{"id":1221761,"date":"2026-08-07T13:00:16","date_gmt":"2026-08-07T13:00:16","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/1221761\/"},"modified":"2026-08-07T13:00:16","modified_gmt":"2026-08-07T13:00:16","slug":"correctivs-schmutziger-konter-gegen-markus-lanz","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/1221761\/","title":{"rendered":"Correctivs schmutziger Konter gegen Markus Lanz"},"content":{"rendered":"<p>\t\t\t\t\t\t\t\t<strong><\/p>\n<p>Markus Lanz kritisiert die Potsdam-Recherche. Correctiv reagiert darauf mit Social-Media-Videos, die Lanz&#8216; Kritik grob verf\u00e4lschen und ihn unfair vorf\u00fchren. Wie weit hat sich Correctiv vom Anspruch des &#8222;faktenbasierten Diskurses&#8220; entfernt?<\/p>\n<p><\/strong><\/p>\n<p>Bei Correctiv wissen sie, wer Journalist ist und wer nicht. Nachdem Reporter des rechtspopulistischen Mediums Apollo am Rande des AfD-Parteitags am 4. Juli 2026 von linken Demonstranten angegriffen worden waren, verfasste Correctiv-Chefredakteurin Anette Dowideit auf Bluesky einen Post. Sie sprach sich gegen Gewalt gegen\u00fcber den Reportern aus, betonte aber zugleich: <a href=\"https:\/\/bsky.app\/profile\/antennedowideit.bsky.social\/post\/3mpy7pp5fak2s\" target=\"_blank\" class=\"external-link-new-window\" rel=\"noreferrer nofollow noopener\">&#8222;Die Mitarbeitenden von \u201aApollo News\u2018 sind keine Journalisten.&#8220;<\/a> Auf Nachfrage, wie sie Journalismus definiere, antwortete Dowideit: &#8222;Mein Kriterium ist: Journalisten sind Leute, die faktenbasiert berichten und sich nach bestem Gewissen m\u00fchen, wahrhaftig zu berichten.&#8220;<\/p>\n<p>Eine gute Definition. Fr\u00fcher war dies auch die prominente Selbstbeschreibung von Correctiv. Das Medium stehe f\u00fcr &#8222;faktenbasierten Diskurs&#8220;, hie\u00df es unter <a href=\"https:\/\/web.archive.org\/web\/20251202170349\/https:\/correctiv.org\/ueber-uns\/\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer nofollow noopener\">&#8222;Wir \u00fcber uns&#8220; auf der Website<\/a>. Der Satz ist seit Ende des Jahres dort verschwunden. Stattdessen hei\u00dft es nun, Correctiv <a href=\"https:\/\/correctiv.org\/ueber-uns\/\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer nofollow noopener\">stehe f\u00fcr &#8222;Journalismus, der Wirkung zeigt&#8220;<\/a>.\u00a0<\/p>\n<p>Man k\u00f6nnte diese Umgestaltung der Homepage als Petitesse abtun. Denn ohne Frage arbeiten bei Correctiv hervorragende Journalisten, die in vielen faktenstarken Berichten gesellschaftliche Missst\u00e4nde offenlegen. Man kann die Streichung allerdings auch als Eingest\u00e4ndnis bewerten, dass es sich bei Correctiv in erster Linie um ein Community-Medium handelt: also um ein Medium, das gesellschaftliche Wirkung im Sinne der politischen \u00dcberzeugungen seiner Unterst\u00fctzer erzielen will. Diese Unterst\u00fctzer finanzieren Correctiv, weil sie erwarten, dass bestimmte politische Debatten beeinflusst werden.\u00a0<\/p>\n<p>Genau darin liegt die journalistische Gefahr: Wo Themenwahl und Zuspitzung an die Erwartung der eigenen Community gekoppelt sind, kann der faktenbasierte Diskurs schnell unter die R\u00e4der geraten.