{"id":1203645,"date":"2026-07-30T15:02:20","date_gmt":"2026-07-30T15:02:20","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/1203645\/"},"modified":"2026-07-30T15:02:20","modified_gmt":"2026-07-30T15:02:20","slug":"die-verbindungen-des-csd-attentaeters-nach-mauretanien","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/1203645\/","title":{"rendered":"Die Verbindungen des CSD-Attent\u00e4ters nach Mauretanien"},"content":{"rendered":"<p>            <img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"ts-image\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2026\/07\/mauretanien-105.jpg\" alt=\"Sandd\u00fcnen in der Sahara nahe der Stadt Aleg in Mauretanien.\" title=\"Sandd\u00fcnen in der Sahara nahe der Stadt Aleg in Mauretanien. | REUTERS\/Joe Penney\"\/><\/p>\n<p>                    <strong>Exklusiv<\/strong><\/p>\n<p class=\"metatextline\">Stand: 30.07.2026 \u2022 15:49 Uhr<\/p>\n<p class=\"article-head__shorttext\">\n        <strong>Der mutma\u00dfliche CSD-Attent\u00e4ter Abdul B. wollte nach Mauretanien auswandern und sich dort wohl einem radikalen Prediger aus Berlin anschlie\u00dfen. Wird das westafrikanische Land zum neuen Tummelplatz f\u00fcr Europas Dschihadisten?<\/strong>\n    <\/p>\n<p>Von Von J\u00f6rg Diehl, NDR\/WDR, Florian Flade und Roman Lehberger, WDR\n                    <\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">Als Abdul B., der sp\u00e4tere mutma\u00dfliche Attent\u00e4ter vom Berliner Christopher Street Day, im November 2025 nach Berlin zur\u00fcckkehrte, warteten Beamte des Landeskriminalamtes (LKA) bereits am Flughafen auf ihn. Der Islamist wurde festgenommen und kam in Untersuchungshaft.<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">Mit einem Polizeibeamten unterhielt sich B. auf dem Weg ins Gef\u00e4ngnis. Der Ermittler wollte wissen, warum B. denn in den Libanon gereist sei &#8211; und kurz zuvor sogar nach Mauretanien. Um Urlaub zu machen, soll Abdul B. geantwortet haben. Der Strand und das Wetter seien dort so gut. Und: &#8222;Wissen Sie, wenn man an einer Schule den Islam lernen will, dann geht man nach Mauretanien. \u00c4gypten ist tot. Mauretanien ist das neue \u00c4gypten.&#8220;<\/p>\n<p>    Mauretanien als Anlaufstelle f\u00fcr Islamisten<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">Das Land im Nordwesten Afrikas, s\u00fcdlich von Marokko gelegen, gilt hierzulande bislang nicht unbedingt als beliebtes Urlaubsziel. Es soll sich nach Erkenntnissen von Sicherheitsbeh\u00f6rden aber seit einiger Zeit zu einem Tummelplatz f\u00fcr Islamisten aus Europa entwickeln. M\u00f6glicherweise sogar zum Sprungbrett f\u00fcr angehende Dschihadisten, die sich Terrorgruppen in den umliegenden Kriegs- und Krisengebieten, etwa in Mali, Niger oder Burkina Faso, anschlie\u00dfen wollen. Auch Abdul B. sagte in seiner Vernehmung, er sei nach Mauretanien gereist, um sich der Terrormiliz &#8222;Islamischer Staat&#8220; (IS) anzuschlie\u00dfen.<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">Recherchen von WDR, NDR und S\u00fcddeutscher Zeitung (SZ) zeigen: In Mauretanien gibt es in abgelegenen Ortschaften mehrere Koranschulen und Islamzentren, in denen fundamentalistische Prediger lehren. Auch junge Muslime aus dem Westen sind ihre Sch\u00fcler.<\/p>\n<p>    Koranschulen im Fokus der Sicherheitsbeh\u00f6rden<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">Es ist eine Entwicklung, die deutsche Sicherheitsbeh\u00f6rden mit Sorge beobachten. Eine Islamwissenschaftlerin kam im Oktober 2025 in einer Analyse f\u00fcr das LKA Berlin zu dem Schluss, dass die islamischen Bildungseinrichtungen in Mauretanien nicht nur ausl\u00e4ndische Salafisten anz\u00f6gen, sondern mutma\u00dflich auch Kontaktb\u00f6rsen seien, um Anschluss an dschihadistische Gruppen zu finden.