{"id":1218905,"date":"2026-08-06T07:27:16","date_gmt":"2026-08-06T07:27:16","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/1218905\/"},"modified":"2026-08-06T07:27:16","modified_gmt":"2026-08-06T07:27:16","slug":"rheinmetall-chef-armin-papperger-wir-bieten-unsere-neu-entwickelte-fregatte-gmf140-jetzt-im-internationalen-markt-an","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/1218905\/","title":{"rendered":"Rheinmetall-Chef Armin Papperger: \u201eWir bieten unsere neu entwickelte Fregatte GMF140 jetzt im internationalen Markt an\u201c"},"content":{"rendered":"<p class=\"is-first-paragraph\" data-external=\"Article.FirstParagraph\">Die Mariner\u00fcstung ist neu f\u00fcr Deutschlands gr\u00f6\u00dften R\u00fcstungskonzern Rheinmetall. Im M\u00e4rz hatte das Unternehmen von L\u00fcrssen dessen Marinesparte NVL \u00fcbernommen. Dazu z\u00e4hlen die Werften Blohm+Voss und Norderwerft in Hamburg, die Neue Jadewerft in Wilhelmshaven und die Peene-Werft in Wolgast. Etwa 2200 Menschen besch\u00e4ftigt Rheinmetall im Marinegesch\u00e4ft, davon rund 650 bei Blohm+Voss und 120 bei der Norderwerft. Ende Juni aber stellte das Bundesverteidigungsministerium \u00fcberraschend die Beschaffung der Fregatte F126 ein, das bislang gr\u00f6\u00dfte Projekt der Deutschen Marine. Rheinmetall wollte die Schiffe als Generalunternehmer bauen, an deren Fertigung die niederl\u00e4ndische Werft Damen Naval gescheitert war. Unter anderem h\u00e4tte die Endmontage der F126 Blohm+Voss einige Jahre lang die Auslastung gesichert. Wie es mit dem Marinegesch\u00e4ft von Rheinmetall weitergeht, sagte Konzernchef Armin Papperger WELT AM SONNTAG in der Zentrale in D\u00fcsseldorf.<\/p>\n<p><b>WELT AM SONNTAG:<\/b> Herr Papperger, Rheinmetall hat im M\u00e4rz die Marinesparte NVL von L\u00fcrssen \u00fcbernommen. Sind Sie mit der Akquisition nach wie vor zufrieden?<\/p>\n<p><b>Armin Papperger:<\/b> Ja, absolut. Die Mannschaft ist toll. Wir haben super motivierte Leute in der neuen Division Naval Systems. Auch wenn sie nat\u00fcrlich entt\u00e4uscht dar\u00fcber sind, dass die Fregatte F126 nun nicht gebaut wird. Denn das haben sie ja sehr gut vorbereitet. Aber wir sind gl\u00fccklich dar\u00fcber, dass wir diesen Bereich haben. Unser Ziel ist es ja, Vollsortimenter zu sein und auch im Marinebereich alles, was wir im Portfolio haben, anzubieten. Ich bin sehr zufrieden.<\/p>\n<p><b>WAMS:<\/b> Die F126 und die Erwartung, das Schiff als Generalunternehmer bauen zu k\u00f6nnen, war das Prestigeprojekt gewesen, das Sie mit NVL \u00fcbernommen haben. Der Bund hat die Absage an das Projekt unter anderem damit begr\u00fcndet, dass sechs F126 letztlich 15 Milliarden Euro kosten sollten anstatt der zuvor kalkulierten zehn Milliarden Euro. Woran ist das Projekt gescheitert?