{"id":1216127,"date":"2026-08-05T02:35:22","date_gmt":"2026-08-05T02:35:22","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/1216127\/"},"modified":"2026-08-05T02:35:22","modified_gmt":"2026-08-05T02:35:22","slug":"die-schmach-von-stuttgart","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/1216127\/","title":{"rendered":"Die Schmach von Stuttgart"},"content":{"rendered":"<p><img loading=\"lazy\" src=\"https:\/\/www.t-online.de\/s\/paper\/_next\/static\/media\/audio-volume.6689034c.svg\" alt=\"\" title=\"\" class=\"block h-[calc(var(--height)_\/_16_*_1rem)] w-[calc(var(--width)_\/_16_*_1rem)] max-w-none group-hover:brightness-0 group-hover:invert\" style=\"--width:16;--height:16\" decoding=\"async\"\/>Vorlesen<\/p>\n<p>Aktuelle Zeit:0:00Gesamtdauer:0:00<\/p>\n<p>1x<\/p>\n<p class=\"text-center\">Jetzt neu bei t-online:<\/p>\n<p class=\"text-center\">Schriftgr\u00f6\u00dfe anpassen!<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" src=\"https:\/\/www.t-online.de\/s\/paper\/_next\/static\/media\/font-sizes.32942e33.svg\" alt=\"\" title=\"\" class=\"block h-[calc(var(--height)_\/_16_*_1rem)] w-[calc(var(--width)_\/_16_*_1rem)] max-w-none group-hover:hidden group-aria-expanded:hidden\" style=\"--width:16;--height:16\" decoding=\"async\"\/><img loading=\"lazy\" src=\"https:\/\/www.t-online.de\/s\/paper\/_next\/static\/media\/font-sizes-dark-mode.e382645c.svg\" alt=\"\" title=\"\" class=\"block h-[calc(var(--height)_\/_16_*_1rem)] w-[calc(var(--width)_\/_16_*_1rem)] max-w-none hidden group-hover:block group-aria-expanded:block\" style=\"--width:16;--height:16\" decoding=\"async\"\/><img loading=\"lazy\" src=\"https:\/\/www.t-online.de\/s\/paper\/_next\/static\/media\/sharing-menu-icon.1eb71368.svg\" alt=\"\" title=\"\" class=\"block h-[calc(var(--height)_\/_16_*_1rem)] w-[calc(var(--width)_\/_16_*_1rem)] max-w-none group-hover:brightness-0 group-hover:invert\" style=\"--width:16;--height:16\" decoding=\"async\"\/>Artikel teilen<\/p>\n<p class=\"font-bold text-18 leading-17 user-text-lg:text-22 user-text-xl:text-24\"><strong class=\"font-bold\">Guten Morgen, liebe Leserin, lieber Leser,<\/strong><\/p>\n<p class=\"text-18 leading-17 user-text-lg:text-22 user-text-xl:text-24\"><strong class=\"font-bold\">Rente, Steuern, Bundeswehr, Gesundheitssystem: <\/strong>Deutschland tut sich schwer mit Reformen, und auch auf anderen Dauerbaustellen geht es nur schleppend voran. Das bekannteste Gro\u00dfprojekt, das den deutschen Stillstand symbolisiert, beschert der Republik an diesem Mittwoch ein unr\u00fchmliches Jubil\u00e4um: Heute vor zw\u00f6lf Jahren, am <strong class=\"font-bold\">5. August 2014,<\/strong> begann der Erdaushub f\u00fcr die Baugrube des Tiefbahnhofs <strong class=\"font-bold\">Stuttgart 21. <\/strong>Bagger rissen in den Schlossgarten 25 L\u00f6cher, die sie anschlie\u00dfend zu einem 900 Meter langen, 100 Meter breiten Becken verbanden und so das Herz der Schwabenmetropole aush\u00f6hlten. Schon damals gab es vehemente Proteste aus der selbstbewussten Stadtgesellschaft, doch Landespolitiker, B\u00fcrgermeister und Bahnmanager feierten den &#8222;historischen Tag&#8220;.<\/p>\n<p class=\"text-18 leading-17 user-text-lg:text-22 user-text-xl:text-24\"><strong class=\"font-bold\">Zw\u00f6lf Jahre sp\u00e4ter feiert niemand mehr.