{"id":1200338,"date":"2026-07-29T05:42:17","date_gmt":"2026-07-29T05:42:17","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/1200338\/"},"modified":"2026-07-29T05:42:17","modified_gmt":"2026-07-29T05:42:17","slug":"fed-zinsentscheid-wiederholt-die-notenbank-den-fehler-von-2021","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/1200338\/","title":{"rendered":"Fed-Zinsentscheid: Wiederholt die Notenbank den Fehler von 2021?"},"content":{"rendered":"<p>            <img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"ts-image\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2026\/07\/kevin-warsh-114.jpg\" alt=\"Kevin Warsh\" title=\"Kevin Warsh | picture alliance \/ Sipa USA\"\/><\/p>\n<p>                    <strong>Analyse<\/strong><\/p>\n<p class=\"metatextline\">Stand: 29.07.2026 \u2022 06:51 Uhr<\/p>\n<p class=\"article-head__shorttext\">\n        <strong>Fed-Chef Warsh warnt vor gestiegenen Inflationsrisiken, hat aber bislang nicht gehandelt. Nun muss sich zeigen, ob die US-Notenbank rechtzeitig reagiert &#8211; oder einen alten Fehler wiederholt. <\/strong>\n    <\/p>\n<p>                                    <a class=\"authorline__link\" href=\"https:\/\/www.tagesschau.de\/angela-goepfert-100.html\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\"><br \/>\n                                        <img decoding=\"async\" class=\"authorline__img\" alt=\"Angela G\u00f6pfert\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2026\/04\/goepfert-102.jpg\"\/><br \/>\n                                    <\/a><\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">Heute Abend entscheidet die US-Notenbank \u00fcber den Leitzins &#8211; und selten lagen die Erwartungen der Anleger im Vorfeld so weit auseinander. Laut dem FedWatch Tool der CME Group rechnet derzeit rund ein Drittel der Marktteilnehmer mit einer Zinserh\u00f6hung um 0,25 Prozentpunkte &#8211; etwa zwei Drittel dagegen mit unver\u00e4nderten Zinsen.<\/p>\n<p>    Fed-Zinsentscheid birgt \u00dcberraschungspotenzial<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">So kurz vor einer Fed-Sitzung ist eine solch gespaltene Erwartungshaltung \u00e4u\u00dferst ungew\u00f6hnlich. Das erh\u00f6ht das \u00dcberraschungspotenzial &#8211; und damit die Gefahr kr\u00e4ftiger Marktreaktionen. Zumal die Stimmung an den B\u00f6rsen bereits angeschlagen ist.<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">Zuletzt hatten immer mehr Fed-Banker vor gestiegenen Inflationsrisiken gewarnt und h\u00f6here Zinsen gefordert. Fed-Chef Kevin Warsh setzt dagegen bislang vor allem auf eine &#8222;falkenhafte&#8220; Rhetorik: F\u00fcr ihn habe die Bek\u00e4mpfung der Inflation oberste Priorit\u00e4t. Doch je l\u00e4nger die US-Notenbank abwartet, desto dr\u00e4ngender wird die Frage, ob sie den Fehler des Jahres 2021 wiederholt.<\/p>\n<p>    Warum die Fed 2021 zu sp\u00e4t reagierte<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">&#8222;Die Zentralbanken sind damals zu sp\u00e4t auf die Bremse getreten&#8220;, betont Christian Lenk, Leiter des Devisen- und Geldpolitik-Researchs bei der DZ Bank, im Gespr\u00e4ch mit der ARD-Finanzredaktion. &#8222;Sie haben die Inflation au\u00dfer Kontrolle geraten lassen &#8211; eine Erfahrung, die vielen Verbrauchern auch heute noch nachh\u00e4ngt.&#8220;<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">Die Fed hatte damals die steigenden Preise zun\u00e4chst als vor\u00fcbergehende Folge der Pandemie betrachtet. Lieferengp\u00e4sse und einzelne Preisspr\u00fcnge w\u00fcrden sich bald wieder legen, so die Hoffnung. Diese Einsch\u00e4tzung war anfangs nicht unplausibel. Der eigentliche Fehler lag darin, dass die Fed zu lange daran festhielt, obwohl sich die Inflation immer st\u00e4rker ausbreitete. Die Folge: Im Juni 2022 erreichte die US-Inflationsrate 9,1 Prozent &#8211; den h\u00f6chsten Stand seit gut 40 Jahren.<\/p>\n<p>    \u00d6l und Z\u00f6lle erh\u00f6hen den Inflationsdruck<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">Von solchen H\u00f6chstst\u00e4nden sind die USA heute weit entfernt. Doch die Folgen des Iran-Kriegs f\u00fcr die Verbraucherpreise sind bereits sp\u00fcrbar, im Juni lag die Inflationsrate 3,5 Prozent \u00fcber dem Vorjahresniveau.<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">Auch die kr\u00e4ftigen Preisspr\u00fcnge bei Energie erinnern an damals. So stieg der Preis f\u00fcr die Nordseesorte Brent in der vergangenen Woche erneut \u00fcber 100 Dollar je Fass. &#8222;Das ist schon eine Marke, da f\u00e4ngt auch die Fed an zu \u00fcberlegen: Ist das jetzt ein nachhaltiger Einfluss &#8211; oder sehen wir hier nur einen kurzen Schockmoment&#8220;, sagt Andreas Lipkow, Chefmarktanalyst beim Broker CMC Markets.