{"id":1206800,"date":"2026-07-31T23:24:23","date_gmt":"2026-07-31T23:24:23","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/1206800\/"},"modified":"2026-07-31T23:24:23","modified_gmt":"2026-07-31T23:24:23","slug":"low-tech-statt-komplexer-hightech-loesungen-erhard-maria-klein-bei-der-melanchthon-akademie","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/1206800\/","title":{"rendered":"&#8222;Low Tech&#8220; statt komplexer Hightech-L\u00f6sungen \u2013 Erhard Maria Klein bei der Melanchthon-Akademie"},"content":{"rendered":"<p>\t<a href=\"https:\/\/www.kirche-koeln.de\/low-tech-statt-komplexer-hightech-loesungen-erhard-maria-klein-bei-der-melanchthon-akademie\/?print=pdf\" class=\"pdfprnt-button pdfprnt-button-pdf\" target=\"_blank\" rel=\"nofollow noopener\"><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2026\/07\/1783121297_528_pdf.png\" alt=\"image_pdf\" title=\"View PDF\"\/><\/a><a href=\"https:\/\/www.kirche-koeln.de\/low-tech-statt-komplexer-hightech-loesungen-erhard-maria-klein-bei-der-melanchthon-akademie\/?print=print\" class=\"pdfprnt-button pdfprnt-button-print\" target=\"_blank\" rel=\"nofollow noopener\"><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2026\/07\/1783121298_782_print.png\" alt=\"image_print\" title=\"Print Content\"\/><\/a><\/p>\n<p>Warum brauchen wir eigentlich immer mehr Technik? Erhard Maria Klein spricht \u00fcber \u201eLow tech\u201c als Gegenentwurf zu immer komplexeren Hightech-L\u00f6sungen \u2013 und dar\u00fcber, warum Einfachheit, Reparierbarkeit und Angemessenheit entscheidend f\u00fcr eine nachhaltige Zukunft sein k\u00f6nnten. Er gibt eine Einf\u00fchrung in die \u201eLow tech\u201c-Prinzipien als Auftakt zu der neuen Serie \u201eLow Tech Lessons\u201c bei der Melanchthon-Akademie.<\/p>\n<p><strong>Sie besch\u00e4ftigen sich im Grunde schon Ihr Leben lang mit der Idee von \u201eLow tech\u201c. Was ist das denn eigentlich?<\/strong><\/p>\n<p><strong>Erhard Maria Klein:<\/strong> \u201eLow tech\u201c meint einfache, nachhaltige und reparaturfreundliche Technologien, die wenig Energie verbrauchen. Vieles kann man sogar selbst bauen \u2013 wenn man das denn will. \u201eLow tech\u201c spielt nat\u00fcrlich sprachlich mit dem Gegensatz zu \u201eHightech\u201c, aber es ist keineswegs technologiefeindlich. Es geht also um eine Technik, die gesellschaftlich verstehbar, aneignungsf\u00e4hig und selbstbestimmter nutzbar bleibt.<\/p>\n<p><strong>Wasserfilter, Kochkisten, Solarladestationen, Warmwasseraufbereitung\u2026 all das kann \u201eLow tech\u201c sein?<\/strong><\/p>\n<p><strong>Erhard Maria Klein:<\/strong> Ja. Das sind alles gute Beispiele. Aber es gibt die Tendenz, den Begriff auf konkrete Produkte anzuwenden und als Label zu vermarkten, etwa bei \u201eLow tech-Geb\u00e4uden\u201c. Auch das \u201eLow-tech-Lab\u201c rund um Corentin de Chatelperron, dessen Arbeit ich sehr sch\u00e4tze, verfolgt st\u00e4rker einen konkreten, praxis- und technologiebezogenen Ansatz: Low tech erscheint dort oft als Sammlung n\u00fctzlicher, zug\u00e4nglicher und reproduzierbarer L\u00f6sungen.<\/p>\n<p><strong>Was ist es denn dann f\u00fcr Sie?<\/strong><\/p>\n<p><strong>Erhard Maria Klein:<\/strong> Erstmal: \u201eLow tech\u201c ist kein gesch\u00fctzter oder eindeutiger Begriff. Deshalb existieren unterschiedliche Deutungen: von konkreten technischen L\u00f6sungen \u00fcber Designprinzipien bis hin zu umfassender Gesellschaftskritik. Ich vertrete ganz klar den Ansatz, den Kris De Decker mit dem \u201eLow-Tech Magazine\u201c gepr\u00e4gt hat.<\/p>\n<p>Er verwendet \u201eLow tech\u201c nicht als Bastlerromantik oder Produktkategorie, sondern als Technik-, Energie- und Zivilisationskritik. Die Grundannahme ist: Nicht jedes gesellschaftliche oder \u00f6kologische Problem verlangt nach einer neuen Hightech-L\u00f6sung. Stattdessen geht es darum, welche einfacheren, sparsameren oder historisch verdr\u00e4ngten Systeme unter den Bedingungen \u00f6kologischer und materieller Grenzen tragf\u00e4higer sein k\u00f6nnten.<\/p>\n<p>Die zentrale Frage ist: Welche Bed\u00fcrfnisse haben wir und welche technische Komplexit\u00e4t ist daf\u00fcr \u00fcberhaupt n\u00f6tig? Low tech ist hier also nicht \u201eweniger fortschrittlich\u201c, sondern die Suche nach einem angemessenen technischen Niveau innerhalb planetarer Grenzen.