<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">Seit dem Niedergang der Terrormiliz IS im Nahen Osten sind die Ausreisen dorthin von Dschihadisten aus Europa stark zur\u00fcckgegangen. Nur noch vereinzelt zieht es Personen aus der islamistischen Szene in fr\u00fchere Ziell\u00e4nder wie Syrien, Irak oder Pakistan. Doch andere Destinationen entfalten neue Anziehungskraft, darunter insbesondere afrikanische L\u00e4nder, in denen der IS Terrorcamps unterh\u00e4lt.<\/p>\n<p>    Gescheiterter Ausreiseversuch<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">F\u00fcr Abdul B. endete der Trip nach Mauretanien am 16. Mai 2025 wohl schon kurz nach seiner Ankunft am Flughafen von Nouakchott. Mauretanische Grenzbeamte griffen den jungen Berliner auf und schickten ihn wieder nach Hause. Der Staatsschutz des LKA erfuhr erst sp\u00e4ter vom Mauretanien-Trip. Das Bundeskriminalamt konnte mithilfe von Passagierdaten die Reisewege rekonstruieren.<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">Seinen Eltern hinterlie\u00df B. damals eine Art Abschiedsbrief, der nicht unbedingt darauf hindeutete, dass er eine R\u00fcckreise anstrebte: &#8222;Vergebt mir f\u00fcr meine Fehler. Ich liebe euch. Mama du bist die beste Mutter&#8220;, schrieb Abdul B. nach Recherchen von WDR, NDR und SZ in krakeliger Schrift auf eine Karte.<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">Erkenntnissen des LKA zufolge plante Abdul B. offenbar, in Mauretanien eine Koranschule in Umm al-Qura zu besuchen. Der kleine Ort liegt rund 60 Kilometer \u00f6stlich der Hauptstadt, mitten in der W\u00fcste. In Sozialen Netzwerken finden sich Videos, aufgenommen von Islamsch\u00fclern aus Europa und den USA, die vom einfachen Leben und der Abgeschiedenheit schw\u00e4rmen und Glaubensbr\u00fcder dazu aufrufen, ebenfalls auszuwandern.<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">&#8222;Ihr m\u00fcsst verstehen: Die Br\u00fcder und Schwestern sind hierhergekommen, um der Fitna (\u00fcbersetzt: Versuchungen, Pr\u00fcfungen) der modernen Welt zu entkommen&#8220;, sagt ein englischsprachiger YouTuber in einem Video. &#8222;Das Leben hier kann ganz sch\u00f6n hart sein, speziell f\u00fcr Leute, die westliche Standards gewohnt sind. Aufgrund der wenigen Ablenkungen ist dies ein idealer Ort, um nach Wissen zu streben.&#8220;<\/p>\n<p>    Der Prediger in Mauretanien<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">Abdul B.s Auswanderungspl\u00e4ne hatten offenbar mit seinem religi\u00f6sen Mentor zu tun: Der deutsch-\u00e4gyptische Prediger Amir Abo A., geboren 1996 in Berlin, lebt seit Ende 2024 in Mauretanien. Zuvor war er laut Verfassungsschutz eine wichtige Figur in der radikalislamischen Szene in Berlin, predigte unter anderem in einer einschl\u00e4gig bekannten Moschee im Ortsteil Neuk\u00f6lln.<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">A. f\u00fchre seine Anh\u00e4nger \u00fcber Plattformen wie TikTok, Instagram und YouTube an die salafistische Ideologie heran und radikalisiere sie, hei\u00dft es in einem Bericht der Berliner Senatsverwaltung.<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">Amir Abo A. alias &#8222;Amir al-Kinani&#8220; soll, so der Verfassungsschutz, f\u00fcr den Verein &#8222;Deutschsprachige Muslimische Gemeinschaft (DMG) e.V.&#8220; aktiv gewesen sein, der der Bewegung der Muslimbruderschaft zugerechnet wurde. Der Verein mit Sitz in Braunschweig wurde im Juni 2024 vom nieders\u00e4chsischen Innenministerium verboten.<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">Damals kam es auch zu Durchsuchungen bei Amir Abo A. in Berlin. Kurz darauf, im September 2024, soll sich A. aus Deutschland abgemeldet haben und nach Mauretanien ausgewandert sein.<\/p>\n<p>    Chats mit Amir Abo A.