{"id":1214261,"date":"2026-08-04T07:36:17","date_gmt":"2026-08-04T07:36:17","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/1214261\/"},"modified":"2026-08-04T07:36:17","modified_gmt":"2026-08-04T07:36:17","slug":"polen-diese-einmalige-hafenstadt-begeistert-mit-aussergewoehnlicher-architektur","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/1214261\/","title":{"rendered":"Polen: Diese einmalige Hafenstadt begeistert mit au\u00dfergew\u00f6hnlicher Architektur"},"content":{"rendered":"<p>Perfekt f\u00fcr den n\u00e4chsten Kurzurlaub: Vor 100 Jahren machte Polen aus dem Fischerdorf Gdingen eine moderne Hafenstadt. Jetzt wurde sie von der Unesco wegen ihrer wegweisenden Architektur ausgezeichnet.<\/p>\n<p class=\"is-first-paragraph\" data-external=\"Article.FirstParagraph\">Eine Handvoll Bewohner, keine Kirche, Felder, W\u00e4lder, Ostseestrand \u2013 mehr war das kaschubische Fischerdorf Gdingen vor hundert Jahren nicht. Wer diese Vorgeschichte kennt, kommt aus dem Staunen nicht heraus. 1926 erhielt das Dorf Stadtrechte und wuchs binnen weniger Jahre zu Polens ungew\u00f6hnlichster Metropole heran: Nahezu komplett im modernistischen Stil hochgezogen, wurde sie in den 1930er-Jahren Heimat f\u00fcr 127.000 B\u00fcrger, die aus allen Teilen des Landes hergezogen waren, um ihrem 1918 wiedergegr\u00fcndeten Staat einen dauerhaften Zugang zum Meer zu sichern.<\/p>\n<p>Diesen hatte <a class=\"is-link c-block-items__link c-link--rich-text-renderer\" href=\"https:\/\/www.welt.de\/themen\/polen-reisen\/\" data-internal-tracking-enabled=\"true\" data-internal-tracking=\"{&quot;action&quot;:&quot;click&quot;,&quot;label&quot;:&quot;link&quot;,&quot;name&quot;:&quot;Inline Element&quot;,&quot;data&quot;:{&quot;source&quot;:&quot;&quot;,&quot;target&quot;:&quot;https:\/\/www.welt.de\/themen\/polen-reisen\/&quot;,&quot;trackingName&quot;:&quot;&quot;,&quot;trackingLabel&quot;:&quot;&quot;}}\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Polen<\/a> nach dem Ersten Weltkrieg zur\u00fcckerlangt, nachdem das Land 123 Jahre von der Landkarte verschwunden und zwischen Preu\u00dfen (sp\u00e4ter Deutschland), \u00d6sterreich und Russland aufgeteilt worden war. Das kaschubische Nest verschwand bis auf zwei H\u00e4uschen vollst\u00e4ndig. Quasi aus dem Nichts entstand Polens neuer Seehafen. Liefen hier 1923 vier Schiffe an, hatte sich diese Zahl 1936 bereits mehr als vertausendfacht.<\/p>\n<p>Leider wei\u00df au\u00dferhalb Polens kaum jemand von der Einmaligkeit dieser vision\u00e4ren Hafenstadt im maritimen <a class=\"is-link c-block-items__link c-link--rich-text-renderer\" href=\"https:\/\/www.welt.de\/themen\/bauhaus\/\" data-internal-tracking-enabled=\"true\" data-internal-tracking=\"{&quot;action&quot;:&quot;click&quot;,&quot;label&quot;:&quot;link&quot;,&quot;name&quot;:&quot;Inline