{"id":1187950,"date":"2026-07-23T19:22:29","date_gmt":"2026-07-23T19:22:29","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/1187950\/"},"modified":"2026-07-23T19:22:29","modified_gmt":"2026-07-23T19:22:29","slug":"geopolitik-im-westen-die-nato-hat-einen-guten-ruf","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/1187950\/","title":{"rendered":"Geopolitik im Westen: Die Nato hat einen guten Ruf"},"content":{"rendered":"<p class=\"paragraph article__item\">Die alten Gewissheiten der Nachkriegszeit sind im Westen vorbei. W\u00e4hrend US-Pr\u00e4sident Donald Trump Amerikas F\u00fchrungsrolle demontiert, nimmt der globale Einfluss des autokratischen China zu. Unsicherheiten sch\u00fcren der Klimawandel oder die Kriege Russlands gegen die Ukraine und der <a class=\"rtr-entity\" href=\"https:\/\/www.zeit.de\/thema\/usa\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">USA<\/a> gegen den Iran. Doch die Wahrnehmung \u00fcber das Ausma\u00df der Ver\u00e4nderungen ist in den westlichen L\u00e4ndern unterschiedlich. Wie sehr, zeigt j\u00fcngst eine Umfrage des Datenanalysedienstes YouGov. Sie basiert auf Online-Interviews in Deutschland, Frankreich, Polen, Gro\u00dfbritannien, Australien, Kanada und den USA. Das sind die wichtigsten Ergebnisse:\n<\/p>\n<p>                        Angst vor Klimawandel und Massenmigration            <\/p>\n<p class=\"paragraph article__item\">In nahezu allen befragten L\u00e4ndern wird der Klimawandel als gro\u00dfe, weltweite Bedrohung wahrgenommen. Die Deutschen f\u00fcrchten an erster Stelle Massenmigration, dicht gefolgt vom Klimawandel und dem Szenario, von einem feindlichen Staat angegriffen zu werden. In den Punkten spiegeln sich gro\u00dfe reale Ereignisse: die un\u00fcbersehbaren Ver\u00e4nderungen in der Umwelt, die gro\u00dfen Fluchtbewegungen aus dem Nahen Osten Richtung Europa ab 2014 und die folgende Zuwanderungsdebatte sowie <a class=\"rtr-entity\" href=\"https:\/\/www.zeit.de\/thema\/russland\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Russlands<\/a> Angriffskrieg gegen die Ukraine. Auch Briten, Kanadier und Franzosen nennen an erster Stelle den Klimawandel.\n<\/p>\n<p class=\"paragraph article__item\">Wie sehr die Bedrohung durch milit\u00e4rische Aggression nicht nur in Deutschland die Sorgen der Bev\u00f6lkerung bestimmt, zeigt das Beispiel Polen. Dort f\u00fcrchtet man mit Abstand am meisten, von einem feindlichen Staat attackiert zu werden. Das ist kein Wunder, denn Polen teilt \u00fcber die Enklave Kaliningrad eine Grenze mit dem Aggressor Russland. Dazu grenzt es an die Ukraine, wo Wladimir Putins Armee Krieg f\u00fchrt, sowie an Belarus, einen verb\u00fcndeten Vasallenstaat Russlands.\n<\/p>\n<p>      Klimawandel wird \u00fcberall als Bedrohung gesehen<\/p>\n<p class=\"zg-datawrapper-small-multiples-description x-content-column\">Die drei h\u00e4ufigst genannten globalen Bedrohungen nach dem Land der Befragten\n<\/p>\n<p>14.752 Teilnehmer, Befragungszeitraum: 17. bis 30. Juni 2026<\/p>\n<p>Quelle: YouGov<\/p>\n<p class=\"paragraph article__item\">Die US-Amerikaner wiederum f\u00fcrchten mehr noch als den <a class=\"rtr-entity\" href=\"https:\/\/www.zeit.de\/thema\/klimawandel\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Klimawandel<\/a> den politischen Extremismus. Darin zeigt sich die zunehmende Polarisierung der Politik in den Vereinigten Staaten, wo mit der Maga-Bewegung eine Art <a href=\"https:\/\/www.zeit.de\/2026\/02\/maga-bewegung-donald-trump-usa-rechte-revolution\/komplettansicht\" target=\"_blank\" rel=\"nofollow noopener\">kulturelle Revolution von rechts<\/a> die Gesellschaft spaltet.