{"id":1183326,"date":"2026-07-21T21:06:17","date_gmt":"2026-07-21T21:06:17","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/1183326\/"},"modified":"2026-07-21T21:06:17","modified_gmt":"2026-07-21T21:06:17","slug":"antisemitismus-ich-moechte-gestalten-nicht-nur-reagieren-hamburgs-neue-beauftragte-setzt-klare-ziele","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/1183326\/","title":{"rendered":"Antisemitismus: \u201eIch m\u00f6chte gestalten, nicht nur reagieren\u201c \u2013 Hamburgs neue Beauftragte setzt klare Ziele"},"content":{"rendered":"<p>Antisemitismus an Schulen, Hass auf TikTok und mehr Sichtbarkeit j\u00fcdischen Lebens: Hamburgs neue Antisemitismusbeauftragte Anna von Villiez benennt ihre Schwerpunkte. In einer umstrittenen Frage stellt sie sich zudem gegen den Kurs des Senats.<\/p>\n<p class=\"is-first-paragraph\" data-external=\"Article.FirstParagraph\">Seit drei Wochen ist Hamburgs neue Beauftragte f\u00fcr j\u00fcdisches Leben und die Bek\u00e4mpfung und Pr\u00e4vention von Antisemitismus, Anna von Villiez, im Amt. Am Dienstag stellte sie sich und die Pl\u00e4ne f\u00fcr ihre Amtszeit erstmals einer gr\u00f6\u00dferen \u00d6ffentlichkeit vor. Dabei machte die 51 Jahre alte Historikerin deutlich, dass sie Schwerpunkte ihrer Arbeit bei Schulen, Hochschulen und im Kampf gegen Antisemitismus im Internet sieht. <\/p>\n<p>Im Rathaus k\u00fcndigte sie an, nicht nur auf Antisemitismus reagieren zu wollen \u2013 wie sie das in der vergangenen Woche im Vorfeld eines umstrittenen DJane-Auftritts getan hatte. Ihr Ziel sei es vielmehr, die Voraussetzungen daf\u00fcr zu schaffen, dass Antisemitismus in Hamburg \u201elangfristig und messbar\u201c zur\u00fcckgehe.<\/p>\n<p>\u201eMein Ziel wird es nicht sein, Antisemitismus zu verwalten und immer auf Vorf\u00e4lle zu reagieren, sondern ich m\u00f6chte auch gestalten\u201c, sagte von Villiez, die im Hauptberuf die Leiterin der Gedenk- und Bildungsst\u00e4tte Israelitische T\u00f6chterschule ist. Hamburg habe bereits mit seiner Landesstrategie gegen Antisemitismus einen Rahmen geschaffen. Dieser m\u00fcsse nun mit Leben gef\u00fcllt werden.<\/p>\n<p>Besondere Sorgen bereiten der 51-J\u00e4hrigen antisemitische Einstellungen unter jungen Menschen. Ein Schwerpunkt ihrer Arbeit werde deshalb das Bildungswesen sein. J\u00fcdische Sch\u00fcler sowie Studierende m\u00fcssten besser gesch\u00fctzt werden. Gleichzeitig gehe es darum, Antisemitismus \u201ein den K\u00f6pfen und in den Herzen der nichtj\u00fcdischen Sch\u00fclerinnen und Sch\u00fcler, <a class=\"is-link c-block-items__link c-link--rich-text-renderer\" href=\"https:\/\/www.welt.de\/themen\/lehrer\/\" data-internal-tracking-enabled=\"true\" data-internal-tracking=\"{&quot;action&quot;:&quot;click&quot;,&quot;label&quot;:&quot;link&quot;,&quot;name&quot;:&quot;Inline Element&quot;,&quot;data&quot;:{&quot;source&quot;:&quot;&quot;,&quot;target&quot;:&quot;https:\/\/www.welt.de\/themen\/lehrer\/&quot;,&quot;trackingName&quot;:&quot;&quot;,&quot;trackingLabel&quot;:&quot;&quot;}}\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Lehrer<\/a>innen und Lehrer\u201c zur\u00fcckzudr\u00e4ngen.