{"id":1192918,"date":"2026-07-25T22:27:57","date_gmt":"2026-07-25T22:27:57","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/1192918\/"},"modified":"2026-07-25T22:27:57","modified_gmt":"2026-07-25T22:27:57","slug":"wilhelm-buechsel-die-opulente-biografie-eines-deutschen-admirals-im-flottenfieber-des-kaiserreichs-%c2%b7-leipziger-zeitung","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/1192918\/","title":{"rendered":"Wilhelm B\u00fcchsel: Die opulente Biografie eines deutschen Admirals im Flottenfieber des Kaiserreichs \u00b7 Leipziger Zeitung"},"content":{"rendered":"<p class=\"translation-notice\">This article is also available in English: <a href=\"https:\/\/www.l-iz.de\/en\/books\/2026\/07\/wilhelm-buchsel-lavish-biography-german-admiral-amidst-naval-fervour-german-empire-665204\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Read this article in English<\/a>.<\/p>\n<p>Seinen Freund und Gegenspieler Alfred von Tirpitz kennen die Geschichtsb\u00fccher. Aber Wilhelm B\u00fcchsel? Nach ihm wurde kein Kriegsschiff benannt. Er wurde nicht glorifiziert wie Tirpitz. Und als er 1920 an der Spanischen Grippe starb, war er fast vergessen. Dabei war er von 1902 bis 1908 Chef des Admiralstabes der Kaiserlichen Marine. Es war der H\u00f6hepunkt seiner Karriere, bis er vom Kaiser in den nicht ganz selbstgew\u00e4hlten Ruhestand geschickt wurde. Trotzdem, so fand Wilhelm H. Pantenius, ist dieser Mann eine opulente Biografie wert.<\/p>\n<p>Eine Biografie, an die der l\u00e4ngst im Ruhestand auf Usedom lebende Milit\u00e4rarzt Wilhelm H. Pantenius genauso viel Zeit und M\u00fche verwendete wie f\u00fcr seine Biografie des durch den Schlieffen-Plan bekannten deutschen Generalstabschefs <a href=\"http:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Alfred_von_Schlieffen\" target=\"_blank\" rel=\"noopener nofollow\">Alfred von Schlieffen<\/a>, <a href=\"http:\/\/www.l-iz.de\/bildung\/buecher\/2016\/05\/1-000-seiten-ueber-den-mann-der-den-schlieffen-plan-so-1914-garantiert-nicht-ausgefuehrt-haette-139583\" target=\"_blank\" rel=\"noopener nofollow\">die er 2016 vorlegte<\/a>. Sein Faible sind die preu\u00dfische Milit\u00e4rgeschichte und der preu\u00dfisch-deutsche Generalstab. Ein durchaus bemerkenswertes Forschungsfeld, das unter den heutigen deutschen Historikern nur wenige beackern.<img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2026\/07\/961acd9daec9469e9814f5c73a63e799.gif\" width=\"https:\/\/www.l-iz.de\/bildung\/buecher\/2026\/07\/1\" height=\"https:\/\/www.l-iz.de\/bildung\/buecher\/2026\/07\/1\" alt=\"\"\/><\/p>\n<p>Als w\u00e4re die Milit\u00e4rgeschichte des 19. Jahrhunderts nicht mehr so wichtig. Abgehakt, vergangen, erledigt. Aber so funktioniert Geschichte nicht. Pers\u00f6nliches Handeln hat immer Folgen. Manchmal t\u00f6dliche und katastrophale. Auch wenn einer ein Leben lang nur verl\u00e4sslich seinen Dienst tut, wie es <a href=\"http:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Wilhelm_B%C3%BCchsel\" target=\"_blank\" rel=\"noopener nofollow\">Wilhelm B\u00fcchsel<\/a> getan hat.