{"id":1217823,"date":"2026-08-05T20:04:19","date_gmt":"2026-08-05T20:04:19","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/1217823\/"},"modified":"2026-08-05T20:04:19","modified_gmt":"2026-08-05T20:04:19","slug":"bis-zu-zwei-meter-lang-immer-mehr-schlangen-in-deutschland","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/1217823\/","title":{"rendered":"Bis zu zwei Meter lang \u2013 Immer mehr Schlangen in Deutschland"},"content":{"rendered":"<p>Urspr\u00fcnglich waren in der Bundesrepublik sieben Arten von Schlangen heimisch. Weil es w\u00e4rmer wird, f\u00fchlen sich hierzulande inzwischen auch Reptilien aus dem S\u00fcden wohl. Die Folgen sind schon sp\u00fcrbar.<\/p>\n<p class=\"is-first-paragraph\" data-external=\"Article.FirstParagraph\">Schlangen in freier Wildbahn gelten in Deutschland f\u00fcr viele immer noch als exotisch. Das liegt vor allem daran, dass bisher nur eine Handvoll Arten hierzulande heimisch war. Vor allem in S\u00fcddeutschland \u00e4ndert sich das. Der Klimawandel beg\u00fcnstigt dort die Ansiedlung von Arten aus S\u00fcdeuropa, unter anderem der Vierstreifennatter.<\/p>\n<p>\u201eVon der haben wir in den letzten f\u00fcnf Jahren bestimmt 15 Exemplare aus ganz Bayern gemeldet bekommen\u201c, sagt Markus Baur, der Leiter der Reptilienauffangstation M\u00fcnchen. Das sei \u00fcberschaubar, aber Schlangen k\u00f6nnten sich eben nicht so schnell ausbreiten wie etwa V\u00f6gel. \u201eDie brauchen ein paar Generationen, um \u00fcber die Alpen zu kommen.\u201c<\/p>\n<p>Die Vierstreifennatter lebt eigentlich etwa in Italien und auf dem Balkan. \u201eSie wird aber immer h\u00e4ufiger auch bei uns in Wiesen und an Waldr\u00e4ndern gesichtet\u201c, f\u00fchrt Baur aus. <\/p>\n<p>Der Fachtierarzt f\u00fcr Reptilien erg\u00e4nzt: \u201eManche dieser Tiere d\u00fcrften durch nat\u00fcrliche Migration bei uns gelandet sein. Die Erw\u00e4rmung l\u00e4sst sie nach Norden wandern, was noch durch Lebensraumzerst\u00f6rung in ihrer alten Heimat angeschoben wird.\u201c<\/p>\n<p>Schlangen als blinde Passagiere<\/p>\n<p>Der Mensch bef\u00f6rdere Schlangen auch direkt, sagt Baur. Sie w\u00fcrden etwa als blinde Passagiere im Gartenhandel verfrachtet, und erst neulich sei eine im Unterboden eines Autos von Italien nach M\u00fcnchen mitgefahren. Auf Aussetzungen d\u00fcrften die Neu-Vorkommen indes nicht zur\u00fcckgehen. \u201eVierstreifennattern werden in der Terraristik kaum gehalten, ebenso wenig wie Vipernattern, zu denen wir auch schon ein paar Meldungen erhalten haben.\u201c<\/p>\n<p>Vierstreifennattern k\u00f6nnen \u00fcber zwei Meter lang werden\u00a0\u2013 sind f\u00fcr Menschen aber ungef\u00e4hrlich. Dasselbe gilt f\u00fcr die h\u00f6chstens einen Meter lange Vipernatter. Diese Art stammt aus dem S\u00fcdwesten Europas und dem n\u00f6rdlichen Afrika. Sie lebt zum Beispiel in der Schweiz, gern in Wassern\u00e4he. Beide Schlangen sind ungiftig und zischen zur Abwehr. Sie fressen kleinere Tiere wie M\u00e4use, V\u00f6gel und Amphibien.