{"id":1214514,"date":"2026-08-04T10:13:20","date_gmt":"2026-08-04T10:13:20","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/1214514\/"},"modified":"2026-08-04T10:13:20","modified_gmt":"2026-08-04T10:13:20","slug":"jahresbericht-der-leipziger-wasserwerke-fuer-2025-wenn-hitze-und-duerre-den-verbrauch-steigen-lassen-%c2%b7-leipziger-zeitung","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/1214514\/","title":{"rendered":"Jahresbericht der Leipziger Wasserwerke f\u00fcr 2025: Wenn Hitze und D\u00fcrre den Verbrauch steigen lassen \u00b7 Leipziger Zeitung"},"content":{"rendered":"<p class=\"translation-notice\">This article is also available in English: <a href=\"https:\/\/www.l-iz.de\/en\/economy\/leipzig-en-en\/2026\/08\/leipzig-waterworks-annual-report-for-2025-heat-drought-drive-up-consumption-666191\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Read this article in English<\/a>.<\/p>\n<p>Eigentlich w\u00e4re es an der Zeit, dass die Leipziger Wasserwerke endlich aufh\u00f6ren herumzujammern, dass die Leipziger \u2013 im Vergleich mit dem Bundesdurchschnitt \u2013 so wenig Wasser verbrauchen. Im j\u00fcngsten Jahresbericht aber haben es die Wasserwerke wieder getan, obwohl sie einen ordentlichen Unternehmensgewinn eingefahren haben, mit dem auch die Unterst\u00fctzung der LVB durch die Stadtholding LVV abgesichert werden konnte. Dabei spielt das Stichwort Klimawandel im Unternehmensbericht durchaus eine Rolle.<\/p>\n<p>Denn Wasserwerke m\u00fcssen schon lange auf die Folgen der ver\u00e4nderten Klimaverh\u00e4ltnisse reagieren und ihre oft \u00fcber 100 Jahre alten Anlagen umbauen und anpassen. Was die Wasserwerke auch tun. Seit ein paar Jahren steht das Ziel, jedes Jahr mindestens 1 Prozent der alten Leitungen (immerhin 3.621 Kilometer lang) zu ersetzen oder \u2013 im Fall der Abwasserkan\u00e4le \u2013 zu sanieren. Jedes Jahr.<img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2026\/08\/031bda760f724547a96f8066ef927c46.gif\" width=\"https:\/\/www.l-iz.de\/wirtschaft\/wirtschaft-leipzig\/2026\/08\/1\" height=\"https:\/\/www.l-iz.de\/wirtschaft\/wirtschaft-leipzig\/2026\/08\/1\" alt=\"\"\/><\/p>\n<p>Und das ist nicht der einzige Ausgabeposten, der sich in der Bilanz des Unternehmens niederschl\u00e4gt: Das Kl\u00e4rwerk im Rosental wird massiv erweitert, um die Abw\u00e4sser einer nach wie vor wachsenden Stadt Leipzig und ihres Einzugsgebiets auch k\u00fcnftig aufnehmen zu k\u00f6nnen und auch f\u00fcr Starkregenereignisse ger\u00fcstet zu sein.<\/p>\n<p>Von den 124,7 Millionen Euro, die die Wasserwerke 2025 investiert haben, wurden allein 89,3 Millionen Euro in das Trink- und Abwassernetz investiert. 28,7 Millionen Euro flossen in die Werksanlagen \u2013 davon 7 Millionen in die Wasserwerke in Thallwitz und Canitz, die das Trinkwasser der Leipziger aus dem Muldegebiet nach Probstheida liefern, 21,7 Millionen Euro flossen in die Kl\u00e4rwerke \u2013 der L\u00f6wenanteil davon in das Kl\u00e4rwerk Rosental.