Element&quot;,&quot;data&quot;:{&quot;source&quot;:&quot;&quot;,&quot;target&quot;:&quot;https:\/\/www.welt.de\/themen\/bauhaus\/&quot;,&quot;trackingName&quot;:&quot;&quot;,&quot;trackingLabel&quot;:&quot;&quot;}}\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Bauhausstil<\/a>. Sie steht im Schatten ihres ber\u00fchmten Nachbarn: W\u00e4hrend Danzig mit Backsteingotik und Hansegeschichte pro Jahr Millionen von Touristen anlockt, wird Gdingen (polnisch: Gdynia, kaschubisch: Gdini\u00f4) oft links liegen gelassen. <\/p>\n<p>Ein Fehler! Denn ein Ort mit so viel au\u00dfergew\u00f6hnlicher Architektur, mit Hafenatmosph\u00e4re und dieser turbulenten Geschichte ist einzigartig. In Sachen Bauhaus-Dichte k\u00f6nnen allenfalls Tel Aviv und Berlin mit Gdingen mithalten.<\/p>\n<p>Seit 27. Juli 2026 ist Gdingen Weltkulturerbe<\/p>\n<p>Erfreulicherweise haben sich Gdingens Vorz\u00fcge inzwischen bis zur <a class=\"is-link c-block-items__link c-link--rich-text-renderer\" href=\"https:\/\/www.welt.de\/themen\/unesco\/\" data-internal-tracking-enabled=\"true\" data-internal-tracking=\"{&quot;action&quot;:&quot;click&quot;,&quot;label&quot;:&quot;link&quot;,&quot;name&quot;:&quot;Inline Element&quot;,&quot;data&quot;:{&quot;source&quot;:&quot;&quot;,&quot;target&quot;:&quot;https:\/\/www.welt.de\/themen\/unesco\/&quot;,&quot;trackingName&quot;:&quot;&quot;,&quot;trackingLabel&quot;:&quot;&quot;}}\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Unesco<\/a> herumgesprochen. Ende Juli 2026 wurde das modernistische Stadtzentrum offiziell zum <a class=\"is-link c-block-items__link c-link--rich-text-renderer\" href=\"https:\/\/www.welt.de\/themen\/weltkulturerbe\/\" data-internal-tracking-enabled=\"true\" data-internal-tracking=\"{&quot;action&quot;:&quot;click&quot;,&quot;label&quot;:&quot;link&quot;,&quot;name&quot;:&quot;Inline Element&quot;,&quot;data&quot;:{&quot;source&quot;:&quot;&quot;,&quot;target&quot;:&quot;https:\/\/www.welt.de\/themen\/weltkulturerbe\/&quot;,&quot;trackingName&quot;:&quot;&quot;,&quot;trackingLabel&quot;:&quot;&quot;}}\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Weltkulturerbe<\/a> ernannt. Die Unesco lobt: \u201eGdynia steht f\u00fcr einen grundlegenden Wandel des St\u00e4dtebaus im fr\u00fchen 20. Jahrhundert und f\u00fcr die Vorstellung einer modernen, gesunden und zukunftsorientierten Stadt.\u201c Mit dem Titel werden also nicht nur die k\u00fchnen Fassaden geehrt, sondern auch jener Pioniergeist, dem die Stadt ihre Existenz verdankt.<\/p>\n<p>Gdingen \u00fcberstand NS-Besatzung, Eroberung durch die Rote Armee und mehr als vier Jahrzehnte Kommunismus \u00fcberraschend unversehrt \u2013 anders als das 1945 zu Klump geschossene Danzig. Rund 450 modernistische Geb\u00e4ude f\u00fcgen sich in Gdingen heute zu einem weltweit einzigartigen Ensemble. <\/p>\n<p>Mit ihren spitzen Ecken, wellenf\u00f6rmigen Balkonen und zum Teil runden Fenstern erinnern sie bewusst an Ozeandampfer. \u201eIn Gdynia werden Schiffe aus Ziegeln und Zement an Land gebaut\u201c, schrieb 1937 der Notar Henryk Chudzinski \u00fcber seine Stadt.