{"id":1183090,"date":"2026-07-21T18:38:13","date_gmt":"2026-07-21T18:38:13","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/1183090\/"},"modified":"2026-07-21T18:38:13","modified_gmt":"2026-07-21T18:38:13","slug":"schauspieler-gerald-fiedler-verabschiedet-sich-vom-augsburger-ensemble","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/1183090\/","title":{"rendered":"Schauspieler Gerald Fiedler verabschiedet sich vom Augsburger Ensemble"},"content":{"rendered":"<p class=\"mb-6 text-xs-varying md:text-m lg:text-l font-serif group-[.font-sans]:font-sans \">\n    Die Stadt lobt er in h\u00f6chsten T\u00f6nen. Ihre \u00dcberschaubarkeit &#8211; der Mann ist geb\u00fcrtiger Berliner -, ihre zweitausendj\u00e4hrige Geschichte, die N\u00e4he zum <a href=\"https:\/\/augsburger-allgemeine.de\/ammersee\/\" target=\"_self\" class=\"underline \" rel=\"nofollow noopener\">Ammersee<\/a>, wo sein geliebtes Paddelboot liegt. \u201eIch bin so froh, dass ich nach <a href=\"https:\/\/www.augsburger-allgemeine.de\/augsburg\/\" target=\"_self\" class=\"underline \" rel=\"nofollow noopener\">Augsburg<\/a> gegangen bin.\u201c Das zielt in erster Linie auf seinen Wechsel ans Augsburger Theater im Jahr 2017, als er mit dem Intendanten Andr\u00e9 B\u00fccker von Dessau an das hiesige Haus wechselte, welches kurze Zeit sp\u00e4ter zum Staatstheater erhoben wurde. Das ihm damals so erschienene \u201eAbenteuer Augsburg\u201c hat sich f\u00fcr Gerald Fiedler als Entscheidung entpuppt, zu der er sich selbst begl\u00fcckw\u00fcnscht.\n  <\/p>\n<p>            Was Gerald Fiedler zum Schluss noch gereizt hat<\/p>\n<p class=\"mb-6 text-xs-varying md:text-m lg:text-l font-serif group-[.font-sans]:font-sans \">\n    Jetzt aber ist Schluss. Zwar nicht mit Augsburg, wo er wohnen bleibt, wohl aber mit dem Mitgliedsstatus im Schauspiel-Ensemble: Zum Ende dieser Spielzeit tritt Fiedler in den Ruhestand. Willst du zum Abschied noch was Besonderes machen?, hat man ihn am Haus gefragt. Rasch sch\u00e4lte sich heraus, was ihn tats\u00e4chlich noch reizen w\u00fcrde: den Lear spielen. Shakespeares komplette K\u00f6nigstrag\u00f6die ist es zwar nicht, mit der er Abschied nimmt, wohl aber tr\u00e4gt das zweimalige Fiedler-Solo den Titel \u201eUnd heute Abend K\u00f6nig Lear\u201c.\n  <\/p>\n<p class=\"mb-6 text-xs-varying md:text-m lg:text-l font-serif group-[.font-sans]:font-sans \">\n    \u201eLear\u201c, sagt der Schauspieler beim Treffen im Caf\u00e9, \u201eist auch so einer, der in Ruhestand geht.\u201c Understatement im leichten Schnodderton schwingt bei Fiedler immer mit &#8211; als ob Lear nicht zu den komplexesten Gestalten Shakespeares geh\u00f6rte! Eine Figur, der man erst in reiferen Jahren sich n\u00e4hert, eine der ganz gro\u00dfen Herausforderungen der Schauspielkunst. Fiedler hat den greisen K\u00f6nig, der seine gute Tochter verbannt, von den beiden anderen, missratenen T\u00f6chtern jedoch selbst versto\u00dfen wird, nie gespielt, kennt die Trag\u00f6die aber gut, zweimal schon war er auf der B\u00fchne Gloucester, der mit Lear ein vergleichbares Schicksal teilt. \u201eUnd heute Abend K\u00f6nig Lear\u201c, von Fiedler selbst konzipiert, erz\u00e4hlt denn auch mit viel Humor und viel Musik von einem Schauspieler, der Lear spielen will, aber durch verschiedene Gegebenheiten daran gehindert wird, eine Geschichte, in die viel auch aus seiner eigenen Laufbahn miteingeflossen ist. Ob es dem Schauspieler am Ende gelingt, Lear auf die B\u00fchne zu bringen, soll erst die Auff\u00fchrung zutage bringen.\n  <\/p>\n<p>            Als Gerald Fiedler einmal seinen Text verga\u00df<\/p>\n<p class=\"mb-6 text-xs-varying md:text-m lg:text-l font-serif group-[.font-sans]:font-sans \">\n    Schaffen oder nicht schaffen: Wenn er noch einmal die Rollen seiner Theaterlaufbahn Revue passieren l\u00e4sst, gibt es da eine, an der er gescheitert ist? Fiedler blickt in den Raum, \u00fcberlegt lange. \u201eN\u00f6\u201c, sagt er, \u201erichtig gescheitert kann ich von keiner Rolle sagen.