\u00a0<\/p>\n<p>Ob die Correctiv-Recherche zu Potsdam einen solchen f\u00f6rderte, <a href=\"https:\/\/uebermedien.de\/117373\/zwischen-rechten-erzaehlungen-und-begruendeter-kritik-was-von-der-debatte-um-correctiv-bleibt\/\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer nofollow noopener\">wurde und wird inzwischen breit diskutiert<\/a>. Offen zutage getreten ist allerdings nun, dass sich Correctiv bei der \u00f6ffentlichen Verteidigung dieser Recherche vom faktenbasierten Diskurs verabschiedet hat. W\u00e4hrend die bisherige \u00d6ffentlichkeitsarbeit von Correctiv von Freund-Feind-Denken und einer demonstrativen Kritikresistenz gepr\u00e4gt war, tritt nun gezielte Irref\u00fchrung hinzu. Das zeigen die Social-Media-Videos, mit denen Correctiv die Recherche zu Potsdam gegen die Kritik <a href=\"https:\/\/podcasts.apple.com\/de\/podcast\/lanz-precht\/id1582828457?i=1000772283827\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer nofollow noopener\">im Podcast Lanz und Precht (Folge 248)<\/a> verteidigen will.\u00a0<\/p>\n<p>Was Lanz Correctiv tats\u00e4chlich vorwirft<\/p>\n<p>Die Podcast-Folge von Lanz+Precht drehte sich um das Thema Community-Journalismus. Die beiden Moderatoren kamen dabei neben ben.unscripted, Nius und weiteren Medien auch auf Correctiv zu sprechen. Sie ordnen das Medium wegen einseitiger Themenauswahl als aktivistisches Community-Medium ein. Dabei kommen sie auch auf die Recherche zu Potsdam zu sprechen. Precht sieht darin eine &#8222;verzerrte Darstellung durch K\u00fcrzung, durch falsche Analogien, durch Raunen, durch Metaphorik, durch Begriffsverdrehungen&#8220;.\u00a0<\/p>\n<p>Lanz macht die Kritik konkret und fokussiert sich auf eine Aussage in der Potsdam-Recherche, die aktuell Gegenstand gerichtlicher Auseinandersetzungen ist. So wird vor Gericht darum gestritten, ob die Aussage &#8222;\u201aMasterplan\u2018 zur Ausweisung deutscher Staatsb\u00fcrger&#8220; eine zul\u00e4ssige Meinungs\u00e4u\u00dferung (<a href=\"https:\/\/justiz.hamburg.de\/gerichte\/oberlandesgericht\/gerichtspressestelle\/landgericht-hamburg-klagen-gegen-correctiv-berichterstattung-abgewiesen--1129938\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer nofollow noopener\">so das\u00a0Landgericht (LG) Hamburg<\/a>) oder eine unwahre Tatsachenbehauptung (<a href=\"https:\/\/www.lto.de\/recht\/hintergruende\/h\/so-begruendet-das-lg-berlin-ii-die-correctiv-niederlage\" target=\"_blank\" rel=\"nofollow noopener\">so das LG Berlin II<\/a>) ist.\u00a0<\/p>\n<p>Unstreitig ist, dass in Potsdam keine Ausweisungen deutscher Staatsb\u00fcrger im eigentlichen Begriffssinne geplant wurden. Correctiv r\u00e4umte es in einem\u00a0<a href=\"https:\/\/www.lto.de\/recht\/hintergruende\/h\/correctiv-verhandlung-lg-hamburg-masterplan\" target=\"_blank\" rel=\"nofollow noopener\">Gerichtsverfahren selbst ein<\/a>.\u00a0Der Rechtsextremist Martin Sellner, der den Remigrationsplan vorstellte, habe die deutsche Staatsb\u00fcrgerschaft &#8222;ausdr\u00fccklich als juristische Sperre f\u00fcr eine Ausweisung anerkannt&#8220;, so die Aussage von Correctiv in einem Verfahren vor dem LG Hamburg (Az. 324 O 61\/24). Und so verteidigt Correctiv die Aussage konsequent als zul\u00e4ssige Meinungs\u00e4u\u00dferung. Zwar sei es in Potsdam nicht um beh\u00f6rdliche Ausweisungen deutscher Staatsb\u00fcrger gegangen, aber darum, dass mit ma\u00dfgeschneiderten Gesetzen Anpassungsdruck auf Deutsche mit Migrationsgeschichte ausge\u00fcbt werden sollte, damit diese das Land verlassen. Daher k\u00f6nnte wertungsm\u00e4\u00dfig von Ausweisungen