{"id":121329,"date":"2025-05-18T22:16:26","date_gmt":"2025-05-18T22:16:26","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/121329\/"},"modified":"2025-05-18T22:16:26","modified_gmt":"2025-05-18T22:16:26","slug":"bremer-filmemacher-zeigt-ehemalige-provinz-ostpreussen-im-kino","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/121329\/","title":{"rendered":"Bremer Filmemacher zeigt ehemalige Provinz Ostpreu\u00dfen im Kino"},"content":{"rendered":"<p class=\"article-toplinewrapper\">\n<p>Standdatum: 18. Mai 2025.<\/p>\n<p>Autorinnen und Autoren:<br \/>\nSteffen Hudemann<\/p>\n<p class=\"article-intro\">Im neuen Film des Regisseurs Hermann P\u00f6lking wird die untergegangene Provinz Ostpreu\u00dfen wieder lebendig. Zw\u00f6lf Jahre hat der Bremer in historischen Archiven und Quellen daf\u00fcr recherchiert.<\/p>\n<p>Im August 1944 zeigen die Aufnahmen ein vermeintliches Idyll in Ostpreu\u00dfens Hauptstadt K\u00f6nigsberg: Es f\u00e4hrt die Stra\u00dfenbahn durch die prachtvolle Kantstra\u00dfe. Am alten Hafen sind die Fachwerkspeicher aus dem 18. Jahrhundert zu sehen. Menschen flanieren bei sch\u00f6nstem Sommerwetter am Wasser. Es sind tr\u00fcgerisch friedliche Aufnahmen.<\/p>\n<p>Nur wenige Tage sp\u00e4ter werden britische Bomber K\u00f6nigsberg in Schutt und Asche legen. Im April 1945 schlie\u00dflich nimmt die Rote Armee die v\u00f6llig zerst\u00f6rte Stadt ein. Der von den Deutschen begonnene Angriffskrieg gegen die Sowjetunion hat sich gegen die Wehrmacht und die Zivilbev\u00f6lkerung gewendet. Mehr als zwei Millionen Menschen m\u00fcssen aus Ostpreu\u00dfen fliehen. Viele davon f\u00fchrt der Weg im Januar 1945 \u00fcber das zugefrorene Frische Haff, rund 300.000 Menschen kommen bei der Flucht ums Leben. <\/p>\n<p>Ostpreu\u00dfen gibt es nicht mehr<\/p>\n<p>Mit diesen Gegens\u00e4tzen beginnt der Film &#8222;Ostpreu\u00dfen \u2013 Entschwundene Welt&#8220; des Bremer Regisseurs und Produzenten Hermann P\u00f6lking, der jetzt im Kino zu sehen ist. Er erz\u00e4hlt vom Untergang Ostpreu\u00dfens \u2013 aber er zeigt durch viele bisher unver\u00f6ffentlichte Aufnahmen auch das Alltagsleben dieser ehemaligen deutschen Provinz weit im Osten.<\/p>\n<p>80 Jahre nach Kriegsende sind die Erinnerungen an diese Provinz verblasst. Denn es gibt sie nicht mehr, ebenso wenig wie den Dialekt. Was fr\u00fcher Ostpreu\u00dfen war, geh\u00f6rt heute zu Polen, Litauen und zum russischen Gebiet Kaliningrad. Wer dort heute nach Spuren des alten Deutschlands sucht, wird entt\u00e4uscht. Es gibt sie kaum noch.<\/p>\n<p>Der Film nutzt ausschlie\u00dflich historisches Material<\/p>\n<p>&#8222;Die Landschaft ist entschwunden in die Geschichte&#8220;, sagt Regisseur Hermann P\u00f6lking. Mit seiner filmischen Reise nimmt er die Zuschauerinnen und Zuschauer nun mit in dieses entschwundene Land.<\/p>\n<p>P\u00f6lkings Film ist ein Komplilationsfilm. Er nutzt ausschlie\u00dflich historisches Material. Es gibt keine Inszenierungen, keine Zeitzeugen-Interviews, keine Neudrehs. Mit dieser Darstellungsform hat P\u00f6lking schon &#8222;Bremen wird bunt&#8220; mitproduziert. Die Dokumentation war im Jahr 2023 v\u00f6llig \u00fcberraschend der erfolgreichste Kinofilm in Bremen.<\/p>\n<p>Kaum noch Zeitzeugen<\/p>\n<p>Auf diesen Ansatz m\u00fcssen sich Zuschauerinnen und Zuschauer einlassen, aber P\u00f6lking ist von dieser Erz\u00e4hlweise \u00fcberzeugt: &#8222;Mein Ansatz ist es, aus den filmischen Quellen heraus erz\u00e4hlen&#8220;, sagt P\u00f6lking. &#8222;Sie dienen nicht nur der Illustration f\u00fcr einen Text, sondern die Quellen an sich erz\u00e4hlen die Geschichte.&#8220; Deshalb wird im Film mit einer Ausnahme auch jede Quelle identifiziert und benannt. Wer filmt dort wann und warum? Das allein verr\u00e4t viel.<\/p>\n<p>Zeitzeugen zu Ostpreu\u00dfen zu finden, w\u00e4re ohnehin schwer. 80 Jahre nach dem Untergang gibt es nur noch wenige Menschen, die sich aktiv an Ostpreu\u00dfen erinnern k\u00f6nnen. Hans-Joachim Scharffetter aus Schwanewede geh\u00f6rt dazu. Er ist aufgewachsen auf Gut Kallwischken, 100 Kilometer \u00f6stlich der Hauptstadt K\u00f6nigsberg. Die Familie z\u00fcchtete Trakehner-Pferde, die vor allem f\u00fcr das Milit\u00e4r eingesetzt wurden.