{"id":1184148,"date":"2026-07-22T05:32:13","date_gmt":"2026-07-22T05:32:13","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/1184148\/"},"modified":"2026-07-22T05:32:13","modified_gmt":"2026-07-22T05:32:13","slug":"rekordzahl-in-deutschland-wenn-die-stoerche-weiter-brueten-gefaehrdet-das-die-stromversorgung","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/1184148\/","title":{"rendered":"Rekordzahl in Deutschland \u2013 \u201eWenn die St\u00f6rche weiter br\u00fcten, gef\u00e4hrdet das die Stromversorgung\u201c"},"content":{"rendered":"<p>Noch vor wenigen Jahrzehnten war der Wei\u00dfstorch in Deutschland beinahe verschwunden. Inzwischen hat sich sein Bestand so sehr erholt, dass die Tiere zum Problem werden. Experten sehen sogar die Stromversorgung gef\u00e4hrdet.<\/p>\n<p class=\"is-first-paragraph\" data-external=\"Article.FirstParagraph\">Er ist gro\u00df, wei\u00df und gilt als Gl\u00fccksbote: der Wei\u00dfstorch. Der Vogel br\u00fctet derzeit so viel wie noch nie in Deutschland. Das teilte der Naturschutzbund (Nabu) mit. Diesen Sommer rechnet der Nabu mit rund 15.000 Brutpaaren. <\/p>\n<p>\u201eSelbst vor 100 Jahren gab es nicht so viele St\u00f6rche\u201c, sagte Bernd Petri von der Nabu-Bundesarbeitsgruppe Wei\u00dfstorch. In den 1980er Jahren habe es in den beiden deutschen Staaten weniger als 3000 Brutpaare gegeben. Aus vielen Regionen seien die Tiere sogar vollst\u00e4ndig verschwunden gewesen. Die Zahl der St\u00f6rche hat sich seitdem mehr als verf\u00fcnffacht.<\/p>\n<p>Der R\u00fcckgang hatte mehrere Ursachen. Den St\u00f6rchen brachen Nahrungsr\u00e4ume weg: Zahlreiche Moore wurden trockengelegt und in landwirtschaftliche Fl\u00e4chen umgewandelt. Damit verschwanden auch seichte Gew\u00e4sser, in denen der Storch nach Fr\u00f6schen, Insekten, Fischen und W\u00fcrmern sucht. Immerhin verspeist ein ausgewachsener Storch bis zu 700 Gramm tierische Nahrung jeden Tag. <\/p>\n<p>Au\u00dferdem wurden die Zugrouten f\u00fcr die St\u00f6rche immer gef\u00e4hrlicher. Stromleitungen oder Windenergieanlagen etwa wurden vielen St\u00f6rchen zum Verh\u00e4ngnis. Mittlerweile hat sich der Bestand jedoch deutlich erholt. Der Nabu spricht von einem \u201eguten Erhaltungszustand\u201c.<\/p>\n<p>Was hat sich ver\u00e4ndert? Mittlerweile werden immer mehr Moore renaturiert. Die im Jahr 2022 beschlossene Moorschutzstrategie sieht die weitere Wiedervern\u00e4ssung von trockengelegten Mooren vor. Zudem wird auch Gr\u00fcnlandbewirtschaftung gef\u00f6rdert, die auf den Wei\u00dfstorch abgestimmt sei. Aber auch die St\u00f6rche passten sich an. Immer mehr Tiere verk\u00fcrzen ihren Zug im Herbst\u00a0\u2013 und erh\u00f6hen so ihre \u00dcberlebensrate. <\/p>\n<p>Die meisten Wei\u00dfst\u00f6rche sind ausgepr\u00e4gte Zugv\u00f6gel, die ihre Brutpl\u00e4tze zwischen Mitte August und Anfang September verlassen. \u201eDurch Deutschland verl\u00e4uft eine sogenannte Zugscheide. \u00d6stlich davon ziehen die St\u00f6rche im Winter wie eh und je \u00fcber den Balkan und den Nahen Osten nach Afrika. Westlich der Zugscheide dagegen geht es nur noch bis Spanien\u201c, erkl\u00e4rte Petri. <\/p>\n<p>Dort f\u00e4nden die St\u00f6rche auf Reisfeldern und M\u00fclldeponien reichlich Nahrung. St\u00f6rche beginnen Ende August ihre Reise. Und dabei sind sie wahre Vielflieger: In den zwei bis vier Zugmonaten legen sie im Durchschnitt 150 bis 300 Kilometer pro Tag zur\u00fcck. Mittlerweile bleibt ein steigender Anteil auch im Winter in Deutschland, deutlich beeinflusst von ausgesetzten V\u00f6geln und Winterf\u00fctterungen.