{"id":1218626,"date":"2026-08-06T04:28:16","date_gmt":"2026-08-06T04:28:16","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/1218626\/"},"modified":"2026-08-06T04:28:16","modified_gmt":"2026-08-06T04:28:16","slug":"krankenkassen-weitere-millionenverluste-durch-fragwuerdige-anlagen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/1218626\/","title":{"rendered":"Krankenkassen: Weitere Millionenverluste durch fragw\u00fcrdige Anlagen"},"content":{"rendered":"<p>            <img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"ts-image\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2026\/08\/euro-280.jpg\" alt=\"50-Euro- und 100-Euro-Geldscheine\" title=\"50-Euro- und 100-Euro-Geldscheine | picture alliance \/ SVEN SIMON\"\/><\/p>\n<p>                    <strong>Exklusiv<\/strong><\/p>\n<p class=\"metatextline\">Stand: 06.08.2026 \u2022 06:00 Uhr<\/p>\n<p class=\"article-head__shorttext\">\n        <strong>Neue Recherchen decken weitere Millionenverluste bei Krankenkassen und Kassen\u00e4rztliche Vereinigungen auf. Nach Informationen von NDR, WDR und S\u00fcddeutscher Zeitung gaben Wirtschaftskanzleien gr\u00fcnes Licht f\u00fcr die Investitionen. <\/strong>\n    <\/p>\n<p>                                    <a class=\"authorline__link\" href=\"https:\/\/www.tagesschau.de\/korrespondenten\/markus-grill-103.html\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\"><br \/>\n                                        <img decoding=\"async\" class=\"authorline__img\" alt=\"Markus Grill\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2026\/08\/markus-grill-107.jpg\"\/><br \/>\n                                    <\/a><\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">Die Kassen\u00e4rztliche Vereinigung Westfalen Lippe (KVWL) hat nach Informationen von NDR, WDR und S\u00fcddeutscher Zeitung (SZ) 40 Millionen Euro in die Verius-Fonds gesteckt, zwei Immobilienfonds, bei denen Investoren inzwischen von einem Totalverlust ausgehen. Mit den ebenfalls erst vor wenigen Tagen bekannt gewordenen 5,5 Millionen Euro, die die AOK Bremen mit einem Verius-Fonds verloren hat, summieren sich die Verluste <a href=\"https:\/\/www.tagesschau.de\/investigativ\/ndr-wdr\/krankenkassen-immobilienfonds-100.html\" title=\"Krankenkassen verlieren durch Fehlinvestitionen mindestens 170 Millionen Euro\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">durch Fehlinvestitionen der Krankenkassen und KVen<\/a> inzwischen auf knapp 220 Millionen Euro.<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">Bei der KVWL und der AOK Bremen sind neue Vorst\u00e4nde im Amt. Sie wollen nun f\u00fcr Transparenz sorgen und haben externe Anw\u00e4lte beauftragt, die Fehlinvestitionen aufzuarbeiten und zu pr\u00fcfen, wer in Haftung genommen werden kann. Doch nur wenige Kassen und KVen machen \u00f6ffentlich, ob sie in die fraglichen Fonds investiert haben &#8211; oder beantworten nicht, wie viel sie dabei verloren haben. Nach Informationen von NDR, WDR und SZ aus Finanzkreisen sollen insgesamt sogar 28 Krankenkassen und KVen mehr als 500 Millionen Euro in die Verius-Fonds investiert haben.<\/p>\n<p>    Klagen gegen Finanzunternehmen hinter Fonds<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">Insgesamt f\u00fcnf Einrichtungen, darunter die KV Baden-W\u00fcrttemberg und die Kaufm\u00e4nnische Krankenkasse KKH, beschreiten bereits den Klageweg. Sie gehen vor dem Landgericht Frankfurt gegen die Finanzunternehmen vor, die hinter den Verius-Fonds stehen. Sie argumentieren dabei, von einer sicheren Geldanlage ausgegangen zu sein, bei der ein Verlust ausgeschlossen erschien. In der Klageschrift beziehen sie sich auf &#8222;pers\u00f6nliche Treffen&#8220;, &#8222;diverse Telefonkonferenzen&#8220; und Unterlagen, in denen den Kassen und KVen versichert worden sei, dass die Investments sicher seien und den Anlagevorschriften des Sozialgesetzbuchs entsprechen.