{"id":1198230,"date":"2026-07-28T07:35:22","date_gmt":"2026-07-28T07:35:22","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/1198230\/"},"modified":"2026-07-28T07:35:22","modified_gmt":"2026-07-28T07:35:22","slug":"mahnwache-nach-csd-anschlag-alles-nur-nicht-allein-sein-muenchen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/1198230\/","title":{"rendered":"Mahnwache nach CSD-Anschlag: Alles, nur nicht allein sein &#8211; M\u00fcnchen"},"content":{"rendered":"<p data-manual=\"paragraph\" data-schema-org-speakable=\"true\" class=\"css-1eosz7k\">Das h\u00e4tte auch unser CSD sein k\u00f6nnen. Es ist ein Satz, der nachhallt, als Alexander Kluge, Gesch\u00e4ftsf\u00fchrer des M\u00fcnchner CSD, ihn am Montagabend bei der Mahnwache im Gedenken an die Opfer des Anschlags des CSD in Berlin ausspricht. Bei der mutma\u00dflich islamistisch motivierten Tat\u00a0war am Samstag eine Frau aus Polen gestorben und 29 Menschen teils schwer verletzt worden. Er teilt ihn, das wird die Polizei sp\u00e4ter best\u00e4tigen, mit rund 4000 Menschen. Menschen, die wie Kluge traurig sind und w\u00fctend, fassungslos und entschlossen.<\/p>\n<p data-manual=\"paragraph\" data-schema-org-speakable=\"true\" class=\"css-1eosz7k\">Entschlossen sich das, wof\u00fcr sie und die Menschen vor ihnen gek\u00e4mpft haben, nicht nehmen zu lassen. Und die auf dem Marienplatz zusammengekommen sind, um Trost zu erfahren. Auf einem Platz, der, wie Kluge versichert, \u201eperfekt gesichert\u201c ist. Weil man das dazu sagen muss an einem Tag wie heute, bei einer Veranstaltung wie dieser. Wobei zur Wahrheit auch geh\u00f6rt: Die Menschen sind l\u00e4ngst da, da werden noch Absperrungen aufgebaut. Mit seiner Rede kann Kluge deshalb erst gegen 19.10 Uhr beginnen.<\/p>\n<p data-manual=\"paragraph\" data-schema-org-speakable=\"true\" class=\"css-1eosz7k\">Parallel zu jener Mahnwache in <a href=\"https:\/\/www.sueddeutsche.de\/thema\/M%C3%BCnchen\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">M\u00fcnchen<\/a> finden an diesem Tag auch in zahlreichen anderen St\u00e4dten in Deutschland \u00e4hnliche Gedenkveranstaltungen statt\u00a0\u2013 von Greifswald bis nach Ravensburg.\u00a0 Ganz bewusst haben Kluge und das \u00fcbrige Organisationsteam auf dem Marienplatz auf viele Rednerinnen und Redner verzichtet: \u201eHeute geht es nicht um gro\u00dfe Worte, es geht um Mitgef\u00fchl\u201c, so Kluge. Neben ihm sprechen an diesem Abend deshalb nur die 2. B\u00fcrgermeisterin Mona Fuchs (Gr\u00fcne) in Vertretung der Stadtspitze, sowie Leonie L. von Strong!, der LGBTIQ*-Fachstelle gegen Diskriminierung und Gewalt.<\/p>\n<p><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2026\/07\/1f68fd92-0e19-4af3-b3d7-9696328660a0.jpg\"   alt=\"Auf dem Marienplatz hatten sich am Montag mehrere tausend Menschen mit Schildern und Pride-Flaggen eingefunden.