{"id":119787,"date":"2025-05-18T08:05:17","date_gmt":"2025-05-18T08:05:17","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/119787\/"},"modified":"2025-05-18T08:05:17","modified_gmt":"2025-05-18T08:05:17","slug":"kommt-die-super-app-auch-nach-europa","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/119787\/","title":{"rendered":"Kommt die Super-App auch nach Europa?"},"content":{"rendered":"<p>                    <strong>hintergrund<\/strong><\/p>\n<p class=\"metatextline\">Stand: 18.05.2025 08:39 Uhr<\/p>\n<p class=\"textabsatz columns twelve  m-ten  m-offset-one l-eight l-offset-two\">\n        <strong>Chatten, Shoppen, digitale Beh\u00f6rdeng\u00e4nge: alles mit einer App. So genannte Super-Apps sind in Asien und auch in Brasilien Alltag, in Europa noch Vision. Wie lange noch? <\/strong>\n    <\/p>\n<p>                                        <a class=\"authorline__link\" href=\"https:\/\/www.tagesschau.de\/antje-erhard-100.html\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\"><br \/>\n                                            <img decoding=\"async\" class=\"authorline__img\" alt=\"Antje Erhard\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2025\/05\/erhard-104.jpg\"\/><br \/>\n                                        <\/a><\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">\nDen Alltag \u00fcber nur eine App zu steuern &#8211; das ist hierzulande unvorstellbar. Arzttermine buchen, Essen bestellen, mit Freunden schreiben, Rechnungen zahlen: In China ist das Realit\u00e4t. WeChat hei\u00dft dort die App. Sie ist das digitale R\u00fcckgrat f\u00fcr eine Milliarde Nutzer.<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">\nAuch in S\u00fcdamerika funktioniert dieses Prinzip: In Brasilien nutzen Millionen Menschen WhatsApp nicht nur zum Chatten, sondern auch f\u00fcrs Online-Banking, zum Pizza bestellen und sofortigem Bezahlen. Der Alltag l\u00e4uft dort buchst\u00e4blich durch die App. Rund neun Stunden pro Tag verbringen Brasilianer durchschnittlich damit laut Zahlen der Boston Consulting Group und <a href=\"https:\/\/www.statista.com\/topics\/7731\/whatsapp-in-brazil\/#topicOverview\" title=\"WhatsApp beliebteste App in Brasilien\" class=\"textlink--extern js-link-dialog\" rel=\"noopener noreferrer\" target=\"_blank\" data-type=\"external\">Statista<\/a>.<\/p>\n<p>    Big Tech tritt auf den Plan<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">\nDas weckt Begehrlichkeiten. US-Unternehmer Elon Musk etwa will mit seiner Plattform X (ehemals Twitter) eine Super-App nach asiatischem Vorbild etablieren. Eine, die Kommunikation, Finanztransaktionen, Shopping und Inhalte vereint. Und weil Bezahlen eine Grundvoraussetzung daf\u00fcr ist, kooperiert X mit dem Kartendienstleister Visa; erste Funktionen sollen bis Ende 2025 verf\u00fcgbar sein.<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">\nMeta-Chef Mark Zuckerberg will dem nicht nachstehen: Der Chat-Dienst WhatsApp soll &#8211; nicht nur in Brasilien &#8211; zur zentralen Plattform f\u00fcr KI-gest\u00fctzte Kommunikation und E-Commerce werden. Bereits heute kaufen Millionen Nutzer Produkte \u00fcber Zuckerbergs Social-Media-Plattform Instagram; k\u00fcnftig k\u00f6nnte der gesamte Kaufprozess inklusive Bezahlung in der App bleiben.<\/p>\n<p>    Risiken und Nebenwirkungen<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">\nAus Anbietersicht ist die Rechnung einfach: Je mehr Funktionen in einer App geb\u00fcndelt sind, desto mehr Daten fallen an &#8211; ein Gewinn f\u00fcr die entsprechenden Unternehmen, sagt Chris-Oliver Schickentanz, Technologie-Experte und Investment-Profi der Capitell AG, gegen\u00fcber der ARD-Finanzredaktion: &#8222;F\u00fcr den Anbieter von Super Apps hat es den gro\u00dfen Vorteil, ich gewinne ein viel umfassenderes Bild \u00fcber das Konsumverhalten meiner Kunden, kann\u00a0viel zielgerichtet Angebote unterbreiten und habe dadurch auch deutlich bessere Umsatzperspektiven.