{"id":1211785,"date":"2026-08-03T06:16:16","date_gmt":"2026-08-03T06:16:16","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/1211785\/"},"modified":"2026-08-03T06:16:16","modified_gmt":"2026-08-03T06:16:16","slug":"nach-dem-abstieg-o-fortuna-wie-in-duesseldorf-die-euphorie-zurueckkehrte","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/1211785\/","title":{"rendered":"Nach dem Abstieg: O Fortuna \u2013 wie in D\u00fcsseldorf die Euphorie zur\u00fcckkehrte"},"content":{"rendered":"<p>Fortuna D\u00fcsseldorf w\u00e4hnte sich auf dem Sprung nach oben \u2013 und findet sich in der Dritten Liga wieder. Eine Katastrophe. Eigentlich. Doch nun gibt es wieder eine Perspektive. Stadt, Sponsoren und Anh\u00e4nger solidarisieren sich mit ihrem Verein.<\/p>\n<p class=\"is-first-paragraph\" data-external=\"Article.FirstParagraph\">Der 17. Mai hat sich tief eingebrannt bei allen, die es irgendwie mit Fortuna D\u00fcsseldorf halten. Es war der letzte Spieltag der vergangenen Zweitligasaison, der Tag, an dem der Traditionsverein aus der nordrhein-westf\u00e4lischen Landeshauptstadt in die Dritte Liga abstieg. Dabei waren alle davon ausgegangen, dass genau das nicht passieren kann \u2013 trotz einer katastrophalen Saison, in der bereits zwei Trainer verschlissen worden waren. Doch wenn die Fortuna beim Mitkonkurrenten in F\u00fcrth gewonnen h\u00e4tte, einen Punkt geholt oder selbst wenn sie nur mit zwei Toren Unterschied verloren h\u00e4tte \u2013 sie w\u00e4re gerettet gewesen. Doch die Mannschaft verlor 0:3. Es schien unfassbar.<\/p>\n<p>Dann brachen die D\u00e4mme \u2013 auf dem Rasen und auf den R\u00e4ngen. Entsetzen, Trauer und Wut entluden sich. Die Profis, die in dem Irrglauben, um den Aufstieg in die Bundesliga zu spielen, in die Saison gegangen waren, weinten \u2013 die Fans, die sich, je l\u00e4nger die Saison dauerte, immer mehr wie in einem Albtraum vorkamen, p\u00f6belten, beleidigten und beschimpften die Spieler als S\u00f6ldner. Sie rechneten mit vermeintlichen Versagern ab.<\/p>\n<p><b>Ein Podcast, ein Champion, ein R\u00e4tsel \u2013 wer ist der Gast? 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Irgendwann habe Jobst seine Frau angerufen. \u201eIch habe gesagt: Das hat uns gebrochen\u201c, so der 52-J\u00e4hrige. Wer kann noch eine Perspektive erkennen, wenn er auf einen einzigen, gigantischen Scherbenhaufen blickt?<\/p>\n<p>Gut zwei Monate sp\u00e4ter sieht das anders aus. Die Fortuna steht eine Woche vor dem Auftakt in ihre erste Drittligasaison seit 18 Jahren. Am Freitag geht es zum SV Waldhof Mannheim (19 Uhr, Magenta Sport), und Jobst, der seit dem Abstieg quasi durchgearbeitet hat, nimmt sich trotz seines Urlaubs Zeit f\u00fcr ein Gespr\u00e4ch mit WELT AM SONNTAG. \u201eDu kannst einen Abstieg nicht allein reparieren. Du brauchst ein Team und Menschen, denen du vertrauen kannst\u201c, sagt er. Das Vertrauen sp\u00fcrt er mittlerweile wieder. So sei es gelungen, wieder etwas aufzubauen \u2013 die Voraussetzung f\u00fcr einen Neustart zu schaffen.