<\/p>\n<p>    Teure Energie belastet Verbraucher und Unternehmen<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">In dieser Woche lag der Brent-Preis zwar wieder deutlich unter der runden Marke. \u00d6l und Gas sind unter dem Strich aber weiterhin erheblich teurer als vor Beginn des Iran-Kriegs. H\u00f6here Energiepreise verteuern nicht nur Sprit und Heizkosten. Sie k\u00f6nnen \u00fcber steigende Transport-, Produktions- und Materialkosten nach und nach auch auf andere Waren und Dienstleistungen durchschlagen<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">&#8222;Aus meiner Sicht gibt es kaum ein plausibles Szenario, in dem ein derart deutlicher Anstieg des \u00d6lpreises die Inflation auf kurze Sicht nicht nach oben treibt&#8220;, unterstreicht Thu Lan Nguyen, Leiterin der Rohstoff- und Devisenanalyse der Commerzbank.<\/p>\n<p>    Robuster Arbeitsmarkt gibt der Fed Spielraum<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">Hinzu kommen neue US-Z\u00f6lle, die Importe verteuern k\u00f6nnen. Gleichzeitig zeigt sich der Arbeitsmarkt bislang \u00e4u\u00dferst robust &#8211; die w\u00f6chentlichen Antr\u00e4ge auf Arbeitslosenhilfe in den USA sanken am vergangenen Donnerstag auf den <a href=\"https:\/\/edition.cnn.com\/2026\/07\/23\/economy\/us-initial-jobless-claims-1969\" title=\"Unemployment the lowest since 1969 CNN Business\" class=\"textlink--extern js-link-dialog\" rel=\"noopener noreferrer nofollow\" target=\"_blank\" data-type=\"external\">niedrigsten Stand seit 1969<\/a>.<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">Damit f\u00e4llt ein wichtiges Argument gegen h\u00f6here Zinsen weg. Doch w\u00e4ren sie auch das richtige Mittel? Experten verweisen darauf, dass die Ausgangslage heute eine andere ist als im Jahr 2021. Der Leitzins liegt aktuell bereits bei 3,50 bis 3,75 Prozent &#8211; und damit weit \u00fcber dem damaligen Nullniveau.<\/p>\n<p>    Warum h\u00f6here Zinsen gegen teures \u00d6l kaum helfen<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">2021 trafen Lieferengp\u00e4sse zudem auf eine durch niedrige Zinsen und staatliche Hilfen angeheizte Nachfrage; heute kommt der Preisdruck vor allem von der Angebotsseite. Darauf k\u00f6nnen Zentralbanken deutlich schwerer reagieren.<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">&#8222;Ein Nachfrageschock, so wie er 2021 stattfand, der kann mit Zinserh\u00f6hungen tats\u00e4chlich sehr gut einged\u00e4mmt werden&#8220;, betont DZ-Bank-Experte Lenk. Bei einem Angebotsschock ist das naturgem\u00e4\u00df anders. &#8222;Denn hier haben wir eine externe Gr\u00f6\u00dfe, n\u00e4mlich die Energiepreise, die durch klassische Geldpolitik nur wenig beeinflusst werden kann.&#8220;<\/p>\n<p>    Zu langes Warten k\u00f6nnte die Lage versch\u00e4rfen<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">Tats\u00e4chlich kann eine Zinserh\u00f6hung weder zus\u00e4tzliches \u00d6l f\u00f6rdern noch Handelswege sichern. Sie d\u00e4mpft vielmehr die Nachfrage &#8211; und damit potenziell auch Wachstum und Besch\u00e4ftigung.<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">Wartet die Fed aber mit einer Straffung der Geldpolitik zu lange, k\u00f6nnte die Lage noch schwieriger werden. Denn dann w\u00fcrde sie wom\u00f6glich erst gegensteuern, wenn die Konjunktur bereits nachl\u00e4sst &#8211; &#8222;und damit zum unm\u00f6glichsten Zeitpunkt&#8220;, so Marktstratege Lipkow.<\/p>\n<p>    Anleihem\u00e4rkte rechnen mit h\u00f6heren Leitzinsen<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">Am Anleihemarkt spiegeln sich die gestiegenen Inflationsrisiken besonders deutlich wider: Die Renditen zehnj\u00e4hriger US-Staatsanleihen stiegen in der vergangenen Woche zeitweise auf den h\u00f6chsten Stand seit 18 Monaten.<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">Hatten die Anleger zu Jahresbeginn noch mit zwei Zinssenkungen der Fed gerechnet, so werden mittlerweile zwei Zinserh\u00f6hungen bis zum Jahresende fest eingepreist. Kevin Warsh hat den Kampf gegen die Inflation zur Priorit\u00e4t erkl\u00e4rt. Nun muss sich zeigen, ob er auf seine deutlichen Worte rechtzeitig Taten folgen l\u00e4sst.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Analyse Stand: 29.07.2026 \u2022 06:51 Uhr Fed-Chef Warsh warnt vor gestiegenen Inflationsrisiken, hat aber bislang nicht gehandelt. 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