<\/p>\n<p><b>Papperger:<\/b> Wir haben je Fregatte f\u00fcr 1,7 Milliarden Euro netto kalkuliert. Zus\u00e4tzlich gefordert wurden noch umfassende Landanlagen, Einsatzmodule, umfangreiche Simulatoren, ein Ersatzteilpaket sowie die technische Dokumentation. Was sich nat\u00fcrlich ver\u00e4ndert hat, ist die Diskrepanz zwischen dem ersten Angebot, das Damen Naval vor Jahren abgegeben hat, und dem heutigen Stand. Zudem haben wir die Inflation \u00fcber eine Reihe von Jahren, da kann ich nat\u00fcrlich nicht mehr f\u00fcr den damaligen Preis anbieten. Allerdings bin ich fest davon \u00fcberzeugt, dass das Geld \u00fcberhaupt nicht das Problem war.<\/p>\n<p class=\"c-inline-teaser-list__headline\">Lesen Sie auch<\/p>\n<ul class=\"c-inline-teaser-list__content\">\n<li class=\"c-inline-teaser-list__element\">\n<p>Artikeltyp:MeinungAus f\u00fcr die Fregatte F126<\/p>\n<\/li>\n<li class=\"c-inline-teaser-list__element\"><\/li>\n<\/ul>\n<p><b>WAMS:<\/b> War es die lange Zeitspanne bis zur Ablieferung der ersten F126 fr\u00fchestens 2032, vier Jahre sp\u00e4ter als urspr\u00fcnglich geplant?<\/p>\n<p><b>Papperger:<\/b> Ja, es war auch die Zeitspanne. Zudem glaube ich schon, dass Minister <a class=\"is-link c-block-items__link c-link--rich-text-renderer\" href=\"https:\/\/www.welt.de\/themen\/boris-pistorius\/\" data-internal-tracking-enabled=\"true\" data-internal-tracking=\"{&quot;action&quot;:&quot;click&quot;,&quot;label&quot;:&quot;link&quot;,&quot;name&quot;:&quot;Inline Element&quot;,&quot;data&quot;:{&quot;source&quot;:&quot;&quot;,&quot;target&quot;:&quot;https:\/\/www.welt.de\/themen\/boris-pistorius\/&quot;,&quot;trackingName&quot;:&quot;&quot;,&quot;trackingLabel&quot;:&quot;&quot;}}\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Boris Pistorius<\/a> die Verhandlungen mit Damen nicht sonderlich gut fand. Vor allen Dingen gab es ja nach meinem Wissensstand auch keine vern\u00fcnftige L\u00f6sung zu m\u00f6glichen Haftungsfragen f\u00fcr die in die F126 bereits investierten Mittel.<\/p>\n<p><b>WAMS:<\/b> Rheinmetall musste den Vertrag f\u00fcr die F126 neu verhandeln?<\/p>\n<p><b>Papperger:<\/b> Ich h\u00e4tte den alten Vertrag nicht eins zu eins \u00fcbernommen. Das Ministerium hat gefragt, k\u00f6nnt ihr uns helfen? Wir sind aufgefordert worden, eine technische Due-Diligence-Pr\u00fcfung zu machen. Das haben wir mit einem Team von \u00fcber 80 Spezialisten in Holland umgesetzt und es gerne gemacht. Nach etwa vier bis f\u00fcnf Monaten stellten wir fest, dass wir in der Lage sind, die F126 mit unserem Projektteam technisch umzusetzen. Dann haben wir mit dem Beschaffungsamt BAAINBw einen Vertrag verhandelt, er war quasi endverhandelt. Im Haushaltsausschuss des Bundestages gab es auch kein Problem. Dennoch wurde das Projekt dann vom Ministerium gecancelt.