{"id":1181189,"date":"2026-07-20T23:26:16","date_gmt":"2026-07-20T23:26:16","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/1181189\/"},"modified":"2026-07-20T23:26:16","modified_gmt":"2026-07-20T23:26:16","slug":"wadephul-in-mauretanien-warum-er-als-erster-aussenminister-seit-20-jahren-den-wuestenstaat-besucht","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/1181189\/","title":{"rendered":"Wadephul in Mauretanien: Warum er als erster Au\u00dfenminister seit 20 Jahren den W\u00fcstenstaat besucht"},"content":{"rendered":"<p class=\"is-first-paragraph\" data-external=\"Article.FirstParagraph\">Viel zu reisen geh\u00f6rt zur Amtsbeschreibung eines Au\u00dfenministers, doch Johann Wadephul (CDU) hat zuletzt ein H\u00e4ndchen f\u00fcr besondere Orte zu besonderen Zeitpunkten: Ende letzten Monats flog er f\u00fcr ein s\u00fcdamerikanisches Gipfeltreffen nach Paraguay\u00a0\u2013 als erster deutscher Au\u00dfenminister in dem Land seit \u00fcber 30 Jahren, ausgerechnet in der Nacht der deutschen WM-Niederlage. <\/p>\n<p>Diesen Montagmorgen ist er nach Mauretanien aufgebrochen, wo ebenfalls seit knapp 20 Jahren kein Bundesau\u00dfenminister mehr war\u00a0\u2013 w\u00e4hrend daheim die eigene Partei nach <a class=\"is-link c-block-items__link c-link--rich-text-renderer\" href=\"https:\/\/www.welt.de\/themen\/jens-spahn\/\" data-internal-tracking-enabled=\"true\" data-internal-tracking=\"{&quot;action&quot;:&quot;click&quot;,&quot;label&quot;:&quot;link&quot;,&quot;name&quot;:&quot;Inline Element&quot;,&quot;data&quot;:{&quot;source&quot;:&quot;&quot;,&quot;target&quot;:&quot;https:\/\/www.welt.de\/themen\/jens-spahn\/&quot;,&quot;trackingName&quot;:&quot;&quot;,&quot;trackingLabel&quot;:&quot;&quot;}}\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Jens Spahns R\u00fccktritt<\/a> in Aufruhr ist und sogar eine Regierungsumbildung im Raum steht.<\/p>\n<p>Um sein Amt muss sich Wadephul jedoch kaum Sorgen machen, der l\u00e4nger geplante Trip nach Mauretanien hat daf\u00fcr umso mehr seine Berechtigung: Der W\u00fcstenstaat an der westafrikanischen K\u00fcste ist ein seltener Stabilit\u00e4tsanker in der durch Konflikte, Terrorismus und Russland-S\u00f6ldner gepr\u00e4gten Region. <\/p>\n<p>Nachdem in vier der sieben Sahel-Staaten\u00a0\u2013\u00a0Mali, Burkina Faso, Niger und Sudan\u00a0\u2013 in den letzten Jahren das Milit\u00e4r an die Macht putschte und auch der Tschad als autorit\u00e4r regiert gilt, ist Mauretanien neben Senegal die einzige verbliebene Demokratie in der Gruppe. Der einst in der Hauptstadt Nouakchott ans\u00e4ssige Sahel-Bund ist l\u00e4ngst zerbrochen, stattdessen gewinnen China, Russland und auch die T\u00fcrkei in der Region an Einfluss.<\/p>\n<p>Wie fragil sich die Sicherheitslage entwickelt, zeigt ein Vorfall aus dem Nachbarland Mali vom Wochenende: Dort \u00fcberfielen Dschihadisten und Tuareg-Separatisten einen Milit\u00e4rkonvoi und sorgten mit \u00fcber 50 get\u00f6teten Soldaten f\u00fcr die blutigste Attacke der letzten 15 Jahre. <\/p>\n<p><a class=\"is-link c-block-items__link c-link--rich-text-renderer\" href=\"https:\/\/www.welt.de\/themen\/mali\/\" data-internal-tracking-enabled=\"true\" data-internal-tracking=\"{&quot;action&quot;:&quot;click&quot;,&quot;label&quot;:&quot;link&quot;,&quot;name&quot;:&quot;Inline