<\/strong> Stuttgart 21 ist zur Milliardenfalle verkommen, zum st\u00e4dtebaulichen Schandfleck und zur Mahnung, wie man Bauprojekte blo\u00df nicht anpacken sollte. Die Kosten sind von <strong class=\"font-bold\">2,5<\/strong> auf <strong class=\"font-bold\">14,5 Milliarden Euro<\/strong> explodiert, und das ist vermutlich noch nicht das Ende. Statt wie geplant <strong class=\"font-bold\">2019<\/strong> d\u00fcrfte der Bahnhof fr\u00fchestens <strong class=\"font-bold\">2031<\/strong> in Betrieb gehen, und noch nicht einmal das ist sicher. Dann jedoch k\u00f6nnte die Anlage bereits zu klein sein. Fachleute warnen, dass der neue Durchgangsbahnhof f\u00fcr den wachsenden Schienenverkehr nicht ger\u00fcstet sein wird \u2013 der bundesweite &#8222;Deutschlandtakt&#8220; k\u00f6nnte ausgerechnet in Stuttgart an <strong class=\"font-bold\">Kapazit\u00e4tsengp\u00e4ssen<\/strong> scheitern. Damit w\u00e4re das zentrale Versprechen des Projekts obsolet. Ein Debakel.<\/p>\n<p class=\"text-18 leading-17 user-text-lg:text-22 user-text-xl:text-24\"><strong class=\"font-bold\">Es ist keinesfalls so, dass das nicht absehbar gewesen w\u00e4re, im Gegenteil.<\/strong> Schon sechs Jahre vor Baubeginn prognostizierte eine Studie im Auftrag von Umweltsch\u00fctzern Gesamtkosten von knapp neun Milliarden Euro \u2013 eine Zahl, zu der sich die offiziellen Sch\u00e4tzer erst <strong class=\"font-bold\">zehn Jahre sp\u00e4ter<\/strong> durchrangen. Auch in den folgenden Jahren warnten Kritiker vor den zahlreichen Risiken, vom t\u00fcckischen Anhydrit-Gestein bis zum Grundwasser. Findige Ingenieure entwarfen alternative Bahnhofskonzepte, allesamt g\u00fcnstiger und weniger komplex. Es half alles nichts. Politiker und Bahnmanager boxten ihr <strong class=\"font-bold\">&#8222;Lieblingsprojektle&#8220;<\/strong> durch und hielten auch dann daran fest, als es ihnen \u00fcber den Kopf wuchs. Schlie\u00dflich lockten \u00fcppige Immobiliengewinne aus den verh\u00f6kerten Bahnfl\u00e4chen.<\/p>\n<p class=\"text-18 leading-17 user-text-lg:text-22 user-text-xl:text-24\"><strong class=\"font-bold\">Heute gleicht die Stuttgarter Innenstadt einem Sandkasten, durch den eine Horde Halbstarker gestampft ist:<\/strong> \u00fcberall L\u00f6cher, R\u00f6hren, Ger\u00fcste und Schutt. Drumherum stehen gesichtslose Betonkl\u00f6tze, die Banken, B\u00fcros und Versicherungen beherbergen, nachts mausetot. Als geb\u00fcrtiger Stuttgarter habe ich meine Heimatstadt schon vor vielen Jahren verlassen, und bedauere es nicht. Eine Stadt, die ihr Herz verliert, b\u00fc\u00dft auch ihre Anziehungskraft ein. Knapp 200 Jahre ist es her, dass der Stuttgarter Dichter <strong class=\"font-bold\">Wilhelm Hauff<\/strong> in seinem M\u00e4rchen <strong class=\"font-bold\">&#8222;Das kalte Herz&#8220;<\/strong> erz\u00e4hlte, wie ein armer Kohlenbrenner sein Herz verkaufte, um reich zu werden \u2013 und es sp\u00e4ter bitter bereute. Leider hat man in Stuttgart nichts daraus gelernt. Das ist umso bitterer, als dort immer noch einige der liebenswertesten Menschen leben, die ich kenne. Aber sie m\u00fcssen viel aushalten.<\/p>\n<p><a href=\"#focus-1\" class=\"transition-colors block text-current relative\" data-sctrack=\"FocusGalleryImage.Reference\"><img   loading=\"lazy\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2026\/08\/in-stuttgart-fluechtet-man-sich-in-galgenhumor.jpg\" alt=\"In Stuttgart fl\u00fcchtet man sich in Galgenhumor.