<\/p>\n<p><b>WAMS:<\/b> Der Einstieg in das Marinegesch\u00e4ft ist f\u00fcr <a class=\"is-link c-block-items__link c-link--rich-text-renderer\" href=\"https:\/\/www.welt.de\/themen\/rheinmetall\/\" data-internal-tracking-enabled=\"true\" data-internal-tracking=\"{&quot;action&quot;:&quot;click&quot;,&quot;label&quot;:&quot;link&quot;,&quot;name&quot;:&quot;Inline Element&quot;,&quot;data&quot;:{&quot;source&quot;:&quot;&quot;,&quot;target&quot;:&quot;https:\/\/www.welt.de\/themen\/rheinmetall\/&quot;,&quot;trackingName&quot;:&quot;&quot;,&quot;trackingLabel&quot;:&quot;&quot;}}\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Rheinmetall<\/a> trotzdem richtig?<\/p>\n<p><b>Papperger:<\/b> Ja, ganz unabh\u00e4ngig vom Projekt F126. Wir haben gesagt, das ist f\u00fcr Rheinmetall ein strategisch wichtiger Punkt. Es ist, glaube ich, auch f\u00fcr Deutschland strategisch wichtig, einen Konzern zu haben, der in der Lage ist, bei allen Waffengattungen mitzureden. Und f\u00fcr uns war es ganz wichtig, dass wir unsere Technologien zur Digitalisierung auch auf die Marine \u00fcbertragen k\u00f6nnen.<\/p>\n<p><b>WAMS:<\/b> Wie k\u00f6nnen Sie speziell Ihre beiden neu \u00fcbernommenen Bauwerften Blohm+Voss in Hamburg und die Peene-Werft in Wolgast ohne die Fregatte F126 auslasten?<\/p>\n<p><b>Papperger:<\/b> Das Aus der F126 ist nat\u00fcrlich ein Schlag f\u00fcr uns, vor allem f\u00fcr die Peene-Werft. Wir gehen heute davon aus, dass wir dort hoffentlich kurzfristig andere Schiffsprogramme realisieren k\u00f6nnen. F\u00fcr die Peene-Werft brauchen wir von Mitte des n\u00e4chsten Jahres an Arbeit, da haben wir ein Auslastungsproblem. Dazu spreche ich auch mit der Politik. Bei Blohm+Voss in Hamburg sieht es etwas besser aus. Und bei den beiden Reparaturwerften Neue Jadewerft in Wilhelmshaven und Norderwerft in Hamburg sieht es ganz anders aus. Sie haben mit dem Neubauprogramm nichts zu tun.<\/p>\n<p><b>WAMS:<\/b> Wollen Sie die Fl\u00e4che von Blohm+Voss derzeit noch erweitern, wie noch vor einigen Monaten geplant?<\/p>\n<p><b>Papperger:<\/b> Wir m\u00fcssen jetzt schauen, wie sich der Markt f\u00fcr die Mariner\u00fcstung weiterentwickelt, denn wir bleiben ja nicht stehen. Wir bieten unsere neu entwickelte Fregatte GMF140 jetzt im internationalen Markt an. Aber zuerst m\u00fcssen wir nat\u00fcrlich Auftr\u00e4ge buchen, bevor wir investieren, etwa in die Erweiterung der Fl\u00e4che bei Blohm+Voss.<\/p>\n<p><b>WAMS:<\/b> K\u00f6nnten Sie bei Blohm+Voss auch Komponenten f\u00fcr andere Waffensysteme herstellen, f\u00fcr Landfahrzeuge oder die Luftverteidigung?<\/p>\n<p><b>Papperger:<\/b> Wir \u00fcberlegen, zur \u00dcberbr\u00fcckung Komponenten zum Beispiel auf der Peene-Werft zu fertigen, denn da haben wir das erste Problem mit der Auslastung. Das w\u00e4ren dann Schwei\u00dfteile, Biegeteile und Komponenten, auch f\u00fcr Landfahrzeuge und anderes. Ob wir so etwas auch in Hamburg machen werden, wei\u00df ich noch nicht.<\/p>\n<p><b>WAMS:<\/b> K\u00f6nnte Rheinmetall von TKMS in den Bau von deren geplanten vier bis acht Fregatten F128 f\u00fcr die Deutsche Marine mit einbezogen werden?