{"id":1189193,"date":"2026-07-24T08:33:21","date_gmt":"2026-07-24T08:33:21","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/1189193\/"},"modified":"2026-07-24T08:33:21","modified_gmt":"2026-07-24T08:33:21","slug":"rienzi-in-bayreuth-die-oper-die-nie-auf-den-huegel-durfte-unterhaltung","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/1189193\/","title":{"rendered":"\u201eRienzi\u201c in Bayreuth: Die Oper, die nie auf den H\u00fcgel durfte | Unterhaltung"},"content":{"rendered":"<p><a class=\"skip-content skip-content--link\" href=\"#in-content-skip-link-target-v-0-0\">TTS-Player \u00fcberspringen\u21b5<\/a><a id=\"in-content-skip-link-target-v-0-0\" class=\"skip-content--target-link-hidden skip-content skip-content--target-link\" href=\"#in-content-skip-link-target-v-0-0\">Artikel weiterlesen<\/a><\/p>\n<p data-32581ace=\"0-4793\">Bayreuth \u2013 <b>Zum 150. Geburtstag der Festspiele passiert auf dem Gr\u00fcnen H\u00fcgel Historisches: Erstmals kommt Richard Wagners fr\u00fche Erfolgsoper \u201eRienzi\u201c ins Festspielhaus. Ein Triumphst\u00fcck, ein Problemfall \u2013 und ein Blick in Bayreuths verdr\u00e4ngte Vergangenheit.<\/b><\/p>\n<p data-32581ace=\"0-4793\">Dieser Wagner war immer drau\u00dfen. Drau\u00dfen vor dem Festspielhaus. Drau\u00dfen vor dem heiligen Kanon. Drau\u00dfen vor jener Welt, die Richard Wagner sich selbst als Denkmal gebaut hat. Jetzt darf er hinein. <a href=\"https:\/\/www.bild.de\/unterhaltung\/musik\/20-kilo-abgenommen-sopranistin-gabriela-scherer-bin-sehr-froh-dass-es-mir-besser-geht-6a5f2bf62937e4865893e2ac\" class=\"text-link\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Im Jubil\u00e4umsjahr der Bayreuther Festspiele wird die Wagner-Oper \u201eRienzi\u201c erstmals auf dem Gr\u00fcnen H\u00fcgel aufgef\u00fchrt<\/a>. Premiere ist am 26. Juli 2026, dirigiert von Nathalie Stutzmann, inszeniert von Alexandra Szemer\u00e9dy und Magdolna Parditka. F\u00fcr Bayreuth ist das mehr als eine Opernpremiere. Es ist ein Tabubruch mit Ansage. Denn das Werk ist auf dem Festspielh\u00fcgel bislang noch nie erklungen.<\/p>\n<p>Fotos: picture alliance\/dpa; picture alliance\/imageBROKER; Enrico Nawrath | Deutsche Grammophon<\/p>\n<p data-32581ace=\"0-4793\">Dabei war ausgerechnet diese Oper f\u00fcr den jungen Wagner der Durchbruch. 1842 in Dresden uraufgef\u00fchrt, machte \u201e<a href=\"https:\/\/www.bild.de\/unterhaltung\/musik\/richard-wagner-festspiele-rienzi-von-a-bis-z-6a5f67010ccc03bfc10bd19f\" class=\"text-link\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Rienzi<\/a>\u201c den damals noch nicht weltber\u00fchmten Komponisten pl\u00f6tzlich zum Mann der Stunde. Ein Riesenstoff: Rom im Ausnahmezustand, mordende Adelsfamilien, ein Volk auf der Suche nach Erl\u00f6sung, ein Volkstribun, der erst Retter sein will \u2013 und dann an Macht, Gr\u00f6\u00dfenwahn und Verrat zugrunde geht. Bayreuth beschreibt das St\u00fcck als Verbindung von Aufstieg und Fall, privater Trag\u00f6die und \u00f6ffentlicher Vision.<\/p>\n<p>Mehr zum Thema<\/p>\n<p data-32581ace=\"0-4793\">Warum also musste dieser Erfolgs-Wagner 150 Jahre lang drau\u00dfen bleiben? Die einfache Antwort lautet: Weil Wagner das selbst nicht wollte.