laute: \u201eDann mach\u2019s halt selber.\u201c<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"ZDF, Satiriker und Juristen ringen um ein radikales Lied. \u201eKeine Angst\u201c preist antifaschistische Selbstverteidigung und gr\u00fc\u00dft mutma\u00dfliche Gewaltt\u00e4ter.&hellip;\n","protected":false},"author":2,"featured_media":1180958,"comment_status":"","ping_status":"","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":"","_share_on_mastodon":"0"},"categories":[5],"tags":[331,332,246941,240987,3364,29,40759,38243,30,13,246940,15515,246939,9411,110479,810,14,15,110,7253,245960,115087,770,246265,12,36941,42087,245176,45,6441,1448],"class_list":["post-1180957","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","category-nachrichten","tag-aktuelle-nachrichten","tag-aktuelle-news","tag-apokalypse-filterkaffee","tag-beisenherz","tag-de","tag-deutschland","tag-fleischhauer","tag-florian","tag-germany","tag-headlines","tag-igor","tag-jan","tag-levit","tag-lippe-dominik","tag-micky","tag-musik","tag-nachrichten","tag-news","tag-newsteam","tag-peter","tag-piasecki","tag-raue","tag-rechtsextremismus","tag-satire-im-fernsehen-ks","tag-schlagzeilen","tag-schroeder","tag-stefan","tag-steimle","tag-texttospeech","tag-uwe","tag-zdf"],"share_on_mastodon":{"url":"https:\/\/pubeurope.com\/@de\/116954310061918656","error":""},"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/1180957","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=1180957"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/1180957\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media\/1180958"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=1180957"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=1180957"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=1180957"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}