<\/p>\n<p><b>Papperger:<\/b> Unsere Division Naval Systems spricht mit der Leitung von TKMS dar\u00fcber, aber es m\u00fcsste \u2013 um damit eine vern\u00fcnftige Auslastung bei uns zu erreichen \u2013 nat\u00fcrlich schon ein essenzielles Arbeitsvolumen sein. Letztlich muss TKMS das kl\u00e4ren, sie sind ja der Generalunternehmer f\u00fcr die Fregatte F128. Aber wir wollen alles tun, was f\u00fcr den Kunden positiv ist.<\/p>\n<p><b>WAMS:<\/b> Rheinmetall und TKMS waren beide an einer \u00dcbernahme der Werft German Naval Yards in Kiel interessiert, TKMS hat seine Offerte k\u00fcrzlich zur\u00fcckgezogen. Wollen Sie German Naval Yards weiterhin kaufen?<\/p>\n<p><b>Papperger:<\/b> Wir haben ein nicht verbindliches Angebot f\u00fcr German Naval Yards abgegeben. Wir sind immer noch dabei, das zu sondieren und werden sicherlich in den n\u00e4chsten Wochen keine finale Entscheidung treffen k\u00f6nnen. Wir h\u00e4tten die Werft gebraucht, wenn die F126 gekommen w\u00e4re, sonst h\u00e4tten wir nicht gen\u00fcgend Kapazit\u00e4ten gehabt. Jetzt m\u00fcssen wir sehen, welche Buchungen wir in den n\u00e4chsten Monaten im deutschen und im internationalen Markt haben. Erst dann k\u00f6nnen wir eine Entscheidung treffen. Bisher haben wir nicht abgesagt.<\/p>\n<p><b>WAMS:<\/b> Am Montag haben Sie das von Rheinmetall \u2013 und zuvor schon von L\u00fcrssen \u2013 entwickelte Konzept der neuen Fregatte GMF140 vorgestellt. Wie lange reicht diese Entwicklung zur\u00fcck?<\/p>\n<p><b>Papperger:<\/b> Die Entwicklung reicht zweieinhalb bis drei Jahre zur\u00fcck, also in die Zeit, als NVL noch zu L\u00fcrssen geh\u00f6rte. Wir wiederum hatten f\u00fcr die F126 ja schon 100 Leute neu eingestellt \u2013 von insgesamt 1000, die wir einstellen wollten. Alle durch die F126 freiwerdenden Kapazit\u00e4ten werden wir in Richtung der neuen Fregatte GMF140 geben. Die finalen Spezifikationen eines Kunden m\u00fcssen nat\u00fcrlich noch eingearbeitet werden.<\/p>\n<p><b>WAMS:<\/b> Ist die GMF140 eine modernere Antwort von Rheinmetall auf die modernisierte Fregatte F128, die bereits lange Zeit gebaute Exportfregatte, die TKMS nun der Deutschen Marine verkauft?<\/p>\n<p><b>Papperger:<\/b> Das hat miteinander \u00fcberhaupt nichts zu tun, weil wir ja schon viel fr\u00fcher angefangen haben, die GMF140 zu entwickeln. Uns geht es mit der GMF140 erst einmal um den internationalen Markt.<\/p>\n<p><b>WAMS:<\/b> Wem wollen Sie die GMF140 zun\u00e4chst verkaufen \u2013 der U.S. Navy?<\/p>\n<p><b>Papperger:<\/b> Wir haben im Augenblick Stillschweigen mit den infrage kommenden Staaten vereinbart. Wir reden mit mehreren L\u00e4ndern dar\u00fcber. Diese L\u00e4nder m\u00fcssen sich ja erstmal entscheiden, in welche Systeme sie hineingehen wollen.<\/p>\n<p><b>WAMS:<\/b> Die U.S. Navy k\u00e4me aber infrage, nach dem Abbruch deren Constellation-Fregattenprogramms Ende 2025?<\/p>\n<p><b>Papperger:<\/b> Alle M\u00e4rkte in der westlichen Welt sind nat\u00fcrlich m\u00f6glich. Wir haben ja ein weltweites Vertriebsnetz und machen jedes Jahr mit \u00fcber 100 L\u00e4ndern Gesch\u00e4fte. Da versuchen wir jetzt nat\u00fcrlich auch, die Produkte f\u00fcr die Marine zu vermarkten.