{"id":1205202,"date":"2026-07-31T07:21:16","date_gmt":"2026-07-31T07:21:16","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/1205202\/"},"modified":"2026-07-31T07:21:16","modified_gmt":"2026-07-31T07:21:16","slug":"grossprojekt-in-hamburg-die-bruecke-der-hoffnung","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/1205202\/","title":{"rendered":"Gro\u00dfprojekt in Hamburg: Die Br\u00fccke der Hoffnung"},"content":{"rendered":"<p>Mitten in Hamburg wird die neue, 3700 Tonnen schwere Sternbr\u00fccke eingesetzt. Innerhalb von 14 Monaten ist die Eisenbahnbr\u00fccke neben dem Schanzenviertel geschwei\u00dft worden. Es k\u00f6nnte ein sch\u00f6nes Signal f\u00fcr das Land sein: Vielleicht bekommen wir das marode Verkehrssystem ja doch noch in den Griff.<\/p>\n<p class=\"is-first-paragraph\" data-external=\"Article.FirstParagraph\">Fasziniert, gespannt, fast and\u00e4chtig stehen und sitzen Hunderte Menschen an diesem sehr warmen Juliabend an den Absperrungen und in einer Reihe von Caf\u00e9s und Restaurants an der Max-Brauer-Allee, nur wenige Meter entfernt von dem vermutlich gr\u00f6\u00dften Transport, der je durch die Hamburger Innenstadt bewegt worden ist. Um sechs Meter war die Br\u00fccke mit Hydraulikpressen an diesem Tag angehoben worden, nun liegt sie auf einer langen Reihe von Schwerlasttransportern, sogenannten \u201eTausendf\u00fc\u00dflern\u201c. Etwa 500 Meter weit wird ihr Weg am darauffolgenden Tag sein. Dann darf auch kein Zuschauer mehr danebenstehen.<\/p>\n<p>Die Br\u00fccke ist so gro\u00df wie ein K\u00fcstenmotorschiff, rund 108 Meter lang, mehr als 24 Meter breit, 21 Meter hoch, etwa 3700 Tonnen schwer. An diesem Donnerstag wird sie auf 1088 R\u00e4dern zu ihrem einzigen und letzten Liegeplatz gebracht, auf die vorbereiteten Fundamente an der Stresemannstra\u00dfe, als eine der k\u00fcnftig wichtigsten Eisenbahnbr\u00fccken des Verkehrsknotenpunktes Hamburg.<\/p>\n<p>Die Magie dieses spektakul\u00e4ren Transports liegt darin, dass so etwas in Deutschland \u00fcberhaupt noch m\u00f6glich ist. Einst war Deutschland ein Land mit einer der weltbesten Infrastrukturen, und das noch lange nach der deutschen Einheit, als in Ostdeutschland innerhalb weniger Jahre ein Verkehrssystem auf h\u00f6chstem Niveau entstand. Doch mit dem neuen Jahrtausend kam der Absturz, heutzutage erscheint Deutschland als Land der Verkehrsversager. Allein bis zu 16.000 Br\u00fccken gelten als bauf\u00e4llig, etwa 8000 als akut erneuerungsbed\u00fcrftig. Vom Bedarf f\u00fcr neue Schienenwege, Stra\u00dfen und Wasserstra\u00dfen nicht zu reden.<\/p>\n<p>Br\u00fccken wurden in all den Jahren in Deutschland auch weiterhin termin- und kostengerecht gebaut, \u00fcber die tiefsten T\u00e4ler und in den hohen Bergen \u2013 im Miniatur Wunderland in der Hamburger Speicherstadt, der gr\u00f6\u00dften Modellbahnanlage der Welt, einer der meistbesuchten Touristenattraktionen in der Hansestadt.<\/p>\n<p>Mit den echten, mit den gro\u00dfen Bauwerken hingegen tut sich Deutschland schwer. Jahre, Jahrzehnte dauert es, bis Neues entsteht, wo Altes dringend weichen m\u00fcsste. Auch an der Sternbr\u00fccke in Hamburg stand nicht nur mit Blick auf die Physik infrage, ob das wohl klappen kann, ein solches Bauwerk direkt am Rande des Schanzenviertels innerhalb von 14 Monaten aus Segmenten zusammenzuschwei\u00dfen und es dann \u00fcber eine \u00f6ffentliche Stra\u00dfe zu seinem Bestimmungsort zu rollen. Jahrelang leisteten Anlieger \u2013 auch vor Gericht \u2013 Widerstand gegen das Projekt der Deutschen Bahn, das auch dazu dient, einen akuten Engpass im deutschen Fernbahnsystem zu beseitigen. Die alte, viel kleinere Sternbr\u00fccke h\u00e4tte nicht mehr saniert werden k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>Widerstand gegen die Erneuerung der Infrastruktur ist heutzutage Teil der deutschen Nationalkultur. Die alte, schwer bauf\u00e4llige K\u00f6hlbrandbr\u00fccke mitten im Hamburger Hafen w\u00fcrden viele Nostalgiker als \u201eWahrzeichen\u201c der Hansestadt gern unter Denkmalschutz stellen. Den von der Deutschen Bahn dringend gew\u00fcnschten Neubau einer zweiten Hochleistungstrasse zwischen Hamburg und Hannover \u2013 die dem G\u00fcterverkehr ebenso dienen w\u00fcrde wie den schnellen ICE-Z\u00fcgen \u2013 blockiert eine ganz gro\u00dfe Koalition von Verhinderern aus Politik und B\u00fcrgerinitiativen. Gegen die Anbindung des Brenner-Basistunnels an das deutsche Schienennetz in Bayern k\u00e4mpfen lokale und regionale Initiativen seit Jahren vehement.<\/p>\n<p>Die neue Sternbr\u00fccke soll in der Nacht von Donnerstag auf Freitag eingehoben werden. Es w\u00e4re \u2013 wenn denn alles klappt wie geplant \u2013 ein sch\u00f6nes und sehr wichtiges Signal daf\u00fcr, dass sich in Deutschland auch die gro\u00dfen und schweren Dinge wieder auf elegante Art bewegen lassen.<\/p>\n<p><b>Olaf Preu\u00df ist Wirtschaftsreporter von WELT und WELT AM SONNTAG f\u00fcr Hamburg und Norddeutschland. Er berichtet seit mehr als 30 Jahren auch \u00fcber den Zustand und die Erneuerung der Verkehrs-Infrastruktur.<\/b><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Mitten in Hamburg wird die neue, 3700 Tonnen schwere Sternbr\u00fccke eingesetzt. 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