\" title=\"In Stuttgart fl\u00fcchtet man sich in Galgenhumor.\" width=\"8192\" height=\"5464\" class=\"h-full w-full max-w-full rounded-8\" decoding=\"async\"\/><img loading=\"lazy\" src=\"https:\/\/www.t-online.de\/s\/paper\/_next\/static\/media\/zoom-in.f7dae02f.svg\" alt=\"Vergr\u00f6\u00dfern des Bildes\" title=\"Vergr\u00f6\u00dfern des Bildes\" class=\"block h-[calc(var(--height)_\/_16_*_1rem)] w-[calc(var(--width)_\/_16_*_1rem)] max-w-none absolute right-8 bottom-8 rounded-4 bg-snow p-8\" style=\"--width:32;--height:32\" decoding=\"async\"\/>In Stuttgart fl\u00fcchtet man sich in Galgenhumor. (Quelle: Imago Images)<\/a><\/p>\n<p class=\"text-18 leading-17 user-text-lg:text-22 user-text-xl:text-24\"><strong class=\"font-bold\">Neben dem Hauptstadtflughafen BER und dem Hamburger Elbtower reiht sich Stuttgart 21 in die Riege verkorkster deutscher Gro\u00dfprojekte ein.<\/strong> Mit dem Unterschied, dass in der baden-w\u00fcrttembergischen Landeshauptstadt ernsthafte Zweifel bestehen, ob sich die horrenden Baukosten jemals rentieren werden. Wie krass die Fehlplanung ausf\u00e4llt, zeigt ein Vergleich mit internationalen Bauprojekten. W\u00e4hrend man in Stuttgart fr\u00f6hlich vor sich hin dilettierte, wurde \u2026<\/p>\n<ul class=\"text-18 leading-17 block pl-24 *:pb-16 *:before:inline-block *:before:size-8 *:before:bg-magenta *:before:mt-0 *:before:mr-12 *:before:mb-2 *:before:-ml-[20px]\">\n<li>unter dem <strong class=\"font-bold\">Schweizer<\/strong> Gotthardmassiv der mit 57 Kilometern l\u00e4ngste Eisenbahntunnel der Welt ein Jahr fr\u00fcher als geplant er\u00f6ffnet,<\/li>\n<li>in <strong class=\"font-bold\">London<\/strong> mit der Crossrail-Elizabeth-Line eines der gr\u00f6\u00dften Bahnprojekte Europas mit 117 Kilometern Strecke, 41 Stationen und aufwendigen Tunnelbohrungen unter der Innenstadt umgesetzt,<\/li>\n<li>in <strong class=\"font-bold\">Paris<\/strong> das Metro-Netz verdoppelt und damit ein Ballungsgebiet mit mehr als 11 Millionen Einwohnern angeschlossen,<\/li>\n<li>in <strong class=\"font-bold\">D\u00e4nemark<\/strong> der mit 18 Kilometern weltweit l\u00e4ngste kombinierte Stra\u00dfen- und Schienentunnel unter dem Fehmarnbelt gebohrt und 30 Einw\u00e4nde gegen das Projekt vom Parlament ruckzuck ausger\u00e4umt (auf deutscher Seite waren es 12.600 Einw\u00e4nde und der Genehmigungsprozess dauerte f\u00fcnf Jahre l\u00e4nger),<\/li>\n<li>in der <strong class=\"font-bold\">T\u00fcrkei<\/strong> Europas gr\u00f6\u00dftes Staudamm- und Wasserkraftwerk inklusive neuer Br\u00fccke und Autobahn errichtet.<\/li>\n<li>Ach ja, und die <strong class=\"font-bold\">Chinesen<\/strong> haben allein zwischen 2021 und 2024 rund 10.000 Kilometer neue Hochgeschwindigkeitsstrecken in Betrieb genommen, w\u00e4hrend in Stuttgart nach zw\u00f6lf Jahren Bauzeit immer noch kein Zug durch den Tiefbahnhof gezuckelt ist.