<\/p>\n<p><b>WAMS:<\/b> Mit der GMF140 erweitern Sie Ihre Pr\u00e4senz am Markt f\u00fcr Marineschiffe erheblich.<\/p>\n<p><b>Papperger:<\/b> Ja, das wollen wir ja auch. Wir wollen ja nicht einfach stehenbleiben. Und wir stellen uns dem Wettbewerb, auch im Mariner\u00fcstungsgesch\u00e4ft.<\/p>\n<p><b>WAMS:<\/b> Es gibt jetzt schon Diskussionen \u00fcber das n\u00e4chste deutsche Fregattenprojekt F127 \u2013 zu gro\u00df, zu schwer, nicht zeitgem\u00e4\u00df. K\u00f6nnte dieses Projekt f\u00fcr Rheinmetall so schwierig werden wie die F126?<\/p>\n<p><b>Papperger:<\/b> An uns ist herangetragen worden, dass man eine F127 sicherlich von der preislichen Seite her erheblich reduzieren muss, um hier in eine vern\u00fcnftige Gr\u00f6\u00dfenordnung zu kommen. Wie Sie wissen, sind wir diesbez\u00fcglich in einem Konsortium mit TKMS \u2013 und wir unterst\u00fctzen die F127 nat\u00fcrlich.<\/p>\n<p><b>WAMS:<\/b> TKMS hat zuletzt mehrere gro\u00dfe Projekte f\u00fcr U-Boote und \u00dcberwasser-Marineschiffe im In- und Ausland abgeschlossen. Verschieben sich da auch die Gewichte und Kr\u00e4fteverh\u00e4ltnisse im Konsortium f\u00fcr die F127?<\/p>\n<p><b>Papperger:<\/b> Nein, das macht mir keine Sorgen. Unser Marinegesch\u00e4ft, das heute bei einer Milliarde bis 1,5 Milliarden Euro Umsatz liegt, soll bis zum Ende des Jahrzehnts auf f\u00fcnf Milliarden Euro wachsen. Wir trauen uns zu, dass wir in den n\u00e4chsten Jahren gen\u00fcgend Auftr\u00e4ge buchen k\u00f6nnen, um in die N\u00e4he dieses Ziels zu kommen.<\/p>\n<p><b>WAMS:<\/b> Falls dem Bund die geplante gro\u00dfe F127 f\u00fcr die Sicherung von Luftr\u00e4umen zu teuer werden w\u00fcrde \u2013 k\u00f6nnten Sie nun die neu entwickelte GMF140 anbieten. <\/p>\n<p><b>Papperger:<\/b> Der Kunde ist K\u00f6nig, und verschiedene Staaten sondieren derzeit unterschiedliche Fregatten. Die schauen zum Beispiel auch nach Italien und nach Spanien.<\/p>\n<p><b>WAMS:<\/b> Jedenfalls k\u00f6nnen Sie nun eine moderne, kleinere Fregatte anbieten, falls gr\u00f6\u00dfere, sehr viel teurere Modelle nicht mehr als zeitgem\u00e4\u00df erscheinen.<\/p>\n<p><b>Papperger:<\/b> Der Preis f\u00fcr eine GMF140 wird sicherlich g\u00fcnstiger sein. Die Gr\u00f6\u00dfenordnung ist erheblich reduziert, aber die F\u00e4higkeiten sollen gegen\u00fcber gr\u00f6\u00dferen Schiffen nicht zur\u00fcckstehen. Au\u00dferdem arbeiten wir intensiv an der Entwicklung und Produktion ferngesteuerter und vollautonomer Marineboote und -schiffe, vor allem auch in Hamburg. Mit dem Produktportfolio, das wir im Marinebereich nun haben, bin ich sehr zufrieden. Wir werden nicht stehenbleiben, sondern uns weiterentwickeln.<\/p>\n<p><b>WAMS:<\/b> Wo in Europa sehen sie derzeit m\u00f6gliche Nachfrage f\u00fcr Marineschiffe?