\" loading=\"lazy\" class=\"css-8atqhb\"\/>Auf dem Marienplatz hatten sich am Montag mehrere tausend Menschen mit Schildern und Pride-Flaggen eingefunden. Florian Peljak<img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2026\/07\/fd5a0d80-fcc7-4966-8244-ba12eea33ab7.jpg\"   alt=\"In Erinnerung an die Opfer wurden Kerzen angez\u00fcndet und Blumen vor der B\u00fchne niedergelegt.\" loading=\"lazy\" class=\"css-8atqhb\"\/>In Erinnerung an die Opfer wurden Kerzen angez\u00fcndet und Blumen vor der B\u00fchne niedergelegt. Florian Peljak<\/p>\n<p data-manual=\"paragraph\" data-schema-org-speakable=\"true\" class=\"css-1eosz7k\">In ihrer kurzen Rede\u00a0\u2013 eine, von der sie selbst sagt, sie w\u00fcnschte, sie h\u00e4tte sie nie halten m\u00fcssen\u00a0\u2013 findet Fuchs vor allem klare Worte f\u00fcr all jene, die schon kurz nach dem Anschlag, versuchten, diesen f\u00fcr ihre Zwecke zu nutzen. \u201eDas ist nicht Solidarit\u00e4t, das ist politische Instrumentalisierung.\u201c Wo Islamismus zu bek\u00e4mpfen sei, gelte es auch Rechtsextremismus zu bek\u00e4mpfen.<\/p>\n<p data-manual=\"paragraph\" data-schema-org-speakable=\"true\" class=\"css-1eosz7k\">Und noch etwas sagt Fuchs nach einer Schweigeminute: \u201eDie Antwort auf diesen Anschlag darf niemals Angst sein.\u201c Danach liest sie noch einen Brief vor, den Oberb\u00fcrgermeister Dominik Krause, der selbst nicht anwesend sein kann, in Richtung Berlin geschickt hat. Krause war es auch, der noch am fr\u00fchen Nachmittag zum Zeichen der Solidarit\u00e4t die Beflaggung des Marienplatzes mit Regenbogenflaggen angeordnet hatte.<\/p>\n<p data-manual=\"paragraph\" data-schema-org-speakable=\"true\" class=\"css-1eosz7k\">Auch Leonie L. von Strong! mahnt in ihrer Rede dazu, sich nicht instrumentalisieren zu lassen. Die Fachstelle, f\u00fcr die sie arbeitet, hatte erst Anfang Juni eine Statistik ver\u00f6ffentlicht mit einer so erschreckenden wie wenig \u00fcberraschenden Bilanz: Demnach ist die Zahl dokumentierter F\u00e4lle queerfeindlicher Gewalt in Bayern im Jahr 2025 weiter gestiegen\u00a0\u2013 um ganze 43 Prozent.<\/p>\n<p data-manual=\"paragraph\" data-schema-org-speakable=\"true\" class=\"css-1eosz7k\">413 Vorf\u00e4lle wurden gemeldet, davon 161 allein in M\u00fcnchen. Die Dunkelziffer an \u00dcbergriffen, auch das macht die Fachstelle deutlich, d\u00fcrfte noch weitaus h\u00f6her sein. Dass in ebenjenen Zeiten jemand wie die Bundesfamilienministerin Karin Prien (CDU) einem queeren Netzwerk wie dem Verein Lambda jedwede F\u00f6rderung streichen will, st\u00f6\u00dft am Rande der Veranstaltung angesichts dessen einigen auf. Ebenso wie Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU), der sich 2025 noch mit dem Verweis, dass der Bundestag \u201ekein Zirkuszelt\u201c sei, dagegen ausgesprochen hatte, auf dem Reichstagsgeb\u00e4ude eine Regenbogenflagge zu hissen, und nun, nach dem Anschlag, Solidarit\u00e4t bekundete. Von der AfD ganz zu schweigen.<\/p>\n<p><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2026\/07\/b9716987-02d4-4e10-a9b1-e0ac61ffe601.jpg\"   alt=\"Dragqueen Piana Electric (links) sang \u201eSomewhere over the rainbow\u201c, der Gesch\u00e4ftsf\u00fchrer des M\u00fcnchner CSD Alexander Kluge mahnte: \u201eEs h\u00e4tte auch unser CSD sein k\u00f6nnen.