<\/p>\n<p>Der Gro\u00dfteil der Bauhaus-H\u00e4user steht an der Swietojanska-Stra\u00dfe und an der Stra\u00dfe des 10. Februar im Zentrum. Sie lassen sich unkompliziert auf eigene Faust erkunden, am besten entlang der drei Hauptrouten des <a class=\"is-link c-block-items__link is-external c-link--rich-text-renderer\" href=\"https:\/\/modernizmgdyni.pl\/en\/gdynia-modernism-trail\" target=\"_blank\" title=\"Link wird in einem neuen Tab ge\u00f6ffnet\" rel=\"nofollow noopener\" data-internal-tracking-enabled=\"true\" data-internal-tracking=\"{&quot;action&quot;:&quot;click&quot;,&quot;label&quot;:&quot;link&quot;,&quot;name&quot;:&quot;Inline Element&quot;,&quot;data&quot;:{&quot;source&quot;:&quot;&quot;,&quot;target&quot;:&quot;https:\/\/modernizmgdyni.pl\/en\/gdynia-modernism-trail&quot;,&quot;trackingName&quot;:&quot;&quot;,&quot;trackingLabel&quot;:&quot;&quot;}}\">Gdynia Modernism Trail<\/a>. Gut gemachte Faltbl\u00e4tter zu den Rundg\u00e4ngen gibt es in der st\u00e4dtischen Touristinformation. <\/p>\n<p>Sie residiert in einem der pr\u00e4chtigsten Bauhausgeb\u00e4ude der Stadt, 1935\/36 errichtet als ZUS-Sozialversicherungsanstalt: ein Siebengeschosser mit gerundeter Fassade an der Stra\u00dfe des 10. Februar Nr. 24. Es wurde 1972 als eines der ersten funktionalistischen Geb\u00e4ude in Polen als Denkmal anerkannt.<\/p>\n<p>\u00dcberall H\u00e4user, die an Ozeandampfer erinnern<\/p>\n<p>Schr\u00e4g gegen\u00fcber das n\u00e4chste Highlight: das Bankowiec-Haus von 1935\/39. Mit seinem runden Turmaufsatz wirkt Gdingens pr\u00e4chtigstes Wohngeb\u00e4ude wie ein eleganter Ozeandampfer. Die Wohnungen messen bis zu 200 Quadratmeter, die Ausstattung mit Aufz\u00fcgen, K\u00fchlschr\u00e4nken, Luftschutzkeller und der ersten Tiefgarage Polens war seinerzeit sensationell. <\/p>\n<p>Im Keller hat eine Bewohnerin, Maria Piradoff-Link, ehrenamtlich ein kleines Museum eingerichtet. Es zeigt originale Ausstattungsst\u00fccke: T\u00fcrgriffe, Briefk\u00e4sten, Badewannen, M\u00f6bel. Vor allem bietet es einen Einblick in den Alltag der damaligen Bewohner: \u201eWir sind kein Museum hinter Glas\u201c, sagt die resolute Mittsiebzigerin, \u201ejedes gerettete Detail erz\u00e4hlt unsere Geschichte \u2013 vom Luxus, den es damals hier gab, bis zum Leid unter der Nazi-Besetzung\u201c. <\/p>\n<p>Mit ihrem Engagement verk\u00f6rpert Piradoff-Link beispielhaft jenen Pioniergeist, der Gdingen einst entstehen lie\u00df. Die F\u00fchrungen durch Haus und Museum, die sie anbietet, sind ein Erlebnis (nur nach Voranmeldung \u00fcber die <a class=\"is-link c-block-items__link is-external c-link--rich-text-renderer\" href=\"https:\/\/www.gdynia.pl\/turystyczna-de\" target=\"_blank\" title=\"Link wird in einem neuen Tab ge\u00f6ffnet\" rel=\"nofollow noopener\" data-internal-tracking-enabled=\"true\" data-internal-tracking=\"{&quot;action&quot;:&quot;click&quot;,&quot;label&quot;:&quot;link&quot;,&quot;name&quot;:&quot;Inline Element&quot;,&quot;data&quot;:{&quot;source&quot;:&quot;&quot;,&quot;target&quot;:&quot;https:\/\/www.gdynia.pl\/turystyczna-de&quot;,&quot;trackingName&quot;:&quot;&quot;,&quot;trackingLabel&quot;:&quot;&quot;}}\">Touristinformation<\/a>).