<\/p>\n<p><b>Papperger:<\/b> Wir haben ja gerade einen Vertrag f\u00fcr R\u00fcstungsprojekte in Rum\u00e4nien unterschrieben. Wir arbeiten in Bulgarien. Wir wollen mit der Investition, die wir bereits get\u00e4tigt haben, in Kroatien vorankommen. Die s\u00fcdosteurop\u00e4ischen L\u00e4nder am Meer wollen mit uns auch bei der Mariner\u00fcstung zusammenarbeiten, aber auch andere Staaten Europas und in Nordamerika.<\/p>\n<p><b>WAMS:<\/b> Glauben Sie, dass Rheinmetall bei der Mariner\u00fcstung in bislang v\u00f6llig abgeschottete M\u00e4rkte wie Frankreich, Spanien oder Italien hineinkommen kann? Dort dominieren staatlich kontrollierte Konzerne das Gesch\u00e4ft.<\/p>\n<p><b>Papperger:<\/b> Das geht nur \u00fcber Kooperationen. Anders funktioniert das nicht. Wir f\u00fchren nat\u00fcrlich auch mit Navantia in Spanien und mit Fincantieri in Italien Gespr\u00e4che. Man muss dann in Europa schon versuchen, eine Win-Win-Situation zu schaffen. Von der Kapazit\u00e4t her sind wir sehr gut ausgestattet. Ich glaube nicht, dass jemand in Deutschland im Bereich der \u00dcberwasser-Marineschiffe mehr Kapazit\u00e4t hat als wir.<\/p>\n<p><b>WAMS:<\/b> Kann es gelingen, eine etwas einheitlichere europ\u00e4ische Marinebeschaffung zu verwirklichen? Bei den meisten Waffensystemen wie etwa Panzern oder Kampfflugzeugen tun sich die europ\u00e4ischen Staaten damit seit Jahrzehnten sehr schwer.<\/p>\n<p><b>Papperger:<\/b> Es ist sehr schwierig. Da geht es gar nicht so sehr um die Industrie, sondern mehr um die politische Seite. Jedes Land hat eine stolze Marine und sagt, ich habe irgendwelche Spezialw\u00fcnsche. Und dann scheitern \u00fcbernationale Beschaffungsprojekte meistens.<\/p>\n<p><b>WAMS:<\/b> Welche Potenziale sehen Sie bei den autonomen Marinefahrzeugen und den ferngesteuerten? Vor allem f\u00fcr Blohm+Voss ist das ein wichtiges Thema.<\/p>\n<p><b>Papperger:<\/b>  In den n\u00e4chsten f\u00fcnf Jahren werden die unbemannten Fahrzeuge noch der kleinere Bereich sein. Wir haben immer gesagt, wir k\u00f6nnen ein paar hundert Millionen Euro Umsatz pro Jahr mit unbemannten Marinesystemen machen. Sie werden die gro\u00dfen Schiffe in den n\u00e4chsten Jahren nicht ersetzen k\u00f6nnen. Ob das in den n\u00e4chsten zwanzig Jahren passieren wird, muss ich ganz ehrlich sagen, das kann ich heute noch nicht absehen.<\/p>\n<p><b>WAMS:<\/b> Welche Synergieeffekte wollen Sie bei Rheinmetall als \u201eVollanbieter\u201c \u00fcber alle Waffengattungen hinweg realisieren?<\/p>\n<p><b>Papperger:<\/b> Ich glaube, es gibt erhebliche Synergien \u2013 bei den Antrieben, bei der Bewaffnung und der Munition, bei Elektronik und Digitalisierung. Wir haben zum Beispiel ein paar tausend Digitalisierungsingenieure, die nat\u00fcrlich auch f\u00fcr die Systeme der Marine arbeiten k\u00f6nnen, als Systemhaus oder im Systemhaus befindliche Spezialisten. Wenn wir heutzutage mit dem US-R\u00fcstungskonzern Lockheed Martin \u00fcber deren hochkomplexe Waffensysteme wie Aegis oder CMS 330 sprechen, dann sprechen wir mit denen auf Augenh\u00f6he und sagen: Das k\u00f6nnten wir in unsere Fregatten integrieren.