<\/p>\n<p>Denn anders als der fast gleichaltrige <a href=\"http:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Alfred_von_Tirpitz\" target=\"_blank\" rel=\"noopener nofollow\">Alfred (von) Tirpitz<\/a> zog es den 1848 in Stralsund geborenen Wilhelm B\u00fcchsel nicht in die Politik, lagen ihm Intrigen fern. Was ihn letztlich auch sein Amt als Chef des Admiralstabes kostete. Und damit m\u00f6glicherweise auch den Ruhm, als befehlshabender Akteur mit in die Geschichte des Ersten Weltkriegs einzugehen. Etwa als der eigentliche Initiator des <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/U-Boot-Krieg\" target=\"_blank\" rel=\"noopener nofollow\">U-Boot-Krieges<\/a>, der am Ende ausgerechnet die USA dazu brachte, in den Krieg einzutreten und damit die Niederlage Deutschlands zu besiegeln.<\/p>\n<p>Eine Flotte f\u00fcr den kommenden Krieg<\/p>\n<p>Denn so ganz unschuldig am U-Boot-Krieg war er nicht, auch wenn er f\u00fcr den strategischen Einsatz der Flotte nicht zust\u00e4ndig war. Aber er war es f\u00fcr den Aufbau dieser Kriegsflotte. Eine Aufgabe, die er auch in seinen vorherigen Positionen betreute. Und dort arbeitete er nicht nur zielstrebig an den Pl\u00e4nen, die deutsche Flotte f\u00fcr eine m\u00f6gliche Konfrontation mit den deutlich \u00fcberlegenen Flotten Englands, Frankreichs und Russlands aufzubauen, sondern auch an der permanenten Modernisierung der Kriegsschiffe. Bis hin zum Aufbau einer U-Boot-Flotte.<\/p>\n<p>Und schon ist man mittendrin in einem Kapitel der deutschen Milit\u00e4rgeschichte, das meist nur kurz gestreift wird, wenn die Flottenpolitik von Kaiser Wilhelm II. behandelt wird und sein legend\u00e4rer Spruch von 1898: \u201eUnsere Zukunft liegt auf dem Wasser\u201c.<\/p>\n<p>Als h\u00e4tten Wilhelms Flottentr\u00e4ume erst 1898 begonnen und der Aufbau einer schlagkr\u00e4ftigen deutschen Flotte nicht schon viel fr\u00fcher angefangen, just in jenem politisch so markanten Jahr 1848, in dem B\u00fcchsel geboren wurde. Denn es ist auch das Jahr, in dem die Nationalversammlung in Frankfurt auch den Aufbau einer deutschen Reichsflotte beschloss, deren erster Befehlshaber der in Leipzig geborene <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Karl_Rudolf_Brommy\" target=\"_blank\" rel=\"noopener nofollow\">Karl Rudolf Bromme<\/a> wurde.<\/p>\n<p>Nat\u00fcrlich findet auch er Erw\u00e4hnung in Pantenius\u2018 Buch, denn dieser verweist seine Leser nicht auf andere, meist vergriffene B\u00fccher zur deutschen Marinegeschichte. Er erz\u00e4hlt diese Geschichte selbst. Auch weil sie wichtige Teile der deutschen Politik im sp\u00e4ten 19. Jahrhundert beleuchtet, als Deutschland nach dem Deutsch-Franz\u00f6sischen Krieg von 1870\/1871 aus englischer Sicht nicht nur zu einer wirtschaftlichen Konkurrenz aufstieg, sondern auch zu einem ernst zu nehmenden milit\u00e4rischen Kontrahenten. Auch zur See.<\/p>\n<p>Denn auch wenn es die von der Nationalversammlung gewollte Reichsflotte so nicht gab, ging insbesondere Preu\u00dfen bald selbst daran, eine eigene Flotte aufzubauen.<\/p>\n<p>Kohle befeuert die Kriegsflotten Europas<\/p>\n<p>Wie diese Flotte aussah, wie sie bewaffnet war und wie sie betrieben wurde \u2013 all das erf\u00e4hrt man als Leser. Und taucht damit in eine Zeit der permanenten Ver\u00e4nderung auf See ein, als aus den dominierenden Segelschiffen nach und nach gepanzerte Linienschiffe und Torpedoboote wurden, deren Maschinen mit Kohle befeuert wurden. Selbst die Zahlen zum ungeheuren Kohleverbrauch dieser fr\u00fchen Panzerkreuzer liefert Pantenius, der hier demonstriert, wie umfassend man nicht nur ein ganzes Leben anhand mehrerer pers\u00f6nlicher Nachl\u00e4sse konstruieren kann, sondern auch ein Zeitalter, das anfangs einer eigenen Kriegsflotte eher skeptisch gegen\u00fcberstand. Nur um am Ende auch die Aufr\u00fcstung zur See frenetisch zu feiern.