<\/li>\n<\/ul>\n<p class=\"text-18 leading-17 user-text-lg:text-22 user-text-xl:text-24\"><strong class=\"font-bold\">Es ist eine Schmach, und sie trifft nicht nur die leidgepr\u00fcften Stuttgarter, sondern die ganze Republik. <\/strong>Das einstige Wirtschaftswunderland hat sich zum wunderlichen Schneckentempoland gewandelt, in dem so vieles nicht mehr funktioniert, was fr\u00fcher verl\u00e4sslich funktionierte: stringent planen, schnell bauen, globale Standards beim Verkehr setzen. &#8222;Mit dem Wissen von heute w\u00fcrde man Stuttgart 21 nicht mehr bauen&#8220;, r\u00e4umte schon vor acht Jahren der damalige Bahnchef <strong class=\"font-bold\">Richard Lutz<\/strong> ein.<\/p>\n<p class=\"text-18 leading-17 user-text-lg:text-22 user-text-xl:text-24\"><strong class=\"font-bold\">Eine nonchalante Bankrotterkl\u00e4rung.<\/strong> Neben Lutz stehen auf der unr\u00fchmlichen Gr\u00fcndungstafel des Projekts die Namen der Bahnmanager <strong class=\"font-bold\">Heinz D\u00fcrr, Hartmut Mehdorn <\/strong>und<strong class=\"font-bold\"> R\u00fcdiger Grube <\/strong>sowie die der CDU-Politiker <strong class=\"font-bold\">Erwin Teufel, Manfred Rommel, Matthias Wissmann, Hermann Schaufler <\/strong>und<strong class=\"font-bold\"> G\u00fcnther Oettinger.<\/strong> Auch der ehemalige SPD-Verkehrsminister <strong class=\"font-bold\">Wolfgang Tiefensee <\/strong>ist dabei. Allen haftet der Vorwurf an, dass sie offensichtliche Risiken ignorierten und eilfertig ein Luftschloss bauten. Der deutsche B\u00fcrokratismus kam hinzu, von ausufernden Umweltschutzvorgaben bis zu kafkaesken Planungsfeststellungsregeln. In Deutschland braucht man eine Genehmigung, um eine Genehmigung zu bekommen.<\/p>\n<p><img alt=\"Bild des Newsletters tagesanbruch\" data-testid=\"NewsletterWidget.Image\" loading=\"lazy\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2026\/08\/tagesanbruch_4x5.jpg\" title=\"Bild des Newsletters tagesanbruch\" width=\"1\" height=\"1\" class=\"absolute top-0 size-full max-w-full object-cover\" decoding=\"async\"\/><\/p>\n<p class=\"font-serif font-medium text-salemsfur italic max-md:pb-4 text-18 max-md:text-24\">Tagesanbruch \u2013 Der Newsletter f\u00fcr den Wissensvorsprung<\/p>\n<p class=\"text-14 leading-15 max-md:hidden hidden\">Die Analyse zu den Themen, die Deutschland bewegen \u2013 kostenlos abonnieren.<\/p>\n<p><a href=\"#focus-2\" class=\"transition-colors block text-current relative\" data-sctrack=\"FocusGalleryImage.Reference\"><img   loading=\"lazy\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2026\/08\/bahnchefin-palla-und-ministerpraesident-oezdemir-muessen-das-desaster-ihrer-vorgaenger-ausbaden.jpg\" alt=\"Bahnchefin Palla und Ministerpr\u00e4sident \u00d6zdemir m\u00fcssen das Desaster ihrer Vorg\u00e4nger ausbaden.\" title=\"Bahnchefin Palla und Ministerpr\u00e4sident \u00d6zdemir m\u00fcssen das Desaster ihrer Vorg\u00e4nger ausbaden.\" width=\"6505\" height=\"4337\" class=\"h-full w-full max-w-full rounded-8\" decoding=\"async\"\/><img loading=\"lazy\" src=\"https:\/\/www.t-online.de\/s\/paper\/_next\/static\/media\/zoom-in.f7dae02f.svg\" alt=\"Vergr\u00f6\u00dfern des Bildes\" title=\"Vergr\u00f6\u00dfern des Bildes\" class=\"block h-[calc(var(--height)_\/_16_*_1rem)] w-[calc(var(--width)_\/_16_*_1rem)] max-w-none absolute right-8 bottom-8 rounded-4 bg-snow p-8\" style=\"--width:32;--height:32\" decoding=\"async\"\/>Bahnchefin Palla und Ministerpr\u00e4sident \u00d6zdemir m\u00fcssen das Desaster ihrer Vorg\u00e4nger ausbaden. (Quelle: Imago Images)<\/a><\/p>\n<p class=\"text-18 leading-17 user-text-lg:text-22 user-text-xl:text-24\"><strong class=\"font-bold\">Deshalb ist Stuttgart 21 kein Unfall, sondern ein Lehrst\u00fcck. <\/strong>Ein Schildb\u00fcrgerstreich, bei dem man zu Beginn zu billig gerechnet, dann Warnungen ausgesessen, die Verantwortung verwischt und sich in Verfahren verheddert hat \u2013 und nun aus Trotz zu Ende baut, was eigentlich niemand mehr haben will.