{"id":1217365,"date":"2026-08-05T15:20:21","date_gmt":"2026-08-05T15:20:21","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/1217365\/"},"modified":"2026-08-05T15:20:21","modified_gmt":"2026-08-05T15:20:21","slug":"frueherer-russland-botschafter-kiew-nutzt-aus-dass-sich-eine-einstige-staerke-russlands-in-eine-schwaeche-verwandelt-hat","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/1217365\/","title":{"rendered":"Fr\u00fcherer Russland-Botschafter: \u201eKiew nutzt aus, dass sich eine einstige St\u00e4rke Russlands in eine Schw\u00e4che verwandelt hat\u201c"},"content":{"rendered":"<p>Alexander Graf Lambsdorff hat als Botschafter in Moskau besondere Einblicke in die Machtstrukturen des Kremls gewonnen. Im Podcast \u201eRonzheimer\u201c zieht der Diplomat Bilanz \u2013 und sieht einen wunden Punkt, der im Krieg zunehmend zum Nachteil f\u00fcr Putin wird.<\/p>\n<p class=\"is-first-paragraph\" data-external=\"Article.FirstParagraph\">Drei Jahre lang war Alexander Graf Lambsdorff der <a class=\"is-link c-block-items__link c-link--rich-text-renderer\" href=\"https:\/\/www.welt.de\/politik\/ausland\/article6a5a2049bb3fbf9dba987b38\/deutscher-botschafter-lambsdorff-tritt-ab-fuerchte-dass-nochmal-russen-im-groesseren-massstab-eingezogen-werden-koennten.html\" data-internal-tracking-enabled=\"true\" data-internal-tracking=\"{&quot;action&quot;:&quot;click&quot;,&quot;label&quot;:&quot;link&quot;,&quot;name&quot;:&quot;Inline Element&quot;,&quot;data&quot;:{&quot;source&quot;:&quot;&quot;,&quot;target&quot;:&quot;https:\/\/www.welt.de\/politik\/ausland\/article6a5a2049bb3fbf9dba987b38\/deutscher-botschafter-lambsdorff-tritt-ab-fuerchte-dass-nochmal-russen-im-groesseren-massstab-eingezogen-werden-koennten.html&quot;,&quot;trackingName&quot;:&quot;&quot;,&quot;trackingLabel&quot;:&quot;&quot;}}\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Botschafter der Bundesrepublik Deutschland in der Russischen F\u00f6deration<\/a>. Drei Jahre lang schickte er detaillierte Berichte \u00fcber den autorit\u00e4ren russischen Machtapparat nach Berlin \u2013 und stand unter Beobachtung des russischen Geheimdienstes.<\/p>\n<p>Nun tritt der deutsche Top-Diplomat seinen Botschafterposten in Israel an. Im <a class=\"is-link c-block-items__link is-external c-link--rich-text-renderer\" href=\"https:\/\/www.youtube.com\/watch?v=_xjHIkOLC7k\" target=\"_blank\" title=\"Link wird in einem neuen Tab ge\u00f6ffnet\" rel=\"nofollow noopener\" data-internal-tracking-enabled=\"true\" data-internal-tracking=\"{&quot;action&quot;:&quot;click&quot;,&quot;label&quot;:&quot;link&quot;,&quot;name&quot;:&quot;Inline Element&quot;,&quot;data&quot;:{&quot;source&quot;:&quot;&quot;,&quot;target&quot;:&quot;https:\/\/www.youtube.com\/watch?v=_xjHIkOLC7k&quot;,&quot;trackingName&quot;:&quot;&quot;,&quot;trackingLabel&quot;:&quot;&quot;}}\">Podcast von Paul Ronzheimer<\/a>,<b> <\/b>stellvertretender \u201eBild\u201c-Chefredakteur und Mitglied des Axel Springer Global Reporters Network, gab Lambsdorff Einblicke in<b> <\/b>seine Zeit in Russland. In dem Gespr\u00e4ch zeichnete er das Bild eines Landes, in dem die staatliche \u00dcberwachung enorme Dimensionen angenommen hat \u2013 und nichts auf einen