<\/p>\n<p>Von Villiez sprach sich f\u00fcr mehr Bildungsangebote zur Extremismuspr\u00e4vention aus. Zudem m\u00fcsse die Sensibilit\u00e4t f\u00fcr Antisemitismus in der Lehrerausbildung st\u00e4rker verankert werden. Auch die geplante Bildungsst\u00e4tte gegen Antisemitismus m\u00fcsse z\u00fcgig vorangebracht werden. Mit Blick auf die <a class=\"is-link c-block-items__link c-link--rich-text-renderer\" href=\"https:\/\/www.welt.de\/themen\/hochschulen\/\" data-internal-tracking-enabled=\"true\" data-internal-tracking=\"{&quot;action&quot;:&quot;click&quot;,&quot;label&quot;:&quot;link&quot;,&quot;name&quot;:&quot;Inline Element&quot;,&quot;data&quot;:{&quot;source&quot;:&quot;&quot;,&quot;target&quot;:&quot;https:\/\/www.welt.de\/themen\/hochschulen\/&quot;,&quot;trackingName&quot;:&quot;&quot;,&quot;trackingLabel&quot;:&quot;&quot;}}\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Hochschulen<\/a> sprach sie von einer \u201edurchaus herausfordernden\u201c Situation f\u00fcr j\u00fcdische Studierende. Noch in diesem Jahr seien Gespr\u00e4che mit den Hochschulleitungen geplant.<\/p>\n<p>Nach Einsch\u00e4tzung der neuen Beauftragten hat sich die Lage seit dem Hamas-Terrorangriff auf Israel am 7. Oktober 2023 sp\u00fcrbar versch\u00e4rft. Zwar gebe es in Hamburg keine \u201eBerliner Verh\u00e4ltnisse\u201c, sagte sie. Antisemitismus habe sich aber auf einem hohen Niveau verstetigt. Besonders verbreitet sei israelbezogener Antisemitismus \u2013 also der Hass auf Juden, der sich aus dem Handeln des Staates Israels speist.<\/p>\n<p>Einen weiteren Schwerpunkt will von Villiez auf die digitale Welt legen. Gerade junge Menschen bewegten sich heute selbstverst\u00e4ndlich in hybriden Lebenswelten, die zu gro\u00dfen Teilen online stattf\u00e4nden. Dort begegne ihnen Antisemitismus in vielf\u00e4ltiger Form. Auf Plattformen wie TikTok verschm\u00f6lzen rechter, linker und israelbezogener Antisemitismus zunehmend miteinander. \u201eEs gibt so viel Antisemitismus, man macht sich wirklich kein Bild\u201c, sagte sie. Notwendig seien deshalb neue Strategien und auch \u00fcberregionale Anstrengungen. Als Beispiel nannte sie die M\u00f6glichkeit einer gemeinsamen Taskforce gegen digitalen Antisemitismus.<\/p>\n<p>Neben Pr\u00e4vention und Aufkl\u00e4rung will die neue Beauftragte st\u00e4rker die j\u00fcdische Gegenwart in Hamburg sichtbar machen. Viele Menschen w\u00fcssten wenig \u00fcber j\u00fcdisches Leben heute. Begegnungsprojekte, Synagogenbesuche, Sch\u00fcleraustausche mit Israel oder Ausstellungen im Rathaus k\u00f6nnten dazu beitragen, Vorurteile abzubauen und Interesse zu wecken.<\/p>\n<p>Von Villiez war Ende Juni vom Senat zur Nachfolgerin von Stefan Hensel berufen worden. Hensel war im Oktober 2025 vom Amt des Antisemitismusbeauftragten zur\u00fcckgetreten. Er war der erste Beauftragte der Hansestadt und 2021 ins Amt gekommen. Seinen R\u00fccktritt begr\u00fcndete er unter anderem mit dem Hass, der ihm im Amt entgegengeschlagen sei. Im Mai vergangenen Jahres war er gemeinsam mit seiner Tochter im Auto attackiert worden, als sie einen Pop-Song auf Hebr\u00e4isch h\u00f6rten. Inzwischen ber\u00e4t er die oppositionelle CDU zu einer eigenen Antisemitismusstrategie. <\/p>\n<p>Zwischen Anspruch und Wirklichkeit in der Antisemitismusbek\u00e4mpfung in Hamburg klaffe eine \u201eriesige L\u00fccke\u201c, sagte Hensel zuletzt. Er habe sein Amt auch deshalb niedergelegt: Er habe nicht l\u00e4nger die Rolle ausf\u00fcllen wollen, \u201eder Antisemitismusbeauftragte\u201c zu sein \u2013 \u201emancher hat auch gesagt: der Jude der Stadt\u201c \u2013, der erkl\u00e4ren m\u00fcsse, \u201ewarum Antisemitismus ein Problem ist, w\u00e4hrend gleichzeitig die eigene Landesstrategie nicht konsequent umgesetzt wird\u201c.