{"id":119632,"date":"2025-05-18T06:33:09","date_gmt":"2025-05-18T06:33:09","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/119632\/"},"modified":"2025-05-18T06:33:09","modified_gmt":"2025-05-18T06:33:09","slug":"central-cee-erfolg-im-mainstream-hat-seinen-preis","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/119632\/","title":{"rendered":"Central Cee: Erfolg im Mainstream hat seinen Preis"},"content":{"rendered":"<p class=\"bodytext paragraph first  typo-bodytext is-block column pv-0 is-8-tablet mgh-auto-tablet mobile-order-1\" pos=\"1\">Eine surreale Szene, vor wenigen Wochen: Im brechend vollen Velodrom \u2013 einer der gr\u00f6\u00dften Hallen Berlins \u2013 leuchtet ein Meer aus Smartphonetaschenlampen. Grund daf\u00fcr: das Konzert des britischen Rappers Central Cee (b\u00fcrgerlich Oakley Caesar-Su).<\/p>\n<p class=\"bodytext paragraph  typo-bodytext is-block column pv-0 is-8-tablet mgh-auto-tablet mobile-order-2\" pos=\"2\">Sein Publikum rappt Zeilen von Central Cees Hits wie \u201eDoja\u201c und \u201eSprinter\u201c textsicher mit. <a href=\"https:\/\/taz.de\/Deutschrap-ist-totkommerzialisiert\/!5924427\/\" class=\"link in-text-link\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">\u00c4hnliches wird sich auch auf seinen Konzerten in Hamburg und Paris zutragen.<\/a> Gemessen an Streamingzahlen und verkauften Tickets, ist Central Cee einer der erfolgreichsten britischen Rapper aller Zeiten. Erst k\u00fcrzlich ver\u00f6ffentlichte der 26-J\u00e4hrige das Album \u201eCan\u2019t Rush Greatness\u201c. Mit dabei auch US-Rap-Schwergewichte wie Lil Durk und 21 Savage.<\/p>\n<p class=\"bodytext paragraph  typo-bodytext is-block column pv-0 is-8-tablet mgh-auto-tablet mobile-order-4\" pos=\"3\">Central Cee wird sogar in den USA \u2013 wo Rap vom kleinen britischen Bruder immer bel\u00e4chelt wurde \u2013 als Aush\u00e4ngeschild f\u00fcr UK-Rap gefeiert. Ironischerweise, gerade weil das Album nach US-Rap mit leichter britischer F\u00e4rbung klingt. Der Titel \u201eCan\u2019t Rush Greatness\u201c verspricht viel, der Sound dagegen klingt beliebig: hochpolierte Beats, Streaming-kompatible Refrains, global verst\u00e4ndliche Stra\u00dfen-Attit\u00fcde. So urteilte das renommierte Online-Musikmagazin Pitchfork in seiner Kritik und sprach sogar von einem f\u00fcr den internationalen Markt optimierten Sound.<\/p>\n<p>      Fr\u00fcher: eigenst\u00e4ndig, wild, roh<\/p>\n<p class=\"bodytext paragraph  typo-bodytext is-block column pv-0 is-8-tablet mgh-auto-tablet mobile-order-6\" pos=\"5\">Dabei war britischer Rap einstmals etwas anderes: eigenst\u00e4ndig, wild und roh. Doch bevor BritHop seine atypische Entwicklung nahm, eiferten die Rap\u00adpe\u00adr:in\u00adnen von der Insel ihren US-Kol\u00adle\u00adg:in\u00adnen nach. Vor allem in den sp\u00e4ten 1980ern als sich so etwas wie eine HipHop-Szene in England entwickelte, vor allem in London, Birmingham und Nottingham. Britische Rapper lehnten ihren Sound eng an den US-Stil an und \u00fcbernahmen teilweise den Slang aus New York eins zu eins.<\/p>\n<p class=\"bodytext paragraph  typo-bodytext is-block column pv-0 is-8-tablet mgh-auto-tablet mobile-order-7\" pos=\"6\">UK-Rap-Pioniere wie etwa Cave\u00adman aus High Wicombe konnten der Starpower aus den USA wenig entgegenhalten und wurden sogar aus dem regionalen Markt gedr\u00e4ngt. Majorlabels verloren schnell das Interesse an heimischen K\u00fcnst\u00adle\u00adr:In\u00adnen und britische Rapfans besuchten eher Konzerte von US-Stars wie Run DMC. Erst gegen Ende der 1980er kam etwas wie eine eigene Pr\u00e4gung auf, durch den Umweg \u00fcber jamaikanische Dancehall, Toasting und Crews wie London Posse.