deutscher Staatsb\u00fcrger gesprochen werden. \u00a0<\/p>\n<p>Was Lanz w\u00f6rtlich nahm<\/p>\n<p>Lanz greift genau dies auf. Er zitiert zun\u00e4chst die streitige Passage und f\u00e4hrt dann fort, dass sich Correctiv-Journalist Marcus Bensmann als Gast in Lanz&#8216; Sendung darauf zur\u00fcckgezogen habe, dass es sich um eine Meinungs\u00e4u\u00dferung gehandelt habe. Dann sagt Lanz:\u00a0<\/p>\n<p>&#8222;Und wenn du das so liest, dann (\u2026) bin ich offenbar zu doof daf\u00fcr. Ich bin voll drauf reingefallen. Ich habe das ernst genommen, ich habe das w\u00f6rtlich genommen.&#8220;<\/p>\n<p>Lanz f\u00fchlt sich durch Correctiv hinters Licht gef\u00fchrt, wenn er sagt, die Aussage &#8222;w\u00f6rtlich&#8220;, also als Tatsachenbehauptung verstanden zu haben. Der Moderator ging also \u2013\u00a0<a href=\"https:\/\/www.lto.de\/recht\/hintergruende\/h\/correctiv-verhandlung-lg-hamburg-masterplan\" target=\"_blank\" rel=\"nofollow noopener\">wie zahlreiche andere Medien, Journalisten und B\u00fcrger<\/a> \u2013 nach der Lekt\u00fcre des Textes irrt\u00fcmlich davon aus, dass die Teilnehmer in Potsdam planten, deutsche Staatsb\u00fcrger mit Migrationshintergrund durch beh\u00f6rdliche Anordnung des Landes verweisen zu lassen.<\/p>\n<p>Correctiv startete als Reaktion auf die Kritik eine Social-Media-Kampagne mit Videos, die u.a. auf LinkedIn, Instagram und YouTube ver\u00f6ffentlicht wurden. Obwohl Precht eigentlich die deutlich h\u00e4rteren T\u00f6ne angeschlagen hatte, fokussierte sich Correctiv\u00a0dabei ganz auf Markus Lanz.\u00a0<\/p>\n<p>Das Video des Correctiv-Chefredakteurs<\/p>\n<p>Das erste Social-Media-Video wurde am 9. Juni u. a. auf Instagram und LinkedIn ver\u00f6ffentlicht. Es spricht Justus von Daniels, Chefredakteur von Correctiv. In einem Begleittext auf LinkedIn spricht von Daniels davon, dass Correctiv bei Lanz+Precht &#8222;vollkommen verzerrend&#8220; dargestellt werde und ver\u00f6ffentlicht unter einem Pl\u00e4doyer f\u00fcr eine &#8222;gut sortierte \u00d6ffentlichkeit&#8220; dann ein Video, das die Kritik von Lanz selbst vollkommen verzerrend wiedergibt.\u00a0<\/p>\n<p>Von Daniels greift dabei zum einfachsten Mittel im Repertoire der unredlichen Rhetorik: dem Strohmann-Argument \u2013 Kritik wird falsch wiedergegeben mit dem Ziel, sie dann spielend zu entkr\u00e4ften. Das wirkt, als w\u00fcrde man sich der Kritik stellen, dabei tut man genau das nicht.<\/p>\n<p>Correctiv spielt im Video die oben zitierte Passage aus dem Podcast ein, in der Lanz sagt, &#8222;voll drauf reingefallen&#8220; zu sein und &#8222;das ernst&#8220; und &#8222;w\u00f6rtlich genommen&#8220; zu haben.\u00a0<\/p>\n<p>Doch den Kontext des Zitats, n\u00e4mlich die Kritik von Lanz an der Aussage &#8222;Masterplan zur Ausweisung deutscher Staatsb\u00fcrger&#8220; blendet Correctiv aus. Wer den Podcast nicht geh\u00f6rt hat, wei\u00df also nicht, worauf Lanz sich mit seiner Kritik bezieht. Stattdessen liefert von Daniels dem Publikum den angeblichen Bezugspunkt von Lanz&#8216; Aussagen.