{"id":119628,"date":"2025-05-18T06:31:11","date_gmt":"2025-05-18T06:31:11","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/119628\/"},"modified":"2025-05-18T06:31:11","modified_gmt":"2025-05-18T06:31:11","slug":"bildband-trinkhallen-nostalgischer-blick-auf-deutschlands-kioskkultur-ndr-de-kultur","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/119628\/","title":{"rendered":"Bildband &#8222;Trinkhallen&#8220;: Nostalgischer Blick auf Deutschlands Kioskkultur | NDR.de &#8211; Kultur"},"content":{"rendered":"<p>\nStand: 18.05.2025 06:00 Uhr\n<\/p>\n<p class=\"preface\">Ein charmanter Bildband der verstorbenen Tata Ronkholz versammelt die sch\u00f6nsten Trinkhallen Deutschlands, die die Fotografin zwischen 1977 und 1984 aufgenommen hat.<\/p>\n<p class=\"textauthor\">von Janek Wiechers<\/p>\n<p>Der Begriff &#8222;Trinkhalle&#8220; ist heutzutage kaum noch in Gebrauch. Er meint einen Kiosk, ein kleines L\u00e4dchen, der Lieblingsort von Bierdurstigen und Lottospielern, Kindern auf der Suche nach Naschkram oder Leserinnen auf der Suche nach Zeitschriften. In Berlin hei\u00dfen die Trinkhallen &#8222;Sp\u00e4ti&#8220;, im Hannoverschen &#8222;Nebgen-Bude&#8220;, im Ruhrpott &#8222;Seltersbude&#8220; &#8211; und im Rheinischen &#8222;B\u00fcdchen&#8220;.<\/p>\n<p>Bildband zeigt 130 abwechslungsreiche Trinkhallen<\/p>\n<p>Ein Garagen-artiges H\u00e4uschen irgendwo in einem Wohngebiet. Hinter den tr\u00fcben Fenstern stehen sorgsam aufgereiht Getr\u00e4nkeflaschen. Drau\u00dfen, auf einem schmalen Brett, warten Limonadenflaschen und Lakritzstangen auf Kundschaft. Ein schmaler Kaugummiautomat h\u00e4ngt an der Fassade. Daneben ein vergitterter Zigarettenautomat und eine Eiskarte. Dar\u00fcber: Leuchtschilder mit Schriftz\u00fcgen: Trinkhalle, Coca-Cola, die Namen lokaler Biermarken.\u00a0Ferner Zeitungsreklame und M\u00fclleimer mit Eiswerbung. Das ist eine der rund 130 Trinkhallen aus dem Fotoband.<\/p>\n<p class=\"quote\">\nJede ist anders, jede ein Unikat. Trinkhallen haben gro\u00dfe Gemeinsamkeiten &#8211; in Form und Format, Funktion und Sortiment, doch sie sehen nie gleich aus. Vielleicht mal \u00e4hnlich, aber nicht zum Verwechseln; einen Prototyp, eine Standardausf\u00fchrung gibt es nicht.<br \/>\nLeseprobe\n<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2025\/05\/ronkholz100_v-contentgross.jpg\" class=\"zoomimage\" title=\"Tata Ronkholz war Sch\u00fclerin an der D\u00fcsseldorfer Kunstakademie. \u00a9 Tata Ronkholz, VAN HAM Art Estate 2025\"><\/p>\n<p><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2025\/05\/ronkholz100_v-contentgross.jpg\" alt=\"Fotografie einer br\u00fcnetten Frau \u00a9 Tata Ronkholz, VAN HAM Art Estate 2025 \" title=\"Fotografie einer br\u00fcnetten Frau\" class=\"responsive\"\/><\/p>\n<p><\/a><br \/>\nTata Ronkholz war Sch\u00fclerin an der D\u00fcsseldorfer Kunstakademie.<\/p>\n<p>Das schreibt der Kulturjournalist Andreas Rossmann im Begleittext zum Bildband &#8222;Trinkhallen&#8220;. Tata Ronkholz hat die Bilder zwischen 1977 und 1984 vor allem im Rheinischen und im Ruhrgebiet aufgenommen. Fotos, die genauso gut \u00fcberall in Deutschland h\u00e4tten entstehen k\u00f6nnen. Und die immer wieder staunen lassen: Zeigt das Buch doch ein vermeintlich profanes Motiv abwechslungsreich und spannend. Als liebensw\u00fcrdigen Ort, der stets individuell gestaltet ist:<\/p>\n<p class=\"quote\">\nDie Notwendigkeit, sich einzuf\u00fcgen und sich anzupassen, auch sich unterzuordnen, l\u00e4sst die Trinkhalle sehr verschiedene, nicht selten eigenwillige oder sogar skurrile Formen annehmen, denen, auch wenn sie bereits vom Alter gekennzeichnet sind, das Signum des Tempor\u00e4ren und Provisorischen anhaftet.