<\/p>\n<p class=\"bodytext paragraph  typo-bodytext is-block column pv-0 is-8-tablet mgh-auto-tablet mobile-order-8\" pos=\"7\">Deren Mitglied Rodney P erinnerte sich an eine USA-Reise, die den Sound der Gruppe pr\u00e4gte: \u201eWir waren damals in New York. Erst dort wurde ich auf meine Wurzeln gesto\u00dfen: Ich bin nun mal Engl\u00e4nder und spreche Englisch mit Cockneydialekt.\u201c Man f\u00fchlt sich fast an Damon Albarn erinnert, der behauptete, Blur habe Britpop als Antwort auf US-Grunge erfunden.<\/p>\n<p>      F\u00fcr Verwirrung sorgen<\/p>\n<p class=\"bodytext paragraph  typo-bodytext is-block column pv-0 is-8-tablet mgh-auto-tablet mobile-order-11\" pos=\"9\"><a href=\"https:\/\/taz.de\/!1595269\/\" class=\"link in-text-link\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">London Posse<\/a> kombinierten jamaikanisches MCing mit Londoner Stra\u00dfenslang und verhandelten in ihren Songs eher spielerisch ihre britische Herkunft und Verwurzelung in einem Londoner Viertel: \u201eThe Yanks said I sound Australian\u201c, rappte Rodney P im Song <a href=\"https:\/\/www.youtube.com\/watch?v=-ahFJmFcY98\" target=\"_blank\" class=\"link in-text-link\" rel=\"nofollow noopener\">\u201eHow\u2019s Life in London\u201c<\/a> (1993).<\/p>\n<p class=\"bodytext paragraph  typo-bodytext is-block column pv-0 is-8-tablet mgh-auto-tablet mobile-order-12\" pos=\"10\">Trotzdem verlagerte sich die UK-Rap-Szene in den Untergrund. Wo es noch fast bis in die nuller Jahre dauern sollte, als in England ein eigenst\u00e4ndiges Rap-Genre entstand, dass wohl zu den wichtigsten musikalischen Entwicklungen des Landes geh\u00f6rt. <a href=\"https:\/\/taz.de\/Der-Sound-der-Piraten\/!723510\/\" class=\"link in-text-link\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Die Rede ist von Grime: einer Mischung aus Garagehouse, Dubstep und Jungle Breakbeats \u00fcber die dann gerappt wird.<\/a> Ein Youtube-Video sorgte 2003 f\u00fcr den ersten viralen Moment von Grime, lange bevor der Genrebegriff f\u00fcr die Beschreibung des Sounds relevant wurde.<\/p>\n<p class=\"bodytext paragraph  typo-bodytext is-block column pv-0 is-8-tablet mgh-auto-tablet mobile-order-13\" pos=\"11\">Ein stickiges Studio, zwei MCs, die aggressiv \u00fcber einen rasanten 140-bpm-Beat um die Wette rappten. Grime geht sparsam mit seinen Zutaten um, steckt dennoch voller Dringlichkeit. Es ist ein komplett anderes Szenario als die Mainstreambespa\u00dfung beim Konzert von Central Cee in Berlin.<\/p>\n<p>      Und dann kam Grime<\/p>\n<p class=\"bodytext paragraph  typo-bodytext is-block column pv-0 is-8-tablet mgh-auto-tablet mobile-order-15\" pos=\"13\">Die beiden MCs sind Dizzee Rascal und Crazy Titch. Ersterer sollte zum Star der Grime-Szene werden, der auch \u00fcber Gro\u00dfbritanniens Grenzen hinaus bekannt wurde. Sein Album \u201eBoy in da Corner\u201c (2003) gilt als Blaupause f\u00fcr das Genre und gab britischem Rap seine Klangsignatur, losgel\u00f6st vom US-Sound. In der taz-Kritik zum Album hie\u00df es damals gar, Dizzee Rascal habe <a href=\"https:\/\/taz.de\/!681005\/\" class=\"link in-text-link\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">\u201ebritischen HipHop neuerfunden.