{"id":1203935,"date":"2026-07-30T17:52:20","date_gmt":"2026-07-30T17:52:20","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/1203935\/"},"modified":"2026-07-30T17:52:20","modified_gmt":"2026-07-30T17:52:20","slug":"antisemitismus-muhammad-zeigt-hitlergruss-staatsschutz-ermittelt-nach-erneutem-vorfall-in-berlin","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/1203935\/","title":{"rendered":"Antisemitismus: \u201eMuhammad\u201c zeigt Hitlergru\u00df \u2013\u00a0Staatsschutz ermittelt nach erneutem Vorfall in Berlin"},"content":{"rendered":"<p>Trotz aller Lippenbekenntnisse hat es in Deutschland laut eines neuen Berichts im Vorjahr fast 70 antisemitische Vorf\u00e4lle pro 1000 j\u00fcdische Einwohner gegeben. Eine Gemeinde in Berlin ver\u00f6ffentlicht ein Video, das allt\u00e4gliche Anfeindungen zeigt. Der Staatsschutz ermittelt.<\/p>\n<p class=\"is-first-paragraph\" data-external=\"Article.FirstParagraph\">Erneut sorgen antisemitische Szenen auf den Stra\u00dfen Berlins f\u00fcr Emp\u00f6rung. Ein Ratsmitglied der j\u00fcdischen Gemeinde Kahal Adass Jisroel in Berlin-Mitte ver\u00f6ffentlichte auf X ein Video, das den neuerlichen Vorfall zeigt. In dem Fall ermittelt auch der Staatsschutz der Polizei, wie ein Sprecher am Donnerstag erkl\u00e4rte.<\/p>\n<p>\u201eIn Berlin wurde ein f\u00fchrendes Mitglied meiner j\u00fcdischen Gemeinde auf dem Weg zur Synagoge mit dem Tod bedroht\u201c, schreibt Shlomo Afanasev in dem bereits am Dienstag ver\u00f6ffentlichten Beitrag. \u201eZwei M\u00e4nner beschimpften ihn antisemitisch, einer zeigte wiederholt den Hitlergru\u00df.\u201c Das Video zeigt zwei M\u00e4nner, die auf der gegen\u00fcberliegenden Stra\u00dfenseite laufen. W\u00e4hrend einer offenbar aus Scheu vor der Handykamera sein Gesicht wegdreht und seine Cap tief ins Gesicht zieht, zeigt der andere ungeniert den Hitlergru\u00df.<\/p>\n<p>W\u00e4hrend das j\u00fcdische Gemeindemitglied mit lauter Stimme die Polizei wegen \u201eSieg Heil\u201c-Rufen alarmiert, schlendern die beiden M\u00e4nner weiter. Der erste beteuert, nichts getan zu haben, der andere grinst und geht kurz auf den Filmenden zu. \u201eWie ist dein Name?\u201c, fragt der ihn. Der junge Mann antwortet feixend: \u201eMuhammad Ali.\u201c<\/p>\n<p>Die Polizei nahm laut Afanasev einen der Tatverd\u00e4chtigen fest. Ein von ihm ebenfalls ver\u00f6ffentlichtes Foto zeigt den jungen Mann, der zuvor den Hitlergru\u00df gezeigt hat, nun sitzend im Streifenwagen, wie er direkt in die Kamera blickt.<\/p>\n<p>\u201eSolche Bilder ersch\u00fcttern\u201c, schreibt Afanasev weiter und weist darauf hin, dass solche Vorf\u00e4lle keine Einzelf\u00e4lle sind. \u201eAntisemitismus ist keine Erinnerung an die Vergangenheit \u2013 er ist eine Realit\u00e4t der Gegenwart. Und dass Juden in Deutschland wieder auf dem Weg zur Synagoge um ihre Sicherheit f\u00fcrchten m\u00fcssen, ist zutiefst schmerzhaft.\u201c<\/p>\n<p>Die deutsche Geschichte verpflichte, nicht wegzusehen, nicht zu relativieren und nicht zu schweigen. \u201eJudenhass darf niemals wieder zum Alltag werden\u201c, mahnt Afanasev.<\/p>\n<p>Der Islamismus-Experte Ahmad Mansour zeigte sich von dem Vorfall ersch\u00fcttert. \u201eIch habe es satt\u201c, kommentierte er die Szenen auf X. \u201e\u00dcber Jahre haben wir versucht, es klarzumachen. Neben dem rechtsextremen Antisemitismus gibt es auch einen muslimischen Antisemitismus. Einen, den wir importiert haben.