<\/p>\n<p>Im Bankowiec-Haus befindet sich praktischerweise das Caf\u00e9 \u201eCyganeria\u201c \u2013 ein K\u00fcnstlerlokal, 1946 er\u00f6ffnet, mit schlichten M\u00f6beln, coolem Publikum und hausgemachtem Geb\u00e4ck. Piradoff-Link empfiehlt den Sernik Pani Janki, einen herrlich schweren K\u00e4sekuchen, der seit mehr als 40 Jahren nach demselben Rezept gebacken wird.<\/p>\n<p>Auf dem Weg zum S\u00fcdpier lohnen Dutzende Geb\u00e4ude einen Zwischenstopp, etwa die Hauptpost von 1928 \u2013 eckig, rechtwinklig, ornamentlos. Oder das Ogonczyk-Bloch-Mazalon-Wohnhaus an der Swietojanska-Stra\u00dfe 122: Mit seinen abgerundeten Winterg\u00e4rten und wellenf\u00f6rmigen Balkons wirkt es wie ein Passagierschiff. Oder das gelb verklinkerte Jurkowski-Haus am Kosciuszki-Platz 16, das als einziges Wohnhaus in Gdingen Le Corbusiers Prinzip der \u201efreien Fassade\u201c auf allen Etagen umsetzt, mit Fensterb\u00e4ndern auf voller Breite.<\/p>\n<p>Der S\u00fcdpier selbst ist 626 Meter lang, das maritime Herz Gdingens. Der Weg lohnt sich allein schon wegen der frischen Ostseebrise, der kreischenden M\u00f6wen und der vielen gut gelaunten Polen, die bei Wind und Wetter das Meer genie\u00dfen. Sch\u00f6nstes Fotomotiv hier ist das Polnische Seemannshaus mit abgerundeter Front, einer aufgesetzten Br\u00fccke und einem Vordach, das an die Kommandobr\u00fccke eines Ozeandampfers erinnert \u2013 es ist das Paradebeispiel des hiesigen Schiffsstil-Modernismus.<\/p>\n<p>Zum Pflichtprogramm geh\u00f6rt unbedingt die Markthalle: wegen ihres \u00fcppigen Angebots und ihrer einzigartigen Architektur. Die gew\u00f6lbte Haupthalle mit ihren geschwungenen Betonpfeilern und den gro\u00dfen Fensterfl\u00e4chen wirkt wie eine lichtdurchflutete protestantische Kirche, nur dass es hier statt Altar und Kirchenb\u00e4nken Gem\u00fcsest\u00e4nde und Fischtheken gibt. Wer ein essbares lokales Mitbringsel sucht, wird schnell f\u00fcndig \u2013 etwa bei kaschubischem Honig oder getrockneten Steinpilzen aus den W\u00e4ldern der Umgebung.<\/p>\n<p>\u00dcble Kriegsverbrechen der Nazis <\/p>\n<p>Viele Hotels im Stil des Modernismus bietet Gdingen nicht \u2013 aber ein besonders gelungenes: die \u201e<a class=\"is-link c-block-items__link is-external c-link--rich-text-renderer\" href=\"https:\/\/willawincent.pl\/de\" target=\"_blank\" title=\"Link wird in einem neuen Tab ge\u00f6ffnet\" rel=\"nofollow noopener\" data-internal-tracking-enabled=\"true\" data-internal-tracking=\"{&quot;action&quot;:&quot;click&quot;,&quot;label&quot;:&quot;link&quot;,&quot;name&quot;:&quot;Inline Element&quot;,&quot;data&quot;:{&quot;source&quot;:&quot;&quot;,&quot;target&quot;:&quot;https:\/\/willawincent.pl\/de&quot;,&quot;trackingName&quot;:&quot;&quot;,&quot;trackingLabel&quot;:&quot;&quot;}}\">Willa