{"id":1212251,"date":"2026-08-03T10:43:18","date_gmt":"2026-08-03T10:43:18","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/1212251\/"},"modified":"2026-08-03T10:43:18","modified_gmt":"2026-08-03T10:43:18","slug":"iso-6-reinraeume-fuer-pelican-so-entsteht-berlins-neue-satellitenfabrik","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/1212251\/","title":{"rendered":"ISO-6-Reinr\u00e4ume f\u00fcr Pelican: So entsteht Berlins neue Satellitenfabrik"},"content":{"rendered":"<p>In Berlin entsteht Planet Labs\u2019 erste europ\u00e4ische Satellitenfertigung. Reinr\u00e4ume der Klassen ISO 6 und 7 sch\u00fctzen empfindliche Optiken.<\/p>\n<p>        <img width=\"1200\" height=\"600\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2026\/08\/Produktionslabor-Planet-Labs-Germany-GmbH-scaled-e1785747518971-1200x600.jpg\" class=\"single__post-image wp-post-image\" alt=\"Blick ins Produktionslabor\" decoding=\"async\" fetchpriority=\"high\"  \/><\/p>\n<p>Blick ins Produktionslabor: Planet Labs produziert in Berlin k\u00fcnftig Satelliten, die globale Ver\u00e4nderungen nahezu in Echtzeit sichtbar machen, von Waldbr\u00e4nden bis Meeresverschmutzung.  <\/p>\n<p class=\"wp-caption-source\">Foto: Planet Labs Germany GmbH<\/p>\n<p>Planet Labs richtet in Berlin seine erste europ\u00e4ische Satellitenproduktion ein. Auf rund 5.000 m\u00b2 entstehen Reinr\u00e4ume, Labore und B\u00fcrofl\u00e4chen f\u00fcr die Montage und Pr\u00fcfung hochaufl\u00f6sender Pelican-Satelliten. Der Zeitplan ist knapp: Ein erster in Berlin montierter Satellit soll fr\u00fchestens Ende 2026 starten. Doch weder die neue Fertigung noch die daf\u00fcr vorgesehene Spectrum-Rakete haben bislang den regul\u00e4ren Betrieb aufgenommen.<\/p>\n<p>Der sogenannte European Space Hub entsteht in den Berlin Decks am Friedrich-Krause-Ufer in Berlin-Moabit. Planet Labs mietet dort Fl\u00e4chen in einem bereits entwickelten Technologiecampus und l\u00e4sst sie f\u00fcr Produktion, Forschung und Entwicklung ausbauen.<\/p>\n<p>Der Eigent\u00fcmer BEOS nennt eine langfristig angemietete Gesamtfl\u00e4che von rund 5700 m\u00b2. Drees &amp; Sommer spricht von etwa 5000 m\u00b2 f\u00fcr Labore, Reinr\u00e4ume und B\u00fcros. Der Bezug soll noch 2026 erfolgen.<\/p>\n<p>Erste Satellitenproduktion von Planet Labs in Europa<\/p>\n<p>F\u00fcr Planet Labs ist Berlin bereits seit mehr als zehn Jahren der europ\u00e4ische Hauptsitz. Am neuen Standort sollen Satellitenfertigung, Entwicklung, Missionsbetrieb und kaufm\u00e4nnische Bereiche zusammengef\u00fchrt werden. Bis zu 70 zus\u00e4tzliche Besch\u00e4ftigte sollen das bisher rund 150 Personen starke Berliner Team erg\u00e4nzen.<\/p>\n<p>Drees &amp; Sommer \u00fcbernimmt die Projektsteuerung sowie das Kosten-, Termin- und Qualit\u00e4tsmanagement. Hinzu kommen technische Beratung, Schnittstellenmanagement und die Koordination der beteiligten Planungs- und Ausf\u00fchrungsunternehmen.<\/p>\n<p>Besonders anspruchsvoll ist die Abstimmung der technischen Geb\u00e4udeausr\u00fcstung mit den Produktionsprozessen. L\u00fcftung, K\u00fchlung, Geb\u00e4udeautomation und Reinraumtechnik m\u00fcssen so zusammenspielen, dass empfindliche Bauteile unter stabilen Bedingungen montiert und gepr\u00fcft werden k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>Reinr\u00e4ume der Klassen ISO 6 und ISO 7<\/p>\n<p>In Berlin entstehen Reinr\u00e4ume der Klassen ISO 6 und ISO 7. Dort sollen unter anderem Sensoren, Elektronik, Kameras und Teleskope montiert und gepr\u00fcft werden.<\/p>\n<p>Die Norm ISO 14644-1 ordnet Reinr\u00e4ume nach der Zahl luftgetragener Partikel ein. Je kleiner die Zahl hinter \u201eISO\u201c, desto sauberer der Raum.