<\/p>\n<p>K\u00f6nnte das die heimische Natur bedrohen? Nein, glaubt der Fachmann. Dazu sei das Nahrungsspektrum der Nattern zu gro\u00df. Andernorts seien eingef\u00fchrte Schlangen jedoch ein Problem. \u201eAuf Gran Canaria wurde die Kalifornische Kettennatter eingeschleppt. Sie verspeist vornehmlich Eidechsen und hat deren Populationen auf der Insel binnen weniger Jahre nahezu ausgerottet.\u201c<\/p>\n<p>Welche Schlangen gibt es in Deutschland?<\/p>\n<p>Einen \u00e4hnlichen Fall gibt es im pf\u00e4lzischen Zweibr\u00fccken. Dort leben seit etwa zehn Jahren Gelbgr\u00fcne Zornnattern, die wohl \u00fcber die Abfallentsorgung von S\u00fcdeuropa auf die \u00f6rtliche M\u00fclldeponie kamen. Sie haben sich in ihrer neuen Heimat stark vermehrt\u00a0\u2013 zum Leidwesen von Eidechsen, ihrer Leibspeise, deren Zahl vor Ort seither deutlich geschrumpft ist.<\/p>\n<p>Die Zornnatter kommt in Zweibr\u00fccken hundertfach vor, viel h\u00e4ufiger als Viper- und Vierstreifennatter in Bayern. Letztere k\u00f6nnten noch nicht als etabliert gelten, sagt Markus Baur. \u201eVielleicht ist ihr Vorkommen auch nur ein Strohfeuer, das durch kalte Winter wieder erlischt.\u201c<\/p>\n<p>Urspr\u00fcnglich heimisch sind in der Bundesrepublik sieben Schlangenarten: Kreuzotter und Aspisviper sowie W\u00fcrfel-, \u00c4skulap-, Schling- und Ringelnatter; nur Otter und Viper sind giftig. Hinzu kommt die Barrenringelnatter, die erst seit 2017 als eigene Art gilt. \u201eAuch sie profitiert vom Klimawandel und breitet sich nach Norden aus\u201c, sagt Baur.<\/p>\n<p>Scheue Schlangen<\/p>\n<p>Alle Arten sind mehr oder minder gef\u00e4hrdet. \u201eIn Deutschland eine Schlange in freier Wildbahn zu entdecken, ist ein Kunstst\u00fcck\u201c, meint der Experte. Zu scheu und selten seien die gesetzlich gesch\u00fctzten Tiere hier.<\/p>\n<p>\u201eSchlangen geh\u00f6ren zu den am meisten mit Vorurteilen belegten Tiergruppen der Erde\u201c, notiert der Naturf\u00fchrer. \u201eVielleicht ist es die lautlose und versteckte Lebensweise in Verbindung mit der Giftigkeit vieler Arten, die dazu gef\u00fchrt hat, dass der Mensch den Schlangen mit Furcht, aber auch mit Ehrfurcht und Verehrung begegnet.\u201c<\/p>\n<p>In Mythen spielten Schlangen daher oft eine Rolle. Man denke nur an die Bibel, nach der eine Schlange Eva im Paradies dazu verf\u00fchrt haben soll, trotz Gottes Verbot vom Baum der Erkenntnis zu essen. Anders bei den alten Griechen: \u201eIn Verbindung mit dem antiken Heilsgott Asklepios galt die Schlange, wegen ihrer regelm\u00e4\u00dfigen H\u00e4utung, als Sinnbild der Verj\u00fcngung. Von hier nahm sie, als Symbol der Heilkunst im \u00c4skulapstab, ihren Weg \u00fcber die R\u00f6mer bis in unsere Tage.\u201c<\/p>\n<p>Passend, denn heute werden Wirkstoffe aus Schlangengift in der Medizin eingesetzt. Auch anderweitig nutzen die Reptilien den Menschen: Hierzulande sind sie wesentliche Vertilger von M\u00e4usen. Dadurch begrenzen Schlangen Erntesch\u00e4den und die Verbreitung von Krankheiten.<\/p>\n<p>KNA\/rc<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Urspr\u00fcnglich waren in der Bundesrepublik sieben Arten von Schlangen heimisch. 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