Wincent<\/a>\u201c in einem ruhigen Viertel nahe der Ostsee. Das Haus von 1929 er\u00f6ffnete 2019 als Boutiquehotel. Funktionale M\u00f6bel, schlichtes Geschirr und klar gestaltete R\u00e4ume greifen den polnischen Bauhausstil auf. <\/p>\n<p>Zum Gl\u00fcck sind die Matratzen weniger streng als die Architektur \u2013 n\u00e4mlich angenehm weich. Und das Fr\u00fchst\u00fcck mit R\u00e4ucherfisch, Quark, K\u00e4se, Wurst, kaschubischen Gew\u00fcrzgurken und frisch zubereiteten Eierspeisen ist alles andere als minimalistisch.<\/p>\n<p>Unweit des Hotels steht das st\u00e4dtische Museum, das unbedingt auf das Programm geh\u00f6rt. Es bietet einen hervorragenden \u00dcberblick \u00fcber die Stadtgeschichte, die mit dem deutschen \u00dcberfall auf Polen 1939 j\u00e4h von der Weltgeschichte eingeholt wurde. Hier erf\u00e4hrt man auch, welch ungeheure Dimension die deutschen Kriegsverbrechen in und um Gdingen bereits kurz nach Kriegsbeginn annahmen.<\/p>\n<p>Fast alle Einwohner mussten binnen weniger Wochen ihre Wohnungen r\u00e4umen und durften nur mitnehmen, was sie tragen konnten. Die Stadt wurde von den Nazis in Gotenhafen umbenannt. Polnische Beschriftungen verschwanden, die Hauptverkehrsachse hie\u00df Adolf-Hitler-Stra\u00dfe. <\/p>\n<p>Deutsche aus dem Altreich und deutsche Umsiedler aus Osteuropa, die von den <a class=\"is-link c-block-items__link c-link--rich-text-renderer\" href=\"https:\/\/www.welt.de\/themen\/nationalsozialismus\/\" data-internal-tracking-enabled=\"true\" data-internal-tracking=\"{&quot;action&quot;:&quot;click&quot;,&quot;label&quot;:&quot;link&quot;,&quot;name&quot;:&quot;Inline Element&quot;,&quot;data&quot;:{&quot;source&quot;:&quot;&quot;,&quot;target&quot;:&quot;https:\/\/www.welt.de\/themen\/nationalsozialismus\/&quot;,&quot;trackingName&quot;:&quot;&quot;,&quot;trackingLabel&quot;:&quot;&quot;}}\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Nationalsozialisten<\/a> hierher verfrachtet wurden, bezogen die komplett eingerichteten Wohnungen, die Zehntausende polnische Besitzer hatten zur\u00fccklassen m\u00fcssen. Sie geh\u00f6rten zu den ersten <a class=\"is-link c-block-items__link c-link--rich-text-renderer\" href=\"https:\/\/www.welt.de\/themen\/vertreibung\/\" data-internal-tracking-enabled=\"true\" data-internal-tracking=\"{&quot;action&quot;:&quot;click&quot;,&quot;label&quot;:&quot;link&quot;,&quot;name&quot;:&quot;Inline Element&quot;,&quot;data&quot;:{&quot;source&quot;:&quot;&quot;,&quot;target&quot;:&quot;https:\/\/www.welt.de\/themen\/vertreibung\/&quot;,&quot;trackingName&quot;:&quot;&quot;,&quot;trackingLabel&quot;:&quot;&quot;}}\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Vertriebenen<\/a> des Zweiten Weltkriegs. Zugleich wurde die geistige und wirtschaftliche Elite der Stadt in Konzentrationslager verschleppt oder direkt ermordet.