<\/p>\n<p>Pferdez\u00fcchter retten sich nach Schwanewede<\/p>\n<p>Heute ist Scharffetter 91 Jahre alt. Im Film ist er als Achtj\u00e4hriger zu sehen, nat\u00fcrlich auf dem R\u00fccken eines Pferdes. An seine Kindheit hat Scharffetter durchaus sch\u00f6ne Erinnerungen: &#8222;Mein Vater hat mich oft mitgenommen, wenn er ritt. Ich sa\u00df eigentlich immer auf den Pferden.&#8220;<\/p>\n<p>Einige der Pferde nimmt sein Vater im Januar 1945 mit auf die Flucht. Mit 24 Trakehnern nimmt er den Weg \u00fcber das Eis. Sie werden beschossen von der Roten Armee, doch auch die eigenen Soldaten stellen eine Gefahr dar: &#8222;Da kam einer von der Wehrmacht, der wollte Pferde beschlagnahmen&#8220;, berichtet Scharffetter. Sein Vater aber habe das nicht zugelassen. Er zog eine Pistole, die er dabei hatte. &#8222;Wenn du schie\u00dft, dann sind wir beide tot&#8220;, habe der Vater gesagt. Der Soldat gibt nach. Der Vater rettet sich und die Pferde.<\/p>\n<p>Berlin war 600 Kilometer entfernt<\/p>\n<p>So schaffen es die Scharffetters nach Norddeutschland, wo die Familie ihre Pferdezucht nach 1945 weiterf\u00fchrt \u2013 bis heute. Von den historischen Filmaufnahmen des Gest\u00fcts Kallwischken wussten sie bis vor Kurzem nichts. Erst kurz vor der Fertigstellung des Films haben die Scharffetters die Aufnahmen zum ersten Mal gesehen.<\/p>\n<p>Pferdebegeisterte, wohlhabende Touristen aus der Schweiz hatten die Filme in den 1930er-Jahren anfertigen lassen. Oft waren es Menschen von au\u00dfen, aus Berlin oder dem Ausland, die filmten. Denn Ostpreu\u00dfen selbst war eine abgelegene, landwirtschaftlich gepr\u00e4gte Provinz, fernab der Metropolen. &#8222;Wenn Sie in Ostpreu\u00dfen einen Film entwickeln wollten, mussten Sie den nach Berlin schicken&#8220;, sagt Regisseur Hermann P\u00f6lking. &#8222;Das waren 600 Kilometer mit der Eisenbahn.&#8220;<\/p>\n<p>Zw\u00f6lf Jahre Recherche<\/p>\n<p>Zw\u00f6lf Jahre lang hat der Bremer Filmemacher nach alten Aufnahmen gegraben und sie mit seinem Team m\u00fchevoll restauriert. Auf Auktionen von Nachl\u00e4ssen hat P\u00f6lking sich umgeh\u00f6rt, in Archiven gesucht. &#8222;Irgendwann sprach sich das rum, dass ich zu Ostpreu\u00dfen recherchiere&#8220; sagt er. &#8222;Dann wurden mir auch gezielt Filme angeboten.&#8220; Mancher Fund ist kurios. Im Stadtarchiv in M\u00fcnster lagen etwa alte Aufnahmen, bei denen zuvor niemand bemerkt hatte, dass sie gar nicht M\u00fcnster, sondern Ostpreu\u00dfen zeigten.<\/p>\n<p>Den Alltagsaufnahmen widmet er den Gro\u00dfteil des Films. Nach gut 20 Minuten l\u00e4sst der Film den Untergang Ostpreu\u00dfens hinter sich \u2013 und macht einen R\u00fccksprung zur \u00e4ltesten bekannten Filmaufnahme aus Ostpreu\u00dfen vom Juni 1912.<\/p>\n<p>Der letzte Sommer in Ostpreu\u00dfen<\/p>\n<p>Sie zeigt die Landung des Milit\u00e4r-Luftschiffes Parseval 3 in K\u00f6nigsberg. Danach geht der Film chronologisch voran. Er erz\u00e4hlt von adligen Gutsh\u00f6fen, wo polnische Helfer mit Sensen das Korn ernten, vom gr\u00f6\u00dften Pferdemarkt Europas, von idyllischen Sommern an der Ostsee. Aber auch vom Aufstieg der Nationalsozialisten, die in Ostpreu\u00dfen auf gro\u00dfe Zustimmung sto\u00dfen. Schon bald werden Sie das Land in den Untergang f\u00fchren.<\/p>\n<p>Und so mischen sich auch in P\u00f6lkings Film immer wieder Milit\u00e4raufnahmen unter die Idylle. Noch im Sommer 1944 zeigt der Film Soldaten auf Heimaturlaub, auf Segelbooten in den Masuren. Der August 1944 \u2013 er bietet stabiles Hochsommerwetter mit Temperaturen \u00fcber 30 Grad. Es ist ein Jahrhundertsommer. Es wird der letzte Sommer in Ostpreu\u00dfen sein.<\/p>\n<p>&#8222;Ostpreu\u00dfen \u2013 Entschwundene Welt&#8220;, l\u00e4uft seit dem 15. Mai im Kino. <\/p>\n<p class=\"article-legal-agencies\"><strong>Quelle<\/strong>:<br \/>\nbuten un binnen.\n<\/p>\n<p class=\"article-legal-broadcast-reference\"><strong>Dieses Thema im Programm:<\/strong><br \/>\nbuten un binnen, 23. Dezember 2024, 19:30 Uhr<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Standdatum: 18. Mai 2025. 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