<\/p>\n<p>Das hei\u00dft konkret: Man schaut auf den Energiebedarf, die erforderlichen Ressourcen und Lieferketten, die Reparierbarkeit, die Skalierung, und schlie\u00dflich auch auf die Machtstrukturen und den gesellschaftlichen Kontext. Low tech ist damit weniger eine Eigenschaft von Dingen als eine Frage nach ihrer Angemessenheit.<\/p>\n<p><strong>Low tech ist dann eher ein Mindset? Kann man das so sagen? <\/strong><\/p>\n<p><strong>Erhard Maria Klein:<\/strong> Genau. Eine Art Methode, technologische Selbstverst\u00e4ndlichkeiten zu \u00fcberpr\u00fcfen, ob sie unter realen \u00f6kologischen, sozialen und energetischen Bedingungen dauerhaft sinnvoll sind.<\/p>\n<p><strong>Und wonach beurteilt man, ob etwas in diesem Sinne angemessen ist?<\/strong><\/p>\n<p><strong>Erhard Maria Klein:<\/strong> Ein zentrales Prinzip w\u00e4re zum Beispiel: Energiebegrenzung statt Energieblindheit. Viele Hightech-Systeme setzen voraus, dass Energie billig und dauerhaft verf\u00fcgbar ist. Low tech fragt dagegen: Welche Technologien bleiben auch dann tragf\u00e4hig, wenn Energie knapp, lokal oder unzuverl\u00e4ssig ist? Daher das Interesse an Windkraft, Fahrradinfrastruktur, Solarthermie oder mechanischen L\u00f6sungen.<\/p>\n<p><strong>Solche L\u00f6sungen sind irgendwie \u201ehandhabbarer\u201c sind, oder?<\/strong><\/p>\n<p><strong>Erhard Maria Klein:<\/strong> Ja, darum geht\u2019s. Komplexit\u00e4tsreduktion als Resilienzstrategie k\u00f6nnte man dieses Prinzip nennen. Bevorzugt wird alles, was reparierbar, lokal wartbar, transparent und weniger abh\u00e4ngig ist von globalen Lieferketten, Spezialwissen oder seltenen Rohstoffen. Ivan Illich hat dies mit seiner Idee der \u201eKonvivialit\u00e4t\u201c bereits beschrieben: Technik soll menschliche Handlungsspielr\u00e4ume erweitern, gemeinschaftlich nutzbar bleiben und Menschen nicht durch \u00fcberm\u00e4\u00dfige Systemkomplexit\u00e4t, Expertenabh\u00e4ngigkeit oder technokratische Kontrolle entm\u00fcndigen.<\/p>\n<p><strong>Woher kommen die Ideen?<\/strong><\/p>\n<p><strong>Erhard Maria Klein:<\/strong> Im Low tech-Denken gelten vergangene Techniken als Ideenarchiv f\u00fcr post-fossile Zuk\u00fcnfte. Aber alte Technologien gelten nicht automatisch als besser, sondern als verdr\u00e4ngtes Reservoir m\u00f6glicher L\u00f6sungen. Historisches Lernen statt Fortschrittslinearit\u00e4t!<\/p>\n<p>\u201eLow tech\u201c ist also nicht \u201eZur\u00fcck in die Vergangenheit\u201c, sondern eher Fortschritt durch Begrenzung, selektive Wiederentdeckung und technische Demut. Manchmal ist weniger Technik die intelligentere Technologie. Zugespitzt formuliert: Low tech ist nicht die Ablehnung von Fortschritt, sondern die Kritik an Fortschritt, wenn darunter immer mehr Komplexit\u00e4t, Energieverbrauch und Abh\u00e4ngigkeit verstanden wird.<\/p>\n<p><strong>Programmhinweise<\/strong><\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.melanchthon-akademie.de\/programm\/kurs\/21239-einfach-nachhaltig-krisensicher\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\"><strong>einfach, nachhaltig, krisensicher<\/strong><\/a><\/p>\n<p>Mit \u201elow tech\u201c zur Selbsterm\u00e4chtigung<\/p>\n<p>Di, 29.09.2026, 19:30-21:00, online, 8\u20ac<\/p>\n<p>Mit Erhard Maria Klein<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.melanchthon-akademie.de\/programm\/kurs\/21240-low-tech-lessons-1-heizen\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\"><strong>Low Tech Lessons (1): Heizen<\/strong><\/a><\/p>\n<p>Menschen w\u00e4rmen, nicht R\u00e4ume<\/p>\n<p>Di, 17.11.2026, 19:30-21:00, online, 8\u20ac<\/p>\n<p>Mit Erhard Maria Klein<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.kirche-koeln.de\/low-tech-statt-komplexer-hightech-loesungen-erhard-maria-klein-bei-der-melanchthon-akademie\/?print=pdf\" class=\"pdfprnt-button pdfprnt-button-pdf\" target=\"_blank\" rel=\"nofollow noopener\"><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2026\/07\/1783121297_528_pdf.png\" alt=\"image_pdf\" title=\"View PDF\"\/><\/a><a href=\"https:\/\/www.kirche-koeln.de\/low-tech-statt-komplexer-hightech-loesungen-erhard-maria-klein-bei-der-melanchthon-akademie\/?print=print\" class=\"pdfprnt-button pdfprnt-button-print\" target=\"_blank\" rel=\"nofollow noopener\"><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2026\/07\/1783121298_782_print.png\" alt=\"image_print\" title=\"Print Content\"\/><\/a><\/p>\n<p>Text: Martin Horstmann\/MAK<br \/>Foto(s): Privat\/APK-Collage<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Warum brauchen wir eigentlich immer mehr Technik? 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