{"id":1189839,"date":"2026-07-24T14:42:21","date_gmt":"2026-07-24T14:42:21","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/1189839\/"},"modified":"2026-07-24T14:42:21","modified_gmt":"2026-07-24T14:42:21","slug":"klimawandel-frankreich-beschliesst-notfallgesetz-fuer-landwirtschaft","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/1189839\/","title":{"rendered":"Klimawandel \u2013 Frankreich beschlie\u00dft Notfallgesetz f\u00fcr Landwirtschaft"},"content":{"rendered":"<p>\t\t\t\t\t\t<img decoding=\"async\" id=\"img323751\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2026\/07\/323751.jpeg\" alt=\"Das Notfallgesetz f\u00fcr die Landwirtschaft ist eine Antwort auf die franz\u00f6sischen Bauernproteste.\"\/><\/p>\n<p>Das Notfallgesetz f\u00fcr die Landwirtschaft ist eine Antwort auf die franz\u00f6sischen Bauernproteste.<\/p>\n<p>Die franz\u00f6sische Nationalversammlung hat am Montagabend das \u00bbGesetz \u00fcber den landwirtschaftlichen Notstand und die Ern\u00e4hrungssouver\u00e4nit\u00e4t\u00ab (loi d\u2019urgence agricole) mit 296 zu 224 Stimmen verabschiedet. Daf\u00fcr stimmten vor allem die rechte und die rechtsextreme Opposition, aber auch einige Abgeordnete des Regierungslagers, dagegen vor allem Linke und Gr\u00fcne. Das Gesetz ist bis weit ins Regierungslager hinein umstritten. Noch am Mittwoch erkl\u00e4rte Umweltministerin Monique Barbut aus Protest dagegen ihren R\u00fccktritt.<\/p>\n<p>Das Gesetz soll Landwirte von einem Teil der als \u00fcberm\u00e4\u00dfig empfundenen Umwelt- und Verwaltungsvorschriften entlasten. Es ist eine Antwort auf die Bauernproteste vom Winter 2025\/26. Damals machten viele Landwirte mit Traktorenblockaden und anderen Aktionen auf hohe Kosten, ihr sinkendes Einkommen und die B\u00fcrokratie aufmerksam. Nicht zuletzt beklagten sie, dass franz\u00f6sische Landwirte h\u00e4ufig strengere Umweltauflagen erf\u00fcllen m\u00fcssten als ihre europ\u00e4ischen Konkurrenten. Um angesichts internationaler Krisen und wachsender Importabh\u00e4ngigkeit die Ern\u00e4hrungssouver\u00e4nit\u00e4t Frankreichs zu st\u00e4rken, m\u00fcssten die Rahmenbedingungen f\u00fcr die Bauern verbessert werden.<\/p>\n<p>Zu den nun beschlossenen Ma\u00dfnahmen geh\u00f6ren Erleichterungen beim Bau von Bew\u00e4sserungsanlagen und Wasserreservoirs durch vereinfachte Genehmigungsverfahren und gr\u00f6\u00dfere Entscheidungsspielr\u00e4ume f\u00fcr die Pr\u00e4fekten vor Ort. Das erkl\u00e4rte Ziel der gro\u00dfen Bauerngewerkschaft FNSEA ist es, die Kapazit\u00e4t der Wasserreservoirs landesweit mindestens zu verdoppeln. Zudem wird der Ausbau von Tierhaltungsbetrieben durch das Gesetz erleichtert, indem Umweltpr\u00fcfungen und Genehmigungen beschleunigt oder vereinfacht werden. Einige Umweltauflagen werden gelockert, beispielsweise bei Ausgleichsma\u00dfnahmen f\u00fcr Eingriffe in Feuchtgebiete. Um Nutztiere vor W\u00f6lfen zu sch\u00fctzen, soll deren Abschuss erleichtert werden.