{"id":118939,"date":"2025-05-17T23:48:25","date_gmt":"2025-05-17T23:48:25","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/118939\/"},"modified":"2025-05-17T23:48:25","modified_gmt":"2025-05-17T23:48:25","slug":"reise-in-den-nahen-osten-frau-im-mond-als-beruehrende-familiensaga-ndr-de-kultur-buch","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/118939\/","title":{"rendered":"Reise in den Nahen Osten: &#8222;Frau im Mond&#8220; als ber\u00fchrende Familiensaga | NDR.de &#8211; Kultur &#8211; Buch"},"content":{"rendered":"<p>\nStand: 15.05.2025 11:55 Uhr\n<\/p>\n<p class=\"preface\">&#8222;Frau im Mond&#8220; von Pierre Jarawan ist ein komplexer Roman, der politische Themen, famili\u00e4re Pr\u00e4gungen und die Bedeutung von Identit\u00e4t spannend miteinander verwebt.<\/p>\n<p class=\"textauthor\">von <a href=\"https:\/\/www.ndr.de\/kultur\/weise130.html\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Katja Weise<\/a><\/p>\n<p>Die &#8222;Frau im Mond&#8220; &#8211; auch als H\u00f6rbuch verf\u00fcgbar &#8211; begleitet Maroun el Shami, seit er den Film von Fritz Lang als Zehnj\u00e4hriger 1931 in einem Kino in Montr\u00e9al gesehen hat. Kurz nach dem Tod seiner Mutter, die mit ihm aus dem Libanon nach Kanada emigriert war. Der noch unter Schock stehende Junge nimmt f\u00fcr sich die Erkenntnis mit, &#8230;<\/p>\n<p class=\"quote\">\n&#8230;dass jede noch so abwegige Idee Tatsache werden konnte, wenn man nur ausreichend an sie glaubte.<br \/>\nLeseprobe\n<\/p>\n<p>Sp\u00e4ter wird er Physik an der renommierten McGill University studieren. In seinem Jahrgang ist er der einzige mit libanesischen Wurzeln. Anfang der 1960er-Jahre kehrt er in den Libanon zur\u00fcck und gr\u00fcndet dort mit Studenten die Lebanese Rocket Society. Die hat es tats\u00e4chlich gegeben: Damals herrschte Aufbruchstimmung, und man war stolz auf dieses erste Weltraumprogramm auf arabischem Boden.<\/p>\n<p>Nach dessen Ende zieht es Maroun mit Frau und Tochter allerdings nach Kanada zur\u00fcck. Hier werden seine Enkelinnen, die Zwillinge Lina und Lilith, geboren. Auch mit ihnen wird er eine selbstgebastelte Rakete in den Himmel schie\u00dfen. Lilith erinnert sich viele Jahre sp\u00e4ter:<\/p>\n<p class=\"quote\">\nDer Nachmittag, an dem Gro\u00dfvater mit uns zum Platz auf der Anh\u00f6he am Waldrand fuhr, um die Cedar 9 zu starten, z\u00e4hlt zweifellos zu unseren magischsten Erinnerungen. Ich wei\u00df noch genau, wie unsere Rakete \u00fcber den nebelverhangenen Boden aufstieg und wie mich in der Stille zwischen Start und Landung das Gef\u00fchl \u00fcberkam, etwas ber\u00fchre unseren Gro\u00dfvater in seinem Innersten.<br \/>\nLeseprobe\n<\/p>\n<p>Liliths Suche nach Identit\u00e4t<\/p>\n<p>Lilith steckt in einer Krise. Die Filmemacherin sp\u00fcrt eine &#8222;L\u00fccke&#8220; und will mehr wissen \u00fcber ihre Familie, insbesondere die Gro\u00dfmutter Anoush. Sie starb vor der Geburt der Zwillinge, hatte armenische Wurzeln und \u00fcberlebte den Genozid an den Armeniern Anfang des 20. Jahrhunderts als kleines M\u00e4dchen in einem libanesischen Waisenhaus. Lilith bittet Maroun, ihr aus seinem und Anoushs Leben zu erz\u00e4hlen und reist schlie\u00dflich nach Beirut, um dort weitere Nachforschungen anzustellen.<\/p>\n<p>Es gelingt ihr, Menschen ausfindig zu machen, die Anoush noch gekannt haben. Sie taucht tief ein in ein durch Korruption verw\u00fcstetes Land, das 2020 einen Aufbruch erlebt: Der arabische Fr\u00fchling hat auch den Libanon erreicht.<\/p>\n<p>Frage nach Bedeutung von Familie im Mittelpunkt<\/p>\n<p>Pierre Jarawan erz\u00e4hlt mit vielen R\u00fcckblenden, die Kapitel folgen dem Muster eines Countdowns beim Raketenstart &#8211; allerdings von 50 abw\u00e4rts. Im Mittelpunkt steht die Frage nach den Pr\u00e4gungen, nach der Bedeutung von Familie und dem, was ohne Worte weitergegeben wird &#8211; an Erfahrungen und Traumata. Lilith ist in Kanada geboren, ihre Reise nach Beirut auf den Spuren der Gro\u00dfmutter ist die erste in den Libanon. Doch als sie ein paar Jahre zuvor in Kanada ihren ersten Film ver\u00f6ffentlicht, wird sie gleich in eine Schublade gesteckt:<\/p>\n<p class=\"quote\">\nDie Tore zur Filmwelt hatten sich mir ge\u00f6ffnet, doch bis heute war ich nicht sicher, ob es daran lag, dass ich wirklich gut war, oder vielmehr daran, dass ich zum richtigen Zeitpunkt auf dem Radar gesellschaftlich-politischer Debatten auftauchte und zuf\u00e4llig el Shami hie\u00df.