{"id":1188813,"date":"2026-07-24T04:39:19","date_gmt":"2026-07-24T04:39:19","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/1188813\/"},"modified":"2026-07-24T04:39:19","modified_gmt":"2026-07-24T04:39:19","slug":"baku-treffen-rueckkehr-des-gespraechskanals-zwischen-berlin-und-moskau","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/1188813\/","title":{"rendered":"Baku-Treffen: R\u00fcckkehr des Gespr\u00e4chskanals zwischen Berlin und Moskau?"},"content":{"rendered":"<p>                            <img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2026\/07\/shutterstock_1944060136-ab55fa503cb5248a.jpeg\"  width=\"3051\" height=\"1715\"  alt=\"Ein Geb\u00e4ude hinter einem Baum leicht versteckt\" class=\"img-responsive\"\/><\/p>\n<p class=\"caption akwa-caption__text\">Das Hotel Four Seasons in Baku soll Begegnungsst\u00e4tte der Delegationen gewesen sein<\/p>\n<p class=\"source akwa-caption__source\">(Bild:\u00a0Daria Romanovska\/<a href=\"https:\/\/www.shutterstock.com\/de\/image-photo\/baku-azerbaijan-2021-beautiful-building-four-1944060136?trackingId=50dd64cc-d542-4c5f-965a-69d883994e11&amp;listId=searchResults\" target=\"_blank\" rel=\"external noopener nofollow\">Shutterstock.com<\/a>)<\/p>\n<p class=\"lead beitraganriss\">Diskrete Treffen zwischen deutschen und russischen Vertretern werfen Fragen nach informellen Kan\u00e4len auf. Wirtschaft und Energie k\u00f6nnten eine Rolle spielen.<\/p>\n<p>Anfang letzter Woche <a href=\"https:\/\/www.tagesschau.de\/investigativ\/kontraste\/baku-russland-putin-deutschland-geheimtreffen-100.html\" rel=\"external noopener nofollow\" target=\"_blank\">trafen<\/a> sich ehemalige deutsche Spitzenpolitiker mit hochrangigen Vertretern aus Russland in Baku. Laut Recherchen des Magazins Kontraste (ARD) fanden solche Zusammenk\u00fcnfte seit 2024 mehrfach statt und lass sich gewisserma\u00dfen als Fortsetzung des offiziell beendeten &#8222;Petersburger Dialogs&#8220; <a href=\"https:\/\/www.tagesschau.de\/investigativ\/kontraste\/deutschland-russland-treffen-baku-100.html\" rel=\"external noopener nofollow\" target=\"_blank\">einordnen<\/a>.<\/p>\n<p>        Weiterlesen nach der Anzeige<\/p>\n<p>Treffen im Four Seasons<\/p>\n<p>Die Begegnung fand im Luxushotel Four Seasons in der aserbaidschanischen Hauptstadt Baku statt, in einem abgeschirmten Rahmen abseits des allgemeinen Hotelbetriebs.<\/p>\n<p>Die deutsche Delegation bestand aus Matthias Platzeck, dem ehemaligen SPD-Vorsitzenden und Brandenburger Ministerpr\u00e4sidenten, sowie Ronald Pofalla (CDU), dem fr\u00fcherem Kanzleramtschef unter Angela Merkel. Begleitet wurden sie vom ehemaligen Schweizer Botschafter in Berlin, Tim Guldimann.<\/p>\n<p>Auf russischer Seite nahmen unter anderem Viktor Subkow teil \u2013 Aufsichtsratsvorsitzender von Gazprom und fr\u00fcherer Ministerpr\u00e4sident Russlands \u2013 sowie Alexander Gromyko, Leiter des Europa-Instituts der russischen Akademie der Wissenschaften, und Waleri Fadejew, Vorsitzender des russischen Menschenrechtsrates, der in der EU Einreiseverbot hat. Die Besetzung ist bezeichnend: Hochrangige Personen mit politischem Einfluss, jedoch ohne formale Regierungs\u00e4mter.<\/p>\n<p>Die deutsche Delegation logierte eigenen Angaben zufolge in einem g\u00fcnstigeren Hotel. Platzeck <a href=\"https:\/\/www.tagesschau.de\/investigativ\/kontraste\/baku-russland-putin-deutschland-geheimtreffen-100.html\" rel=\"external noopener nofollow\" target=\"_blank\">betonte<\/a> gegen\u00fcber Journalisten: &#8222;Da wir das alles selber bezahlen, sind wir etwas preiswerter untergebracht&#8220;. So sind die Treffen zun\u00e4chst als private und inoffizielle Zusammenk\u00fcnfte zu betrachten.