{"id":1201551,"date":"2026-07-29T17:34:25","date_gmt":"2026-07-29T17:34:25","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/1201551\/"},"modified":"2026-07-29T17:34:25","modified_gmt":"2026-07-29T17:34:25","slug":"duesseldorfer-heine-haus-bekommt-kunstwerk-von-imi-knoebel","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/1201551\/","title":{"rendered":"D\u00fcsseldorfer Heine Haus bekommt Kunstwerk von Imi Knoebel"},"content":{"rendered":"<p class=\"richtext text-em-55 !leading-serif mx-6 desktop:mx-0\">Es scheint, als seien im Heine-Haus gerade Handwerker bei der Arbeit. Bohrl\u00f6cher werden angezeichnet. Die Bohrmaschine liegt auf dem Boden. Daneben der Staubsauger. Stimmt aber nicht. So wenig es im Augenblick noch zu erkennen ist: Im Vortragssaal der Literaturhandlung mitten in D\u00fcsseldorfs Altstadt entsteht ein Kunstwerk, eins von Imi Knoebel, dem fr\u00fcheren Beuys-Sch\u00fcler und vielleicht wichtigsten Vertreter der Minimal Art. Der D\u00fcsseldorfer war mehrfach Teilnehmer der documenta in Kassel und rangiert im Kunstkompass \u2013 dem weltweiten Ranking der Gegenwartsk\u00fcnstler \u2013 seit Jahren verl\u00e4sslich unter den Top Ten.<\/p>\n<p class=\"richtext text-em-55 !leading-serif mx-6 desktop:mx-0\">Dass Knoebel \u2013 ein treuer Kunde der Literaturhandlung M\u00fcller &amp; B\u00f6hm \u2013 \u00fcberhaupt im Geburtshaus Heinrich Heines ein Werk hinterl\u00e4sst, hat erst einmal mit der freien Wand zu tun. Seit Er\u00f6ffnung des Heine Hauses vor 20 Jahren hing dort eine riesige Fotografie des Weltstars <a href=\"https:\/\/rp-online.de\/thema\/andreas-gursky\/\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Andreas Gursky<\/a>. Dieser hatte eine Seite aus Robert Musils Hauptwerk \u201eDer Mann ohne Eigenschaften\u201c fotografiert und dabei verschiedene Musil-S\u00e4tze neu miteinander kombiniert. Der Text begann dann irgendwie und endete im nirgendwo. Das verschloss sich dem gew\u00f6hnlichen Verst\u00e4ndnis von Texten und behandelte Schrift als etwas rein Grafisches, wodurch Gurskys Arbeit in einer Literaturhandlung einen eigenen Reiz bekam. Nach zwei Jahrzehnten aber ging die Fotoarbeit zur\u00fcck ins Atelier des K\u00fcnstlers, auch, um sie wieder aufzuarbeiten.<\/p>\n<p class=\"richtext text-em-55 !leading-serif mx-6 desktop:mx-0\">Wer nach einem Ersatz oder auch eine Nachfolge f\u00fcr ein derart prominentes Werk sucht, muss w\u00e4hlerisch sein. So wurde Imi Knoebel gefragt; auch dessen Werke geben R\u00e4tsel auf, die niemals zu l\u00f6sen sein werden. Weil zum Grundmotiv seiner Arbeit die radikale Abkehr von allen Inhalten geh\u00f6rt. Es geht um die Form, um das Material, um Elemente und Segmente, um Strukturen und eigenwillige Geometrie. Es ist, als ruhe ein Geheimnis in diesen Arbeiten, das es nicht zu durchdringen oder gar zu l\u00fcften gilt. Wer das Unverst\u00e4ndliche akzeptiert, kommt dem Werk des 85-J\u00e4hrigen ein St\u00fcck n\u00e4her.