<br \/>\nLeseprobe\n<\/p>\n<p>Pierre Jarawan findet originelle Bilder<\/p>\n<p>&#8222;Frau im Mond&#8220; ist ein komplexer Roman, der viele politische Themen aufgreift, nicht nur den Genozid an den Armeniern. Auch die Karriere von Wernher von Braun spielt eine Rolle, die Entwicklung der V2, der Tod von Zwangsarbeitern beim Bau der Rakete, die brutalen Bedingungen bei der Herstellung von Seide im Libanon und vieles mehr. Es ist nicht immer leicht, den \u00dcberblick zu behalten, aber die Figuren, die Pierre Jarawan erfindet, sind mitrei\u00dfend und tragen die Leserinnen und Leser durch die knapp 500 Seiten. Au\u00dferdem &#8211; das gilt nicht f\u00fcr alle Passagen &#8211; schreibt Jarawan leichtf\u00fc\u00dfig, mit Witz, findet immer wieder originelle Bilder und ironisiert manchmal auch das eigene Erz\u00e4hlen. Das hat Schwung und macht Spa\u00df. Ihre Eltern beispielsweise stellt Lilith so vor:<\/p>\n<p class=\"quote\">\nIn den f\u00fcnfzehn Monaten ihrer Beziehung hatten sie es vollbracht, dreimal umzuziehen, sich zweimal zu trennen und einmal schwanger zu werden. Es war, als h\u00e4tte Amor die beiden f\u00fcreinander bestimmt, seinen Pfeil jedoch sturzbetrunken abgeschossen.<br \/>\nLeseprobe\n<\/p>\n<p>Wie wird erz\u00e4hlt, wie halten wir Familiengeschichte(n) fest und am Leben? Auch das ist ein roter Faden in diesem Roman. Wie Pierre Jarawan das gelingt, ist wunderbar.<\/p>\n<p>Frau im Mond<\/p>\n<p>von Pierre\u00a0Jarawan<\/p>\n<dl>\n<dt class=\"dtHidden\">Seitenzahl:<\/dt>\n<dd>496 Seiten<\/dd>\n<dt class=\"dtHidden\">Genre:<\/dt>\n<dd>Roman<\/dd>\n<dt>Verlag:<\/dt>\n<dd>Piper<\/dd>\n<dt>Ver\u00f6ffentlichungsdatum:<\/dt>\n<dd>04.04.2025<\/dd>\n<dt>Bestellnummer:<\/dt>\n<dd>978-3-8270-1499-3<\/dd>\n<dt>Preis:<\/dt>\n<dd>26 \u20ac<\/dd>\n<\/dl>\n<p>Dieses Thema im Programm:<\/p>\n<p>NDR Kultur |<br \/>\nNeue B\u00fccher |<br \/>\n15.05.2025 | 12:40 Uhr<\/p>\n<p>Schlagw\u00f6rter zu diesem Artikel<br \/>\n<a href=\"https:\/\/www.ndr.de\/kultur\/buch\/Romane-Buch-Rezensionen-Lesungen-und-Podcasts,romane107.html\" title=\"Inhalte zum Thema &#039;Romane&#039;\" aria-label=\"Inhalte zum Thema &#039;Romane&#039;\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Romane<\/a><\/p>\n<p><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2025\/03\/ndr_printlogo.gif\" alt=\"NDR Logo\" title=\"NDR Logo\"\/><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Stand: 15.05.2025 11:55 Uhr &#8222;Frau im Mond&#8220; von Pierre Jarawan ist ein komplexer Roman, der politische Themen, famili\u00e4re&hellip;\n","protected":false},"author":2,"featured_media":118940,"comment_status":"","ping_status":"","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[1774],"tags":[1784,1797,1785,1796,29,214,45424,30,438,439,440,45423,83,1795,1800,215],"class_list":{"0":"post-118939","1":"post","2":"type-post","3":"status-publish","4":"format-standard","5":"has-post-thumbnail","7":"category-buecher","8":"tag-books","9":"tag-buch","10":"tag-buecher","11":"tag-buchtipps","12":"tag-deutschland","13":"tag-entertainment","14":"tag-frau-im-mond","15":"tag-germany","16":"tag-ndr","17":"tag-norddeutscher-rundfunk","18":"tag-norddeutschland","19":"tag-pierre-jarawan","20":"tag-radio","21":"tag-roman","22":"tag-romane","23":"tag-unterhaltung"},"share_on_mastodon":{"url":"https:\/\/pubeurope.com\/@de\/114525851043365693","error":""},"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/118939","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=118939"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/118939\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media\/118940"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=118939"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=118939"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=118939"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}