<\/p>\n<p>Und B\u00fcchsels Leben ist geradezu exemplarisch f\u00fcr diese Ver\u00e4nderungen. Angefangen damit, dass sich der Stralsunder Kaufmannssohn entschloss, nicht \u2013 wie vom Vater gewollt \u2013 Theologie zu studieren, sondern sich f\u00fcr eine Kadettenausbildung beim preu\u00dfischen Heer zu bewerben. Just in dem Jahrgang 1865, in dem auch Tirpitz seine Seelaufbahn begann. Und wahrscheinlich liegt Pantenius nicht falsch, wenn er von einer Art Freundschaft zwischen den beiden ausgeht, die sie beim Aufstieg in den R\u00e4ngen der zusehends professioneller aufgebauten Marine begleitet.<\/p>\n<p>Zumindest bis zu den Jahren 1902 bis 1908, in denen zwar B\u00fcchsel irgendwie das h\u00f6chste Amt in der deutschen Marine inne zu haben schien. Aber die eigentliche Entscheidungsgewalt \u00fcber die Seestreitkr\u00e4fte lag beim Staatssekret\u00e4r des Reichsmarineamtes, und das war seit 1897 Tirpitz. Den Posten sollte er erst mitten im Ersten Weltkrieg 1916 verlieren, als gerade der Streit um den U-Boot-Krieg zwischen Marinef\u00fchrung und Reichsf\u00fchrung \u2013 und letztlich Wilhelm II. selbst \u2013 eskalierte.<\/p>\n<p>Denn Wilhelm II. und Reichskanzler von Bethmann Hollweg bef\u00fcrchteten nach den ersten Etappen des von Deutschland initiierten U-Boot-Krieges berechtigt, dass eine Fortf\u00fchrung dieses Angriffskriegs auch gegen Handelsschiffe letztlich die USA zum Kriegseintritt bringen w\u00fcrde. Genau das passierte dann auch , als Deutschland den U-Boot-Krieg 1917 wieder aufnahm, in dem irren Glauben, damit England binnen sechs Wochen zur Kapitulation zwingen zu k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>Ein Krieg mit langem Vorlauf<\/p>\n<p>Aber da ist man schon am Ende der Geschichte. Denn gerade weil Pantenius so detailliert und dokumentenverliebt vorgeht, entsteht eben auch das komplette Bild der deutschen Flottenr\u00fcstung und der Kriegshysterie, die damals nicht nur in Deutschland angeheizt wurde. Sondern auch in Frankreich, England, Italien und Russland.<\/p>\n<p>Und die deutsche Flotte wurde eben auch ausgebaut, um mit den anderen Kolonialm\u00e4chten mithalten zu k\u00f6nnen. Denn auch wenn gerade Reichskanzler Bismarck allen deutschen Kolonialpl\u00e4nen skeptisch gegen\u00fcberstand, trieben deutsche Gesch\u00e4ftemacher das Erobern deutscher \u201eSchutzhgebiete\u201c munter voran. Die erste Hochzeit des Imperialismus war nun einmal direkt mit dem Rangeln um m\u00f6glichst viele koloniale Territorien, die man auspl\u00fcndern konnte, verbunden. Was dann sp\u00e4testens in den 1890er Jahren dazu f\u00fchrte, dass sich die Kolonialm\u00e4chte in diesem Rennen in die Quere kamen.<\/p>\n<p>Auf einmal glaubte auch Deutschland dringend eine moderne Flotte zu ben\u00f6tigen, die der gr\u00f6\u00dften Seemacht auf den Ozeanen Paroli bieten konnte. Dass es dagegen auch in der deutschen Politik noch Widerst\u00e4nde gab, erf\u00e4hrt der Leser nat\u00fcrlich auch. Denn immerhin hatte B\u00fcchsel immer wieder mit der Organisation und Modernisierung der deutschen Kriegsflotte zu tun und \u00e4u\u00dferte sich auch ganz offiziell in Denkschriften zu den langen Planungszeiten f\u00fcr modernere Schiffe und zu den viel zu geringen Geldern, die der Reichstag bereit war, f\u00fcr den Flottenausbau zur Verf\u00fcgung zu stellen.