\u201c\" loading=\"lazy\" class=\"css-8atqhb\"\/>Dragqueen Piana Electric (links) sang \u201eSomewhere over the rainbow\u201c, der Gesch\u00e4ftsf\u00fchrer des M\u00fcnchner CSD Alexander Kluge mahnte: \u201eEs h\u00e4tte auch unser CSD sein k\u00f6nnen.\u201c Florian Peljak<img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2026\/07\/5b16c531-6ff5-46b6-908e-de05556b4e7f.jpg\"   alt=\"Laut Polizei kamen rund 4000 Menschen zur Mahnwache auf den Marienplatz.\" loading=\"lazy\" class=\"css-8atqhb\"\/>Laut Polizei kamen rund 4000 Menschen zur Mahnwache auf den Marienplatz. Florian Peljak<\/p>\n<p data-manual=\"paragraph\" data-schema-org-speakable=\"true\" class=\"css-1eosz7k\">Beinahe h\u00e4tte das letzte Wort an diesem Abend die Dragqueen Piana Electric gehabt: Als sie im schwarzen Kleid und regenbogenfarbener Federboa \u201eSomewhere over the rainbow\u201c singt\u00a0\u2013\u00a0 ein Lied mit hoher Symbolkraft f\u00fcr die queere Community\u00a0\u2013 flie\u00dfen in der Menge einige leise Tr\u00e4nen. Es h\u00e4tte ein passender Abschluss sein k\u00f6nnen, doch als CSD-Gesch\u00e4ftsf\u00fchrer Kluge die Veranstaltung offiziell f\u00fcr beendet erkl\u00e4ren will, stimmen einige \u201eHoch die internationale Solidarit\u00e4t\u201c an, eine auf linken Demos bekannte Losung.<\/p>\n<p data-manual=\"paragraph\" data-schema-org-speakable=\"true\" class=\"css-1eosz7k\">W\u00e4hrend auf anderen Kundgebung an dieser Stelle wohl viele der Teilnehmenden eingestimmt h\u00e4tten, ernten die Skandierenden an diesem Abend Buh-Rufe und auch Kluge appelliert: \u201eIch bitte darum, diesen Moment nicht f\u00fcr Politik zu nutzen, bitte nicht.\u201c Die Rufe verstummen, doch irgendwo in der Menge h\u00f6rt man auch noch jemanden sagen: \u201eQueeres Leben ist politisch.\u201c<\/p>\n<p data-manual=\"paragraph\" data-schema-org-speakable=\"true\" class=\"css-1eosz7k\">Dann herrscht Stille, es werden Blumen niedergelegt, Kerzen angez\u00fcndet, Menschen schreiben auf ein Plakat, das Kluge nach Berlin schicken will, kleine Botschaften: \u201eDer Regenbogen h\u00e4lt\u201c zum Beispiel, oder \u201eLang lebe die Liebe\u201c. Auf einem Plakat, das jemand vor die B\u00fchne gelegt hat, steht au\u00dferdem: \u201eYes, we still need pride\u201c, ja, wir brauchen die Pride immer noch.<\/p>\n<p data-manual=\"paragraph\" data-schema-org-speakable=\"true\" class=\"css-1eosz7k\">Auch Victoria Seegenschmiedt legt einen Strau\u00df nieder: Sie hat die Blumen in den Farben des Regenbogens gew\u00e4hlt, unterschiedliche Farben und Formen\u00a0\u2013 f\u00fcr die Vielfalt dieser, ihrer Community, die manche hier auch ihre Wahlfamilie nennen. Und, das erz\u00e4hlt sie noch vor der Mahnwache: Dazu wird sie drei Sonnenblumen legen. Die hat ihr die Verk\u00e4uferin, eine Frau mit Migrationshintergrund, geschenkt. Weil sie in diesem Moment gesp\u00fcrt hat, was Seegenschmiedt gerade ein gro\u00dfes Bed\u00fcrfnis ist: Menschlichkeit, Verbundenheit zu f\u00fchlen.