{"id":118620,"date":"2025-05-17T20:41:09","date_gmt":"2025-05-17T20:41:09","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/118620\/"},"modified":"2025-05-17T20:41:09","modified_gmt":"2025-05-17T20:41:09","slug":"verpackungen-aus-getreidespelzen-ueber-eine-million-fuer-stuttgarter-start-up-wollen-branche-revolutionieren","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/118620\/","title":{"rendered":"Verpackungen aus Getreidespelzen: \u00dcber eine Million f\u00fcr Stuttgarter Start-up: \u201ewollen Branche revolutionieren\u201c"},"content":{"rendered":"<p>Seit Jahrzehnten schw\u00f6rt Lisa Scherers Vater auf sein flauschig-federleichtes Kissen aus <a href=\"https:\/\/www.stuttgarter-zeitung.de\/thema\/Getreide\" title=\"Getreide\" class=\"art_thema\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Getreide<\/a>spelzen. Das bringt sie 2020 auf die Idee, die Polsterwirkung der Getreidekornh\u00fcllen f\u00fcr einen nachhaltigen Verpackungsstoff zu nutzen \u2013 und so zuk\u00fcnftig unz\u00e4hlige Tonnen an Plastikm\u00fcll zu vermeiden. 120 000 Tonnen Dinkelspelzen entstehen j\u00e4hrlich allein in Deutschland: Bislang nicht-essbare Abfallprodukte, in Zukunft wom\u00f6glich Abfallverhinderer.<\/p>\n<p>\u00a0Mit dieser Vision gr\u00fcndet Lisa Scherer 2021 im Rahmen ihres Masters<a href=\"https:\/\/www.stuttgarter-zeitung.de\/inhalt.hochschule-der-medien-in-stuttgart-masterstudentin-erfindet-neuartige-verpackung.3539a9b0-b288-44a4-9ebd-cc45fb448a7d.html\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\"> \u201ePackaging Development Management\u201c an der Hochschule der Medien gr\u00fcndet Lisa <\/a>mit ihrer Schwester und zwei Freunden das Start-up Proservation (englisch: \u201epro preservation\u201c \u2013 f\u00fcr Erhaltung). Gemeinsam entwickeln sie seither den Stoff \u201eRecou\u201c (franz\u00f6sisch: \u201erecouver\u201c \u2013 umh\u00fcllen). <\/p>\n<p>Nicht nur leere H\u00fclsen: Spelzen statt Styropor <\/p>\n<p>F\u00fcr ihre Erfindung verschmelzen die Vier neben verschiedenen Sprachen die Getreidespelzen mit einem pflanzlichen Bindemittel. So formen sie ein bruchsicheres Material, das empfindlichen G\u00fctern denselben Schutz bietet wie Styropor.<\/p>\n<p>Der Unterschied: F\u00fcr Styropor braucht es Erd\u00f6l, es ist nicht biologisch abbaubar und schwierig zu recyclen. \u201eRecou hingegen wird regional erzeugt, ist plastikfrei und problemlos kompostierbar\u201c, erkl\u00e4rt Henning Tschunt, <a href=\"https:\/\/www.stuttgarter-zeitung.de\/thema\/Gr%C3%BCndung\" title=\"Gr\u00fcndung\" class=\"art_thema\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Gr\u00fcndung<\/a>smitglied und Gesch\u00e4ftsf\u00fchrer des mittlerweile zw\u00f6lfk\u00f6pfigen Teams von Proservation.<\/p>\n<p>Verpackungspreis 2022 <\/p>\n<p>F\u00fcr seinen innovativen Ansatz wurde das Unternehmen 2022 mit dem Verpackungspreis ausgezeichnet. <a href=\"https:\/\/www.stuttgarter-zeitung.de\/inhalt.stuttgarter-start-up-proservation-gruener-sammeln-500-000-euro-in-20-tagen-ein.53591a03-de15-479e-8882-9fc8f25a40ac.html\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Bereits mehrfach konnte Proservation renommierte Stipendien und Business Angels f\u00fcr sich gewinnen. <\/a>Nun erh\u00e4lt das Start-up f\u00fcr die gro\u00dfindustrielle Fertigung von Recou mehr als eine Million Euro an frischem Kapital. Die beachtliche Finanzspritze beruht auf privaten Anlegerinnen und Anlegern sowie dem F\u00f6rderprogramm \u201eInnoGrowth BW\u201c der L-Bank.<\/p>\n<p>  <img decoding=\"async\" loading=\"lazy\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2025\/05\/media.media.dedcd03a-7365-459e-9f7d-4dc444a03b2a.original1024.media.jpeg\"\/>     Bald k\u00f6nnen immer mehr Firmen einpacken \u2013 und zwar nachhaltig: Mit Spelzen statt Styropor.    Foto: Proservation    Gewinnanteile, aber keine Stimmrechte  <\/p>\n<p> Das Besondere im Fall von Proservation: Das Unternehmen hat seine Investorinnen und Investoren von einem ungew\u00f6hnlichen Deal \u00fcberzeugt. Sie bekommen zwar Gewinnanteile, aber keine Stimmrechte. Damit sch\u00fctzt die Firma ihre Werte langfristig. \u201eDieser Erfolg bedeutet f\u00fcr uns einige Kopfschmerzen weniger\u201c, gesteht Tschunt erleichtert. \u201eDamit k\u00f6nnen wir unseren n\u00e4chsten Meilenstein im Herbst 2025 erreichen.