Element&quot;,&quot;data&quot;:{&quot;source&quot;:&quot;&quot;,&quot;target&quot;:&quot;https:\/\/www.welt.de\/themen\/mali\/&quot;,&quot;trackingName&quot;:&quot;&quot;,&quot;trackingLabel&quot;:&quot;&quot;}}\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Mali<\/a>, das ist wohlgemerkt das Land, in dem bis vor knapp drei Jahren noch die Bundeswehr im Rahmen einer UN-Mission im Einsatz war, bis die Milit\u00e4rjunta die internationalen Truppen rauswarf und stattdessen auf Wladimir Putins Afrikakorps setzte. Jetzt sind die Sorgen in Berlin und Br\u00fcssel gro\u00df, dass sich die Gewalt und Instabilit\u00e4t weiter ausbreiten und mit ihren Folgen wie Terrorismus und Migration auch f\u00fcr Europa ein Problem werden k\u00f6nnten.<\/p>\n<p>\u201eDie Auswirkungen der Dauerkrise in Zentralsahel haben l\u00e4ngst auch die K\u00fcstenanrainerstaaten erreicht\u201c, warnte Wadephul bei einer Pressekonferenz mit seinem mauretanischen Amtskollegen Mohamed Merzoug. \u201eTerrorismus, Gewalt und Instabilit\u00e4t drohen sich weiter auszuweiten.\u201c Deutschland wolle Mauretanien in seiner Rolle als \u201ewichtiger, verl\u00e4sslicher und stabiler Partner\u201c noch st\u00e4rker unterst\u00fctzen, etwa bei der Fl\u00fcchtlingshilfe, wo das 5-Millionen-Land rund 320.000 Fl\u00fcchtlinge aus Mali aufgenommen hat. Durch UN-Gelder und deutsche Entwicklungshilfe wolle man daf\u00fcr sorgen, dass die \u201eaufnehmenden Gemeinden nicht im Stich gelassen werden\u201c.<\/p>\n<p>Merzoug tr\u00e4gt derweil eine Liste an weiteren W\u00fcnschen vor, die man an Deutschland hat: etwa Sicherheit und Verteidigung\u00a0\u2013 laut Wadephul will die Bundeswehr hier im n\u00e4chsten Jahr \u201eberatend t\u00e4tig\u201c werden\u00a0\u2013 oder Investitionen in Infrastruktur und erneuerbare Energien. Tats\u00e4chlich ist Mauretanien neben Rohstoffen auch ein potenzieller zuk\u00fcnftiger Lieferant von gr\u00fcnem Wasserstoff f\u00fcr Deutschland. <\/p>\n<p>Es gebe einen \u201eneuen Aufschwung\u201c in den Beziehungen, so Merzoug. Negativ f\u00e4llt allerdings auf, dass der mauretanische Au\u00dfenminister die Pressekonferenz nach einleitenden Bemerkungen durch ihn und Wadephul abbricht, bevor \u00fcberhaupt Fragen gestellt werden k\u00f6nnen \u2013 angeblich aus Zeitmangel. Das war kein gutes Beispiel in puncto Demokratie und Pressefreiheit f\u00fcr die G\u00e4ste aus Deutschland.<\/p>\n<p>Wadephuls Hoffnungen in Mauretanien<\/p>\n<p>Wadephul, der im Anschluss auch noch den Pr\u00e4sidenten Mohamed Ghazouani trifft, verbindet mit dem Besuch jedoch eine konkrete Hoffnung: dass Mauretanien mit seiner Stabilit\u00e4t positiv in die fragile Sahel-Region hineinwirken k\u00f6nne. Da die ehemalige Kolonialmacht Frankreich hier eine zunehmend schwierige Rolle hat\u00a0\u2013 Burkina Faso brach gerade erst vor wenigen Wochen seine diplomatischen Beziehungen mit Paris ab\u00a0\u2013, k\u00f6nnte Deutschland aktiver werden, so der Gedanke. Der Besuch ist daher auch ein F\u00fchler-Ausstrecken: Nach 20\u00a0Jahren Abwesenheit will man sich mehr in der Region engagieren.<\/p>\n<p>\u201eSowohl als Mauretanien als auch Deutschland haben ein unbelastetes Verh\u00e4ltnis zu Burkina Faso, zu Mali, zu Niger\u201c, betont Wadephul. \u201eDas kann eine gute Voraussetzung daf\u00fcr sein, um einen gemeinsamen Ansatz zu finden, dort stabilisierend zu wirken.