{"id":1189694,"date":"2026-07-24T13:20:17","date_gmt":"2026-07-24T13:20:17","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/1189694\/"},"modified":"2026-07-24T13:20:17","modified_gmt":"2026-07-24T13:20:17","slug":"europa-zielt-auf-russlands-geldstroeme-nun-verschaerft-auch-peking-seine-gangart","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/1189694\/","title":{"rendered":"Europa zielt auf Russlands Geldstr\u00f6me \u2013 nun versch\u00e4rft auch Peking seine Gangart"},"content":{"rendered":"<p>Am Donnerstag beschloss die Europ\u00e4ische Union ihr bislang umfangreichstes Russland-Sanktionspaket seit vier Jahren. Am Freitag folgte die chinesische Antwort: 14 europ\u00e4ische Unternehmen und Einrichtungen d\u00fcrfen keine Dual-Use-Produkte aus China mehr beziehen. Der Streit zeigt, wie weit sich der wirtschaftliche Konflikt inzwischen \u00fcber Russland hinaus ausdehnt.<\/p>\n<p><strong>Die EU versch\u00e4rft den Druck auf Russlands Kriegswirtschaft<\/strong><\/p>\n<p>Die Europ\u00e4ische Union hat am 23. Juli ihr 21. Sanktionspaket gegen Russland beschlossen. Es richtet sich nicht nur gegen einzelne Verantwortliche des Angriffskrieges, sondern vor allem gegen jene Bereiche, die Moskau weiterhin Einnahmen, Finanzdienstleistungen und milit\u00e4risch nutzbare Technik verschaffen.<\/p>\n<p>Neu auf die Sanktionslisten kommen insgesamt 218 Personen und Organisationen. Betroffen sind 48 Einzelpersonen und 170 Unternehmen, Beh\u00f6rden oder andere Einrichtungen. Nach Angaben des Rates handelt es sich um die gr\u00f6\u00dfte Gruppe neuer Listungen innerhalb eines einzelnen Pakets seit vier Jahren.<\/p>\n<p>Das Paket konzentriert sich auf vier wirtschaftlich besonders relevante Bereiche:<\/p>\n<ul>\n<li>Russlands Banken und Finanzierungswege,<\/li>\n<li>den \u00d6lsektor und die sogenannte Schattenflotte,<\/li>\n<li>Kryptow\u00e4hrungen und alternative Zahlungssysteme,<\/li>\n<li>sowie Unternehmen, die Russlands R\u00fcstungsindustrie und Drohnenproduktion beliefern.<\/li>\n<\/ul>\n<p>Br\u00fcssel versucht damit, weniger sichtbare L\u00fccken fr\u00fcherer Sanktionsrunden zu schlie\u00dfen. Russland soll nicht nur bestimmte Waren nicht mehr direkt aus der EU beziehen k\u00f6nnen. Auch Banken, H\u00e4ndler, Plattformen und Lieferanten au\u00dferhalb Russlands geraten st\u00e4rker in den Blick, wenn sie nach Auffassung der EU bei der Umgehung bestehender Beschr\u00e4nkungen helfen.<\/p>\n<p><strong>Mehr als 100 Banken und Kryptodienstleister betroffen<\/strong><\/p>\n<p>Besonders umfangreich fallen die neuen Ma\u00dfnahmen gegen den Finanzsektor aus. Die EU friert Verm\u00f6genswerte von 94 russischen Banken und bedeutenden Finanzinstituten ein. Gleichzeitig wird das Verbot von Gesch\u00e4ften auf 33 weitere russische Kredit- und Finanzunternehmen ausgeweitet.<\/p>\n<p>Hinzu kommen eine kirgisische Bank, die mit dem russischen Finanznachrichtensystem SPFS verbunden sein soll, sowie drei weitere nicht russische Banken, denen die EU eine Beteiligung an der Umgehung von Sanktionen vorwirft.<\/p>\n<p>Russland hat seit dem Ausschluss gro\u00dfer Banken aus dem westlich dominierten Zahlungssystem Swift versucht, alternative Zahlungswege aufzubauen. Dazu geh\u00f6ren das eigene SPFS-System, Banken in Drittstaaten und zunehmend auch Kryptow\u00e4hrungen.