\u00a0<\/p>\n<p>Nach Lanz&#8216; Verst\u00e4ndnis sei es in Potsdam gar nicht um einen &#8222;Plan zur Vertreibung von Millionen Menschen&#8220; gegangen und die Aussagen von Correctiv seien teils nicht durch Fakten gedeckt. Im Gestus des freundlichen, aber zugleich von vermeintlicher Ignoranz genervten Aufkl\u00e4rers erz\u00e4hlt von Daniels dann &#8222;auch f\u00fcr Markus Lanz&#8220;, wie es wirklich war. Richtig sei, so von Daniels, dass schon in der Einladung zum Potsdam-Treffen von einem &#8222;Masterplan&#8220; die Rede gewesen sei; keiner der Teilnehmer sei gerichtlich gegen die Aussage &#8222;Masterplan&#8220; vorgegangen und in Potsdam sei es tats\u00e4chlich darum gegangen, wie man nicht assimilierte deutsche Staatsb\u00fcrger &#8222;vertreiben&#8220; k\u00f6nne.\u00a0<\/p>\n<p>Erst verdrehen, dann widerlegen<\/p>\n<p>Doch Lanz hat an keiner Stelle im Podcast auch nur von &#8222;Vertreibung&#8220; gesprochen und auch nicht in Abrede gestellt, dass in Potsdam \u00fcberhaupt ein &#8222;Masterplan&#8220; des Rechtsextremisten Martin Sellner vorgestellt wurde. Genau das suggeriert von Daniels aber erstens durch die falsche Wiedergabe von Lanz\u2019 Kritik und zweitens dadurch, dass er sowohl die &#8222;Masterplan&#8220;- als auch die &#8222;Vertreibungs&#8220;-Aussage verteidigt. Das ergibt n\u00e4mlich nur Sinn, wenn Lanz diese Punkte zuvor in Abrede gestellt h\u00e4tte. Hat er aber nicht, so dass die &#8222;Aufkl\u00e4rung&#8220; von von Daniels ins Leere geht. Das merkt aber nur, wer den eigentlichen Streitpunkt kennt oder den Podcast von Lanz geh\u00f6rt hat.\u00a0<\/p>\n<p>Von Daniels erfindet aber nicht nur eine Kritik, die Lanz nie ge\u00e4u\u00dfert hat, sondern l\u00e4sst auch dessen eigentliche Kritik an der Aussage &#8222;Masterplan zur Ausweisung deutscher Staatsb\u00fcrger&#8220; komplett unter den Tisch fallen. Sie bleibt nicht nur unerw\u00e4hnt, sondern \u00a0wird in dem viermin\u00fctigen Video mit allen Kr\u00e4ften unkenntlich gemacht. So sagt von Daniels, die gerichtlichen Entscheidungen lie\u00dfen sich auf die Frage herunterbrechen, ob Correctiv von &#8222;Ausweisung&#8220; sprechen d\u00fcrfe, und l\u00e4sst das eigentliche Problem mit der Formulierung &#8222;Ausweisung deutscher Staatsb\u00fcrger&#8220; einfach weg.\u00a0<\/p>\n<p>Damit verwandelt von Daniels die problematische Aussage in eine unproblematische. Denn von einem &#8222;Masterplan zur Ausweisung&#8220; h\u00e4tte Correctiv ohne Weiteres sprechen k\u00f6nnen. Sellners Remigrationskonzept sieht unstreitig Ausweisungen von Ausl\u00e4ndern und Asylbewerbern ohne Bleiberecht vor, aber eben nicht die \u2013 eindeutig verfassungswidrige \u2013 Ausweisung deutscher Staatsb\u00fcrger.<\/p>\n<p>Durch die Weglassung der kritischen Textstelle kann dem Correctiv-Publikum einfacher vermittelt werden, dass an der G\u00fcte der eigenen Berichterstattung nicht die geringsten Zweifel bestehen.<\/p>\n<p>Die Correctiv-Community applaudiert auf Social Media. Lanz ist doof, Correctiv ist toll, Ziel erreicht.<\/p>\n<p>Correctiv verkauft Wertung erneut als Tatsache\u00a0<\/p>\n<p>Von Daniels schafft mit der erfundenen Kritik von Lanz am Begriff &#8222;Vertreibung&#8220; aber nicht nur ein Strohmann-Argument, sondern bek\u00e4mpft dieses dann auch noch mit fragw\u00fcrdigen Argumenten. Er sagt, dass es in Potsdam darum gegangen sei, wie man als &#8222;nicht assimiliert&#8220; abqualifizierte Staatsb\u00fcrger aus dem Land &#8222;vertreiben&#8220; k\u00f6nne, und l\u00e4sst auf diese Aussage direkt die Worte folgen: &#8222;So haben sie es damals gesagt.