Abschied Putins hindeutet. <\/p>\n<p>Den russischen Pr\u00e4sidenten Wladimir Putin lernte Lambsdorff bei der \u00dcbergabe seines Beglaubigungsschreibens kennen. \u201eEr wirkte entschlossen, er ist k\u00f6rperlich gut beieinander. Man liest ja immer mal wieder in deutschen Medien, <a class=\"is-link c-block-items__link c-link--rich-text-renderer\" href=\"https:\/\/www.welt.de\/politik\/ausland\/article691eb131800234221d23c161\/wladimir-putin-spricht-ueber-gesundheitszustand-und-untersuchungen-im-krankenhaus.html\" data-internal-tracking-enabled=\"true\" data-internal-tracking=\"{&quot;action&quot;:&quot;click&quot;,&quot;label&quot;:&quot;link&quot;,&quot;name&quot;:&quot;Inline Element&quot;,&quot;data&quot;:{&quot;source&quot;:&quot;&quot;,&quot;target&quot;:&quot;https:\/\/www.welt.de\/politik\/ausland\/article691eb131800234221d23c161\/wladimir-putin-spricht-ueber-gesundheitszustand-und-untersuchungen-im-krankenhaus.html&quot;,&quot;trackingName&quot;:&quot;&quot;,&quot;trackingLabel&quot;:&quot;&quot;}}\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">dass er diese Krankheit oder jene Krankheit haben soll <\/a>\u2013 ich konnte das nicht feststellen\u201c, so Lambsdorff. Ferndiagnosen seien ohnehin schwierig \u2013 \u201eaber das, was man so an Ger\u00fcchten h\u00f6rt, konnte ich jedenfalls in der Situation nicht sehen\u201c. Putin sei diszipliniert und sportlich und profitiere von einer sehr guten medizinischen Versorgung. \u201eMein Eindruck von dem war: Der war ganz bei sich.\u201c<\/p>\n<p>Lambsdorff sprach auch \u00fcber permanente Beobachtung durch die Sicherheitsbeh\u00f6rden. So sei er etwa bei Reisen im Land von Geheimdienstmitarbeitern \u00fcberwacht worden. \u201eIch habe in Nischni Nowgorod eine ziemlich absurde Situation gehabt. Ich traf mich mit Deutschlehrern dort, wir redeten \u00fcber literarische, kulturelle Themen. Und am Nebentisch sa\u00dfen zwei extrem unauff\u00e4llige junge M\u00e4nner. Und dann stellte der eine sein Handy auf, filmte das gesamte Gespr\u00e4ch und nahm nat\u00fcrlich den Ton auch mit auf.\u201c Das habe ihm gezeigt: \u201eDer FSB hat uns praktisch durchgehend im Blick.\u201c <\/p>\n<p>In der Hauptstadt Moskau sei die Kontrolle noch umfassender, Bewegungen lie\u00dfen sich nahezu l\u00fcckenlos nachvollziehen. \u201eMoskau ist komplett \u00fcbers\u00e4t mit Kameras und Gesichtserkennung. Sie k\u00f6nnen in keine Metrostation gehen, ohne dass eine Kamera ihr Gesicht erfasst und eine Gesichtserkennungssoftware dr\u00fcberl\u00e4uft. Wenn wir privat in den Wald fahren, um eine Runde spazieren zu gehen: Unsere Nummernschilder sind selbstverst\u00e4ndlich alle registriert, die wissen genau, wo wir sind.\u201c<\/p>\n<p>\u201eDer Krieg ist in Moskau angekommen\u201c<\/p>\n<p>Die <a class=\"is-link c-block-items__link c-link--rich-text-renderer\" href=\"https:\/\/www.welt.de\/politik\/ausland\/plus254908242\/Russlands-Propaganda-Und-dann-hat-Putin-gewonnen-warnt-Deutschlands-oberster-Geheimdienstler.html\" data-internal-tracking-enabled=\"true\" data-internal-tracking=\"{&quot;action&quot;:&quot;click&quot;,&quot;label&quot;:&quot;link&quot;,&quot;name&quot;:&quot;Inline