<\/p>\n<p>Deshalb verh\u00e4ngt die EU zus\u00e4tzlich ein Transaktionsverbot gegen 14 Kryptoplattformen mit Sitz unter anderem in Georgien, Panama, den Vereinigten Arabischen Emiraten, Kirgisistan und Belarus.<\/p>\n<p>Erstmals schafft das Paket zudem die rechtliche M\u00f6glichkeit, Kryptodienstleister eines ganzen Drittstaates vom Gesch\u00e4ft mit europ\u00e4ischen Unternehmen auszuschlie\u00dfen, wenn dort ans\u00e4ssige Plattformen systematisch zur russischen Sanktionsumgehung eingesetzt werden.<\/p>\n<p><strong>41 weitere Schiffe der Schattenflotte auf der Liste<\/strong><\/p>\n<p>Ein zweiter Schwerpunkt liegt auf Russlands Energieeinnahmen.<\/p>\n<p>Die EU setzt 41 weitere Schiffe auf die Sanktionsliste. Damit steigt die Zahl der erfassten Schiffe aus Russlands sogenannter Schattenflotte von 632 auf 673.<\/p>\n<p>Als Schattenflotte werden \u00e4ltere Tanker bezeichnet, die h\u00e4ufig \u00fcber un\u00fcbersichtliche Eigent\u00fcmerstrukturen, wechselnde Flaggen und Versicherungen au\u00dferhalb westlicher M\u00e4rkte betrieben werden. Russland nutzt sie, um \u00d6l trotz westlicher Beschr\u00e4nkungen zu exportieren.<\/p>\n<p>K\u00fcnftig k\u00f6nnen nicht nur die Tanker selbst erfasst werden. Die neuen Regeln erstrecken sich ebenfalls auf Schiffe und Unternehmen, die der Schattenflotte Treibstoff, Personal oder andere Dienstleistungen zur Verf\u00fcgung stellen. Erstmals wird auch eine Personalagentur sanktioniert, die Besatzungen f\u00fcr entsprechende Schiffe vermittelt haben soll.<\/p>\n<p>Zus\u00e4tzlich nimmt die EU drei russische Raffinerien, eine gro\u00dfe belarussische Raffinerie und weitere Akteure des \u00d6lhandels ins Visier. Gegen eine Raffinerie im georgischen Kulevi, die russisches \u00d6l verarbeitet und handelt, soll in sechs Monaten ein Transaktionsverbot in Kraft treten.<\/p>\n<p>Damit greift Br\u00fcssel st\u00e4rker jene Unternehmen an, die russisches Roh\u00f6l au\u00dferhalb Russlands weiterverarbeiten. Die EU schafft au\u00dferdem eine Grundlage, um Gesch\u00e4fte mit Raffinerien in Drittstaaten zu verbieten, wenn diese russisches \u00d6l verarbeiten und dadurch zur Finanzierung Moskaus beitragen.<\/p>\n<p><strong>Die \u00d6lpreisgrenze wird vorerst nicht weiter abgesenkt<\/strong><\/p>\n<p>Eine Besonderheit betrifft die westliche Preisobergrenze f\u00fcr russisches \u00d6l.<\/p>\n<p>Eigentlich sollte der zul\u00e4ssige H\u00f6chstpreis regelm\u00e4\u00dfig an die Entwicklung des Weltmarkts angepasst werden. Dieser automatische Mechanismus wird nun bis zum 15. Juli 2027 ausgesetzt.<\/p>\n<p>Die EU begr\u00fcndet dies mit der au\u00dfergew\u00f6hnlichen Lage am \u00d6lmarkt nach der Schlie\u00dfung der Stra\u00dfe von Hormus. Eine weitere automatische Absenkung k\u00f6nnte unter diesen Bedingungen zu unverh\u00e4ltnism\u00e4\u00dfigen Belastungen und zus\u00e4tzlichen Versorgungsrisiken f\u00fchren. Die Entscheidung soll zwischenzeitlich erneut \u00fcberpr\u00fcft werden.<\/p>\n<p>Das Paket erh\u00f6ht den Druck auf russische \u00d6lexporte damit an mehreren Stellen, verzichtet aber zun\u00e4chst auf eine zus\u00e4tzliche Versch\u00e4rfung des eigentlichen Preisdeckels.