\u201c<\/p>\n<p>Damals seien die Warnungen als \u201ePanikmache\u201c und \u201erechts\u201c abgetan worden. \u201eMan hat uns diffamiert\u201c, so Mansour weiter. Andere h\u00e4tten Jahre damit verbracht, \u00fcber den Begriff \u201eimportierter Antisemitismus\u201c zu philosophieren und dar\u00fcber, ob man das \u00fcberhaupt so sagen darf. <\/p>\n<p>\u201eUnd jetzt? Jetzt schaut euch an, wo wir angekommen sind\u201c, schreibt Mansour und fragt: \u201eWollen wir wirklich so leben? Wollen wir, dass Juden Angst haben, w\u00e4hrend Antisemiten selbstbewusst auf den Stra\u00dfen ihr Unheil verbreiten?\u201c Heute seien es Juden, morgen Frauen, \u00fcbermorgen Christen, \u201eund dann trifft es uns alle\u201c.<\/p>\n<p>Gerade Deutschlands Hauptstadt ger\u00e4t immer wieder wegen krasser antisemitischer Vorf\u00e4lle in die Schlagzeilen. Gerade erst hatten Antisemiten im Stadtteil Prenzlauer Berg ein Paar mit Kinderwagen auf der Stra\u00dfe bedroht, dass sie als Juden ausgemacht hatten. Eine Zeugin filmte die Szene.<\/p>\n<p>Antisemitische Straftaten seit Hamas-\u00dcberfall um 215 Prozent gestiegen<\/p>\n<p>Berlin ist jedoch nur die unr\u00fchmliche Spitze. Die Zahl antisemitischer Angriffe ist einer Analyse zufolge seit 2022 in mehreren Staaten weltweit deutlich gestiegen \u2013 am massivsten aber in Deutschland. Das geht aus dem Jahresbericht der J7 Taskforce gegen Antisemitismus hervor. Diese untersucht antisemitische Vorf\u00e4lle in sieben Staaten, in denen zusammen etwa 90 Prozent der Juden au\u00dferhalb Israels leben.<\/p>\n<p>Insgesamt lag demnach 2025 die Zahl antisemitischer Vorf\u00e4lle in diesen J7-Staaten um 136 Prozent \u00fcber dem Niveau von 2022 \u2013 dem Jahr vor dem Angriff der terroristischen Pal\u00e4stinenserorganisation Hamas auf Israel vom 7. Oktober. Deren Gesamtzahl wurde mit mehr als 23.000 angegeben. In Deutschland wurde demnach sogar ein Anstieg um 215 Prozent verzeichnet.<\/p>\n<p>Zu den J7-Staaten geh\u00f6ren Argentinien, Australien, Kanada, Frankreich, Deutschland, Gro\u00dfbritannien und die USA. Gewaltt\u00e4tige Vorf\u00e4lle nahmen laut dem Bericht in diesen Staaten von 2022 bis 2025 um 97 Prozent zu. 20 Menschen seien bei antisemitischen Angriffen in Australien, Gro\u00dfbritannien und den USA get\u00f6tet worden. Davon betrafen allein 15 den Angriff auf eine <a class=\"is-link c-block-items__link c-link--rich-text-renderer\" href=\"https:\/\/www.welt.de\/politik\/ausland\/article693eb7f1f679420e000b4702\/anschlag-am-bondi-beach-in-australien-was-wir-wissen-was-wir-nicht-wissen.html\" data-internal-tracking-enabled=\"true\" data-internal-tracking=\"{&quot;action&quot;:&quot;click&quot;,&quot;label&quot;:&quot;link&quot;,&quot;name&quot;:&quot;Inline Element&quot;,&quot;data&quot;:{&quot;source&quot;:&quot;&quot;,&quot;target&quot;:&quot;https:\/\/www.welt.de\/politik\/ausland\/article693eb7f1f679420e000b4702\/anschlag-am-bondi-beach-in-australien-was-wir-wissen-was-wir-nicht-wissen.html&quot;,&quot;trackingName&quot;:&quot;&quot;,&quot;trackingLabel&quot;:&quot;&quot;}}\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Chanukka-Feier in Sydney am 14. Dezember 2025<\/a>.<\/p>\n<p>Deutschland weist demnach die h\u00f6chste Zahl antisemitischer Vorf\u00e4lle auf \u2013 sowohl absolut wie auch gemessen an der j\u00fcdischen Bev\u00f6lkerung. 2025 habe es fast 70 Vorf\u00e4lle pro 1000 j\u00fcdische Einwohner gegeben. Die Gesamtzahl wurde f\u00fcr Deutschland mit 8725 F\u00e4llen angegeben \u2013 nach 8713 im Jahr 2024 und 2610 im Jahr 2022. Betroffen waren 2025 insgesamt 1849 Juden sowie 2184 j\u00fcdische oder nicht-j\u00fcdische Institutionen.<\/p>\n<p>Von den in Deutschland erfassten F\u00e4llen wurden im vergangenen Jahr 807 einem rechtsextremen Hintergrund zugeordnet. 