<\/p>\n<p class=\"text-18 leading-17 user-text-lg:text-22 user-text-xl:text-24\"><strong class=\"font-bold\">Dass es auch anders geht, beweisen nicht nur die erfolgreichen Gro\u00dfprojekte in anderen L\u00e4ndern, es d\u00e4mmert auch immer mehr Politikern und B\u00fcrokraten hierzulande.<\/strong> Gegen \u00dcberheblichkeit und Ignoranz kann zwar auch er nichts ausrichten, doch immerhin versucht <strong class=\"font-bold\">Karsten Wildberger<\/strong> als Bundesminister f\u00fcr Staatsmodernisierung, Schneisen ins deutsche B\u00fcrokratiedickicht zu schlagen. Wom\u00f6glich ist er damit der wichtigste Aktivposten im Kabinett von Friedrich Merz.<\/p>\n<p class=\"text-18 leading-17 user-text-lg:text-22 user-text-xl:text-24\"><strong class=\"font-bold\">Unterm Strich sollte das Stuttgarter Drama allen Zeitgenossen eine Lehre sein. <\/strong>Daher hier <strong class=\"font-bold\">f\u00fcnf Vorschl\u00e4ge,<\/strong> was bei Gro\u00dfprojekten k\u00fcnftig anders gemacht werden muss:<\/p>\n<p class=\"text-18 leading-17 user-text-lg:text-22 user-text-xl:text-24\"><strong class=\"font-bold\">Erstens:<\/strong> Bauprojekte d\u00fcrfen nicht mit Sch\u00f6nwetterzahlen beschlossen werden. N\u00f6tig ist eine gesetzlich verankerte, unabh\u00e4ngige Kostenpr\u00fcfung vor dem Beschluss \u2013 mit einem realistischen Risikoaufschlag auf Basis empirischer Vergleichsprojekte. Wer politisch f\u00fcr ein Projekt wirbt, muss die wahrscheinlichen, nicht die sch\u00f6nsten Kosten nennen.<\/p>\n<p class=\"text-18 leading-17 user-text-lg:text-22 user-text-xl:text-24\"><strong class=\"font-bold\">Zweitens:<\/strong> Warnungen von Bundesrechnungshof, Gutachtern und engagierten B\u00fcrgern m\u00fcssen mehr sein als geduldiges Papier. Wer trotz dokumentierter Einw\u00e4nde einfach weiterbaut und Steuergeld ausgibt, sollte das in transparenten Verfahren \u00f6ffentlich rechtfertigen m\u00fcssen.<\/p>\n<p class=\"text-18 leading-17 user-text-lg:text-22 user-text-xl:text-24\"><strong class=\"font-bold\">Drittens:<\/strong> Statt immer neuer Plan\u00e4nderungen braucht es vor Baubeginn eine breite B\u00fcrgerbeteiligung, danach klare Fristen und parallele statt hintereinander geschaltete Genehmigungsschritte. Schnelleres Bauen entsteht nicht durch weniger Beteiligung, sondern durch Beteiligung zum richtigen Zeitpunkt \u2013 bevor die Bagger rollen, nicht mittendrin.<\/p>\n<p class=\"text-18 leading-17 user-text-lg:text-22 user-text-xl:text-24\"><strong class=\"font-bold\">Viertens:<\/strong> Wer die Mehrkosten tr\u00e4gt, muss vertraglich eindeutig geregelt sein, bevor der erste Spatenstich erfolgt \u2013 nicht erst durch ein Gerichtsurteil nach 15 Jahren. Klare Haftung erzeugt Kostendisziplin.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Vorlesen Aktuelle Zeit:0:00Gesamtdauer:0:00 1x Jetzt neu bei t-online: Schriftgr\u00f6\u00dfe anpassen! 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