\n<\/p>\n<p>                            \u00a9\u00a0Lea Dohle<\/p>\n<p>\n                                        Newsletter<br \/>\n                                        Was jetzt? \u2013 Der t\u00e4gliche Morgen\u00fcberblick<\/p>\n<p class=\"newsletter-signup__text\">Starten Sie mit unserem kurzen Nachrichten-Newsletter in den Tag. 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Entsprechend wird in Australien auch Massenmigration relativ stark als Bedrohung wahrgenommen. Nach einem  <a href=\"https:\/\/www.abs.gov.au\/media-centre\/media-releases\/2021-census-shows-changes-australias-religious-diversity\" target=\"_blank\" rel=\"nofollow noopener\">Zensus von 2021<\/a>\u00a0bekannten sich etwas mehr als 800.000 Menschen in Australien zum Islam, gerade mal 3,2 Prozent der Gesamtbev\u00f6lkerung.\n<\/p>\n<p class=\"paragraph article__item\">Massenmigration wird einzig in den Fl\u00e4chenstaaten USA und Kanada weniger hoch als Gefahr gewertet. Das zeigt, dass die einwanderungsfeindliche Politik der Trump-Regierung weniger stark einen politischen Willen in der Bev\u00f6lkerung wiedergibt, als der Pr\u00e4sident propagiert.\n<\/p>\n<p>            Russland und die USA als Bedrohung f\u00fcr den Weltfrieden            <\/p>\n<p class=\"paragraph article__item\">In Europa wird Russland durch seinen Krieg gegen die Ukraine und seine hybriden Anschl\u00e4ge auf die Infrastruktur des Kontinents als gro\u00dfe Bedrohung f\u00fcr den Weltfrieden genannt, in Polen und Deutschland mit Abstand am st\u00e4rksten. Die Australier und Kanadier sehen dagegen mehr die USA als starke Bedrohung f\u00fcr den Weltfrieden. Das liegt vor allem an der aggressiven wie wankelm\u00fctigen Rhetorik Donald Trumps, seinen beiden Irankriegen sowie der Tatsache, dass er aus dem zweiten Krieg in Nahost offenbar nur schwer einen Ausweg findet.\n<\/p>\n<p class=\"paragraph article__item\">Die US-Amerikaner selbst sind in der Bewertung der Frage zwischen ihrem Land und Russland gespalten, sehen aber als gr\u00f6\u00dfte Gefahr den Iran noch vor <a class=\"rtr-entity\" href=\"https:\/\/www.zeit.de\/thema\/china\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">China<\/a>.\n<\/p>\n<p>            Internationale Organisationen genie\u00dfen hohes Ansehen            <\/p>\n<p class=\"paragraph article__item\">Die Regierung der Vereinigten Staaten unter Donald Trump wettert gegen internationale Organisationen wie die <a class=\"rtr-entity\" href=\"https:\/\/www.zeit.de\/thema\/nato\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Nato<\/a> oder die UN und zieht sich finanziell wie personell aus ihren Gremien zur\u00fcck. Doch diese Regierungspolitik deckt sich nicht mit der \u00f6ffentlichen Meinung in den befragten Staaten: Internationale Organisationen haben in allen befragten sieben L\u00e4ndern einen guten Ruf, die Nato st\u00f6\u00dft auf Zustimmungswerte von 55 bis 70 Prozent, die Vereinten Nationen bis 61 Prozent; die der EU liegen selbst in den USA bei rund 50 Prozent.\u00a0\n<\/p>\n<p class=\"paragraph article__item\">Einen umfassenden milit\u00e4rischen Angriff auf ihr Land in den n\u00e4chsten zehn Jahren h\u00e4lt etwa ein Drittel der Befragten f\u00fcr wahrscheinlich. Entsprechend erkennt eine Mehrheit in jedem Land B\u00fcndnisse wie die Nato als wichtig f\u00fcr die eigene nationale Sicherheit an. In Deutschland sind gleichzeitig 70 Prozent der Befragten nicht zuversichtlich, dass die Bundeswehr in der Lage w\u00e4re, das Land gegen einen Angriff zu verteidigen.\n<\/p>\n<p class=\"paragraph article__item\">Die Befragten in den europ\u00e4ischen L\u00e4ndern neigen dazu, zu glauben, dass die USA ihnen zu Hilfe kommen w\u00fcrden. Nur in Deutschland geht eine Mehrheit nicht davon aus. Daf\u00fcr setzen die Deutschen aber auf andere Natostaaten, was dem europ\u00e4ischen Trend entspricht. Gleichzeitig besteht in den befragten L\u00e4ndern die Auffassung, dass das eigene Land den USA zu Hilfe kommen sollte, wenn es angegriffen wird.