<\/p>\n<p>Der unr\u00fchmliche Abschied von Klaus Allofs<\/p>\n<p>Der Mann, von dessen Arbeit es abh\u00e4ngen wird, ob er gelingen kann, ist der eine Woche nach dem Abstieg gekommene Sportvorstand Samir Arabi. Der fr\u00fchere Gesch\u00e4ftsf\u00fchrer von Arminia Bielefeld war bereits im Winter als Nachfolger des D\u00fcsseldorfer Vereinsidols Klaus Allofs im Gespr\u00e4ch \u2013 doch dann hatte sich der Aufsichtsrat f\u00fcr Sven Mislintat entschieden.<\/p>\n<p>Die Gr\u00fcnde f\u00fcr den Absturz sind vielschichtig \u2013 doch die Entscheidungen, die Allofs in der Sp\u00e4tphase seiner Funktion\u00e4rst\u00e4tigkeit und der seit Anfang 2022 unter ihm arbeitende Sportdirektor Christian Weber getroffen haben, gelten f\u00fcr viele Kritiker als urs\u00e4chlich. Der Kader war unausgewogen zusammengestellt, der Mannschaft fehlte es an Torgefahr und vor allem an Identifikation.<\/p>\n<p>Die Fortunen wurden Opfer ihrer Ungeduld \u2013 wohl ausgel\u00f6st durch ein Trauma. 2024 verpasste der Verein den Sprung in die Bundesliga auf denkbar tragische Weise. In der Aufstiegsrelegation gewannen die D\u00fcsseldorfer das Hinspiel beim klassenh\u00f6heren VfL Bochum 3:0 und w\u00e4hnten sich am Ziel. Was nur noch als Ouvert\u00fcre zu einer gro\u00dfen Party galt, endete im Desaster: Beim R\u00fcckspiel in D\u00fcsseldorf hie\u00df es nach 120 Minuten 0:3 \u2013 und die Bochumer gewannen das Elfmeterschie\u00dfen 6:5. Das war ein schwerer Schock.<\/p>\n<p>Als auch der n\u00e4chste Anlauf misslungen war \u2013 2024\/25 verpassten die D\u00fcsseldorfer erneut die Aufstiegspl\u00e4tze \u2013 machte sich Aktionismus breit. Das f\u00fchrte in der verh\u00e4ngnisvollen vergangenen Saison zu Chaos. Nach einem schwachen Start trennte sich Allofs vom bei Fans und Spielern beliebten Trainer Daniel Thioune.<\/p>\n<p>Diese Entscheidung war intern umstritten, doch niemand wagte es, Allofs in den Arm zu fallen. Anfang Dezember gab der Klub dann bekannt, dass der fr\u00fchere Fortuna-Spieler seinen auslaufenden Vertrag nicht verl\u00e4ngern werde \u2013 knapp zwei Wochen darauf wurde Allofs freigestellt. Es war ein unr\u00fchmliches Ende der T\u00e4tigkeit einer der bedeutendsten Pers\u00f6nlichkeiten der Klubgeschichte. F\u00fcr ihn \u00fcbernahm Mislintat, der f\u00fcnf Spieltage vor Saisonende den von Allofs verpflichteten Trainer Markus Anfang durch Alexander Ende ersetzte. Mislintat ist seit dem Abstieg auch schon wieder Geschichte \u2013 nur Ende ist noch da.<\/p>\n<p>Bei der Fortuna mussten 67 Mitarbeiter gehen<\/p>\n<p>Es h\u00e4tte viel aufzuarbeiten gegeben, h\u00e4tte es Zeit gegeben. Doch die ver\u00e4nderten Realit\u00e4ten verlangten schnelles Handeln. \u201eDie Fallh\u00f6he von der Zweiten zur Dritten Liga ist ohnehin sehr gro\u00df, bei uns war sie nochmal ein St\u00fcck gr\u00f6\u00dfer. Denn wir hatten uns in den vergangenen drei Jahren im wirtschaftlichen Kontext ja bereit gemacht, die Bundesliga anzustreben\u201c, sagt Jobst.<\/p>\n<p>Umso einschneidender fielen die Ma\u00dfnahmen aus, die ergriffen werden mussten \u2013 und umso gr\u00f6\u00dfer war die Unruhe, die sie ausl\u00f6sten. 67 Mitarbeiter mussten gehen, mehr als 50 Prozent der Belegschaft. Die Personalkosten wurden von sieben auf 3,5 Millionen Euro reduziert. \u201eDas hat den ganzen Verein emotional tief durchgesch\u00fcttelt\u201c, so Jobst.