<\/p>\n<p data-32581ace=\"0-4793\">\u201eRienzi\u201c ist nicht der Wagner von \u201eRing\u201c, \u201eTristan\u201c oder \u201eParsifal\u201c. Es ist der junge Wagner, der noch nach der gro\u00dfen Pariser Oper schielt: f\u00fcnf Akte, Massenszenen, Pathos, Pomp, Politik, Blech, Chor, Feuer. Ein Werk, das wirken will wie ein Blockbuster. F\u00fcr Wagner war sie im Nachhinein zu sehr an die italienisch-franz\u00f6sische Grand Op\u00e9ra angelehnt. F\u00fcr ihn begann der Bayreuther Kanon erst ab seinem \u201eFliegenden Holl\u00e4nder\u201c, in dem er seine Idee vom Musikdrama besser verwirklicht sah.<\/p>\n<p>Mehr zum Thema<\/p>\n<p data-32581ace=\"0-4793\">Ganz so simpel wie ein Verbot ist die Sache allerdings nicht. Bayreuths Dramaturgie betont heute: Es gab kein Testament, in dem Wagner \u201eRienzi\u201c ausdr\u00fccklich aus dem Festspielhaus verbannte. Der ber\u00fchmte Bayreuther Kanon beruht nach Festspielangaben nicht auf einer Stiftungsvorschrift, sondern vor allem auf Briefen Wagners an K\u00f6nig Ludwig II. aus dem Jahr 1882. Die Experten von BR-Klassik zitieren den Dramaturgen Markus Kiesel mit dem Hinweis, es sei nicht so, dass Wagner das St\u00fcck nicht gemocht oder ein Bayreuth-Verbot verh\u00e4ngt habe.<\/p>\n<p>\u201eRienzi\u201c-Partitur gilt als verschollen<\/p>\n<p data-32581ace=\"0-4793\">Und doch blieb \u201eRienzi\u201c drau\u00dfen. Auch aus einem ganz praktischen Grund: Es gibt nicht den einen, endg\u00fcltigen \u201eRienzi\u201c. Die Originalpartitur gilt als verschollen, vollst\u00e4ndiges Urauff\u00fchrungsmaterial existiert nach Angaben der Festspiele nicht. Wagner selbst lie\u00df verschiedene Fassungen und K\u00fcrzungen zu; sp\u00e4ter bearbeitete Cosima Wagner das Werk, Wieland Wagner k\u00fcrzte es 1957 radikal. F\u00fcr Bayreuth 2026 musste also nicht einfach eine Oper aus dem Regal geholt werden \u2013 die Festspiele mussten eine Fassung rekonstruieren, fast wie in einem musikalischen Kriminalfall.<\/p>\n<p data-32581ace=\"0-4793\">Hinzu kommt der schwerste Schatten: Hitler. \u201eRienzi\u201c wurde im Nationalsozialismus politisch missbraucht. Sie war Hitlers Lieblingsoper, er lie\u00df die Ouvert\u00fcre immer wieder bei staatlichen Feierlichkeiten und Reichsparteitagen spielen. Hitler las die Figur des Volkstribuns, der das Volk entz\u00fcndet, als F\u00fchrerfigur und damit als Vorbild f\u00fcr sich selbst. Das Regieteam will genau diese Schichten freilegen \u2013 und den Fall \u201eRienzi\u201c neu aufrollen.<\/p>\n<p><img decoding=\"async\" width=\"992\" height=\"558\" alt=\"Adolf Hitler (1889\u20131945) war bei den Richard-Wagner-Festspielen in Bayreuth ein gern gesehener Gast. Hinter ihm: Winifred Wagner (1897\u20131980), Wagners einzige Schwiegertochter und Intendantin von 1930 bis 1944. \u201eRienzi\u201c, die in diesem Jahr auf dem H\u00fcgel erstmals zu sehen ist, gilt als Hitlers Lieblingsoper\" loading=\"lazy\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2026\/07\/0ad806e7eeadb6c0f9759fdb0b554747,e806553d.jpeg\"   class=\"landscape\"\/><\/p>\n<p class=\"fig__caption__text\">Adolf