<\/p>\n<p><strong>51 Unternehmen wegen milit\u00e4risch nutzbarer Technik erfasst<\/strong><\/p>\n<p>F\u00fcr den Konflikt mit China ist ein anderer Teil des Pakets entscheidend.<\/p>\n<p>Die EU nimmt 51 weitere Unternehmen und Organisationen in eine Liste auf, f\u00fcr die besonders strenge Exportbeschr\u00e4nkungen bei Dual-Use-G\u00fctern und fortschrittlicher Technologie gelten.<\/p>\n<p>Dual-Use-Produkte k\u00f6nnen sowohl zivil als auch milit\u00e4risch genutzt werden. Dazu geh\u00f6ren etwa bestimmte Halbleiter, Sensoren, Werkzeugmaschinen, elektronische Bauteile, Navigationssysteme oder Materialien f\u00fcr die Luft- und Raumfahrt.<\/p>\n<p>Ein Teil der 51 Einrichtungen hat seinen Sitz nicht in Russland, sondern unter anderem in China und Hongkong, Indien, Kasachstan, Kirgisistan, der T\u00fcrkei und den Vereinigten Arabischen Emiraten. Nach Darstellung des Rates haben sie Russland dabei unterst\u00fctzt, europ\u00e4ische Exportverbote zu umgehen oder Technik f\u00fcr seine R\u00fcstungsindustrie zu beschaffen.<\/p>\n<p>Konkret nennt die EU unter anderem Mikroelektronik, computergesteuerte Werkzeugmaschinen und Anlagen f\u00fcr die Verarbeitung von Halbleitern. Besonders im Fokus stehen Lieferketten f\u00fcr russische Langstreckendrohnen. Insgesamt 37 der neuen Listungen h\u00e4ngen nach Angaben des Rates unmittelbar mit deren Produktion oder Beschaffung zusammen.<\/p>\n<p>Genau an diesem Punkt wird aus dem europ\u00e4ischen Sanktionspaket gegen Russland ein Konflikt mit Peking.<\/p>\n<p><strong>China reagiert innerhalb weniger Stunden<\/strong><\/p>\n<p>Heute setzte das chinesische Handelsministerium seinerseits 14 europ\u00e4ische Unternehmen und Einrichtungen auf eine Exportkontrollliste.<\/p>\n<p>Die Zahl ist kein Zufall. Nach Darstellung Pekings befinden sich unter den neuen EU-Ma\u00dfnahmen 14 Unternehmen aus Festlandchina und Hongkong. China antwortet nun mit derselben Zahl europ\u00e4ischer Betroffener.<\/p>\n<p>Chinesische Exporteure d\u00fcrfen den europ\u00e4ischen Einrichtungen ab sofort keine Dual-Use-Produkte mehr liefern. Auch Unternehmen und Personen au\u00dferhalb Chinas d\u00fcrfen ihnen keine entsprechend eingestuften Waren chinesischen Ursprungs zur Verf\u00fcgung stellen.<\/p>\n<p>Bereits laufende Gesch\u00e4fte m\u00fcssen beendet werden. Ausnahmen sind nur m\u00f6glich, wenn das chinesische Handelsministerium eine besondere Genehmigung erteilt.<\/p>\n<p>Peking bezeichnete die europ\u00e4ischen Sanktionen als schwerwiegendes Fehlverhalten. Die Gegenma\u00dfnahmen dienten dem Schutz der chinesischen Sicherheit und nationalen Interessen sowie der Erf\u00fcllung internationaler Verpflichtungen zur Nichtverbreitung von Waffen, erkl\u00e4rte das Ministerium.<\/p>\n<p><strong>Drei deutsche Unternehmen betroffen<\/strong><\/p>\n<p>Auf der chinesischen Liste stehen drei Unternehmen aus Deutschland:<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Am Donnerstag beschloss die Europ\u00e4ische Union ihr bislang umfangreichstes Russland-Sanktionspaket seit vier Jahren. 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