<\/p>\n<p>Doch die Alternative w\u00e4re die Insolvenz gewesen. Allein bei den Fernsehgeldern st\u00fcrzte die Fortuna von 17,5 Millionen Euro auf 1,8 Millionen: 1,3 Millionen wie jeder der 20 Drittligavereine, zuz\u00fcglich 500.000 Euro, die die Absteiger als \u201eRettungsschirm\u201c bekommen. Wie soll unter diesen Umst\u00e4nden eine neue, wettbewerbsf\u00e4hige Mannschaft zusammengestellt werden? Nur zehn Spielervertr\u00e4ge galten f\u00fcr die Dritte Liga.<\/p>\n<p>Arabi arbeitete mit einer klaren Priorisierung. Er machte sich auf die Suche nach Ankerspielern f\u00fcr jeden Mannschaftsteil, schuf zun\u00e4chst ein Korsett. Die wirtschaftlichen Kriterien: Die Spieler durften so gut wie nichts kosten. Von den 15 Zug\u00e4ngen, die bislang gekommen sind, kosteten lediglich Mittelst\u00fcrmer Eric Hottmann (300.000 Euro) und Mittelfeldspieler Miguel Goncalves (25.000 Euro) eine Abl\u00f6se. Noch wichtiger war es Arabi jedoch, dass jeder Neue mental bereit ist \u2013 f\u00fcr den Klub und die Liga. \u201eIch werde keinen Spieler anhand einer Videositzung verpflichten. Wir wollen alle kennen\u201c, hatte er angek\u00fcndigt. Eine Mannschaft ohne Identifikation w\u00e4re in der Dritten Liga noch fataler.<\/p>\n<p>Parallel mit dem Wachsen der neuen Mannschaft ging ein Stimmungswandel einher. Der Verein erh\u00f6hte seine Pr\u00e4senz in der Stadt und betrieb Werbung in eigener Sache. Mit durchschlagendem Erfolg: Die Fortuna gewann neue Mitglieder, verkaufte \u00fcber 19.000 Dauerkarten \u2013 6000 mehr als kalkuliert. \u201eWir m\u00fcssen ganz viel Vertrauen zur\u00fcckgewinnen\u201c, erkl\u00e4rt Jobst. Das, was noch zwei Monate zuvor utopisch erschienen war, zeichnet sich mittlerweile deutlich ab: Die Fans nehmen es der Klubf\u00fchrung wieder ab, dass sie sich nach allerlei Fehlern und Personalrochaden wieder \u201eauf das Wesentliche, auf das Kerngesch\u00e4ft konzentriert\u201c, so Jobst.<\/p>\n<p>Stadt D\u00fcsseldorf erl\u00e4sst die halbe Stadionmiete<\/p>\n<p>Die Basis scheint gelegt. Der Verein kalkuliert mit einem Zuschauerschnitt von 25.000. Vor allem aber macht es sich bezahlt, dass bereits vor Jahren ein Konzept ins Leben umgesetzt wurde, das dem Klub wirtschaftlich neue M\u00f6glichkeiten erschlossen hat: \u201eFortuna f\u00fcr alle\u201c.<\/p>\n<p>Die Aktion hatte bundesweit f\u00fcr Aufsehen gesorgt, da sie es Fans erm\u00f6glicht hatte, ausgew\u00e4hlte Heimspiele kostenfrei zu besuchen. Zw\u00f6lfmal str\u00f6mten in drei Jahren jeweils 51.000 zu diesen Partien in die Arena \u2013 dank der Finanzierung durch Sponsoren. Der Klub steigerte seine Wahrnehmung, gewann neue Partner \u2013 und verbesserte sein bis dahin eher angespanntes Verh\u00e4ltnis zur Kommune, die nie eine klassische Fu\u00dfballstadt war.