<\/p>\n<p>&#13;<\/p>\n<blockquote><p>&#13;<\/p>\n<p>Kleinere Bauernverb\u00e4nde lehnten Teile des Gesetzes ab. Es beg\u00fcnstige vor allem industrielle Gro\u00dfunternehmen und biete keine L\u00f6sung f\u00fcr die Einkommensprobleme kleiner Familienbetriebe.<\/p>\n<p>&#13;\n<\/p><\/blockquote>\n<p>&#13;<\/p>\n<p>Gegen den urspr\u00fcnglichen Plan der Regierung kamen im Zuge der Parlamentsdebatten noch einige \u00c4nderungen hinzu. Etwa Lockerungen <a href=\"https:\/\/www.nd-aktuell.de\/artikel\/1192752.franzoesiche-umweltpolitik-protest-gegen-oekologischen-rueckschritt.html\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">bei zwei bisher in Frankreich verbotenen Pflanzenschutzmitteln<\/a>, die in den anderen EU-L\u00e4ndern zugelassen sind. Es handelt sich dabei um Flupyradifuron, einem Stoff, der bei Zuckerr\u00fcben sowie bei Apfel- und Kirschb\u00e4umen eingesetzt wird, und um Acetamiprid, das nur bei Nussb\u00e4umen zum Einsatz kommt. Beide Chemikalien haben eine verheerende Wirkung auf die Bienenpopulation und sind abtr\u00e4glich f\u00fcr die menschliche Gesundheit. Bisher gibt es aber noch keinen Ersatz. Darum werden sie zun\u00e4chst f\u00fcr drei Jahre zugelassen.\u00a0<\/p>\n<p>Gegen die Ma\u00dfnahmen haben sich vor allem die linken Oppositionsparteien und die Gr\u00fcnen gewandt. Das Gesetz schw\u00e4che den Umwelt- und Naturschutz, so der Tenor. Es f\u00f6rdere die Intensivierung der Landwirtschaft und beg\u00fcnstige gro\u00dfe Agrarbetriebe. Der Ausbau der Bew\u00e4sserung versch\u00e4rfe langfristig die Wasserknappheit. Der Schutz von Feuchtgebieten und die Artenvielfalt werden untergraben. Die Eingriffe in den Artenschutz f\u00fcr W\u00f6lfe widerspr\u00e4chen wissenschaftlichen Empfehlungen und europ\u00e4ischen Naturschutzvorgaben.<\/p>\n<p>Das Gesetz ist vor allem ein Ergebnis der Lobbyarbeit der gro\u00dfen Bauerngewerkschaft FNSEA. Sie vertritt vorrangig die Interessen der intensiv wirtschaftenden Gro\u00dfbetriebe und ist politisch rechts bis rechtsextrem ausgerichtet. Kleinere Bauernverb\u00e4nde lehnten Teile des Gesetzes ab. So kritisiert die Conf\u00e9d\u00e9ration paysanne, es beg\u00fcnstige vor allem industrielle Gro\u00dfunternehmen und biete keine L\u00f6sung f\u00fcr die Einkommensprobleme kleiner Familienbetriebe.<\/p>\n<p>Das Gesetz wurde im Schnellverfahren nach nur einer Lesung in beiden Kammern angenommen. Da der Text dort abge\u00e4ndert wurde, musste sich eine parit\u00e4tische Kommission auf einen Kompromisstext einigen. Dieser wurde in beiden Kammern angenommen. Es ist aber zu erwarten, dass die Gegner des Gesetzes im Parlament von dem Recht Gebrauch machen, den Verfassungsrat anzurufen, um die Vereinbarkeit mit dem Grundgesetz zu pr\u00fcfen. Die daf\u00fcr n\u00f6tige Zahl von mindestens 60 Abgeordneten oder 60 Senatoren d\u00fcrfte leicht zu erreichen sein.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Das Notfallgesetz f\u00fcr die Landwirtschaft ist eine Antwort auf die franz\u00f6sischen Bauernproteste. 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