&#8220;\u00a0<\/p>\n<p>Man staunt. Hatte doch Correctiv-Reporter Jean Peters in einem bemerkenswerten Zeit-Artikel selbst einger\u00e4umt, dass der Begriff <a href=\"https:\/\/www.zeit.de\/2025\/02\/potsdamer-treffen-afd-correctiv-abschiebung\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer nofollow noopener\">&#8222;Vertreibung&#8220; in Potsdam nicht gefallen sei: (&#8222;Nein. Aber nat\u00fcrlich war es gemeint.&#8220;)<\/a>. Nach Jean Peters\u2019 Darstellung war also die Formulierung &#8222;Vertreibung&#8220; ebenfalls nur eine Wertung von Correctiv. F\u00fcr den Correctiv-Chefredakteur ist dies aber offenbar kein Hindernis, mit der Formulierung &#8222;so gesagt&#8220; den Eindruck zu erwecken, die Teilnehmer h\u00e4tten tats\u00e4chlich von &#8222;Vertreibung&#8220; gesprochen.\u00a0<\/p>\n<p>Das Bensmann-Video<\/p>\n<p>Vielleicht weil das Video publizistisch auf Social Media ein gro\u00dfer Erfolg bei den Correctiv-Followern war, legte Senior-Reporter Marcus Bensmann wenig sp\u00e4ter nach. In einem Video vom 19. Juni missachtete er elementare journalistische Prinzipien noch eindeutiger.<\/p>\n<p>Bensmann sagt, es sei &#8222;komisch&#8220;, dass Lanz Correctiv angreife, obwohl die Recherche eine Antwort auf eine Frage von Lanz zur v\u00f6lkischen Ideologie gebe. Im Video zeigt Correctiv dann die Sequenz aus dem Podcast, in der diese angebliche Frage gefallen sein soll. Lanz sagte darin:<\/p>\n<p>&#8222;Wenn H\u00f6cke zum Thema Geburtenrate, Demografie, Gesellschaft sagt, wir m\u00fcssen diejenigen au\u00dfer Landes schaffen, die hier nicht hingeh\u00f6ren, dann w\u00fcnsche ich mir die Nachfrage: Wen genau und wie genau willst du das eigentlich machen?&#8220;<\/p>\n<p>Bensmann kl\u00e4rt dann den vermeintlich fragenden Lanz \u00fcber die Ideologie von Bj\u00f6rn H\u00f6cke auf und res\u00fcmiert anschlie\u00dfend: &#8222;Der Angriff auf uns macht also wenig Sinn.&#8220;<\/p>\n<p>Was Bensmann hier betreibt, ist nichts anderes als gezielte Irref\u00fchrung. Denn Lanz hatte an der von Bensmann zitierten Stelle gar keine Frage gestellt oder auch nur Kritik an Correctiv ge\u00e4u\u00dfert. Es ging hier um ein ganz anderes Thema. Bevor der Podcast auf Correctiv zu sprechen kam, kritisierte Lanz, dass bestimmte Podcaster Interviews mit Politikern f\u00fchren, ohne ihnen kritische Fragen zu stellen. Als Beispiel f\u00fchrte er das Interview von Ben Berndt mit Bj\u00f6rn H\u00f6cke bei &#8222;Ben ungeskriptet&#8220; an, in dem bekanntlich\u00a0<a href=\"https:\/\/www.lto.de\/recht\/hintergruende\/h\/ben-unscripted-und-die-landesmedienanstalt-nrw-sorgfaltspflicht-hoecke\" target=\"_blank\" rel=\"nofollow noopener\">kritische Fragen Fehlanzeige<\/a> waren.<\/p>\n<p>Lanz ging es also um gute Interviewf\u00fchrung. Er kritisierte ausbleibende Fragen, stellte aber selbst keine eigene Frage. Den gegenteiligen Eindruck erweckt Bensmann. Er tut nach der Wiedergabe des Zitats und der anschlie\u00dfend in belehrendem Ton vorgetragenen Beantwortung so, als w\u00fcsste Markus Lanz nicht, wes Geistes Kind Bj\u00f6rn H\u00f6cke ist und welche Ideologie er verfolgt.<\/p>\n<p>Argumentativer Offenbarungseid<\/p>\n<p>Sp\u00e4testens mit der Formulierung &#8222;Der Angriff auf uns macht also wenig Sinn&#8220; wird zudem der zwingende, unwahre und damit rechtswidrige Eindruck erweckt, Lanz habe Correctiv gerade deswegen angegriffen, weil Correctiv der Frage, wen H\u00f6cke beziehungsweise Sellner au\u00dfer Landes bringen wolle, nicht nachgegangen sei.