2024 waren es 562 F\u00e4lle gewesen. Die Zahl der Angriffe aus dem linken, antiimperialistischen Spektrum stieg demnach von 349 auf 501 F\u00e4lle, die der islamistisch motivierten F\u00e4lle von 143 auf 166 F\u00e4lle.<\/p>\n<p>Vorf\u00e4lle, die als \u201eAnti-Israel-Aktivismus\u201c kategorisiert wurden, machten in Deutschland demnach 2025 mindestens 22,6 Prozent aller erfassten Vorf\u00e4lle aus. Dies ist weniger als etwa in den USA (45 Prozent) oder Gro\u00dfbritannien (48 Prozent). Bei der Mehrheit der F\u00e4lle in Deutschland erfolgte allerdings keine Zuordnung zu einem bestimmten politischen oder weltanschaulichen Hintergrund.<\/p>\n<p>Zentralrat der Juden fordert, Aufrufe zur Zerst\u00f6rung Israels unter Strafe zu stellen<\/p>\n<p>\u201eDie Zahlen belegen die fortschreitende Normalisierung des Judenhasses\u201c, erkl\u00e4rte dazu der Pr\u00e4sident des Zentralrats der Juden in Deutschland, Josef Schuster. Dieser werde von den politischen R\u00e4ndern von links bis rechts gesch\u00fcrt und dabei zunehmend als \u201aAntizionismus\u2018 bezeichnet. Schuster forderte den Gesetzgeber auf, \u201edass er bestehende L\u00fccken im Strafrecht schlie\u00dft und Aufrufe zur Zerst\u00f6rung des Staates Israel konsequent unter Strafe stellt\u201c.<\/p>\n<p>In den USA wurden 2025 insgesamt 6274 antisemitische Vorf\u00e4lle registriert. Dies ist ebenfalls deutlich mehr als 2022, allerdings weniger als in den Jahren dazwischen. In Gro\u00dfbritannien gab es im vergangenen Jahr 3700 F\u00e4lle.<\/p>\n<p>Antisemitismus sei kein \u201evor\u00fcbergehendes Strohfeuer\u201c, sondern \u201eer ist unsere neue Normalit\u00e4t\u201c, erkl\u00e4rte die Anti-Diffamierungs-Liga (ADL) mit Sitz in New York. Sie forderte in allen betroffenen L\u00e4ndern strengere Gesetze und die Beachtung von Regeln in Onlinediensten.<\/p>\n<p>Der Jahresbericht der J7-Taskforce st\u00fctzt sich in den einzelnen L\u00e4ndern auf unterschiedliche Quellen. F\u00fcr Deutschland sind dies in erster Linie die Erhebungen des Bundesverbandes der Recherche- und Informationsstellen Antisemitismus (RIAS) sowie das Lagebild der j\u00fcdischen Gemeinden in Deutschland des Zentralrats der Juden.<\/p>\n<p>afp\/dpa\/saha\/sebe<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Trotz aller Lippenbekenntnisse hat es in Deutschland laut eines neuen Berichts im Vorjahr fast 70 antisemitische Vorf\u00e4lle pro&hellip;\n","protected":false},"author":2,"featured_media":1202250,"comment_status":"","ping_status":"","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":"","_share_on_mastodon":"0"},"categories":[5],"tags":[177593,712,57014,296,1000,13,126268,227365,14,15,110,12,45,10,8,9,11,83420],"class_list":["post-1203935","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","category-nachrichten","tag-ahmad","tag-antisemitismus","tag-antisemitismus-ks","tag-berlin","tag-gewalt","tag-headlines","tag-hitlergruss-ks","tag-mansour","tag-nachrichten","tag-news","tag-newsteam","tag-schlagzeilen","tag-texttospeech","tag-top-news","tag-top-meldungen","tag-topmeldungen","tag-topnews","tag-zentralrat-der-juden-ks"],"share_on_mastodon":{"url":"https:\/\/pubeurope.com\/@de\/117010206011240295","error":""},"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/1203935","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=1203935"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/1203935\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media\/1202250"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=1203935"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=1203935"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=1203935"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}