\u201c Das Gespr\u00e4ch dreht sich schon um Anderes, da kommt er nochmal mit einem \u201eAaah!\u201c zur\u00fcck. Gerhart Hauptmann, \u201eDer Biberpelz\u201c, in den Anfangsjahren in Frankfurt an der Oder. Er musste einspringen als Dr. Fleischer, eine Reihe ung\u00fcnstiger Faktoren verwirrten ihn, \u201eauf einmal war der Text weg\u201c. Die Souffleuse tat ihr M\u00f6glichstes, Fiedler aber war buchst\u00e4blich von der Rolle, musste improvisieren, erst nach langen, bangen Minuten kam ihm der Text wieder in den Sinn. \u201eDamals bin ich wirklich gescheitert.\u201c\n  <\/p>\n<p class=\"mb-6 text-xs-varying md:text-m lg:text-l font-serif group-[.font-sans]:font-sans \">\n    Gegenfrage, wo fand er sich selbst auf der B\u00fchne richtig gut? Wieder \u00fcberlegt er. Salieri, sagt er dann, Mozarts Kontrahent im St\u00fcck \u201eAmadeus\u201c, eine Inszenierung am Dessauer Theater. Salieri, wie er &#8211; und damit beschreibt Fiedler sich, den Salieri-Darsteller &#8211; Mozart f\u00fcr sein K\u00f6nnen bewundert, aber aus genau diesem Grund gegen ihn intrigiert: \u201eDa war ich, glaub\u2019 ich, richtig gut.\u201c\n  <\/p>\n<p>            Karriere mit anf\u00e4nglichen Umwegen<\/p>\n<p class=\"mb-6 text-xs-varying md:text-m lg:text-l font-serif group-[.font-sans]:font-sans \">\n    Der Weg zur B\u00fchne war anfangs holprig. Im DDR-Schulsystem ist der Berufswunsch Schauspieler nicht gerade das, was F\u00f6rderung nach sich ziehen w\u00fcrde, also versucht sich Fiedler zun\u00e4chst als Elektronikfacharbeiter. Doch im volkseigenen Betrieb gibt es ein Arbeitertheater, St\u00fcck f\u00fcr St\u00fcck tastet Fiedler sich heran an die Schauspielmaterie, bis er an der Ernst-Busch-Hochschule die Aufnahmepr\u00fcfung besteht. Hernach l\u00e4uft es erst mal einige Jahre rund mit der Karriere, Frankfurt\/Oder, Weimar. Am Schillertheater in Berlin aber erlebt er Gr\u00fcppchenbildung und unklare Leitungsverh\u00e4ltnisse. Nach Schlie\u00dfung des Hauses 1993 arbeitet er frei, \u00fcbernimmt Regiearbeiten, wechselt wieder in ein Ensemble, erst Magdeburg, danach Dessau, von wo aus es dann zur letzten Station, nach Augsburg geht. Hier hat er Marken auf der B\u00fchne gesetzt, <a href=\"https:\/\/www.augsburger-allgemeine.de\/kultur\/Premieren-Kritik-Kritik-zu-Der-Sturm-am-Staatstheater-Augsburg-Shakespeare-als-Baustelle-id55691486.html\" target=\"_self\" class=\"underline \" rel=\"nofollow noopener\">als Caliban im \u201eSturm\u201c<\/a> etwa oder <a href=\"https:\/\/www.augsburger-allgemeine.de\/kultur\/Theater-Augsburg-Peer-Gynt-als-Sixpack-id42913171.html\" target=\"_self\" class=\"underline \" rel=\"nofollow noopener\">als alter Peer Gynt<\/a>.\n  <\/p>\n<p class=\"mb-6 text-xs-varying md:text-m lg:text-l font-serif group-[.font-sans]:font-sans \">\n    Jetzt in ein paar Tagen \u201evolle Pulle Ruhestand\u201c, darauf, sagt Fiedler, \u201ehabe ich keine Lust\u201c. Und so wird man ihn, auch in der kommenden Spielzeit sehen, in \u00dcbernahmen wie \u201eDer Sohn\u201c oder \u201eMord im Orientexpress\u201c, dann jedoch als Gest am Staatstheater. \u201eUnd sollten die\u201c, schnoddert er noch einmal herzhaft direkt, \u201ef\u00fcr ein neues St\u00fcck mal einen alten Sack brauchen, mache ich das gern.\u201c\n  <\/p>\n<p class=\"mb-6 text-xs-varying md:text-m lg:text-l font-serif group-[.font-sans]:font-sans \">\n    \u201e<strong class=\"font-bold\">Und heute Abend K\u00f6nig Lear\u201c <\/strong>l\u00e4uft am 23. und 24. Juli jeweils um 19.30 Uhr in der Brechtb\u00fchne. <a href=\"https:\/\/staatstheater-augsburg.de\/und_heute_abend_koenig_lear\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\" class=\"underline \">Karten: staatstheater-augsburg.de.<\/a>\n  <\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Die Stadt lobt er in h\u00f6chsten T\u00f6nen. 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