<\/p>\n<p>Wasserwerk im Klimawandel<\/p>\n<p>Aber auch das Thema Schwammstadt besch\u00e4ftigt die Wasserwerke. Das klingt im Bericht so: \u201eDer Klimawandel, und die damit einhergehende Zunahme von Hitzeperioden und Starkregenereignissen f\u00fchren zu einem noch st\u00e4rkeren Fokus auf die Anpassung der wasserwirtschaftlichen Infrastrukturen an diese Entwicklung. Das Thema \u201aSchwammstadt\u2018 als Reaktion auf die ver\u00e4nderten Bedingungen wird weiter an Bedeutung gewinnen.\u201c<\/p>\n<p>S\u00e4tze, die in die sch\u00f6ne Rubrik Schwamms\u00e4tze geh\u00f6ren. Konkreter wird es leider nicht. Aber auch die Wasserwerke m\u00fcssen ihren Teil daf\u00fcr tun, das kostbare Regenwasser st\u00e4rker im Stadtgebiet zur\u00fcckzuhalten. Und gleichzeitig m\u00fcssen die Abwasserkan\u00e4le so gesteuert werden, dass sie auch die Starkregen-Wassermengen aufnehmen k\u00f6nnen, ohne dass das Kl\u00e4rwerk im Rosental gleich geflutet wird. Eine Steuerung, die es in der 120-j\u00e4hrigen Geschichte der Leipziger Wasserwerke so nicht brauchte. Das erzwingen erst die heutigen Wetterextreme.<\/p>\n<p>Gestiegener Trinkwasserverbrauch<\/p>\n<p>Aber wie ist das nun mit dem Trinkwasserverbrauch der Leipzigerinnen und Leipziger? Waschen sie sich zu wenig?<\/p>\n<p>Wahrscheinlich nicht. Immerhin setzten die Leipziger Wasserwerke im vergangenen Jahr 33,3 Millionen Kubikmeter Trinkwasser ab, 25 Millionen Kubikmeter davon an die Bev\u00f6lkerung und das Kleingewerbe und 4,3 Millionen an die Industrie und die Landwirtschaft. Geplant hatte man nur mit 32,8 Millionen Kubikmetern. Das hei\u00dft: Die Leipziger haben im Schnitt sogar mehr Trinkwasser verbraucht.<\/p>\n<p>Aus Sicht des Unternehmens irgendwie trotzdem nicht genug: \u201eSo lag der Pro-Kopf-Tagesverbrauch im Versorgungsgebiet 1993 noch bei 115 Litern. Im Vergleich mit<a href=\"http:\/\/www.bdew.de\/service\/daten-und-grafiken\/trinkwassergebrauch-und-abgabe\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener nofollow\"> dem f\u00fcr 2025 durch den Bundesverband der Energie- und Wasserwirtschaft e.V. (BDEW) festgestellten bundesdeutschen Durchschnittswert<\/a> von 123 Litern pro Person und Tag entspricht die Nutzung im Versorgungsgebiet der Wasserwerke mit 96 Litern pro Einwohner und Tag einem um 22 % geringeren Durchschnittsverbrauch. Der Durchschnittsverbrauch ist im zweiten Jahr in Folge gegen\u00fcber dem Vorjahr gestiegen. Der Anstieg bel\u00e4uft sich auf drei Liter pro Person und Tag, wobei dieser Wert teilweise durch statistische Effekte beeinflusst wird.\u201c<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2026\/08\/wasserverbrauch.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-666170 size-full\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2026\/08\/wasserverbrauch.jpg\" alt=\"Durchschnittlicher Wasserverbrauch nach Bundesl\u00e4ndern pro Kopf und Tag 2023. Karte: BDEW\" width=\"2250\" height=\"1500\"  \/><\/a>Durchschnittlicher Wasserverbrauch nach Bundesl\u00e4ndern pro Kopf und Tag 2023. Karte: BDEW<\/p>\n<p>Der Blick auf den Wasserverbrauch nach Bundesl\u00e4ndern des BDEW mit den Daten von 2023 zeigt: Leipzig ist zumindest