<\/p>\n<p class=\"richtext text-em-55 !leading-serif mx-6 desktop:mx-0\">Doch bis dahin ist es im Heine Haus an diesem Morgen noch ein weiter Weg. Knoebels Assistentin wirft mit einem Laser ein Raster auf die Wand, an dem entlang die Bohrl\u00f6cher markiert werden. Und zwar auf den Millimeter genau. Imi Knoebel steht mit einem \u201eKonstruktionsblatt\u201c vor der Wand und gibt die Abst\u00e4nde durch, die pl\u00f6tzlich wie ein Geheimcode klingen: 3, 8, 12, 17. Untere Reihe 11, 8, 10. \u201eDas ist deine erste l\u00e4ngere Rede, Imi\u201c, sagt die Assistentin. Da lacht auch der ernste K\u00fcnstler, sehr kurz nat\u00fcrlich \u2013 und gibt die n\u00e4chste Zahlenkombination durch. Weiter im Werk.<\/p>\n<p class=\"richtext text-em-55 !leading-serif mx-6 desktop:mx-0\">Sp\u00e4ter werden Zeichen oder auch Ornamente aus Stahl in die Wand auf Reihe ged\u00fcbelt. Jedes ist etwa f\u00fcnf Kilo schwer, f\u00fcr die besondere D\u00fcbel n\u00f6tig sind. Besorgt hat sie ein anderer Freund des Hauses, der dem Kunstwerk beim allm\u00e4hlichen Entstehen zuschaut: Hartmut Miksch, Pr\u00e4sident der Architektenkammer Nordrhein-Westfalen.<\/p>\n<p class=\"richtext text-em-55 !leading-serif mx-6 desktop:mx-0\">Trotz allem empfindet der Betrachter den Drang, etwas entschl\u00fcsseln zu wollen. Schlie\u00dflich sind es doch Zeichen! Sehen fast aus wie Buchstaben, aber eben nur fast. Manche k\u00f6nnten auch Runen sein oder Hieroglyphen. Doch wie sehr man sich auch anstrengt, die Zeichen bleiben wohltuend kryptisch und anregend mysteri\u00f6s.<\/p>\n<p class=\"richtext text-em-55 !leading-serif mx-6 desktop:mx-0\">Bis vor Kurzem waren vergleichbare Arbeiten von Imi Knoebel noch in der K\u00f6lner Galerie Christian Lethert ausgestellt. Mehrteilige Arbeiten, die Titel wie \u201ePoem\u201c und \u201eLigatur\u201c tragen und jetzt wie Vorarbeiten zum D\u00fcsseldorfer Werk erscheinen. Auch ihnen liegt keine Botschaft zugrunde. Ihr Sinn ist es, ein Bild und damit allgemeing\u00fcltig, wom\u00f6glich universell zu sein. Ist das nun Malerei oder mehr Skulptur? Die Frage ist nicht unn\u00fctz, auch wenn es darauf keine Antwort gibt. Weil die Zeichen mit ihrem Material und ihren Formen genau solche Grenzziehungen erforschen.<\/p>\n<p class=\"richtext text-em-55 !leading-serif mx-6 desktop:mx-0\">Nach ein paar Stunden sind alle Zeichen montiert in genau den Abst\u00e4nden, die Imi Knoebel gezeichnet und notiert hat. Erstmals gezeigt werden soll das Werk dann am 8. August verbunden mit einer Ausstellung im Heine Haus. Bis dahin bleibt die Erinnerung ans Gursky-Foto, besonders f\u00fcr Selinde B\u00f6hm, Mitinhaberin der Literaturhandlung. Sie kennt den weltber\u00fchmten Fotografen noch aus dem Ratinger Hof und erinnert sich, wie er ihr eine seiner ganz fr\u00fchen Arbeiten als Postkarte schenkte. Als er sie fragte, ob er die Karte auch signieren solle, hat Selinde B\u00f6hme mit den Worten dankend abgelehnt: \u201eBist Du verr\u00fcckt, dann kann ich sie ja nicht mehr verschicken.\u201c Das aber hat sie auch sp\u00e4ter nicht getan. So ist sie noch immer im Besitz dieses Gursky-Fotos \u2013 noch immer unsigniert.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Es scheint, als seien im Heine-Haus gerade Handwerker bei der Arbeit. Bohrl\u00f6cher werden angezeichnet. 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