<\/p>\n<p>Die offizielle Distanzierung der Bundesregierung<\/p>\n<p>        Weiterlesen nach der Anzeige<\/p>\n<p>Die Bundesregierung erkl\u00e4rte gegen\u00fcber der ARD, dass sie diese Gespr\u00e4che nicht beauftragt oder unterst\u00fctzt habe. Aus dem Ausw\u00e4rtigen Amt hie\u00df es, man plane &#8222;keine Fortsetzung oder Weiternutzung des Formats&#8220; des Petersburger Dialogs. Das Gespr\u00e4chsforum wurde 2001 vom damaligen Bundeskanzler Gerhard Schr\u00f6der und dem russischen Pr\u00e4sidenten Wladimir Putin zur F\u00f6rderung der deutsch-russischen Verst\u00e4ndigung ins Leben gerufen.<\/p>\n<p>Auch das Kanzleramt von Friedrich Merz verlautete, dass es sich nicht um eine Initiative des Bundeskanzleramtes handele. Dennoch taucht in den ARD-Recherchen die Frage auf: Handelt es sich hier wirklich um eine private Mission einiger Ex-Politiker? Oder h\u00e4lt sich die Regierung bewusst ein Hintert\u00fcrchen offen \u2013 jenseits der offiziell verfolgten diplomatischen Isolation Russlands?<\/p>\n<p>Die deutsche Russland-Expertin Sarah Pagung, Leiterin des Berliner B\u00fcros der K\u00f6rber-Stiftung, h\u00e4lt die grunds\u00e4tzliche Idee, diskrete Kan\u00e4le nach Moskau offen zu halten, nicht f\u00fcr problematisch. Bei der Personenauswahl aber sch\u00fcttelt sie den Kopf: &#8222;Eine ganz schwierige Wahl. Zu glauben, man k\u00f6nne sich mit solchen Leuten treffen und habe dann irgendeine Form von Einfluss auf russische Politik, halte ich f\u00fcr v\u00f6llig fehlgeleitet&#8220;, sagte Pagung gegen\u00fcber der ARD.<\/p>\n<p>Die entscheidende Frage dabei bleibt: Welche Personen w\u00e4ren denn geeignet, einen ernsthaften Dialog zu f\u00fchren \u2013 wenn er denn gewollt w\u00e4re? \u00dcber die Inhalte des j\u00fcngsten Treffens in Baku ist nichts bekannt. Doch allein die Anwesenheit von Herrn Subkow, dem Aufsichtsratsvorsitzenden von Gazprom, legt nahe, dass energiewirtschaftliche Fragen eine Rolle gespielt haben k\u00f6nnten.<\/p>\n<p>Die historische Dimension: Energiegesch\u00e4ft im Kalten Krieg<\/p>\n<p>F\u00fcr Deutschland war Russland in der j\u00fcngeren Vergangenheit aus mehreren Gr\u00fcnden ein interessanter wirtschaftlicher Partner: weit oben steht der Ressourcenreichtum der Russischen F\u00f6deration, insbesondere an Energierohstoffen, an denen die Bundesrepublik arm ist.<\/p>\n<p>Dazu kam der russische Absatzmarkt und schlie\u00dflich der russische Bedarf nach deutscher Technologie (der infolge der Sanktionspolitik, der russischen Importsubstitution sowie der ausgebauten Zusammenarbeit mit China zunehmend an Bedeutung verloren hat).<\/p>\n<p>Deutschland und Russland haben zu ganz anderen Zeiten intensive Energiebeziehungen unterhalten \u2013 sogar im Kalten Krieg, einer Zeit des tiefgreifenden Systemgegensatzes. Die bilateralen Energiebeziehungen zwischen der Bundesrepublik und der Sowjetunion waren jedoch stets stark von den geopolitischen Rahmenbedingungen des Kalten Krieges und der transatlantischen Bindung der BRD an die USA gepr\u00e4gt.<\/p>\n<p>In den 1970er Jahren verfolgte die sozialdemokratisch gef\u00fchrte BRD mit den sogenannten <a href=\"https:\/\/www.ost-ausschuss.de\/de\/50-jahre-roehren-gegen-erdgas\" rel=\"external noopener nofollow\" target=\"_blank\">Erdgas-R\u00f6hren-Gesch\u00e4ften<\/a> eine verh\u00e4ltnism\u00e4\u00dfig eigenst\u00e4ndige Au\u00dfen- und Entspannungspolitik.<\/p>\n<p>Trotz Ost-West-Spannungen und US-Sanktionen setzte sich die BRD (gemeinsam mit anderen EG-Staaten) \u00fcber die amerikanischen Forderungen hinweg. Die Gr\u00fcnde waren vielf\u00e4ltig: die \u00d6lkrise und das Interesse an Energiediversifizierung sowie wirtschaftliche Vorteile durch industrielle Kooperationen; wobei eine energiepolitische Abh\u00e4ngigkeit von der UdSSR nicht entstand.