{"id":1183792,"date":"2026-07-22T01:47:17","date_gmt":"2026-07-22T01:47:17","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/1183792\/"},"modified":"2026-07-22T01:47:17","modified_gmt":"2026-07-22T01:47:17","slug":"erstmals-atmosphaere-auf-exoplanet-in-habitabler-zone-nachgewiesen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/1183792\/","title":{"rendered":"Erstmals Atmosph\u00e4re auf Exoplanet in habitabler Zone nachgewiesen"},"content":{"rendered":"<p><img decoding=\"async\" class=\"article-image\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2026\/07\/erstmals-atmosphaere-auf-exoplanet-in-habitabler-zone-nachgewiesen.jpg\"   alt=\"Erstmals Atmosph\u00e4re auf Exoplanet in habitabler Zone nachgewiesen\" fetchpriority=\"high\"\/><\/p>\n<p>\n\t\t\t\t\t\t\t(Symbolbild). Rund 6.300 best\u00e4tigte Exoplaneten kennt die Astronomie inzwischen, doch bei felsigen Welten in lebensfreundlicher Umlaufbahn blieb die entscheidende Messung bisher aus. Der 48 Lichtjahre entfernte Exoplanet LHS 1140 b umkreist einen k\u00fchlen roten Zwergstern im Sternbild Walfisch. Ein bodengebundenes Teleskop in Chile lieferte nun das Signal, auf das die Forschung seit zwei Jahrzehnten wartet.<\/p>\n<p>\t\t\t\t\t\t\t\t(Foto: \u00a9\u00a0Forschung und Wissen)<\/p>\n<p><strong>Ein 48 Lichtjahre entfernter Gesteinsplanet liefert das erste belastbare Signal f\u00fcr eine Atmosph\u00e4re in der lebensfreundlichen Zone seines Sterns. Der Nachweis gelang nicht mit einem Weltraumteleskop, sondern mit einem Spektrografen auf einem Berg in Chile. Ein Modell hatte den Befund vorhergesagt, die Messung best\u00e4tigte ihn statistisch eindeutig. Beim Schwesterplaneten im selben System fand sich dagegen nichts Vergleichbares.<\/strong><\/p>\n<p>Planeten in fremden Sonnensystemen lassen sich nur schwer beobachten, weil sie nicht selbst leuchten und vom Licht ihres deutlich gr\u00f6\u00dferen Sterns \u00fcberstrahlt werden. Dennoch hat die Astronomie mit verschiedenen Methoden inzwischen 6.319 Exoplaneten best\u00e4tigt und bei vielen die Gr\u00f6\u00dfe, die Masse oder die Umlaufzeit ermittelt. Zieht ein Planet vor seinem Stern vorbei, durchquert ein Teil des Sternenlichts seine Gash\u00fclle, wobei die enthaltenen Gase bestimmte Wellenl\u00e4ngen abschw\u00e4chen. Aus dieser feinen Ver\u00e4nderung der Farbzusammensetzung lassen sich R\u00fcckschl\u00fcsse auf die Zusammensetzung der Atmosph\u00e4re ziehen. Das Verfahren funktioniert bei dichten Gash\u00fcllen am besten, w\u00e4hrend gerade die d\u00fcnnen Atmosph\u00e4ren das gr\u00f6\u00dfere wissenschaftliche Interesse wecken, weil sie erd\u00e4hnlichen Verh\u00e4ltnissen n\u00e4herkommen. Wie schwer solche Messungen sind, zeigt der R\u00fcckblick auf fr\u00fchere Meilensteine wie den <a href=\"https:\/\/www.forschung-und-wissen.de\/nachrichten\/astronomie\/55-cancri-e-erstmals-atmosphaere-bei-gesteinsplaneten-entdeckt-13378945\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">ersten Atmosph\u00e4rennachweis bei einem Gesteinsplaneten<\/a>, der einer gl\u00fchend hei\u00dfen Welt weit au\u00dferhalb jeder lebensfreundlichen Bahn galt.<\/p>\n<p>Als habitable Zone bezeichnet die Astronomie jenen Abstandsbereich um einen Stern, in dem der Druck und die Temperatur fl\u00fcssiges Wasser auf einer Planetenoberfl\u00e4che erlauben. Bei einem k\u00fchlen roten Zwergstern liegt dieser Bereich sehr nah am Stern, weil dessen Leuchtkraft nur einen Bruchteil der solaren erreicht. Genau dort kreisen die vielversprechendsten Kandidaten der Exoplanetenforschung, denn ein fester Untergrund und moderate Temperaturen gelten als Grundvoraussetzung f\u00fcr Leben nach irdischem Muster. Eine dritte Bedingung blieb bislang unerf\u00fcllt, denn ohne eine Atmosph\u00e4re g\u00e4be es weder Druckausgleich noch W\u00e4rmetransport, und fl\u00fcssiges Wasser k\u00f6nnte an der Oberfl\u00e4che nicht bestehen. Bei s\u00e4mtlichen bekannten felsigen Planeten in habitabler Zone scheiterte der Nachweis einer Gash\u00fclle bisher, was die Frage aufwarf, ob die intensive Strahlung roter Zwergsterne solche Atmosph\u00e4ren grunds\u00e4tzlich fortbl\u00e4st. Ein Team des Center for Astrophysics Harvard &amp; Smithsonian um Collin Cherubim hat diese L\u00fccke nun geschlossen.