Hitler (1889\u20131945) war bei den Richard-Wagner-Festspielen in Bayreuth ein gern gesehener Gast. Hinter ihm: Winifred Wagner (1897\u20131980), Wagners einzige Schwiegertochter und Intendantin von 1930 bis 1944. \u201eRienzi\u201c, die in diesem Jahr auf dem H\u00fcgel erstmals zu sehen ist, gilt als Hitlers Lieblingsoper<\/p>\n<p>Foto: picture alliance\/SZ Photo<\/p>\n<p>Warum also gerade jetzt? <\/p>\n<p data-32581ace=\"0-4793\">2026 feiern die Festspiele ihren 150. Geburtstag. Und ein Jubil\u00e4um ist nicht nur zum Feiern da. Sondern auch, um die historische und teils fragw\u00fcrdige Rolle Wagners und die dunkle Seite seines Werkes freizulegen und zu fragen: Was hat Bayreuth gezeigt \u2013 und was hat Bayreuth verdr\u00e4ngt? Das Stadtfestival \u201eFestival150\u201c spricht von einem Jubil\u00e4umsjahr, in dem historische St\u00fccke und moderne Formate zusammenkommen; die Bayreuther Festspiele selbst \u00f6ffnen daf\u00fcr nun auch die T\u00fcr zu einem Werk, das bislang nicht zum heiligen Zehner-Kreis geh\u00f6rte.<\/p>\n<p data-32581ace=\"0-4793\">So wird \u201eRienzi\u201c zum perfekten Jubil\u00e4umsst\u00fcck. Es zeigt den jungen Wagner vor dem Mythos. Den Erfolgs-Wagner vor dem Erl\u00f6sungs-Wagner. Den Komponisten, der noch dem damaligen weltoffenen Zeitgeist gefallen wollte, bevor er sein eigensinniges Kunstreich gr\u00fcndet. Und es zwingt Bayreuth, sich selbst zu befragen: Was ist Tradition? Was ist Ausgrenzung? Was ist k\u00fcnstlerische Reife \u2013 und was nur eine Familienregel? Am Ende brennt in \u201eRienzi\u201c das Kapitol. Auf dem Gr\u00fcnen H\u00fcgel brennt nun eine andere Frage: Darf Bayreuth mehr Wagner zeigen, als Wagner selbst f\u00fcr Bayreuth vorgesehen hatte? 2026 lautet die Antwort: Ja. Einmal. Endlich.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"TTS-Player \u00fcberspringen\u21b5Artikel weiterlesen Bayreuth \u2013 Zum 150. Geburtstag der Festspiele passiert auf dem Gr\u00fcnen H\u00fcgel Historisches: Erstmals kommt&hellip;\n","protected":false},"author":2,"featured_media":1189194,"comment_status":"","ping_status":"","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":"","_share_on_mastodon":"0"},"categories":[155],"tags":[772,5899,18703,242074,29,214,30,97,215,248331],"class_list":["post-1189193","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","category-unterhaltung","tag-bayern","tag-bayreuth","tag-bayreuther-festspiele","tag-bild-meets-klassik","tag-deutschland","tag-entertainment","tag-germany","tag-oper","tag-unterhaltung","tag-wagner-richard"],"share_on_mastodon":{"url":"https:\/\/pubeurope.com\/@de\/116974035085142671","error":""},"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/1189193","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=1189193"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/1189193\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media\/1189194"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=1189193"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=1189193"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=1189193"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}