<\/p>\n<p>Das Erbe der Kaschuben wird gepflegt<\/p>\n<p>Das Museum widmet sich au\u00dferdem der kaschubischen Geschichte der Region, von der viele Deutsche wenig Ahnung haben. Hier kann man sein Wissen vertiefen \u2013 und erf\u00e4hrt zum Beispiel, dass Kaschubisch eine eigenst\u00e4ndige, dem Polnischen \u00e4hnliche Sprache mit vielen deutschen Lehnw\u00f6rtern ist, von k\u00f9ch (Kuchen) bis geszeft (Gesch\u00e4ft). Und dass die Kaschubei im Zuge der ersten polnischen Teilung 1772 an Preu\u00dfen fiel, Teil Westpreu\u00dfens war und nach dem Ersten Weltkrieg Polen zugesprochen wurde, das dadurch den eingangs erw\u00e4hnten Meereszugang erhielt.<\/p>\n<p>Obwohl Gdingen mit der Zuwanderung von Neub\u00fcrgern aus ganz Polen nach 1926 seinen kaschubischen Charakter weitgehend verlor, wird das lokale Erbe gepflegt. Die Kaschuben sind eine anerkannte Minderheit. Viele Familien in der Region sprechen bis heute Kaschubisch, Kinder k\u00f6nnen es in der Schule lernen. Wer genau hinschaut, begegnet der Minderheit an vielen Stellen des Alltags: auf Speisekarten, in Buchhandlungen, auf zweisprachigen Ortsschildern. <\/p>\n<p>Weltbekannt wurde die Volksgruppe durch einen Deutschen: <a class=\"is-link c-block-items__link c-link--rich-text-renderer\" href=\"https:\/\/www.welt.de\/themen\/guenter-grass\/\" data-internal-tracking-enabled=\"true\" data-internal-tracking=\"{&quot;action&quot;:&quot;click&quot;,&quot;label&quot;:&quot;link&quot;,&quot;name&quot;:&quot;Inline Element&quot;,&quot;data&quot;:{&quot;source&quot;:&quot;&quot;,&quot;target&quot;:&quot;https:\/\/www.welt.de\/themen\/guenter-grass\/&quot;,&quot;trackingName&quot;:&quot;&quot;,&quot;trackingLabel&quot;:&quot;&quot;}}\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">G\u00fcnter Grass<\/a>. Der sp\u00e4tere Literaturnobelpreistr\u00e4ger, 1927 in Danzig geboren, stammte m\u00fctterlicherseits aus einer kaschubischen Familie und hat die Menschen und Landschaften der Kaschubei immer wieder literarisch verarbeitet. In der \u201eBlechtrommel\u201c spielen kaschubische Figuren eine wichtige Rolle, in den \u201eHundejahren\u201c schildert Grass die von Deutschen, Kaschuben und Polen gepr\u00e4gte Welt in Danzig und Umgebung.<\/p>\n<p>Polnische Spitzenk\u00fcche mit Matjes und Piroggen<\/p>\n<p>In Gdingen kann man in der Starowiejska-Stra\u00dfe noch ein bisschen Kaschubei erleben. Dort steht, umringt von modernistischen Wohnh\u00e4usern, ein Backsteinh\u00e4uschen aus preu\u00dfischer Zeit. Es wurde nicht abgerissen, da hier Antoni Abraham (1869\u20131923) einige Jahre lang lebte, der \u201eK\u00f6nig der Kaschuben\u201c. Der Aktivist setzte sich nach dem Ersten Weltkrieg sehr f\u00fcr die Bewahrung einer kaschubischen Identit\u00e4t als Teil der polnischen Nation ein. Deshalb wird er von Kaschuben und Polen gleicherma\u00dfen gesch\u00e4tzt.<\/p>\n<p>Heute befindet sich in dem Geb\u00e4ude das Restaurant \u201eOberza 86\u201c, eines der besten der Stadt. Gekocht wird polnisch-franz\u00f6sisch, doch es stehen auch regelm\u00e4\u00dfig kaschubische Spezialit\u00e4ten auf der Speisekarte. Unbedingt probieren: Matjes auf Sauerampfer und M\u00f6hren oder Piroggen, gef\u00fcllt mit dicken Bohnen und Petersilie.