<\/p>\n<p data-manual=\"paragraph\" data-schema-org-speakable=\"true\" class=\"css-1eosz7k\">Auch f\u00fcr Michelle Niwicho und ihre Freundin war das der Grund, an den Marienplatz zu kommen. Die beiden waren am Samstag noch auf dem CSD in Berlin, am Sonntag dann auf der Trauerfeier nach dem Anschlag und nun eben hier, in ihrer Stadt \u2013 mit einem Gef\u00fchl von \u201eJetzt erst recht\u201c. Denn w\u00e4hrend f\u00fcr viele von denen, die jetzt gro\u00dfe Reden schwingen, so vermutet Niwicho, n\u00e4chste Woche alles wieder vergessen sei, bleibt f\u00fcr sie als trans Frau ein Leben, in dem sie um ihre Sicherheit f\u00fcrchten muss, Realit\u00e4t. Bleibt es f\u00fcr Dragqueen Piana Electric Alltag, nie bedenkenlos in die U-Bahn oder das Taxi steigen zu k\u00f6nnen. Bleibt es f\u00fcr Victoria Seegenschmiedt normal, sich zu fragen, ob sie ihre Liebe in der \u00d6ffentlichkeit zeigen kann.<\/p>\n<p data-manual=\"paragraph\" data-schema-org-speakable=\"true\" class=\"css-1eosz7k\">Und Menschen wie Niwicho, Electric und Seegenschmiedt sind dann auch der Grund, warum Bernd M\u00fcller, politischer Sprecher des CSD, und sein Team nicht lange \u00fcberlegen mussten, ob sie nach dem Anschlag in Berlin eine Mahnwache abhalten werden. Was ihn mit Blick auf die vielen Menschen auf dem Marienplatz aber dar\u00fcber hinaus stolz macht: Nicht nur die Community sei dem Aufruf gefolgt, auch Menschen, die sich mit ihr solidarisierten, seien zahlreich gekommen. Was sie eint, ist\u00a0\u2013 <a href=\"https:\/\/www.sueddeutsche.de\/thema\/Queer\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">queer<\/a> oder nicht\u00a0\u2013 offenbar das, was auch Kluge sagt: \u201eMan will jetzt alles\u00a0\u2013 blo\u00df sich nicht allein f\u00fchlen.\u201c<\/p>\n<p data-manual=\"paragraph\" data-schema-org-speakable=\"true\" class=\"css-1eosz7k\">Und so stehen noch lange nach dem Ende der Mahnwache kleine Menschengruppen auf dem Marienplatz oder vor dem lesbisch-queeren Zentrum Lez sowie dem schwulen Kommunikations- und Kulturzentrum Sub, die an diesem Abend extra ihre T\u00fcren ge\u00f6ffnet haben.<\/p>\n<p data-manual=\"paragraph\" data-schema-org-speakable=\"true\" class=\"css-1eosz7k\">Und doch: Mit Blick auf den M\u00fcnchner CSD im kommenden Jahr, wird das, was in Berlin vorgefallen ist, etwas ver\u00e4ndern? Nein, meint der politische Sprecher M\u00fcller. Die Sicherheitsbestimmungen seien in diesem Jahr schon wahnsinnig hoch gewesen, mehr gehe im Prinzip nicht \u2013 denn absolute Sicherheit, die gebe es schlicht nicht. Das gelte auch f\u00fcr den CSD in Hamburg, der f\u00fcr kommendes Wochenende geplant ist. Ob der deswegen wom\u00f6glich abgesagt wird? Nein, glaubt CSD-Gesch\u00e4ftsf\u00fchrer Kluge\u00a0\u2013 vermutlich werde es sogar richtig voll, mutma\u00dft er. Jetzt erst recht.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Das h\u00e4tte auch unser CSD sein k\u00f6nnen. 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