\u201c<\/p>\n<p>Was in Mauretaniens auff\u00e4llt, ist die erfolgreiche Bek\u00e4mpfung von radikalen Ideologien in dem islamischen Land. Nach einer Reihe von terroristischen Anschl\u00e4gen zwischen 2005 und 2011 setzte die Regierung in Nouakchott konsequent auf Pr\u00e4vention. <\/p>\n<p>Eine wichtige Rolle dabei spielt auch das von Deutschland von 2024 bis 2028 mit rund 7,2 Millionen Euro gef\u00f6rderte Netzwerk der \u201eMourchidates\u201c, auf Deutsch die \u201espirituellen F\u00fchrerinnen\u201c: Dies sind rund 75 Frauen\u00a0\u2013 zumeist Lehrerinnen an Koranschulen oder Gemeindeleiterinnen\u00a0\u2013, die im ganzen Land und insbesondere in der Grenzregion zu Mali aktiv sind. Mit theologischen Argumenten gehen sie in Moscheen, Koranschulen und Gef\u00e4ngnisse, um dort dem radikalen Islam entgegenzuwirken.<\/p>\n<p>Am Abend stattet Wadephul Vertreterinnen des Netzwerks im UN-Regionalb\u00fcro einen Besuch ab. F\u00fcr wie wichtig er ihren Beitrag ansieht, hatte er schon zuvor vor der Presse betont: \u201eIhr Land ist eine wichtige Stimme der Besonnenheit, der M\u00e4\u00dfigung und der Toleranz in dieser Region. Es geht darum, Sicherheit auch durch Extremismuspr\u00e4vention zu schaffen.\u201c<\/p>\n<p>Abschlie\u00dfend stellt sich der Minister noch zwei Fragen, die bei der durch den Gastgeber verk\u00fcrzten Pressekonferenz weggefallen waren. Dabei \u00e4u\u00dfert er sich auch zur innenpolitischen Lage daheim Berlin \u2014 in diplomatischen Worten.<\/p>\n<p>\u201eIch wei\u00df die Geschicke der CDU\/CSU-Fraktion bei allen Verantwortlichen in besten H\u00e4nden. Und deswegen, glaube ich, ist es genau das Richtige, was ich hier mache, ich tue meine Arbeit als Au\u00dfenminister dieser Regierung. Und andere sorgen daf\u00fcr, dass die Nachfolgefragen der in der Tat sehr wichtigen Position an der Spitze der CDU\/CSU-Fraktion gut vorbereitet wird.\u201c<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Viel zu reisen geh\u00f6rt zur Amtsbeschreibung eines Au\u00dfenministers, doch Johann Wadephul (CDU) hat zuletzt ein H\u00e4ndchen f\u00fcr besondere&hellip;\n","protected":false},"author":2,"featured_media":1181190,"comment_status":"","ping_status":"","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":"","_share_on_mastodon":"0"},"categories":[3],"tags":[36723,685,63825,13,32329,30231,15053,14,15,100811,246995,12,45,10,8,9,11,30616,103,104],"class_list":["post-1181189","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","category-welt","tag-aussenministerium","tag-bundeswehr","tag-burkina-faso","tag-headlines","tag-johann","tag-mali","tag-mauretanien","tag-nachrichten","tag-news","tag-niger","tag-sahel-zone-ks","tag-schlagzeilen","tag-texttospeech","tag-top-news","tag-top-meldungen","tag-topmeldungen","tag-topnews","tag-wadephul","tag-welt","tag-world"],"share_on_mastodon":{"url":"https:\/\/pubeurope.com\/@de\/116954895690459782","error":""},"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/1181189","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=1181189"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/1181189\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media\/1181190"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=1181189"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=1181189"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=1181189"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}