<\/p>\n<tr>\n<td>Reinraumklasse<\/td>\n<td>Maximal zul\u00e4ssige Partikel ab 0,5 \u00b5m<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td>ISO 6<\/td>\n<td>35.200 Partikel\/m\u00b3<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td>ISO 7<\/td>\n<td>352.000 Partikel\/m\u00b3<\/td>\n<\/tr>\n<p>Ein ISO-6-Reinraum darf damit nur ein Zehntel so viele Partikel enthalten wie ein ISO-7-Raum.<\/p>\n<p>Welche Arbeitsschritte Planet Labs den beiden Klassen zuordnet, ist bislang nicht bekannt. Besonders empfindliche optische Bauteile k\u00f6nnten in den saubereren ISO-6-Bereichen verarbeitet werden. Best\u00e4tigt ist diese Aufteilung jedoch nicht.<\/p>\n<p>Die Reinraumklasse beschreibt nur die Partikelkonzentration in der Luft. Zus\u00e4tzlich m\u00fcssen weitere Bedingungen festgelegt werden:<\/p>\n<ul class=\"wp-block-list\">\n<li>Temperatur<\/li>\n<li>Luftfeuchtigkeit<\/li>\n<li>Druckverh\u00e4ltnisse<\/li>\n<li>Schwingungen<\/li>\n<li>Schutz vor elektrostatischen Entladungen<\/li>\n<\/ul>\n<p>Drees &amp; Sommer nennt bislang drei dauerhaft zu \u00fcberwachende Gr\u00f6\u00dfen: Partikelkonzentration, Temperatur und Luftfeuchtigkeit. Angaben zu Luftwechselraten, Filterstufen oder zul\u00e4ssigen Schwankungen wurden nicht ver\u00f6ffentlicht.<\/p>\n<p>Warum Satellitenoptiken saubere Produktionsbedingungen ben\u00f6tigen<\/p>\n<p>F\u00fcr optische Erdbeobachtungssatelliten reicht es nicht, sichtbaren Staub fernzuhalten. Schon kleine Partikel auf Spiegeln, Linsen oder Detektoren k\u00f6nnen Licht streuen und die Bildqualit\u00e4t verschlechtern.<\/p>\n<p>Hinzu kommen molekulare R\u00fcckst\u00e4nde. Sie k\u00f6nnen aus Kunststoffen, Klebstoffen oder Reinigungsmitteln austreten und sich auf empfindlichen Oberfl\u00e4chen ablagern.<\/p>\n<p><strong>Was kontrolliert werden muss<\/strong><\/p>\n<ul class=\"wp-block-list\">\n<li>Partikel in der Raumluft<\/li>\n<li>Verunreinigungen auf Bauteilen und Oberfl\u00e4chen<\/li>\n<li>Ausgasungen von Materialien<\/li>\n<li>Sauberkeit bei Montage und Pr\u00fcfung<\/li>\n<li>Schutz w\u00e4hrend Lagerung und Transport<\/li>\n<\/ul>\n<p>Europ\u00e4ische Raumfahrtstandards verlangen daf\u00fcr ein eigenes Konzept zur Sauberkeits- und Kontaminationskontrolle. Es regelt unter anderem Messverfahren, Reinigungsabl\u00e4ufe, Materialauswahl und Verantwortlichkeiten.<\/p>\n<p>Wie Planet Labs die Berliner Reinr\u00e4ume technisch ausstattet, ist bislang nicht bekannt. \u00dcbliche Anlagen arbeiten mit gefilterter Zuluft, Personal- und Materialschleusen sowie Druckunterschieden zwischen Bereichen verschiedener Reinheitsklassen.<\/p>\n<p>Auch der Umfang der Pr\u00fcfverfahren ist offen. Planet Labs hat f\u00fcr Berlin bisher keine thermischen Vakuumkammern sowie Vibrations-, Akustik- oder EMV-Pr\u00fcfst\u00e4nde best\u00e4tigt. Einzelne Qualifikationstests k\u00f6nnten daher an anderen Standorten oder bei spezialisierten Partnern stattfinden.<\/p>\n<p>Berlin soll die Pelican-Produktion verdoppeln<\/p>\n<p>In den neuen Fl\u00e4chen sollen Satelliten der Pelican-Baureihe entstehen. Die steuerbaren Erdbeobachtungssatelliten liefern hochaufl\u00f6sende Aufnahmen ausgew\u00e4hlter Gebiete und k\u00f6nnen dieselben Regionen mehrmals t\u00e4glich erfassen.<\/p>\n<p><strong>Pelican in Zahlen<\/strong><\/p>\n<ul class=\"wp-block-list\">\n<li><strong>bis zu 50 cm Bodenaufl\u00f6sung<\/strong> bei der ersten Generation<\/li>\n<li><strong>bis zu 30 cm Bodenaufl\u00f6sung<\/strong> bei der geplanten zweiten Generation<\/li>\n<li><strong>mehrere Aufnahmen pro Tag<\/strong> von bestimmten Regionen<\/li>\n<li><strong>Datenverarbeitung im Orbit<\/strong> mit einer Nvidia-Jetson-Plattform<\/li>\n<\/ul>\n<p>Die Bordelektronik soll einen Teil der Daten bereits im All verarbeiten und die \u00dcbertragung zum Boden beschleunigen. Dadurch k\u00f6nnen wichtige Aufnahmen schneller f\u00fcr die Auswertung bereitstehen.