Element&quot;,&quot;data&quot;:{&quot;source&quot;:&quot;&quot;,&quot;target&quot;:&quot;https:\/\/www.welt.de\/politik\/ausland\/plus254908242\/Russlands-Propaganda-Und-dann-hat-Putin-gewonnen-warnt-Deutschlands-oberster-Geheimdienstler.html&quot;,&quot;trackingName&quot;:&quot;&quot;,&quot;trackingLabel&quot;:&quot;&quot;}}\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">russische Propaganda<\/a> beschrieb der Spitzendiplomat als widerspr\u00fcchlich. \u201eDas Bemerkenswerteste an der russischen Propaganda ist, dass ihr Koh\u00e4renz \u2013 also innere Logik \u2013 v\u00f6llig egal ist. An einem Tag hei\u00dft es, wir bedrohten den ganzen Kontinent. 24 Stunden sp\u00e4ter hei\u00dft es, Deutschland sei komplett kaputt, die Wirtschaft liege am Boden, weil wir keine russische Energie mehr beziehen. Ein kompletter, diametraler Widerspruch: Hier ein v\u00f6llig schwaches, kaputtes Land, hier ein starkes Land im Aufbau als Bedrohung \u2013 das macht \u00fcberhaupt nichts. Das wird binnen 24 Stunden beides ausgesendet.\u201c<\/p>\n<p>Mit Blick auf den Krieg gegen die Ukraine sieht Lambsdorff Moskau zunehmend unter Druck. Die ukrainischen Angriffe auf Ziele tief im russischen Hinterland h\u00e4tten dazu gef\u00fchrt, dass der Krieg auch in Moskau zunehmend sp\u00fcrbar werde. \u201eMan darf nicht vergessen: Die russische Regierung hat alles getan, um den Krieg m\u00f6glichst aus Moskau fernzuhalten. Und indem jetzt die Raffinerie explodiert durch einen ukrainischen Angriff und die Leute Schlange stehen und keinen Sprit mehr kriegen, ist nat\u00fcrlich der Krieg auch in Moskau angekommen.\u201c<\/p>\n<p>Die Ukraine verteidigt sich seit mehr als vier Jahren gegen die russische Invasion. Als Teil ihres Abwehrkampfes nimmt sie auch Ziele im russischen Hinterland ins Visier und weitet ihre Gegenangriffe mit Drohnen aus. Im Juni hatte Kiew einen <a class=\"is-link c-block-items__link c-link--rich-text-renderer\" href=\"https:\/\/www.welt.de\/politik\/ausland\/article6a33b8617e682fc37fbff10d\/rauchsaeulen-ueber-russland-massive-angriffe-erschuettern-moskau-nun-wissen-sie-was-vor-sich-geht-sagt-kiew.html\" data-internal-tracking-enabled=\"true\" data-internal-tracking=\"{&quot;action&quot;:&quot;click&quot;,&quot;label&quot;:&quot;link&quot;,&quot;name&quot;:&quot;Inline Element&quot;,&quot;data&quot;:{&quot;source&quot;:&quot;&quot;,&quot;target&quot;:&quot;https:\/\/www.welt.de\/politik\/ausland\/article6a33b8617e682fc37fbff10d\/rauchsaeulen-ueber-russland-massive-angriffe-erschuettern-moskau-nun-wissen-sie-was-vor-sich-geht-sagt-kiew.html&quot;,&quot;trackingName&quot;:&quot;&quot;,&quot;trackingLabel&quot;:&quot;&quot;}}\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">massiven Angriff auf Moskau<\/a> durchgef\u00fchrt, bei dem eine der gr\u00f6\u00dften \u00d6lraffinerien Russlands am Stadtrand von Moskau getroffen wurde. <\/p>\n<p>Eine Schwachstelle Russlands sieht Lambsdorff in der schieren Gr\u00f6\u00dfe des Landes. Was lange als strategischer Vorteil gegolten habe, erschwere inzwischen die Luftverteidigung. \u201eEiner der Faktoren, die viele ja am Anfang als einen Vorteil f\u00fcr Russland sahen, n\u00e4mlich die Gr\u00f6\u00dfe des Landes, ist jetzt \u2013 was die Luftverteidigung angeht \u2013 ein Nachteil. So hat sich eine St\u00e4rke quasi in eine Schw\u00e4che verwandelt, die die Ukraine im Moment ausnutzt.