<\/p>\n<p>Noch mehr kaschubische Gegenwart bietet das \u201eStrych\u201c, eine K\u00fcnstlerkneipe in Gdingens \u00e4ltestem Haus von 1890. Mit antiken M\u00f6beln, historischen Fotos und Oma-Geschirr wird hier regionale Identit\u00e4t gepflegt. Mit etwas Gl\u00fcck h\u00f6rt man Gespr\u00e4chsfetzen auf Kaschubisch oder trifft auf Leute, die sich als Kaschuben verstehen. Das \u201eStrych\u201c zeigt, dass das kaschubische Erbe keine Museumsfolklore ist, sondern weiterlebt.<\/p>\n<p>Wer sich daran erinnert, dass hier vor 100 Jahren noch ein unbedeutendes Fischerdorf stand, versteht die eigentliche Leistung der Kaschuben: Aus ihrer Heimat wurde Polens Tor zur Welt. Ohne sie g\u00e4be es das heutige Gdingen und das modernistische Weltkulturerbe nicht.<\/p>\n<p>Tipps und Informationen<\/p>\n<p>Anreise: Mit dem Eurocity von Berlin nach Gdingen, teilweise mit Umsteigen in Posen\/Poznan. N\u00e4chstgelegener Flughafen ist Danzig\/Gdansk.<\/p>\n<p>Unterkunft: \u201eWilla Wincent\u201c, durchweg im modernistischen Stil, DZ ab 94 Euro, willawincent.pl. \u201eCourtyard by Marriott Gdynia Waterfront\u201c, schn\u00f6rkelloses Haus am Meer, DZ ab 102 Euro, marriott.com.<\/p>\n<p>F\u00fcr Auto- und Radfahrer: Sehr hilfreich f\u00fcr alle, die die Region auf eigene Faust erkunden wollen, ist die dreisprachige Karte \u201eWestpreu\u00dfens Ostseek\u00fcste &amp; Hinterpommerns Osten\u201c mit Gdingen, Danzig und der n\u00f6rdlichen Kaschubei (11,95 Euro, <a class=\"is-link c-block-items__link is-external c-link--rich-text-renderer\" href=\"https:\/\/www.blochplan.de\/p\/landkarten\/hinterpommern-und-westpreussen\/westpreussens-ostseekueste\/\" target=\"_blank\" title=\"Link wird in einem neuen Tab ge\u00f6ffnet\" rel=\"nofollow noopener\" data-internal-tracking-enabled=\"true\" data-internal-tracking=\"{&quot;action&quot;:&quot;click&quot;,&quot;label&quot;:&quot;link&quot;,&quot;name&quot;:&quot;Inline Element&quot;,&quot;data&quot;:{&quot;source&quot;:&quot;&quot;,&quot;target&quot;:&quot;https:\/\/www.blochplan.de\/p\/landkarten\/hinterpommern-und-westpreussen\/westpreussens-ostseekueste\/&quot;,&quot;trackingName&quot;:&quot;&quot;,&quot;trackingLabel&quot;:&quot;&quot;}}\">blochplan.de<\/a>).<\/p>\n<p>Auskunft: Touristische Infos: polen.travel, visit.gdynia.pl, modernizmgdyni.pl\/en\/; St\u00e4dtisches Museum Gdingen: muzeumgdynia.pl. <\/p>\n<p>Die Teilnahme an der Reise wurde unterst\u00fctzt vom Polnischen Fremdenverkehrsamt. Unsere Standards der Transparenz und journalistischen Unabh\u00e4ngigkeit finden Sie unter go2.as\/unabhaengigkeit<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Perfekt f\u00fcr den n\u00e4chsten Kurzurlaub: Vor 100 Jahren machte Polen aus dem Fischerdorf Gdingen eine moderne Hafenstadt. 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