{"id":1203129,"date":"2026-07-30T10:08:14","date_gmt":"2026-07-30T10:08:14","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/1203129\/"},"modified":"2026-07-30T10:08:14","modified_gmt":"2026-07-30T10:08:14","slug":"der-essener-domschatz-ist-wieder-zu-sehen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/1203129\/","title":{"rendered":"Der Essener Domschatz ist wieder zu sehen"},"content":{"rendered":"<p class=\"text_ohne_einzug richtext text-em-55 !leading-serif mx-6 desktop:mx-0\">Eine wunderliche Welt ist es, die man rechts neben dem Essener Dom betritt. Erst recht, wenn man aus dem glei\u00dfenden Juli-Sonnenlicht kommt und nach wenigen Schritten ungef\u00e4hr im Jahr 1000 landet. Und dann umgeben ist von Silber und Gold und Juwelen, von Heiligen, M\u00e4rtyrern und deren Reliquien. Willkommen in der Vergangenheit, in der das Christentum noch golden funkelte und Frauen den Ton angaben.<\/p>\n<p class=\"richtext text-em-55 !leading-serif mx-6 desktop:mx-0\">Die Wiederer\u00f6ffnung der Essener Domschatzkammer ist darum mehr als die neue Pr\u00e4sentation der weltweit bedeutendsten Sammlung ottonisch-salischer Goldschmiedekunst. Sie gibt ganz ohne missionarischen Eifer eine Ahnung von einer mittelalterlichen Welt, in der nichts so sicher war wie der Gottesglaube.<\/p>\n<p class=\"richtext text-em-55 !leading-serif mx-6 desktop:mx-0\">Wie profan nimmt sich dagegen der Grund zur neuen Gestaltung aus: Nachdem die Europ\u00e4ische Union vor drei Jahren die Herstellung bestimmter Leuchtk\u00f6rper verbot, gingen in der Domschatzkammer im Wortsinn nach und nach die Lichter aus. Der Vorrat war bald aufgebraucht, Ersatzr\u00f6hren wurden auf dem Schwarzmarkt zu horrenden Preisen gehandelt. So wurde ein Lichtplanungsb\u00fcro mit einer L\u00f6sung beauftragt \u2013 und jeder, der es bei der Renovierung seiner Wohnung beim Anstrich einer Wand belassen wollte, wei\u00df, wie umf\u00e4nglich es endet. So auch in <a href=\"https:\/\/rp-online.de\/thema\/essen\/\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Essen<\/a>. Ein neues Farbkonzept wurde entwickelt und f\u00fcr die Erkl\u00e4rtafeln eine inklusive Sprache gew\u00e4hlt, die f\u00fcr m\u00f6glichst viele Menschen verst\u00e4ndlich sein soll. Statt Kapitelkreuz hei\u00dft es nun Silbernes Kreuz und statt Minnek\u00e4stchen \u2013 dem fr\u00fchesten Altfrid-Schrein \u2013 jetzt Holzk\u00e4stchen. Kurzum: Die funkelnde Schatzkammer ist f\u00fcr alle da.<\/p>\n<p class=\"richtext text-em-55 !leading-serif mx-6 desktop:mx-0\">Es war ein Umbau mit vergleichsweise sparsamen Mitteln. 275.000 Euro aus Spenden und Stiftungen reichten, um nach viermonatigem Umbau spannende Effekte zu erzielen. Das Grau im Erdgeschoss l\u00e4sst die Holzskulpturen scharf hervortreten, das Blau verschafft den m\u00e4chtigen Silber-Reliquiaren einen imposanten Auftritt, kr\u00e4ftiges Rot bereitet den goldenen Prozessionskreuzen eine prachtvolle B\u00fchne. Zur ber\u00fchmten Goldenen <a href=\"https:\/\/rp-online.de\/thema\/madonna\/\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Madonna<\/a>, die um 980 n. Chr. entstand und die noch im Mittelalter bei Prozessionen mitgef\u00fchrt wurde, geh\u00f6rt die goldene Krone, von der man fr\u00fcher glaubte, sie k\u00f6nnte die Kinderkrone Ottos III. gewesen sein. Heute wei\u00df man, dass sie nachtr\u00e4glich verkleinert wurde, um damit die gut 70 Zentimeter gro\u00dfe Madonna kr\u00f6nen zu k\u00f6nnen.<\/p>\n<p class=\"richtext text-em-55 !leading-serif mx-6 desktop:mx-0\">Das alles bestaunt man und wundert sich doch, warum es diesen gro\u00dfen Schatz an diesem katholisch heute nicht sonderlich einflussreichen Ort \u00fcberhaupt gibt. Das Ruhrbistum mit seiner Gr\u00fcndung 1958 ist f\u00fcr kirchliche Verh\u00e4ltnisse jung und mit seinen knapp 640.000 Mitgliedern selbst in Deutschland vergleichsweise klein. Die Glaubensgeschichte aber ist gro\u00df und beginnt mit der Gr\u00fcndung eines Frauenstiftes mit seiner Bl\u00fctezeit schon im 10. und 11. Jahrhundert. Und seine \u00c4btissinnen waren m\u00e4chtige Frauen. Verwandtschaftliche Beziehungen waren dabei hilfreich: Mathilde, Sophia und Theophanu geh\u00f6rten zur kaiserlichen Familie und wurden Landesherrinnen des Reichsf\u00fcrstentums Essen. Das Schwert mit seiner goldverzierten Scheide dokumentiert im Domschatz, dass auch die Gerichtsbarkeit in den H\u00e4nden der Frauen lag. Das Schwert findet sich im Wappen der Stadt Essen, was gelegentlich und irrt\u00fcmlich f\u00fcr einen Verweis auf Krupp gehalten wird. Dabei ist es der Beleg, dass das Frauenstift die Wiege der sp\u00e4teren Stadt war und ihr Domschatz auf die Macht der Frauen und die Gewissheit des Glaubens als Quellen weist. Goldenes Schwert und goldene Krone d\u00fcrfen in einem eigenen Gew\u00f6lberaum gl\u00e4nzen.<\/p>\n<p class=\"richtext text-em-55 !leading-serif mx-6 desktop:mx-0\">Gleich am Anfang warten zwei neue Exponate auf die Besucher: Neben der schon bekannten 500 Jahre alten \u201eStrahlenkranz-Madonna\u201c sind nun zwei \u00e4hnlich alte h\u00f6lzerne Marienbilder ausgestellt. Sie zeigen die Geburt und Kreuzigung Jesu sowie Szenen aus dem Leben Marias. Um 1880 wurden die beidseitig bemalten Werke der damals neu errichteten St.-Gertrud-Kirche geschenkt \u2013 und wanderten nach der Profanierung des Gotteshauses im vergangenen Jahr in den Domschatz. Die Gottesmutter Maria empf\u00e4ngt somit alle gleich an der Pforte, als wichtigste Patronin der fr\u00fcheren Stifts- und heutigen Domkirche.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Eine wunderliche Welt ist es, die man rechts neben dem Essener Dom betritt. 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