<\/p>\n<p>Eine Flotte im Aufbau<\/p>\n<p>Man wechselt als Leser quasi die Seiten, versetzt sich in die Gedankenwelt eines Marineoffiziers, der sich im aktiven Dienst auf See St\u00fcck f\u00fcr St\u00fcck in h\u00f6here R\u00e4nge arbeitet und letztlich zu einem der wichtigsten Organisatoren des deutschen Flottenaufbaus wurde. Und der seine wechselnden \u00c4mter genauso soldatisch begriff: als Umsetzung der in ihn gesetzten Erwartungen, die Schiffe auf Stapel zu bringen, die f\u00fcr die sich langsam formierenden Seekriegsstrategien gebraucht wurden. Anfangs noch mit Schiffsbestellungen in England. Denn auch der Aufbau von Werften, der f\u00fcr Flottenverlegungen wichtige <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Nord-Ostsee-Kanal\" target=\"_blank\" rel=\"noopener nofollow\">Nord-Ostsee-Kanal<\/a> und der Aufbau des gro\u00dfen Flottenst\u00fctzpunkts in Kiel fielen erst in B\u00fcchsels sp\u00e4te Dienstjahre.<\/p>\n<p>Man kann im Grunde aufmerksam zuschauen, wie die erst preu\u00dfische, dann f\u00fcr den Norddeutschen Bund agierende und ab 1871 f\u00fcr das Kaiserreich aufgebaute Flotte entstand. Und wie in den Admiralst\u00e4ben auch die ersten Karten gezeichnet wurden, wie diese Flotte im erwarteten Krieg mit den imperialen Konkurrenten eingesetzt werden sollte.<\/p>\n<p>Denn dass es zu diesem Krieg kommen w\u00fcrde, das schien allen Beteiligen ab den 1880er Jahren klar. Bzw. wurde es ihnen klargemacht. Denn auch hinter \u201eFlottenbegeisterung\u201c steckt Psychologie. Wer keine Feinde hat, braucht auch keine Kriegsflotte. Und so schaut man auch geradezu dabei zu, wie sich die imperialen Streith\u00e4hne des sp\u00e4ten 19. Jahrhunderts ihre Feinde zurechtschnitzten und mit immer groteskeren Feindbildern die Stimmung daheim anheizten, um in den Parlamenten Mehrheiten f\u00fcr eine entfesselte Aufr\u00fcstung zu bekommen.<\/p>\n<p>Der lange Vorlauf des Krieges<\/p>\n<p>Wer den Beginn des Ersten Weltkriegs auf das Attentat von Sarajevo verk\u00fcrzt, ist blind f\u00fcr diese langen Vorl\u00e4ufe. Denn um sich in einen derart technisierten Krieg zu st\u00fcrzen, brauchte es mehr als 20 Jahre Vorlauf, um die modernen Kriegsmaschinen \u00fcberhaupt erst einmal zu planen und zu bauen. Ohne kriegst\u00fcchtige Hochseeflotte auch kein Seekrieg. Auch wenn dann die von Tirpitz erwartete Entscheidungsschlacht in der Nordsee 1915 nicht zustande kam, weil nat\u00fcrlich auch die Engl\u00e4nder genau beobachteten, was die Deutschen da trieben.<\/p>\n<p>Und mittendrin immer dieser Wilhelm B\u00fcchsel, der brav Rang um Rang durchlief und sich mit Eifer jedes Mal in sein neues Arbeitsfeld einarbeitete, um seinen jeweiligen Vorgesetzten ein profundes Ergebnis vorlegen zu k\u00f6nnen. Oder bis ins Detail ausgearbeiteten Denkschriften, in denen er die notwendigen Schritte zum Aufbau der Flotte beschrieb, in denen er sich aber auch mit Schlachtpl\u00e4nen f\u00fcr den erwarteten Konflikt in der Nordsee besch\u00e4ftigte.<\/p>\n<p>Manches von dem, was dann im Ersten Weltkrieg tats\u00e4chlich in der Nordsee stattfand, war schon viele Jahre fr\u00fcher in B\u00fcchsels Denkschriften zu lesen, die einen n\u00fcchternen Planer zeigen, der die aktuellsten Entwicklungen in den Flotten der potenziellen Gegner bestens kannte und auch die sinnvollsten Seeoperationen in der Nordsee skizzieren konnte, falls die deutsche Flotte es mit einer direkten Konfrontation mit der englischen Flotte zu tun bekommen w\u00fcrde.