<\/p>\n<p>\t\t\t\t\t\tEin Signal aus 48 Lichtjahren Entfernung<\/p>\n<p>Der Exoplanet LHS 1140 b wurde bereits 2017 im Sternbild Walfisch entdeckt und z\u00e4hlt mit etwa 5,6 Erdmassen und dem 1,73-fachen Erdradius zu den Supererden. Sein Zentralgestirn ist ein Roter Zwerg, den er in nur 24,7 Tagen umrundet und dabei trotz der geringen Distanz in der lebensfreundlichen Bahn bleibt. Ein Modell von Cherubim hatte prognostiziert, dass ausgerechnet dieser Planet eine heliumhaltige Gash\u00fclle besitzen m\u00fcsste. Statt auf Beobachtungszeit am James-Webb-Weltraumteleskop zu setzen, richteten die Forscher den WINERED-Spektrograf am Magellan-Observatorium in Chile auf das System. Die <a target=\"_blank\" rel=\"nofollow noopener\" href=\"https:\/\/www.science.org\/doi\/10.1126\/science.aea9708\">im Fachmagazin Science erschienene Analyse<\/a> fiel nach Angaben des Mitautors David Charbonneau statistisch v\u00f6llig eindeutig aus. Der Nachweis stammt damit von einem bodengebundenen Instrument, was die Methodik f\u00fcr k\u00fcnftige Kampagnen erheblich aufwertet.<\/p>\n<p>Warum ausgerechnet Helium z\u00e4hlt<\/p>\n<p>Gemessen wurde Helium, das aus der \u00e4u\u00dferen Schicht der Atmosph\u00e4re ins All entweicht und dabei eine charakteristische Infrarotsignatur hinterl\u00e4sst. Ein entweichendes Gas verr\u00e4t paradoxerweise die Existenz der H\u00fclle, denn nur eine vorhandene Atmosph\u00e4re kann Material verlieren. Zugleich schlie\u00dft der Befund an \u00e4ltere Beobachtungen an, die einer wasserstoffdominierten Gash\u00fclle widersprachen und stattdessen auf ein Gasgemisch mit hoher mittlerer Molek\u00fclmasse deuteten. Aufschlussreich ist der direkte Vergleich innerhalb desselben Systems, denn beim ebenfalls beobachteten Schwesterplaneten LHS 1140 c fanden die Forscher keine Atmosph\u00e4re. Das spricht dagegen, dass ein Messartefakt oder eine Eigenheit des Sterns das Signal erzeugt. Nach Einsch\u00e4tzung von Robin Wordsworth beantwortet der Fund eine Frage, die die Forschung seit zwei Jahrzehnten begleitet, denn nachdem erd\u00e4hnliche Planeten als h\u00e4ufig erkannt und in habitabler Zone gefunden wurden, blieb offen, ob einer von ihnen seine Gash\u00fclle bewahren konnte.<\/p>\n<p>\t\t\t\t\t\tOffene Fragen zur Zusammensetzung<\/p>\n<p>Was die Atmosph\u00e4re tats\u00e4chlich enth\u00e4lt, ist mit den vorliegenden Daten noch nicht zu bestimmen. Helium belegt die Existenz der H\u00fclle, sagt aber wenig \u00fcber deren Hauptbestandteile aus, und ob Wasserdampf vorkommt, m\u00fcssen weitere Beobachtungen zeigen. Die Forscher gehen davon aus, dass der Planet mehrere Milliarden Jahre alt ist, \u00e4hnlich wie die Erde, was bedeuten w\u00fcrde, dass die Gash\u00fclle dem Sternenwind \u00fcber sehr lange Zeitr\u00e4ume standgehalten hat. Genau darin liegt die eigentliche Tragweite, denn rote Zwergsterne sind die h\u00e4ufigsten Sterne der Milchstra\u00dfe, und ihre Strahlung galt bislang als wahrscheinlicher Atmosph\u00e4renkiller. Der Fund reiht sich in eine Serie von Befunden ein, zu denen auch die <a href=\"https:\/\/www.forschung-und-wissen.de\/thema\/exoplaneten\/\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Suche nach lebensfreundlichen Exoplaneten<\/a> mit spektralen Methoden z\u00e4hlt. Ein Beleg f\u00fcr Leben ist damit ausdr\u00fccklich nicht verbunden, wohl aber ein belastbarer Hinweis darauf, dass die dritte Bedingung erf\u00fcllbar ist.<\/p>\n<p>Science, Studie zur Heliumatmosph\u00e4re des Exoplaneten LHS 1140 b; doi:10.1126\/science.aea9708<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"(Symbolbild). 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