\n<\/p>\n<p class=\"paragraph article__item\">In dem Zuspruch f\u00fcr internationale Organisationen und der Akzeptanz des Milit\u00e4rb\u00fcndnisses Nato spiegeln sich die Unsicherheiten der Befragten wider. Diese speisen sich wom\u00f6glich aus einer sich aufl\u00f6senden regelbasierten Werteordnung und dem wachsenden geopolitischen Einfluss des autokratischen China. Die Beliebtheit der Nato in Europa wiederum hat direkt mit Russlands Krieg gegen die Ukraine und der daraus folgenden Bedrohung zu tun. Und es ist im Umkehrschluss m\u00f6glicherweise gerade die Hetze der Trump-Regierung gegen internationale Organisationen, die diese in allen sieben L\u00e4ndern beliebt machen.\n<\/p>\n<p>            Der Ruf der USA hat unter Trump gelitten            <\/p>\n<p class=\"paragraph article__item\">Keine US-Regierung zuvor hat sich derart gegen Freunde und Verb\u00fcndete gerichtet wie die von Donald Trump. In Deutschland meinen heute knapp drei Viertel der Befragten, die USA seien f\u00fcr die Welt deswegen eine Kraft des Schlechten geworden. Das deckt sich weitgehend mit der Mehrheit in allen L\u00e4ndern, einschlie\u00dflich der USA selbst.\n<\/p>\n<p class=\"paragraph article__item\">Die Mehrheit der befragten Deutschen sowie die Briten glauben, dass die Beziehungen zu den USA auch nach der Zeit unter Trump nicht mehr so sein werden wie fr\u00fcher. US-Amerikaner, Australier, Kanadier, Franzosen und Polen hoffen dagegen, dass sich die Beziehungen der USA zu anderen L\u00e4ndern nach Trump wieder normalisieren werden.\n<\/p>\n<p>                                    Ambivalenter Blick auf China            <\/p>\n<p class=\"paragraph article__item\">Die Sicht auf das Verh\u00e4ltnis zum global aufsteigenden China ist in den befragten Staaten ambivalent: In Deutschland wird es ebenso freundschaftlich wie bedrohlich wahrgenommen. \u00c4hnlich gespalten ist die Sicht der Franzosen. In den USA und Gro\u00dfbritannien dagegen wird China mehrheitlich als feindlich oder unfreundlich gesehen.\n<\/p>\n<p class=\"paragraph article__item\">Polen, Australier und Kanadier wiederum tendieren dazu, China als ihrem Land gegen\u00fcber freundlich wahrzunehmen. Diese positive Sicht ist bemerkenswert, denn Chinas F\u00fchrung pflegt gute Beziehungen zu Russlands Pr\u00e4sidenten Wladimir Putin, dessen Land von der Mehrheit der Befragten in allen sieben Staaten als unfreundlich oder feindlich gegen\u00fcber dem eigenen gesehen wird. Vielleicht liegt der freundliche Blick auf China darin begr\u00fcndet, dass viele der Befragten in dem Land die globale Zukunft sehen: In allen Staaten au\u00dfer den USA neigt man zu der Ansicht, dass China in 20 Jahren ein wirtschaftlich und technologisch f\u00fchrendes Land sein wird.\n<\/p>\n<p class=\"paragraph article__item\">Die Daten der Befragung basieren auf Online-Interviews mit Mitgliedern des YouGov-Panels. Daf\u00fcr wurden vom 17. bis 30. Juni 2026 2.079 Personen in Deutschland, 2.340 Personen im Vereinigten K\u00f6nigreich, 2.003 Personen in Australien, 2.057 Personen in Kanada, 2.109 Personen in Frankreich, 2.098 Personen in Polen und 2.039 Personen in den USA befragt. Die Erhebungen wurden politisch quotiert und die Ergebnisse anschlie\u00dfend entsprechend gewichtet. Die Ergebnisse sind repr\u00e4sentativ f\u00fcr die jeweiligen Wohnbev\u00f6lkerungen ab 18 Jahren.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Die alten Gewissheiten der Nachkriegszeit sind im Westen vorbei. 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