{"id":1206647,"date":"2026-07-31T21:51:34","date_gmt":"2026-07-31T21:51:34","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/1206647\/"},"modified":"2026-07-31T21:51:34","modified_gmt":"2026-07-31T21:51:34","slug":"duesseldorf-ausstellung-radikal-real-in-der-part2gallery","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/1206647\/","title":{"rendered":"D\u00fcsseldorf: Ausstellung &#8222;Radikal Real&#8220; in der Part2Gallery"},"content":{"rendered":"<p class=\"text_ohne_einzug richtext text-em-55 !leading-serif mx-6 desktop:mx-0\"> Sie schauen hin, wollen nichts besch\u00f6nigen oder verkl\u00e4ren und vor allem Haltung zeigen. Das ist die Devise des vor 36 Jahren gegr\u00fcndeten K\u00fcnstlersonderbunds mit rund 140 Mitgliedern. Mit im Vorstand: Bernhard Kucken, Bildhauer und k\u00fcnstlerischer Mitarbeiter an der Kunstakademie in D\u00fcsseldorf. Er hatte auch die Idee eines deutschlandweiten Wettbewerbs unter dem Titel \u201eRadikal real\u201c. \u201eWir wollten so noch mehr K\u00fcnstler kennenlernen, die wie wir an die Kraft der realen Welt glauben, Stellung beziehen und bestenfalls Widerspr\u00fcche zu gesellschaftlichen Erwartungen und g\u00e4ngigen Sch\u00f6nheitsidealen aufzeigen\u201c, erkl\u00e4rt Kucken.<\/p>\n<p class=\"richtext text-em-55 !leading-serif mx-6 desktop:mx-0\">Rund 150 Einsendungen trudelten beim K\u00fcnstlersonderbund ein, die siebenk\u00f6pfige Jury hatte dann die Qual der Wahl, diese auf 38 Arbeiten zu reduzieren. Denn viel mehr kann man in der Part2Gallery in der Altstadt, wo die Siegerentw\u00fcrfe ab Samstag, 1. August, ausgestellt werden, nicht pr\u00e4sentieren. Nach der Finissage am 31. August muss Kucken dann alles einpacken und nach Berlin transportieren, wo es in Kreuzberg ab dem 12. September zu einer Folgeausstellung kommt. \u201eUnd die Galerie dort ist noch kleiner\u201c, sagt Kucken. Daher war es auch eine Ma\u00dfgabe bei der Ausschreibung, bei Bildern eher auf Kleinformate zu setzen. Und eines musste auf jeden Fall gegeben sein, sagt Galerist Andr\u00e9 Schnaudt: \u201eMan muss bei dem Werk sp\u00fcren, dass der Urheber f\u00fcr die Kunst brennt.\u201c<\/p>\n<p class=\"richtext text-em-55 !leading-serif mx-6 desktop:mx-0\">Realismus, so erz\u00e4hlt Bernhard Kucken, sei in den 1990er Jahren noch ziemlich verp\u00f6nt gewesen: \u201eEr galt entweder als Kunstform totalit\u00e4rer Staaten, was aber eigentlich eher Idealismus war. Oder Realismus wurde gar mit Hitler in Verbindung gebracht, dabei war das nicht mehr als verabscheuungsw\u00fcrdiger Kitsch.\u201c Genau diesem Irrglauben wollte sich der K\u00fcnstlersonderbund entgegenstellen. \u201eDie Welt sollte so gezeigt werden, wie sie ist, mit all ihren wom\u00f6glich negativen Randaspekten. Kunst sollte ehrlich sein, ohne festgelegte Vorgaben erf\u00fcllen zu m\u00fcssen\u201c, betont Kucken.<\/p>\n<p class=\"richtext text-em-55 !leading-serif mx-6 desktop:mx-0\">Das muss dann nicht immer hochpolitisch oder gesellschaftskritisch sein, auch die jetzt in D\u00fcsseldorf gezeigten Arbeiten sind bisweilen \u201ebrav\u201c, wie der Bildhauer einr\u00e4umt, \u201edas ist aber nicht weiter schlimm, solange sie eine pers\u00f6nliche Perspektive einnehmen und sich mit der Realit\u00e4t auseinandersetzen\u201c. Insofern seien die Objekte, Bilder und Zeichnungen, die jetzt in der Part2Gallery zu sehen sind, auch ein Kaleidoskop unterschiedlicher Herangehensweisen, der Realit\u00e4t zu begegnen \u2013 mit Pr\u00e4zision, Humor, Empathie oder auch Irritation. <\/p>\n<p class=\"richtext text-em-55 !leading-serif mx-6 desktop:mx-0\">Das trifft sicher auch auf ein zentrales Werk der Ausstellung zu, das den Besucher gleich im Eingangsbereich empf\u00e4ngt: die Keramik-B\u00fcste von Boris von Reibnitz \u2013 das stark abstrahierte Abbild einer \u00e4lteren Frau, die offenbar noch gro\u00dfen Wert auf sich legt und deren Anblick man sich nur schwer entziehen kann. Und zwar von allen Seiten: \u201eIn meinen bildhauerischen Arbeiten ist es mir wichtig, dass sie den Betrachter beim Umrunden \u00fcberraschen\u201c, sagt der K\u00fcnstler \u00fcber sein Werk. <\/p>\n<p class=\"richtext text-em-55 !leading-serif mx-6 desktop:mx-0\">Die vielleicht kleinste Arbeit der Ausstellung hat einen besonderen Hintergrund: Das \u00d6lbild des Israeli Dvir Kedar zeigt zwei bewaffnete Siedler auf einer Wiese mit einem grell leuchtenden Himmel. \u201eDvir hatte die Nase voll von der Politik in seinem Land und wollte eigentlich nach Berlin ziehen. Ich konnte ihn davon \u00fcberzeugen, dass er in D\u00fcsseldorf gr\u00f6\u00dfere Chancen hat, seine Bilder zu verkaufen\u201c, erz\u00e4hlt Kucken, der von dem Wachsabguss der K\u00fcnstlerin Katie Irmen zu berichten wei\u00df: \u201eEr hat ihre Professorin zum Weinen gebracht.\u201c<\/p>\n<p class=\"richtext text-em-55 !leading-serif mx-6 desktop:mx-0\">Zu der Filzstift-Arbeit von Mario Lischewsky sagt Kucken: \u201eEr beherrscht sein Handwerk. Und das kann in der Kunst ja ganz bestimmt nicht schaden.\u201c Und dann ist da noch das Werk \u201eAnette\u201c von Ulli Bomans: Eine Frau mit Lockenwicklern im Haar und Sonnenbrille auf der Nase genie\u00dft lachend ein offensichtlich alkoholisches Getr\u00e4nk. Auch das ist Realit\u00e4t: nicht immer makellos, aber bisweilen eben durchaus lebensbejahend. <\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Sie schauen hin, wollen nichts besch\u00f6nigen oder verkl\u00e4ren und vor allem Haltung zeigen. 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