in den Bundesl\u00e4ndern Sachsen, Th\u00fcringen und Sachsen-Anhalt keine Ausnahme. Sie alle haben einen Pro-Kopf-Verbrauch deutlich unter 100 Litern am Tag. Und auch Brandenburg, Berlin und Mecklenburg-Vorpommern liegen signifikant unter dem Bundesdurchschnitt. Was zumindest die Vermutung nahelegt, dass der Trinkwasserverbrauch schlicht eine Geldfrage ist und die meisten Ostdeutschen aus guten Gr\u00fcnden m\u00f6glichst sparsam beim Wasserverbrauch sind.<\/p>\n<p>Einfluss von Hitze und D\u00fcrre<\/p>\n<p>Es sind aber nicht nur statistische Effekte, die den Wasserverbrauch in Leipzig seit 2020 haben ansteigen lassen. Das Wetter macht inzwischen auch die Arbeit der Wasserwerke schwerer kalkulierbar. Der Jahresbericht formuliert das so: \u201eIn dem Zeitraum der vergangenen f\u00fcnf Jahre hat sich aufgrund der stark zunehmenden Trockenheit auch sehr deutlich gezeigt, wie stark wetterabh\u00e4ngig die Wasserabgabe tats\u00e4chlich ist. Dieser Fakt und steigende Absatzspitzen wirken sich auf die Auslastung der technischen Anlagen der Wasserwerke aus.\u201c<\/p>\n<p>Die zunehmenden Hitze- und D\u00fcrreperioden lassen also auch in Leipzig den Wasserverbrauch deutlich steigen. Und bringen den Wasserwerken logischerweise auch h\u00f6here Ums\u00e4tze, da sie ja mehr Trinkwasser absetzen k\u00f6nnen. Geplant hatten sie zwar mit 225 Millionen Euro, aber R\u00fcckstellungen wegen m\u00f6glichen Umsatzrisikos in H\u00f6he von 25 Millionen Euro haben das Ergebnis gedr\u00fcckt. So wurden es nur 209 Millionen Euro nach fast 214 Millionen Euro im Vorjahr.<\/p>\n<p>Was aber nichts daran \u00e4ndert, dass die Leipziger Wasserwerke eine halbe Million Kubikmeter Trinkwasser mehr verkauft haben als im Vorjahr. Und das ist der eigentliche Faktor, der dazu gef\u00fchrt hat, dass auch der Gewinn des Unternehmens weiter hoch blieb \u2013 geplant hatte man mit 32,2 Millionen Euro, geworden sind es aber 37,3 Millionen. Freilich etwas weniger als 2024, als es 39,5 Millionen Euro waren.<\/p>\n<p>Aber steigender Trinkwasserverbrauch bedeutet nun einmal auch, dass in den Wasserwerken mehr Wasser aus den Brunnen gepumpt werden muss. Ein zweischneidiges Schwert, wie nicht erst im Jahr 2026 die niedrigen Wasserst\u00e4nde in den Fl\u00fcssen und der gesunkene Grundwasserspiegel zeigen. Wasser wird ein zunehmend knappes Gut. Weltweit, wie Mojib Latif in seinem j\u00fcngsten Buch <a href=\"http:\/\/www.l-iz.de\/bildung\/buecher\/2026\/07\/wasser-gewaltige-sorgen-lebendiges-nass-664280\" target=\"_blank\" rel=\"noopener nofollow\">\u201eWasser\u201c<\/a> beschreibt. Neu ist lediglich, dass jetzt auch mitteleurop\u00e4ische Regionen zunehmend von Wasserknappheit betroffen sind, die dieses Problem bisher nicht kannten.<\/p>\n<p>Da werden wohl auch die Leipziger Wasserwerke irgendwann ihre Einsch\u00e4tzung des scheinbar zu geringen Wasserverbrauchs in Leipzig \u00e4ndern.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"This article is also available in English: Read this article in English. 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