<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">F\u00fcr den sp\u00e4teren CSD-Attent\u00e4ter Abdul B. war der Prediger wohl eine enge Bezugsperson, wie das LKA in diesem Fr\u00fchjahr in einem Bericht feststellte. 2024 unternahmen beide eine gemeinsame Pilgerreise nach Saudi-Arabien. Aufnahmen zeigen den jungen Berliner l\u00e4chelnd an der Seite des Predigers vor einer Berglandschaft und auf dem Boden einer Moschee sitzend.<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">Bevor Abdul B. seine Reise nach Mauretanien antrat, chattete er nach Erkenntnissen des LKA intensiv mit dem Prediger A. Beide schickten sich Sprachnachrichten. A. war zun\u00e4chst misstrauisch, weil B. ihn unter einer neuen Telefonnummer kontaktiert hatte. Man m\u00fcsse da vorsichtig sein, so der Prediger, denn es k\u00f6nne schlie\u00dflich auch die Polizei sein.<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">Abdul B. wollte wissen, ob der Prediger ihm bei der Wohnungssuche in Mauretanien helfen k\u00f6nne und wie die Lebensbedingungen vor Ort seien. Wohnungen seien g\u00fcnstig zu bekommen, so Amir Abo A., umgerechnet nur 100 bis 140 Euro betrage die Monatsmiete. Man k\u00f6nne aber auch kostenlos in einem G\u00e4stehaus f\u00fcr Koransch\u00fcler, einer &#8222;Mahdara&#8220;, wohnen. &#8222;Einfach machen, einfach buchen, Visa, komm, fertig&#8220;, so der Berliner Prediger in einer Sprachnachricht an B.<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">Amir Abo A. reagierte bislang auf eine Anfrage von WDR, NDR und SZ nicht.<\/p>\n<p>    Treueschwur an den IS<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">Zu seinem Scheich, seinem religi\u00f6sen F\u00fchrer, nach Mauretanien schaffte es Abdul B. nicht. Und auch nicht zu den IS-Terroristen in Syrien. Wieder zu Hause in Berlin, gab er sich gro\u00dfe M\u00fche, seine Pl\u00e4ne zu leugnen &#8211; und seine Beziehung zu Amir Abo A. Es gebe keine Prediger, denen er folge &#8211; weder in Deutschland noch sonst wo auf der Welt, soll B. dem Polizisten kurz nach der Festnahme am Berliner Flughafen gesagt haben.<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">Er lerne den Islam ganz allein. Auch die Vorw\u00fcrfe im Haftbefehl wegen mutma\u00dflicher Ausreiseversuche zum IS k\u00f6nne er sich nicht erkl\u00e4ren. Der IS existiere doch gar nicht mehr. Nach dem Anschlag am vergangenen Samstag fanden Ermittler auf seinem Handy ein Video. Es ist rund eineinhalb Minuten lang, aufgenommen wohl kurz vor seiner Tat. Darin ist Abdul B. vermummt zu sehen: Er schw\u00f6rt dem IS die Treue.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Exklusiv Stand: 30.07.2026 \u2022 15:49 Uhr Der mutma\u00dfliche CSD-Attent\u00e4ter Abdul B. wollte nach Mauretanien auswandern und sich dort&hellip;\n","protected":false},"author":2,"featured_media":1203646,"comment_status":"","ping_status":"","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":"","_share_on_mastodon":"0"},"categories":[5],"tags":[30546,10174,13,556,15053,14,15,12,10,8,9,11],"class_list":["post-1203645","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","category-nachrichten","tag-csd","tag-attentat","tag-headlines","tag-islamismus","tag-mauretanien","tag-nachrichten","tag-news","tag-schlagzeilen","tag-top-news","tag-top-meldungen","tag-topmeldungen","tag-topnews"],"share_on_mastodon":{"url":"https:\/\/pubeurope.com\/@de\/117009538744763562","error":""},"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/1203645","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=1203645"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/1203645\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media\/1203646"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=1203645"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=1203645"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=1203645"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}