<\/p>\n<p>Auch wenn es die Freispiele in der Liga nicht mehr geben wird: Die Stadt erlie\u00df der Fortuna die H\u00e4lfte der Stadionmiete, und die langfristig gebundenen Sponsoren blieben bei der Stange. Dank zw\u00f6lf Millionen Euro an Vermarktungserl\u00f6sen kann der Verein mit einem Budget von 7,5 Millionen Euro planen \u2013 ein mehr als guter Rahmen f\u00fcr die <a class=\"is-link c-block-items__link c-link--rich-text-renderer\" href=\"https:\/\/www.welt.de\/themen\/dritte-fussball-liga\/\" data-internal-tracking-enabled=\"true\" data-internal-tracking=\"{&quot;action&quot;:&quot;click&quot;,&quot;label&quot;:&quot;link&quot;,&quot;name&quot;:&quot;Inline Element&quot;,&quot;data&quot;:{&quot;source&quot;:&quot;&quot;,&quot;target&quot;:&quot;https:\/\/www.welt.de\/themen\/dritte-fussball-liga\/&quot;,&quot;trackingName&quot;:&quot;&quot;,&quot;trackingLabel&quot;:&quot;&quot;}}\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">3. Liga<\/a>.<\/p>\n<p>\u201eNat\u00fcrlich gab es auch Diskussionen zu unserer Zielsetzung. Es ist ja klar, dass die Partner den Weg nur mitgehen, wenn wir planen, so schnell wie m\u00f6glich wieder nach oben zu kommen\u201c, sagt Jobst. Innerhalb von drei Jahren soll das gelingen.<\/p>\n<p>Der Abstieg, erkl\u00e4rt Jobst, h\u00e4nge ihm emotional immer noch in den Klamotten. \u201eAber wir haben in den vergangenen Wochen so viel Zuspruch bekommen \u2013 von Fans, Mitgliedern, Menschen auf der Stra\u00dfe, Unternehmen und der Politik. Diese Stadt w\u00fcnscht sich von ganzem Herzen eine starke Fortuna.\u201c<\/p>\n<p><a class=\"is-link c-block-items__link c-link--rich-text-renderer\" href=\"https:\/\/www.welt.de\/themen\/duesseldorf\/\" data-internal-tracking-enabled=\"true\" data-internal-tracking=\"{&quot;action&quot;:&quot;click&quot;,&quot;label&quot;:&quot;link&quot;,&quot;name&quot;:&quot;Inline Element&quot;,&quot;data&quot;:{&quot;source&quot;:&quot;&quot;,&quot;target&quot;:&quot;https:\/\/www.welt.de\/themen\/duesseldorf\/&quot;,&quot;trackingName&quot;:&quot;&quot;,&quot;trackingLabel&quot;:&quot;&quot;}}\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">D\u00fcsseldorf<\/a> k\u00f6nnte vielleicht sogar ohne die Fortuna \u2013 aber die D\u00fcsseldorfer wollen nicht ohne.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Fortuna D\u00fcsseldorf w\u00e4hnte sich auf dem Sprung nach oben \u2013 und findet sich in der Dritten Liga wieder.&hellip;\n","protected":false},"author":2,"featured_media":1211786,"comment_status":"","ping_status":"","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":"","_share_on_mastodon":"0"},"categories":[1831],"tags":[3364,29,996,3405,3132,30,152504,1209,65897,45],"class_list":["post-1211785","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","category-duesseldorf","tag-de","tag-deutschland","tag-dritte-liga","tag-duesseldorf","tag-fortuna-duesseldorf","tag-germany","tag-mislintat","tag-nordrhein-westfalen","tag-sven","tag-texttospeech"],"share_on_mastodon":{"url":"","error":""},"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/1211785","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=1211785"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/1211785\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media\/1211786"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=1211785"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=1211785"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=1211785"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}