\u201c<\/p>\n<p>F\u00fcr die kommenden Monate h\u00e4lt der Diplomat eine erneute <a class=\"is-link c-block-items__link c-link--rich-text-renderer\" href=\"https:\/\/www.welt.de\/politik\/ausland\/plus6a462735ae0977c5aff19fb4\/drohende-zwangsmobilisierung-dumme-selbstmoerderische-befehle-russlands-rekrutierungsstrategie-geraet-an-ihre-grenzen.html\" data-internal-tracking-enabled=\"true\" data-internal-tracking=\"{&quot;action&quot;:&quot;click&quot;,&quot;label&quot;:&quot;link&quot;,&quot;name&quot;:&quot;Inline Element&quot;,&quot;data&quot;:{&quot;source&quot;:&quot;&quot;,&quot;target&quot;:&quot;https:\/\/www.welt.de\/politik\/ausland\/plus6a462735ae0977c5aff19fb4\/drohende-zwangsmobilisierung-dumme-selbstmoerderische-befehle-russlands-rekrutierungsstrategie-geraet-an-ihre-grenzen.html&quot;,&quot;trackingName&quot;:&quot;&quot;,&quot;trackingLabel&quot;:&quot;&quot;}}\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Mobilisierung<\/a> in Russland f\u00fcr m\u00f6glich. \u201eIch halte es eher f\u00fcr wahrscheinlich, dass es noch mal zu einer Mobilisierung kommen k\u00f6nnte. Die technischen Voraussetzungen daf\u00fcr sind erheblich besser als noch 2022 (als Moskau die letzte Teilmobilmachung anordnete, d. Red.), weil man das ganze Wehrerfassungswesen digitalisiert hat. Und das hei\u00dft: Sie kriegen als junger Mann eine Nachricht auf Ihr Handy: \u201aSie sind jetzt mobilisiert.\u2018\u201c Diese Nachricht gehe parallel an alle Grenzschutzstationen des gesamten Landes, sodass die Betroffenen das Land nicht mehr verlassen k\u00f6nnten.<\/p>\n<p>Trotz des repressiven Systems warnte Lambsdorff davor, die russische Zivilgesellschaft abzuschreiben. \u201eSie treffen in Moskau auf Menschen \u2013 und nicht zu wenige \u2013 die friedliebend, die demokratisch, die weltoffen sind. Ich habe Menschen gesehen, die in Tr\u00e4nen sind, wenn die Bilder aus Kiew kommen, wenn wieder Raketen eingeschlagen sind, weil sie sich so sch\u00e4men.\u201c Es seien wenige, die sich r\u00fchrten, weil es so gef\u00e4hrlich sei. \u201eAber die wenigen, die da sind, haben meine ganze Hochachtung.\u201c<\/p>\n<p><b>Paul Ronzheimer ist stellvertretender BILD-Chefredakteur und Mitglied des Axel Springer Global Reporters Network.<\/b><\/p>\n<p><b>Das Axel Springer Global Reporters Network ist eine marken\u00fcbergreifende Initiative, die Scoops, investigative Recherchen, Interviews, Meinungsst\u00fccke und Analysen globaler Relevanz ver\u00f6ffentlicht. Journalisten aller Axel-Springer-Marken \u2013 darunter POLITICO, Business Insider, WELT, BILD, Onet und Fakt \u2013 kooperieren bei gro\u00dfen Geschichten f\u00fcr ein internationales Publikum. Die Berichterstattung erstreckt sich \u00fcber alle Plattformen von Axel Springer: online, print, TV und Audio. Zusammen erreichen diese Ver\u00f6ffentlichungen Hunderte Millionen Menschen weltweit.<\/b><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Alexander Graf Lambsdorff hat als Botschafter in Moskau besondere Einblicke in die Machtstrukturen des Kremls gewonnen. 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