\u201c <\/p>\n<p> \u00a0 F\u00fcr diesen Zeitpunkt plant Proservation, in G\u00f6ppingen seine erste teilautomatisierte Produktionsanlage zu er\u00f6ffnen. \u201eEndlich\u201c, wie der 30-j\u00e4hrige Tschunt kommentiert. <\/p>\n<p>Vier Jahre haben die Freunde an der richtigen Konsistenz von Getreidespelzen und Bindemitteln get\u00fcftelt \u2013 und das mit allen Mitteln: Anfangs r\u00fchren sie ihr Birchler M\u00fcsli, wie sie die Maische anschaulich nennen, h\u00e4ndisch in B\u00fcrocontainern an. Sp\u00e4ter <a href=\"https:\/\/www.stuttgarter-zeitung.de\/inhalt.zwischennutzung-in-bad-cannstatt-wo-pel-wohnte-zieht-kultur-ein.ac22fcda-a79c-487f-a503-536864d2ace3.html\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">mieten sie eine alte Kneipe in Bad Cannstatt<\/a>, experimentieren mit Thermomix, Fleischwolf und physikalischen Grenzen. Gemeinsam mit Maschinenbauern entwickeln sie eine v\u00f6llig neuartige Produktionsmaschine.<\/p>\n<p> Im April 2024 steht schlie\u00dflich der finale Entwurf. \u201ePl\u00f6tzlich hatten wir einen Heureka-Moment\u201c, erinnert sich Henning Tschunt. Recou sei damals noch etwas br\u00f6selig und rau gewesen. \u201eWir konnten das Problem nicht l\u00f6sen \u2013 bis wir einen Verfahrensschritt ver\u00e4ndert haben.\u201c<\/p>\n<p> Ein Durchbruch, der weh tut <\/p>\n<p> Ein Durchbruch, der ebenso begeistert wie weh tut. Der Feinschliff er\u00f6ffnet der Firma den Markt f\u00fcr empfindliche schwere G\u00fcter wie Waschmaschinen und K\u00fchlschr\u00e4nke. Gleichzeitig zwingt er sie, die Produktionsanlage neu zu konstruieren. \u201eManchmal muss man vier Schritte zur\u00fcckgehen\u201c, bemerkt Henning Tschunt, \u201eum dann zwei nach vorne r\u00fccken zu k\u00f6nnen\u201c. <\/p>\n<p>Fortschritt verl\u00e4uft selten geradlinig. Er fu\u00dft darauf, Kreise zu drehen, H\u00fcrden zu nehmen und Extra-Strecken zu laufen. All das kostet Nerven, Zeit und Geld \u2013 trotzdem hat Proservation nie die Flinte in die Kornspelze geworfen.<\/p>\n<p>\u201eDas ist nicht selbstverst\u00e4ndlich. Viele Gr\u00fcnderteams geben wieder auf und entscheiden sich f\u00fcr die gesicherte Existenz als Angestellte\u201c, meint Michael Herrenbauer. Der Professor f\u00fcr Verpackungstechnik an der Hochschule f\u00fcr Medien begleitet Proservation, seit Lisa Scherer die Spelzen aus dem Kissen ihres Vaters holte. \u201eMir war sofort klar: Die Idee hat Potenzial.\u201c<\/p>\n<p> Aber: Die Idee kann noch so hervorragend sein \u2013 entscheidend ist, sie zu vermarkten. \u201eDaf\u00fcr muss man ein starkes Team auf die Beine stellen\u201c, unterstreicht Johanna Kutter, Leiterin der Ausgr\u00fcndungsf\u00f6rderung an der <a href=\"https:\/\/www.stuttgarter-zeitung.de\/thema\/Hochschule_der_Medien\" title=\"Hochschule der Medien\" class=\"art_thema\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Hochschule der Medien<\/a>. \u201eProservation ist es gelungen, die richtigen Leute zu vereinen.\u201c <\/p>\n<p>  Das Ziel: Eine Revolution <\/p>\n<p>Die richtigen Leute vereinen: Mit dieser Intention hat das Team k\u00fcrzlich strategische <a href=\"https:\/\/www.stuttgarter-zeitung.de\/thema\/Partnerschaft\" title=\"Partnerschaft\" class=\"art_thema\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Partnerschaft<\/a>en mit der Getreidem\u00fchle \u201eSchapfenM\u00fchle\u201c aus Ulm und dem Verpackungsunternehmen Feurer Group aus Brackenheim geschlossen.<\/p>\n<p>Zuk\u00fcnftig will das Start-up verst\u00e4rkt auf internationale Partner setzen und Lizenzen zur Herstellung von Recou verkaufen. \u201eEs w\u00e4re Quatsch, Recou nur hier zu produzieren. Getreide w\u00e4chst \u00fcberall\u201c, betont Henning Tschunt. \u201eMit einer dezentralen Herstellung wollen wir die gesamte Branche revolutionieren.\u201c<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Seit Jahrzehnten schw\u00f6rt Lisa Scherers Vater auf sein flauschig-federleichtes Kissen aus Getreidespelzen. 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