<br \/>\nLeseprobe\n<\/p>\n<p>Mal wirken sie \u00fcberladen, mal schlicht und unscheinbar. Mal sind sie untergebracht in Baracken oder in wacklig-wirkenden Bretterbuden verortet. Mal sind sie eingeklemmt zwischen anderen Geb\u00e4uden, dann wieder finden sie sich freistehend, an Stra\u00dfenecken, oder eingebettet in gr\u00f6\u00dfere Fassaden.<\/p>\n<p>&#8222;Ich wollte das B\u00fcdchen in seiner ganzen Liebensw\u00fcrdigkeit zeigen&#8220;<\/p>\n<p>In der Anordnung der Schriftz\u00fcge, Aufsteller, Zeitschriften und S\u00fc\u00dfigkeiten spiegeln die Trinkhallen immer auch die \u00e4sthetischen Vorstellungen der jeweiligen Besitzer wider. Warum sich Tata Ronkholz eine Zeit lang so intensiv mit ausgerechnet diesem Motiv besch\u00e4ftigt hat, belegt ein Zitat von ihr:<\/p>\n<p class=\"quote\">\nAusgangspunkt war f\u00fcr mich nicht die Nostalgie, sondern die Gegenw\u00e4rtigkeit von Dingen. Mir ging es weder um einen sozialen Aspekt, noch um das Design, sondern ich f\u00fchlte mich zum Alltag hingezogen. Ich wollte das B\u00fcdchen in seiner ganzen Liebensw\u00fcrdigkeit zeigen. (\u2026). Ihre Besitzer kamen ohne Architekten oder Dekorateure aus.<br \/>\nLeseprobe\n<\/p>\n<p>Tata Ronkholz\u2018 Interesse kam nicht von ungef\u00e4hr: Die gelernte Schreinerin und studierte Innenarchitektin arbeitete zun\u00e4chst als Produktdesignerin. Erst sp\u00e4ter, schon fast 40-j\u00e4hrig, fing sie an, sich mit Fotografie zu befassen. Sie wurde Sch\u00fclerin an der D\u00fcsseldorfer Kunstakademie in der Klasse von Bernd Becher &#8211; als Mitstudentin von Andreas Gursky und Thomas Ruff. W\u00e4hrend diese beiden weltber\u00fchmt wurden, blieb Ronkholz lange Zeit nur einem kleinen Kreis bekannt. Das \u00e4ndert sich gerade.<\/p>\n<p>Weitere Informationen<\/p>\n<p><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2025\/04\/wissenschaft113_v-contentgross.jpg\" alt=\"Aufgeschlagene B\u00fccher \u00a9 Vladimir Melnikov fotolia Foto: Vladimir Melnikov\" title=\"Aufgeschlagene B\u00fccher\" class=\"responsive\"\/><\/p>\n<p>\nBildb\u00e4nde \u00fcber Architektur, Menschen oder Landschaften sind immer ein Genuss f\u00fcr die Augen. NDR Kultur stellt immer wieder herausragende Neuerscheinungen im Programm vor.<br \/>\n<a title=\"Zum Artikel: Die besten Bildb\u00e4nde\" href=\"https:\/\/www.ndr.de\/kultur\/buch\/Die-besten-Bildbaende,buchtippsbildband100.html\" class=\"cta \" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">mehr<\/a>\n<\/p>\n<p>Ronkholz&#8216; Fotos dokumentieren die Zeit vor 40 Jahren<\/p>\n<p>Interessant ist, was die Bilder heute beim Betrachter ausl\u00f6sen. Zum Beispiel Erinnerungen: an den Duft von Tabakwaren und Druckerschw\u00e4rze, an l\u00e4ngst verschwundene Zigarettenmarken, an den Geschmack saurer Weingummis und Brausepulver, an die Aufregung beim Kauf der &#8222;Bravo&#8220;. An unheimliche Trinker oder hoffnungsvoll ausgef\u00fcllte Lottoscheine. In Tata Ronkholz\u2018 Kiosk-Fotografien sind universelle Erfahrungen konserviert, die auch in Georgsmarienh\u00fctte, Kiel, Hannover oder Buxtehude angesiedelt sein k\u00f6nnten.