&#8220;<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">\nLaut einer Umfrage der Vergleichsplattform <a href=\"https:\/\/www.getapp.de\/blog\/4097\/super-apps-der-naechste-grosse-trend\" title=\"Interesse an Super-Apps\" class=\"textlink--extern js-link-dialog\" rel=\"noopener noreferrer\" target=\"_blank\" data-type=\"external\">GetApp<\/a> ist das Interesse an Super-Apps auch in Europa vorhanden &#8211; insbesondere wegen der Zeitersparnis und Bequemlichkeit. Doch mit jedem Klick innerhalb eines geschlossenen Systems steigt die Abh\u00e4ngigkeit des Nutzers &#8211; und die Marktmacht des Anbieters. Das hat Folgen, erkl\u00e4rt Marvin Pawelczyk, Referent K\u00fcnstliche Intelligenz und Cloud vom Branchenverband der deutschen Informations- und Telekommunikationsbranche Bitkom, gegen\u00fcber der ARD-Finanzredaktion: &#8222;Wenn eine Super App zu dominant wird, k\u00f6nnte dies den Wettbewerb einschr\u00e4nken und die Wahlm\u00f6glichkeiten der Verbraucher reduzieren.&#8220;<\/p>\n<p>    Nicht alles in eine App<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">\nEine L\u00f6sung w\u00e4re die F\u00f6rderung des fairen Wettbewerbs durch entsprechende gesetzliche L\u00f6sungen sowie offene Standards und Schnittstellen, damit andere Anbieter ebenfalls auf diese Plattform zugreifen k\u00f6nnten. Au\u00dferdem lauerten unangenehme Folgen durch technische Risiken: &#8222;Wenn viele Dienste von einer einzigen App abh\u00e4ngen, k\u00f6nnten technische Ausf\u00e4lle au\u00dferdem gr\u00f6\u00dfere Auswirkungen haben als dies bei der St\u00f6rung einzelner Apps der Fall ist. Um dem vorzubeugen, sind robuste Backup-Systeme, Redundanzen und Notfall-Pl\u00e4ne unerl\u00e4sslich.&#8220;<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">\nGerade in sensiblen Bereichen wie Finanzdienstleistungen sei es im Interesse der Verbraucher, nicht alles auf eine App zu setzen, um Risiken zu senken, erg\u00e4nzt Holger Hoos, Alexander-von-Humboldt-Professor f\u00fcr KI an der Rheinisch-Westf\u00e4lischen Technischen Hochschule Aachen, und begr\u00fcndet das im Gespr\u00e4ch mit der ARD-Finanzredaktion so: &#8222;Wenn das alles in einer Hand ist, dann hat man sich ziemlich abh\u00e4ngig gemacht. Und dann lernt auch dieses Unternehmen an sehr, sehr viel \u00fcber die Kundschaft. Und das kann nicht immer nur positiv sein.&#8220;<\/p>\n<p>    Europa tickt anders<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">\nIn Europa haben es Anbieter einer Super-App gleich aus mehreren Gr\u00fcnden nicht leicht. Erstens w\u00e4re da der Datenschutz. Er ist in der EU ein hohes Gut, das die zust\u00e4ndigen Beh\u00f6rden sch\u00fctzen. In China ist das anders, seit Jahren gibt es den Vorwurf, die Regierung \u00fcberwache mit WeChat ihre B\u00fcrger. &#8222;Die sehr strikten Datenschutz-Richtlinien verbieten es eigentlich, das Verhalten von Konsumenten in einem Bereich auf einen anderen Bereich zu \u00fcbertragen. Von daher ist die Logik einer Super App mit der europ\u00e4ischen Regulierung nicht ganz so zu vereinen&#8220;, sagt Chris-Oliver Schickentanz.<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">\nZweitens ist da das scharfe EU-Wettbewerbsrecht. Bei Super-Apps besteht die Gefahr einer marktbeherrschenden Stellung &#8211; mit allen negativen Folgen f\u00fcr Innovation, Wettbewerb und Vielfalt. In Europa ist genau das ein sensibler Punkt &#8211; im Gegensatz zu Asien oder S\u00fcdamerika. Plattformen, die zu viele Dienste b\u00fcndeln, geraten schnell ins Visier der Kartellbeh\u00f6rden.<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">\nUnd drittens gebe es auch kulturell Unterschiede bei der Interaktionsbereitschaft und der Verf\u00fcgbarkeit von Daten, sagt Schickentanz. &#8222;Da ist man in Asien deutlich offener, da teilt man auch seine E-Commerce-K\u00e4ufe mit Freunden. Das werden wir hier in Europa in der Intensit\u00e4t so nicht erleben.