<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">Die ebenfalls beklagte Hauck Aufh\u00e4user Fund Services S.A. wies den Vorwurf der T\u00e4uschung entschieden zur\u00fcck. Zwar will man sich zu m\u00f6glichen Einzelf\u00e4llen nicht \u00e4u\u00dfern. Allgemein sei aber zu betonen, &#8222;dass Investitionen in Produkte der beschriebenen Art nur auf der Grundlage von Prospekt- bzw. Vertragsunterlagen m\u00f6glich sind, mit denen die Investoren im Vorfeld ihrer Anlagen umfassend \u00fcber deren Charakter, die hiermit verbundenen Risiken und die bestehenden eigenst\u00e4ndigen Pr\u00fcfpflichten aufgekl\u00e4rt&#8220; wurden.<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">Der offizielle Verkaufsprospekt f\u00fcr den Verius-Fonds weist auf die Risiken hin. Sie k\u00f6nnten &#8222;zum teilweisen oder vollst\u00e4ndigen Verlust des eingezahlten Kapitals f\u00fchren&#8220;. Insgesamt listet das Dokument, das NDR, WDR und SZ vorliegt, genau 27 Risiken auf, von denen lediglich f\u00fcnf als &#8222;gering&#8220; eingestuft werden. 19 Risiken werden darin als &#8222;mittel&#8220;, drei sogar als &#8222;hoch&#8220; eingestuft. Dabei verpflichtet das Sozialgesetzbuch die Kassen und KVen, ihr Geld &#8222;so anzulegen, dass ein Verlust ausgeschlossen erscheint&#8220;.<\/p>\n<p>    &#8222;Kassen h\u00e4tten das Totalverlust-Risiko nicht ignorieren d\u00fcrfen&#8220;<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">Finanzexperte Stefan Loipfinger sagt, dass die Risiken in dem Verkaufsprospekt klar benannt worden seien. &#8222;Und dieses Totalverlust-Risiko h\u00e4tten die Krankenkassen nicht ignorieren d\u00fcrfen, sie h\u00e4tten das ernst nehmen m\u00fcssen.&#8220; Im Gesch\u00e4ftsbericht der Finanzfirma hinter den Verius-Fonds werden auch die Immobilienprojekte genannt, in die die Gelder flie\u00dfen sollten. Deren Bautr\u00e4gergesellschaften seien laut Loipfinger damals schon &#8222;zum Teil sehr wacklig&#8220; gewesen. Sie mussten auf das vom Verius-Fonds entliehene Geld 15 bis 18,5 Prozent Zinsen zahlen.<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">Das alles steht detailliert im Gesch\u00e4ftsbericht. &#8222;Und ein Zinssatz von 15 bis 18 Prozent ist ein ganz klares Risikosignal&#8220;, sagt Loipfinger. Er deute in der Regel darauf hin, dass die Kreditnehmer bei herk\u00f6mmlichen Banken oder anderen Investoren kein Geld zu g\u00fcnstigeren Konditionen bekommen h\u00e4tten, weil sie ein zu hohes Ausfallrisiko bergen. Loipfingers Ansicht nach h\u00e4tten die KVen und die Krankenkassen hier nicht investieren d\u00fcrfen.<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">Hauck &amp; Aufh\u00e4user Fund Services S.A. betont, von Beginn an f\u00fcr Transparenz gesorgt zu haben. Zudem seien die konkreten Investments des Fonds einschlie\u00dflich der jeweiligen Zinss\u00e4tze auch in den Jahresabschl\u00fcssen des Fonds seit dessen Auflage enthalten gewesen. &#8222;Die Jahresabschl\u00fcsse des Fonds sind im Handelsregister frei zug\u00e4nglich.&#8220;<\/p>\n<p>    Wohl gezielt mit Gutachten geworben<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">Die meisten angefragten Kassen und KVen \u00e4u\u00dferten sich nicht zu den genannten Risiken. Die BKK Gildemeister Seidensticker lie\u00df auf Anfrage \u00fcber ihre Anw\u00e4lte mitteilen, dass beim Kauf der ersten Investitionstranche der Verkaufsprospekt noch gar nicht ver\u00f6ffentlicht gewesen sei. &#8222;Die unserer Mandantin zur Verf\u00fcgung gestellten Unterlagen enthielten eine derartige Risikoaufschl\u00fcsselung gerade nicht.&#8220; Au\u00dferdem beklagt Gildemeister, nicht fr\u00fchzeitig \u00fcber Investmentstrukturen und Zinss\u00e4tze informiert gewesen zu sein.