<\/p>\n<p>\u201eVor 30 Jahren waren drei Viertel unserer St\u00f6rche Ostzieher, heute ist das Verh\u00e4ltnis umgekehrt: Drei Viertel ziehen nach Westen. Der Schwerpunkt der Storchenvorkommen hat sich grob gesagt von der Elbe an den Rhein verlagert\u201c, erl\u00e4utert Petri. Wann die St\u00f6rche in ihre Heimat zur\u00fcckkehren, h\u00e4ngt von ihrer Route ab.<\/p>\n<p>Aufgrund des Klimawandels und der verk\u00fcrzten Zugwege treffen viele St\u00f6rche bereits ab Mitte Februar bis Ende M\u00e4rz wieder in ihren heimischen Nestern ein. Die klassischen \u201eOstzieher\u201c, die bis nach Afrika fliegen, kommen meist erst im April an. Dann beginnt die Brutzeit.<\/p>\n<p>Storch h\u00e4mmert mit Schnabel auf Auto ein<\/p>\n<p>Wei\u00dfst\u00f6rche br\u00fcten in allen Bundesl\u00e4ndern; die meisten Brutpaare gab es im vergangenen Jahr in Niedersachsen (2737) und Baden-W\u00fcrttemberg (2602). Sechs bis sieben Paare je 100 Quadratkilometer gelten laut Nabu als eine gute Dichte. In Hessen gebe es die h\u00f6chste Dichte: So habe etwa der Kreis Gro\u00df-Gerau 90 Storchenpaare je 100 Quadratkilometer. Weitere Hotspots liegen demnach in Mittelfranken und Oberschwaben.<\/p>\n<p>Der Erfolg des Artenschutzes bringt jedoch auch neue Konflikte mit sich. Im nieders\u00e4chsischen Burgdorf sorgt der Wei\u00dfstorch \u201eHans-Werner\u201c regelm\u00e4\u00dfig f\u00fcr Unmut: Aufnahmen zeigen, wie das Tier mit seinem gro\u00dfen Schnabel auf Autos und Fensterscheiben einhackt. M\u00f6glicherweise h\u00e4lt er sein Spiegelbild f\u00fcr einen Rivalen und versucht, ihn so zu beseitigen, wie es in regionalen Medien hei\u00dft. <\/p>\n<p>Einige Bewohner \u00e4u\u00dferten gegen\u00fcber dem \u201eZDF\u201c ihre Sorge: \u201eJeder sagt: Ach, ist der niedlich. Aber wenn der hier die Autos demoliert und gegen die Fenster klopft, ist das schon heftig.\u201c Eine Bewohnerin Burgdorfs ver\u00f6ffentlicht ein Video auf Facebook, auf dem der Storch \u201eHans-Werner\u201c in Aktion zu beobachten ist. Immer wieder \u201eklopft\u201c das Tier mit seinem Schnabel an der Fensterscheibe. <\/p>\n<p>Grunds\u00e4tzlich gelten St\u00f6rche als friedliche Tiere. Allerdings k\u00f6nnen ihre Nester Probleme verursachen. Wei\u00dfst\u00f6rche, die ein Alter von \u00fcber 35 Jahren erreichen k\u00f6nnen, nisten auf Schornsteinen, D\u00e4chern oder Kircht\u00fcrmen. Dabei geben sich die V\u00f6gel alle M\u00fche: Ein mehrj\u00e4hriger Storchenhorst kann ein Gewicht von bis zu einer Tonne erreichen. Der Vogel selbst wiegt lediglich bis zu 4,5 Kilogramm. <\/p>\n<p>Werden die Nester auf Strommasten gebaut, drohen zudem Betriebsst\u00f6rungen und Br\u00e4nde. Petri warnt in der ZDF-Doku \u201eStadtvogel. St\u00f6rche \u2013 vom Gl\u00fccksbringer zum St\u00f6renfried\u201c vor weiteren Sch\u00e4den: \u201eWenn man nichts tut und die St\u00f6rche hier immer weiter br\u00fcten, gef\u00e4hrdet das die Stromversorgung. Dann sind bald nicht mehr 20, sondern 40 Masten mit Nestern besetzt und irgendwann dann das gesamte Netz\u201c, so der Nabu-Sprecher. \u201eDas w\u00e4re eine Katastrophe.\u201c<\/p>\n<p>mit dpa<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Noch vor wenigen Jahrzehnten war der Wei\u00dfstorch in Deutschland beinahe verschwunden. 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