<\/p>\n<p>Hensels zweite Amtszeit, die 2024 begann, war aber auch von einem Streit zwischen den j\u00fcdischen Gemeinden begleitet worden. Hensel geh\u00f6rte der gr\u00f6\u00dferen J\u00fcdischen Gemeinde Hamburg an, die zweite gro\u00dfe Gemeinde: der Israelitische Tempelverband (Liberale J\u00fcdische Gemeinde) f\u00fchlte sich zunehmend von Hensel nicht repr\u00e4sentiert, ja sogar ausgegrenzt. Es kam zu einer Klage gegen die Neubesetzung mit Hensel. Aus formalen Gr\u00fcnden, die das Ausschreibungsverfahren und Gleichbesetzungsgrunds\u00e4tze betrafen, bekam ein unterlegener Kandidat Recht, die Art der Vergabe des Amtes wurde ger\u00fcgt. Hensel aber kam nach Nachbesserungen der Stadt erneut ins Amt und blieb es bis zu seinem R\u00fccktritt.<\/p>\n<p>Derselbe Kandidat, er geh\u00f6rt der Liberalen J\u00fcdischen Gemeinde an, klagte im November auch gegen den Auswahlprozess f\u00fcr Hensels Nachfolge. Das verz\u00f6gerte die Nachbesetzung bis in den Juni hinein. Nachdem sowohl das Verwaltungsgericht als auch das Oberverwaltungsgericht den Antrag zur\u00fcckgewiesen hatten, konnte der Senat die Personalie endg\u00fcltig beschlie\u00dfen. <\/p>\n<p>Von Villiez ist keine J\u00fcdin, sondern evangelisch, hat den Zugang zum Judentum durch ihre Arbeit als Historikerin aufgebaut. Sie st\u00fcnde mit beiden j\u00fcdischen Gemeinden im Kontakt, sagte sie am Dienstag. Von Villiez leitet aus ihrer eigenen Biografie sogar einen Teil ihres Amtsverst\u00e4ndnisses ab. Als nichtj\u00fcdische Hamburgerin wolle sie Br\u00fccken in die Mehrheitsgesellschaft bauen. Antisemitismus d\u00fcrfe nicht als Problem der j\u00fcdischen Gemeinschaft betrachtet werden. \u201eDie Bek\u00e4mpfung von Antisemitismus ist erst mal ein Auftrag an die nichtj\u00fcdische Mehrheitsgesellschaft\u201c, sagte sie.<\/p>\n<p>Wissenschafts- und Gleichstellungssenatorin Maryam Blumenthal (Gr\u00fcne) sprach von einer wichtigen Stimme, die der Stadt in den vergangenen Monaten gefehlt habe. Antisemitismus m\u00fcsse deutlich entschlossener zur\u00fcckgedr\u00e4ngt werden. Von der neuen Beauftragten erwarte sie ausdr\u00fccklich auch, \u201eder Politik ein St\u00fcck weit auf die F\u00fc\u00dfe zu treten\u201c.<\/p>\n<p>Dass sie davor nicht zur\u00fcckschrecken will, zeigte von Villiez bei einer Frage zur seit Jahren umstrittenen Forderung nach einer St\u00e4dtepartnerschaft Hamburgs mit einer israelischen Kommune. Anders als der Senat, der eine solche Partnerschaft bislang ablehnt, positionierte sich die neue Beauftragte klar. \u201eIch w\u00fcrde das begr\u00fc\u00dfen\u201c, sagte von Villiez. Wissenschaftliche, kulturelle und gesellschaftliche Verbindungen nach Israel m\u00fcssten gerade in schwierigen Zeiten gepflegt werden.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Antisemitismus an Schulen, Hass auf TikTok und mehr Sichtbarkeit j\u00fcdischen Lebens: Hamburgs neue Antisemitismusbeauftragte Anna von Villiez benennt&hellip;\n","protected":false},"author":2,"featured_media":1183327,"comment_status":"","ping_status":"","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":"","_share_on_mastodon":"0"},"categories":[1826],"tags":[712,57014,29,30,1000,692,118918,45],"class_list":["post-1183326","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","category-hamburg","tag-antisemitismus","tag-antisemitismus-ks","tag-deutschland","tag-germany","tag-gewalt","tag-hamburg","tag-juedische-gemeinden-ks","tag-texttospeech"],"share_on_mastodon":{"url":"","error":""},"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/1183326","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=1183326"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/1183326\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media\/1183327"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=1183326"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=1183326"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=1183326"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}