<\/p>\n<p>Barbara Hofmann-Johnson, Leiterin des Museums f\u00fcr Fotografie Braunschweig, k\u00fcmmert sich wissenschaftlich um den Nachlass von Tata Ronkholz: &#8222;Diese Bandbreite und auch diese Herangehensweise sich mit einem auf gleicher H\u00f6he befindlichen Stra\u00dfenblick anzun\u00e4hern &#8211; das hat einen besonderen Charme im Unpr\u00e4tenti\u00f6sen. Und erz\u00e4hlt aber unglaublich viel \u00fcber unsere Gesellschaft. So eine Ebene, die wir heute nochmal anders sehen aus dem R\u00fcckblick. Das sind 40 Jahre, dass diese Bilder entstanden sind.&#8220;<\/p>\n<p>Die Fantasie anregende Aufnahmen<\/p>\n<p>Die Fotos sind gr\u00f6\u00dftenteils schwarz-wei\u00df, aufgenommen mit einer Gro\u00dfformatkamera und dadurch unheimlich detailreich. Fast immer platzierte Ronkholz die Motive in der Mitte des Bildes, nahm sie frontal von vorne auf. Sie wirken dadurch sehr sachlich, fast wie eine Grafik. Bis auf wenige Ausnahmen sind nie Menschen auf den Fotos abgebildet &#8211; was aber ungeheuer die Fantasie anregt.<\/p>\n<p>Man fragt sich unweigerlich: Wer mag da gleich vorbeikommen, um noch schnell eine Dose Ravioli zu kaufen, um beim Bier einen Plausch mit dem Nachbarn zu halten oder mit versch\u00e4mt-gesenktem Blick ein Schmuddelheft zu erwerben? Tata Ronkholz&#8216; Kioskbilder sind aufgeladen mit tausenden Geschichten, Dialogen und Begebenheiten &#8211; darin liegt ihr gro\u00dfer Reiz.<\/p>\n<p>Trinkhallen<\/p>\n<p>von Tata\u00a0Ronkholz<\/p>\n<dl>\n<dt class=\"dtHidden\">Seitenzahl:<\/dt>\n<dd>192 Seiten<\/dd>\n<dt class=\"dtHidden\">Genre:<\/dt>\n<dd>Bildband<\/dd>\n<dt>Verlag:<\/dt>\n<dd>Buchhandlung Walther K\u00f6nig<\/dd>\n<dt>Bestellnummer:<\/dt>\n<dd>978-3753303260<\/dd>\n<dt>Preis:<\/dt>\n<dd>49,80 \u20ac<\/dd>\n<\/dl>\n<p>Dieses Thema im Programm:<\/p>\n<p>NDR Kultur |<br \/>\nDer Sonntag |<br \/>\n18.05.2025 | 12:20 Uhr<\/p>\n<p><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2025\/03\/ndr_printlogo.gif\" alt=\"NDR Logo\" title=\"NDR Logo\"\/><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Stand: 18.05.2025 06:00 Uhr Ein charmanter Bildband der verstorbenen Tata Ronkholz versammelt die sch\u00f6nsten Trinkhallen Deutschlands, die die&hellip;\n","protected":false},"author":2,"featured_media":119629,"comment_status":"","ping_status":"","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[1774],"tags":[9225,9229,1784,1785,29,214,9226,1885,30,438,439,440,83,45574,45573,215],"class_list":{"0":"post-119628","1":"post","2":"type-post","3":"status-publish","4":"format-standard","5":"has-post-thumbnail","7":"category-buecher","8":"tag-bildband","9":"tag-bildbaende","10":"tag-books","11":"tag-buecher","12":"tag-deutschland","13":"tag-entertainment","14":"tag-fotobuch","15":"tag-fotografie","16":"tag-germany","17":"tag-ndr","18":"tag-norddeutscher-rundfunk","19":"tag-norddeutschland","20":"tag-radio","21":"tag-tata-ronkholz","22":"tag-trinkhallen","23":"tag-unterhaltung"},"share_on_mastodon":{"url":"https:\/\/pubeurope.com\/@de\/114527435867604030","error":""},"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/119628","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=119628"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/119628\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media\/119629"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=119628"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=119628"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=119628"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}