<\/p>\n<p>Die Bilder zeigen gr\u00f6\u00dfere Ver\u00e4nderungen an Geb\u00e4uden, Verkehrswegen und Energieanlagen. Auch zerst\u00f6rte Bereiche in Katastrophengebieten lassen sich aus dem Orbit erkennen. Eine klassische Bauwerkspr\u00fcfung ersetzen die Satelliten jedoch nicht. Feine Risse oder kleinere Materialsch\u00e4den sind bei einer Bodenaufl\u00f6sung von 30 oder 50 cm nicht zuverl\u00e4ssig sichtbar.<\/p>\n<p>Die Berliner Fertigung erg\u00e4nzt die bestehende Produktionslinie in San Francisco. Planet Labs will damit seine weltweite Kapazit\u00e4t f\u00fcr Pelican-Satelliten verdoppeln.<\/p>\n<p>Die Konzernzentrale und die bisherige Pelican-Fertigung bleiben in Kalifornien. Berlin st\u00e4rkt damit die europ\u00e4ische Produktionsbasis, schafft aber keine vollst\u00e4ndig unabh\u00e4ngige europ\u00e4ische Satelliteninfrastruktur.<\/p>\n<p>Erster Berliner Satellit soll fr\u00fchestens Ende 2026 starten<\/p>\n<p>Planet Labs und Isar Aerospace verfolgen einen ambitionierten Zeitplan. Ein in Berlin montierter Pelican-Satellit soll auf einer Spectrum-Rakete vom norwegischen Raumfahrtzentrum And\u00f8ya starten. Die Unternehmen nennen fr\u00fchestens Ende 2026 als m\u00f6glichen Termin.<\/p>\n<p>Sollte die Mission gelingen, w\u00fcrden erstmals ein in Deutschland gebauter Satellit und eine ebenfalls in Deutschland gefertigte Tr\u00e4gerrakete gemeinsam starten. Ein verbindliches Startdatum gibt es nicht.<\/p>\n<p>Der Produktionsstandort soll erst im Laufe des Jahres 2026 bezogen werden. Danach m\u00fcssen die Reinr\u00e4ume eingerichtet und qualifiziert, Produktionsprozesse freigegeben und Besch\u00e4ftigte eingearbeitet werden. Anschlie\u00dfend folgen Montage, Pr\u00fcfung, Transport und Startvorbereitung des Satelliten.<\/p>\n<p>Keine Planungssicherheit bei der Rakete<\/p>\n<p>Auch bei der Rakete fehlt Planungssicherheit. Der erste Spectrum-Testflug im M\u00e4rz 2025 wurde nach rund 30 Sekunden \u00fcber das Flugabbruchsystem beendet. Einen Orbit erreichte die Rakete nicht.<\/p>\n<p>Die zweite Mission soll erstmals Nutzlasten transportieren und kritische Systeme unter Betriebsbedingungen erproben. Mehrere Startversuche wurden 2026 abgebrochen. Beim bislang letzten Versuch registrierte Isar Aerospace ungew\u00f6hnliches Verhalten im Fluidsystem der Rakete und stoppte den Start. Einen neuen Termin hat das Unternehmen noch nicht ver\u00f6ffentlicht.<\/p>\n<p>Damit h\u00e4ngt der erste Berliner Satellitenstart von zwei parallelen Hochl\u00e4ufen ab: Planet Labs muss seine neue Fertigung betriebsbereit bekommen, w\u00e4hrend Isar Aerospace den zweiten Spectrum-Flug erfolgreich absolvieren muss.<\/p>\n<p><strong>Quellen<\/strong><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"In Berlin entsteht Planet Labs\u2019 erste europ\u00e4ische Satellitenfertigung. Reinr\u00e4ume der Klassen ISO 6 und 7 sch\u00fctzen empfindliche Optiken.&hellip;\n","protected":false},"author":2,"featured_media":1212252,"comment_status":"","ping_status":"","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":"","_share_on_mastodon":"0"},"categories":[1825],"tags":[296,29,30,29074],"class_list":["post-1212251","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","category-berlin","tag-berlin","tag-deutschland","tag-germany","tag-satelliten"],"share_on_mastodon":{"url":"https:\/\/pubeurope.com\/@de\/117031168123732475","error":""},"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/1212251","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=1212251"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/1212251\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media\/1212252"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=1212251"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=1212251"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=1212251"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}