\u201c<\/a><\/p>\n<p class=\"bodytext paragraph  typo-bodytext is-block column pv-0 is-8-tablet mgh-auto-tablet mobile-order-16\" pos=\"14\">Weitere britische K\u00fcnstler eroberten sich den Markt zur\u00fcck, der lange von US-Rapper:innen beherrscht wurde. Bald war es hip, dass britische Kids auf Konzerte von Wiley, Skepta oder The Streets str\u00f6mten. Binnen zehn Jahren kam UK-Drill: Kompromisslos und d\u00fcster klingt diese Spielart.<\/p>\n<p class=\"bodytext paragraph  typo-bodytext is-block column pv-0 is-8-tablet mgh-auto-tablet mobile-order-17\" pos=\"15\"><a href=\"https:\/\/taz.de\/HipHop-Szene-in-Chicago\/!5761561\/\" class=\"link in-text-link\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Zun\u00e4chst angelehnt an den Footworksound der Dancefloormetropole Chicago<\/a>, ging der britische Ableger klanglich eigene Wege und fand bald Nach\u00adah\u00adme\u00adr:in\u00adnen weltweit. Sogar in den USA. Mit dem bitteren Beigeschmack, dass UK-Drill auch zum Soundtrack einer Messerattacken-Welle unter Jugendlichen avancierte, die Gro\u00dfbritannien seit langem heimsucht.<\/p>\n<p class=\"bodytext paragraph last  typo-bodytext is-block column pv-0 is-8-tablet mgh-auto-tablet mobile-order-18\" pos=\"16\"><a href=\"https:\/\/taz.de\/Beef-zwischen-Drake-und-Kendrick\/!6006973\/\" class=\"link in-text-link\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Eine friedliche Entwicklungshilfe f\u00fcr Brit-Rap stiftete dagegen der kanadische Superstar Drake<\/a>, der seit 2015 mit britischen Kollegen wie Skepta zusammenarbeitet. Parallel dazu speiste die TV-Serie \u201eTop Boy\u201c britische Gangkultur via Net\u00adflix in den globalen Mainstream ein. Inzwischen geh\u00f6rt zumindest eine Handvoll Rap\u00adpe\u00adr:in\u00adnen aus Gro\u00dfbritannien zum internationalen Mainstream: Skepta, Dave, Stormzy oder eben Central Cee. Ihr Weg f\u00fchrte von stickigen Piratenradiosendern ins ausverkaufte Velodrom in Berlin. Britischer Rap klopft an der Weltspitze an \u2013 nur klingt er dabei leider immer weniger nach sich selbst.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Eine surreale Szene, vor wenigen Wochen: Im brechend vollen Velodrom \u2013 einer der gr\u00f6\u00dften Hallen Berlins \u2013 leuchtet&hellip;\n","protected":false},"author":2,"featured_media":119633,"comment_status":"","ping_status":"","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[1772],"tags":[29,214,30,1779,810,215],"class_list":{"0":"post-119632","1":"post","2":"type-post","3":"status-publish","4":"format-standard","5":"has-post-thumbnail","7":"category-musik","8":"tag-deutschland","9":"tag-entertainment","10":"tag-germany","11":"tag-music","12":"tag-musik","13":"tag-unterhaltung"},"share_on_mastodon":{"url":"https:\/\/pubeurope.com\/@de\/114527443666994151","error":""},"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/119632","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=119632"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/119632\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media\/119633"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=119632"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=119632"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=119632"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}