<\/p>\n<p><b>WAMS:<\/b> Die Entwicklung neuer, im Zweifel automatisierter Waffen wird vor allem durch den Ukrainekrieg drastisch beschleunigt. Rheinmetall ist ein tradierter Hersteller gro\u00dfer Waffensysteme. Ist die neue Geschwindigkeit der R\u00fcstungswelt bei Ihnen im Konzern schon vollst\u00e4ndig angekommen? <\/p>\n<p><b>Papperger:<\/b> Wir sind in vielen Bereichen sehr schnell. Wir entwickeln heute Drohnen in wenigen Monaten. Wir entwickeln Software f\u00fcr Drohnen, im Grunde wird das im Monatsbereich optimiert und weiterentwickelt. Bei Gro\u00dfsystemen wie Fregatten zum Beispiel wird das so nicht der Fall sein, denn der Kunde kauft ja nicht alle drei Jahre eine neue Fregatte. Aber Modernisierungsprogramme bei der Software der Schiffe, das kann ich mir durchaus vorstellen. Der Ukrainekrieg ist seit langem vor allem ein statischer Krieg, bei dem zum Beispiel auch gro\u00dfe Mengen an Artilleriemunition verschossen werden. Hinzu kommen als neue Waffensysteme nun die Drohnen. Diese beiden Welten erg\u00e4nzen und \u00fcberlagern sich dort.<\/p>\n<p><b>WAMS:<\/b> Wird man k\u00fcnftig noch beides parallel einsetzen, Kampfpanzer wie den Leopard und Drohnen, deren Beschaffenheit wir heute noch nicht kennen?<\/p>\n<p><b>Papperger:<\/b> Ich halte mich an das, was die Spezialisten sagen. Und die Spezialisten sind f\u00fcr mich, ausgehend von der Nato, die Verteidigungsminister und die Planungschefs der Nationen. Wir schauen uns alle sechs Monate an, was die Nato braucht und welche L\u00fccken es gibt. Aus dieser Analyse entwickeln wir neue Produkte. Und das sind eben nicht nur Drohnen. Wir haben auch Drohnen, damit erwirtschaften wir mittlerweile ein paar hundert Millionen Euro Umsatz im Jahr. Ich sehe ein Potenzial f\u00fcr Rheinmetall, das zwischen einer und 1,5 Milliarden Euro Umsatz j\u00e4hrlich liegt. Aber das ist nat\u00fcrlich nicht sehr viel bei einem Unternehmen, das in diesem Jahr um die 14 Milliarden Euro Umsatz macht und im n\u00e4chsten Jahr um die 20 Milliarden. Kein einziger Hersteller im Verteidigungsbereich stellt f\u00fcr 20 Milliarden Drohnen her, da braucht es auch andere Systeme.<\/p>\n<p><b>WAMS:<\/b> Gerade bei den Drohnen sind die Entwicklungszyklen besonders schnell. Wie schnell integrieren Sie die Erkenntnisse aus Ihren Lieferungen in die Ukraine in Ihre Produktion?<\/p>\n<p><b>Papperger:<\/b> Wir bekommen Feedback aus der Ukraine, das stimmt. Wenn Systeme verbesserungsf\u00e4hig sind, flie\u00dft das bei uns sofort ein. Aber eine Drohne zu entwickeln, ist nicht so schwer. Viel schwieriger ist es, eine Fregatte zu entwickeln.<\/p>\n<p><b>WAMS:<\/b> Werden Sie Ihre Kooperationen mit der Ukraine absehbar weiter ausbauen?