<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">Die AOK Bremen schreibt, dass ihre Risikobewertung auf einem KPMG-Gutachten beruhte, das &#8222;Investments in den Verius-Fonds grunds\u00e4tzlich konform zu den strengen Regeln des Sozialgesetzbuchs IV bewertete&#8220;. Tats\u00e4chlich wurde bei Krankenkassen offenbar gezielt mit Gutachten von Wirtschaftspr\u00fcfungskanzleien geworben, die das Investment grunds\u00e4tzlich absegneten.<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">So berichtet die IKK Classic, dass ein Finanzvermittler ihr ein Schreiben \u00fcbermittelte mit dem Hinweis, &#8222;es gibt explizit f\u00fcr diese Anleihe ein aufsichtsrechtliches Gutachten, welches die Erwerbbarkeit (f\u00fcr Krankenkassen und KVen) best\u00e4tigt&#8220;. Doch bei der IKK Classic hat das nicht \u00fcberzeugt: &#8222;An unserer negativen Einsch\u00e4tzung und der Entscheidung gegen ein Investment haben wir jedoch festgehalten.&#8220;<\/p>\n<p>    Gutachten: &#8222;Grunds\u00e4tzlich erwerbbar&#8220;<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">Bei dem Gutachten handelt es sich um ein sechsseitiges Memo einer Steuerkanzlei aus Luxemburg \u00fcber die Frage, ob Krankenkassen und KVen in den Verius-Fonds investieren d\u00fcrfen. Die Kanzlei kommt zu dem Schluss, dass es sich &#8222;somit um grunds\u00e4tzlich erwerbbare Verm\u00f6gensgegenst\u00e4nde&#8220; f\u00fcr Kassen und KVen handelt.<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">In einem \u00e4hnlichen, 20 Seiten umfassenden Gutachten kommt auch die bekannte Wirtschaftspr\u00fcfungsgesellschaft KPMG zu dem Schluss, dass das Investment in die Verius-Fonds die gesetzlichen Vorschriften f\u00fcr Kassen und KVen erf\u00fcllt und deshalb &#8222;grunds\u00e4tzlich erworben werden&#8220; kann, wie es im &#8222;Executive Summary&#8220; von KPMG hei\u00dft. Allerdings betonen die Pr\u00fcfer in dem &#8222;Legal Memorandum&#8220; auch, dass die Investoren eine wirtschaftliche Bewertung &#8222;in eigener Verantwortung&#8220; vornehmen m\u00fcssen.<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">Weder KMPG noch die Steuerkanzlei aus Luxemburg wollen sich auf Anfrage zu ihren damaligen Memos \u00e4u\u00dfern. KMPG verweist auf &#8222;gesetzliche Verschwiegenheitspflichten&#8220;. Die Luxemburger schreiben, es sei ihnen verboten, Informationen \u00fcber Mandanten an Dritte weiter zu geben.<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">Letztlich werden wohl die Gerichte kl\u00e4ren m\u00fcssen, ob die Kassen und KVen zu gro\u00dfe Risiken eingegangen sind oder ob sie get\u00e4uscht wurden. Einen Termin f\u00fcr die Verhandlung am Landgericht Frankfurt gibt es dazu bereits &#8211; allerdings erst im Dezember.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Exklusiv Stand: 06.08.2026 \u2022 06:00 Uhr Neue Recherchen decken weitere Millionenverluste bei Krankenkassen und Kassen\u00e4rztliche Vereinigungen auf. Nach&hellip;\n","protected":false},"author":2,"featured_media":1218627,"comment_status":"","ping_status":"","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":"","_share_on_mastodon":"0"},"categories":[134],"tags":[175,170,169,29,30,166,171,174,173,172,69030],"class_list":["post-1218626","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","category-unternehmen-maerkte","tag-business","tag-companies","tag-companies-markets","tag-deutschland","tag-germany","tag-krankenkassen","tag-markets","tag-maerkte","tag-unternehmen","tag-unternehmen-maerkte","tag-verluste"],"share_on_mastodon":{"url":"https:\/\/pubeurope.com\/@de\/117046682701356331","error":""},"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/1218626","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=1218626"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/1218626\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media\/1218627"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=1218626"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=1218626"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=1218626"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}