&#8220;<\/p>\n<p>    USA: Weniger Regulierung, hohe Ambitionen<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">\nIn den USA verspricht die neue Regierung ein regulatorisch freundlicheres Umfeld f\u00fcr Unternehmen und die F\u00f6rderung von Innovationen und neuen Technologien wie K\u00fcnstlicher Intelligenz, wenngleich ausl\u00e4ndische Anbieter zunehmend auf Widerstand sto\u00dfen oder gar verboten werden sollen. Die Folge: W\u00e4hrend europ\u00e4ische Anbieter durch Datenschutz und Gesetzgebung ausgebremst werden, bauen US-Konzerne ihre \u00d6kosysteme aus.<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">\nEin Beispiel f\u00fcr den europ\u00e4ischen Weg ist Klarna: Die Zahlungsdienst-App will sich zur Shopping-Plattform entwickeln. Das w\u00e4re noch keine Super-App im asiatischen Stil, aber ein weiterer Schritt in Richtung digitaler Komplettl\u00f6sung.<\/p>\n<p>    Was kommt nach der Super-App?<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">\nDoch ist die Super-App wom\u00f6glich ohnehin selbst nur ein Zwischenschritt &#8211; hin zu etwas noch Umfassenderem: einer Super-Assistenz, die nicht nur organisiert, sondern aktiv das Leben steuert? Wer darauf hofft, muss sich jedoch gedulden. Warum, erkl\u00e4rt Marvin Pawelczyk: &#8222;Die Vision einer Super-Assistenz ist zweifellos faszinierend, aber technisch \u00e4u\u00dferst anspruchsvoll.&#8220; <\/p>\n<p>Sie erfordere eine tiefgehende Integration verschiedener Technologien wie etwa fortschrittliche nat\u00fcrliche Sprachverarbeitung, maschinelles Lernen und ein nahtloses Zusammenspiel verschiedener Systeme. &#8222;Derzeit sind diese Technologien zwar schon weit fortgeschritten, aber noch nicht auf einem Niveau, das die Umsetzung einer vollumf\u00e4nglichen Superassistenz erm\u00f6glichen w\u00fcrde.&#8220;<\/p>\n<p>    Die B\u00fcchse der Pandora?<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">\nFazit: Super-Apps sind mehr als ein digitales Multitool. Sie sind ein Gesch\u00e4ftsmodell &#8211; und potenziell das Tor f\u00fcr neue Abh\u00e4ngigkeit. Wer sie kontrolliert, hat nicht nur Zugriff auf Daten, sondern auf ganze Lebensrealit\u00e4ten.<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">\nDie Super-App k\u00f6nnte aber erst der Anfang sein. Die wirkliche Disruption liegt in der n\u00e4chsten Evolutionsstufe: der Super-Assistenz, die nicht nur bedient, sondern vorausdenkt, verwaltet &#8211; und entscheidet. Wer diesen Markt besetzt, wenn er funktioniert, k\u00f6nnte Milliarden Menschen kontrollieren. Noch haben Nutzer die Wahl. Eine App kann man l\u00f6schen. Eine vollintegrierte Super-Assistenz wohl nicht mehr.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"hintergrund Stand: 18.05.2025 08:39 Uhr Chatten, Shoppen, digitale Beh\u00f6rdeng\u00e4nge: alles mit einer App. So genannte Super-Apps sind in&hellip;\n","protected":false},"author":2,"featured_media":119788,"comment_status":"","ping_status":"","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[5],"tags":[1743,13,671,14,15,12,45602,10,8,9,11],"class_list":{"0":"post-119787","1":"post","2":"type-post","3":"status-publish","4":"format-standard","5":"has-post-thumbnail","7":"category-nachrichten","8":"tag-datenschutz","9":"tag-headlines","10":"tag-ki","11":"tag-nachrichten","12":"tag-news","13":"tag-schlagzeilen","14":"tag-super-apps","15":"tag-top-news","16":"tag-top-meldungen","17":"tag-topmeldungen","18":"tag-topnews"},"share_on_mastodon":{"url":"https:\/\/pubeurope.com\/@de\/114527805348804444","error":""},"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/119787","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=119787"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/119787\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media\/119788"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=119787"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=119787"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=119787"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}