<\/p>\n<p>Leitmotiv &#8222;Wandel durch Handel&#8220;<\/p>\n<p>&#8222;Wandel durch Handel&#8220; war \u00fcber Jahrzehnte ein zentrales Leitmotiv der deutschen Au\u00dfen- und Wirtschaftspolitik gegen\u00fcber Staaten wie Russland. Die Grundidee lautete: Intensive wirtschaftliche Verflechtung f\u00f6rdert langfristig politische Liberalisierung und friedliche Beziehungen.<\/p>\n<p>In den deutsch-russischen Beziehungen setzte Deutschland ab den 1990er-Jahren auf enge wirtschaftliche Zusammenarbeit mit der F\u00f6deration. Deutsche Unternehmen investierten stark, insbesondere in Maschinenbau, Automobilindustrie und Energie. Russland wurde zu einem der wichtigsten Gaslieferanten Deutschlands. Die Wirtschafts- und Energiebeziehungen wurden immer weiter ausgebaut; symbolisch daf\u00fcr standen die Gaspipelines Nord Stream 1 und sp\u00e4ter Nord Stream 2.<\/p>\n<p>Nach dem Maidan-Putsch in Kiew und der folgenden Annexion der Krim durch die Russische F\u00f6deration im Jahr 2014 verh\u00e4ngte die EU erste Sanktionen gegen Russland. Gleichzeitig blieb der Energiehandel vorerst weitgehend bestehen.<\/p>\n<p>Seit dem Angriff auf die Ukraine 2022 jedoch gilt das Konzept &#8222;Wandel durch Handel&#8220; im Verh\u00e4ltnis zu Russland f\u00fcr viele als gescheitert. Deutschland hat sich seither in energiepolitischer Hinsicht von Russland &#8222;unabh\u00e4ngig&#8220; gemacht \u2013 und die g\u00fcnstigen russischen Energielieferungen durch weit teurere Alternativen ersetzt, insbesondere durch Fl\u00fcssiggas aus den USA, das mit Fracking-Methoden hergestellt wird.<\/p>\n<p>Klar ist, dass Handel allein keine diplomatischen und politischen Beziehungen ersetzt. Er kann aber \u2013 unabh\u00e4ngig von der politischen Situation \u2013 zum gegenseitigen Nutzen betrieben werden. Historische Beispiele lehren, dass die Balance zwischen Wirtschaftsinteressen und politischer Loyalit\u00e4t stets eine Gratwanderung ist \u2013 und sie war es schon im Kalten Krieg.<\/p>\n<p>Genau hier liegt die ambivalente Botschaft der Baku-Treffen: W\u00e4hrend die offizielle Diplomatie auf Eis liegt und die Bundesregierung sich von den Gespr\u00e4chen distanziert, scheint es ein informelles Interesse zu geben, wirtschaftliche \u2013 und m\u00f6glicherweise auch politische \u2013 Kan\u00e4le offen zu halten.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Das Hotel Four Seasons in Baku soll Begegnungsst\u00e4tte der Delegationen gewesen sein (Bild:\u00a0Daria Romanovska\/Shutterstock.com) Diskrete Treffen zwischen deutschen&hellip;\n","protected":false},"author":2,"featured_media":1188814,"comment_status":"","ping_status":"","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":"","_share_on_mastodon":"0"},"categories":[4013],"tags":[331,332,4542,29,508,13,14,15,248249,4043,4044,850,307,12,1712,55],"class_list":["post-1188813","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","category-russland","tag-aktuelle-nachrichten","tag-aktuelle-news","tag-aserbaidschan","tag-deutschland","tag-diplomatie","tag-headlines","tag-nachrichten","tag-news","tag-petersburger-dialog","tag-russia","tag-russian-federation","tag-russische-foederation","tag-russland","tag-schlagzeilen","tag-ukraine-krieg","tag-wirtschaft"],"share_on_mastodon":{"url":"https:\/\/pubeurope.com\/@de\/116973115428689096","error":""},"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/1188813","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=1188813"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/1188813\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media\/1188814"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=1188813"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=1188813"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=1188813"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}