<\/p>\n<p><b>Papperger:<\/b> Ich glaube, dass die Ukraine im Augenblick eine eigene Industrie aufbauen m\u00f6chte \u2013 was verst\u00e4ndlich ist, weil sie ja im Krieg sind und weil sie sich letztendlich selbst verteidigen wollen. Wir stehen zu unseren Kooperationen, und wir sind auch bereit, Kooperationen auszubauen. Das muss dann aber auch von der ukrainischen Seite her gewollt sein.<\/p>\n<p>Armin Papperger, 63, ist seit 2013 Vorstandsvorsitzender des gr\u00f6\u00dften deutschen R\u00fcstungskonzerns Rheinmetall mit Sitz in D\u00fcsseldorf. Das b\u00f6rsennotierte Unternehmen, das im Dax gelistet ist, erwirtschaftete mit rund 34.000 Mitarbeitern an 161 Standorten weltweit 2025 einen Umsatz von etwa 9,9 Milliarden Euro und einen operativen Gewinn von 1,8 Milliarden Euro. F\u00fcr das zweite Quartal 2026 meldete Rheinmetall rund 3,3 Milliarden Euro Umsatz, 562 Millionen Euro operativen Gewinn und einen Auftragsbestand von nunmehr rund 80 Milliarden Euro. Der Maschinenbau-Ingenieur Papperger arbeitet seit 1990 f\u00fcr Rheinmetall und hatte eine Reihe von F\u00fchrungspositionen inne, bevor er 2012 in den Vorstand aufstieg. Der verheiratete Vater zweiter Kinder ist auch Pr\u00e4sident des Bundesverbandes der Deutschen Sicherheits- und Verteidigungsindustrie.<\/p>\n<p><b>Olaf Preu\u00df ist Wirtschaftsreporter von WELT und WELT AM SONNTAG f\u00fcr Hamburg und Norddeutschland. Er berichtet seit mehr als 30 Jahren auch \u00fcber die Mariner\u00fcstung.<\/b><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Die Mariner\u00fcstung ist neu f\u00fcr Deutschlands gr\u00f6\u00dften R\u00fcstungskonzern Rheinmetall. Im M\u00e4rz hatte das Unternehmen von L\u00fcrssen dessen Marinesparte&hellip;\n","protected":false},"author":2,"featured_media":1218906,"comment_status":"","ping_status":"","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":"","_share_on_mastodon":"0"},"categories":[134],"tags":[175,170,169,177853,29,139978,30,195328,155255,103078,171,174,32795,740,216627,45,173,172,192979],"class_list":["post-1218905","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","category-unternehmen-maerkte","tag-business","tag-companies","tag-companies-markets","tag-deutsche-marine-geo-d-ks","tag-deutschland","tag-fregatten","tag-germany","tag-korvetten-ks","tag-kriegsschiffe-ks","tag-luerssen","tag-markets","tag-maerkte","tag-preuss-olaf","tag-rheinmetall","tag-seestreitkraefte","tag-texttospeech","tag-unternehmen","tag-unternehmen-maerkte","tag-werften-ks"],"share_on_mastodon":{"url":"https:\/\/pubeurope.com\/@de\/117047384352248189","error":""},"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/1218905","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=1218905"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/1218905\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media\/1218906"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=1218905"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=1218905"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=1218905"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}