<\/p>\n<p>Weshalb B\u00fcchsel zuletzt einer der wesentlichen Bef\u00fcrworter des Ausbaus der U-Boot-Flotte war. Man begegnet in ihm keinem der Scharfmacher, die die Kriegshysterie in Deutschland anheizten. Sondern einem schlicht und kompetent agierenden Milit\u00e4r, der seine Aufgabe darin sah, die in ihn gesetzten Erwartungen beim Aufbau einer schlagkr\u00e4ftigen Marine auch mit allem Einsatz Wirklichkeit werden zu lassen. Und dabei blieb er immer im Schatten anderer Akteure, die sich dann \u2013 wie Tirpitz \u2013 auch die Schaffung der deutschen Seekriegsflotte auf die Fahne schreiben konnten.<\/p>\n<p>Im Schatten der Intriganten<\/p>\n<p>Pantenius nennt B\u00fcchsel einen \u201ezur\u00fcckhaltenden und \u00e4u\u00dferst loyalen Admiralstabschef mit profunder milit\u00e4rische Expertise\u201c. Aber gerade diese Personen \u00fcbersieht die Geschichtsschreibung oft, weil sie ohne gro\u00dfes Tamtam das umsetzen, was die eher von Macht und Aufmerksamkeit angelockten Akteure \u2013 zu denen nicht nur Tirpitz geh\u00f6rte \u2013 sich w\u00fcnschen.<\/p>\n<p>So nebenbei wird auch das ber\u00fchmte deutsche Intrigantenstadl um die Entourage des Kaisers sichtbar \u2013 und die jahrelangen Konflikte um konkurrierende Kommandostrukturen, denen letztlich B\u00fcchsel weichen musste, dessen Versuch, den Admiralstab nach dem Vorbild des Generalstabs zu etablieren, scheiterte. Scheitern musste.<\/p>\n<p>Aber wie Pantenius das Buch auch mit ausf\u00fchrlichen Beschreibungen der deutschen Flottenentstehung begann, so endet er auch nicht mit dem Tod des Admirals im Jahr 1920, sondern beschreibt auch noch die ersten Jahre der Weimarer Republik, in denen das dysfunktionale Verh\u00e4ltnis der deutschen Eliten zu ihrem Milit\u00e4r weiterwirkte und Leute wie Ludendorff und von L\u00fcttwitz glaubten, auch weiterhin mit ihrem militaristischen Denken Politik machen zu m\u00fcssen.<\/p>\n<p>Was ja bekanntlich zur fr\u00fchen Destabilisierung der Weimarer Republik beitrug. W\u00e4hrend die virulenten Feindbilder einfach weitergepflegt wurden und bald den n\u00e4chsten sinnlosen imperialen Krieg befeuern sollten. In dem dann einmal mehr ein entfesselter U-Boot-Krieg daf\u00fcr sorgen sollte, dass die USA in den Krieg eintraten und mithalfen, den deutschen Gro\u00dfmachttr\u00e4umen ein Ende zu bereiten.<\/p>\n<p>Und es ist gut vorstellbar, dass ein Wilhelm B\u00fcchsel auch da seine Rolle als Planer einer schlagkr\u00e4ftigen Marine einfach ausgef\u00fcllt h\u00e4tte. Ganz ohne eigene politische Ambitionen. Aber genau diese scheinbar so neutrale Rolle gibt zu denken. Da wirklich pers\u00f6nliche Dokumente von Wilhelm B\u00fcchsel augenscheinlich nicht erhalten sind, bleibt der Mann mit seinen privaten Sorgen, N\u00f6ten, Tr\u00e4umen und W\u00fcnschen weitgehend unbeleuchtet.<\/p>\n<p>Da kann auch Pantenius nur spekulieren, gerade f\u00fcr die letzten Lebensjahre, zu denen offizielle Dokumente und Urkunden erst recht rar sind.<\/p>\n<p><strong>Wilhelm H. Pantenius <a href=\"http:\/\/www.lehmanns.de\/isbn\/9783938533734@liz\" target=\"_blank\" rel=\"noopener nofollow\"> \u201eWilhelm B\u00fcchsel. Vom B\u00fcrgersohn zum Seestrategen\u201c<\/a><\/strong> Eudora Verlag, Leipzig 2025, 79 Euro.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"This article is also available in English: Read this article in English. 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