<\/p>\n<p>Den letztg\u00fcltigen argumentativen Offenbarungseid leistet das Video dann am Schluss, wenn Bensmann auf die Worte &#8222;Der Angriff auf uns macht keinen Sinn&#8220; ein &#8222;es sei denn&#8220; und hiernach das Zitat von Lanz folgen l\u00e4sst: &#8222;Dann bin ich zu doof daf\u00fcr.&#8220; Diese Aussage hatte Lanz im Podcast ja ironisch darauf bezogen, dass er die Aussage &#8222;Masterplan zur Ausweisung deutscher Staatsb\u00fcrger&#8220; als Tatsachenbehauptung verstanden hatte. Bensmann stellt den Satz einfach in einen anderen Kontext und suggeriert, Lanz habe sich damit auf die v\u00f6lkische Ideologie beziehungsweise deren Erkl\u00e4rung im Correctiv-Bericht bezogen.<\/p>\n<p>Den eigentlichen Kritikpunkt von Lanz verschweigt auch das Bensmann-Video vollst\u00e4ndig. Doch erneut treten die gew\u00fcnschten Folgen ein: Die Correctiv-Community applaudiert: Lanz ist doof, Correctiv ist toll. Ziel erreicht.<\/p>\n<p>Abschied vom faktenbasierten Diskurs<\/p>\n<p>Lanz k\u00f6nnte mit guten Erfolgsaussichten gegen das Bensmann-Video gerichtlich vorgehen. Journalistisch wiegt der Vorgang aber unabh\u00e4ngig davon schwer.\u00a0Das Video erf\u00fcllt alle wesentlichen Merkmale gezielter Desinformation: Es l\u00f6st eine \u00c4u\u00dferung aus ihrem tats\u00e4chlichen Zusammenhang, versieht sie mit einer neuen Bedeutung und nutzt den so erzeugten falschen Eindruck, um Lanz\u2019 Kritik als sachlich unsinnig erscheinen zu lassen und\u00a0ihn auch pers\u00f6nlich vor dem Correctiv-Publikum l\u00e4cherlich zu machen. All das m\u00fcsste jedenfalls der Faktencheck-Abteilung von Correctiv eigentlich die Schamesr\u00f6te ins Gesicht treiben.\u00a0<\/p>\n<p>Der Podcast von Lanz+Precht h\u00e4tte durchaus mit guten Gr\u00fcnden kritisiert werden k\u00f6nnen, etwa weil er die unbestrittene Aufdeckung rechtsextremer Strukturen durch Correctiv nicht thematisierte. Doch statt einer solchen Reaktion antwortet Correctiv mit gezielter Irref\u00fchrung. Warum begeben sich angesehene Journalisten auf ein solches Niveau und werfen journalistische Grunds\u00e4tze \u00fcber Bord?<\/p>\n<p>Dass mit Markus Lanz einer der einflussreichsten Journalisten Deutschlands den Correctiv-Bericht kritisiert, trifft Correctiv offenbar hart. Macht es doch die Erz\u00e4hlung, wonach die Kritik am Bericht von rechten Kr\u00e4ften stamme, immer br\u00fcchiger. Das Recherchezentrum steht in der \u00f6ffentlichen Wahrnehmung f\u00fcr diese eine Recherche und f\u00fcr deren &#8222;journalistische Wirkung&#8220;, das neu formulierte Hauptziel von Correctiv, das offenbar kompromisslos verteidigt werden muss, auch wenn dabei die Fakten unter die R\u00e4der kommen.<\/p>\n<p>Bei Correctiv ist jederzeit der Wiederholungsfall m\u00f6glich<\/p>\n<p>Richard David Precht, der in der Video-Kritik von Correctiv f\u00e4lschlich als Gegenstimme zu Lanz dargestellt wird, kritisiert Correctiv ebenfalls scharf: Die Recherche zu Potsdam stehe &#8222;zu Recht absolut in der Kritik&#8220;. &#8222;Und ich hoffe, dass diese Kritik auch sehr laut und deutlich ausf\u00e4llt, damit sich das nicht wiederholt.&#8220;<\/p>\n<p>Doch bei Correctiv ist leider jederzeit mit einem Wiederholungsfall zu rechnen. Im unbedingten Willen zur Verteidigung der Recherche und ihrer Wirkung werden die Fehler der Vergangenheit nicht nur wiederholt, sondern intensiviert: Im vergangenen Jahr hat das Magazin erneut die Grenze zwischen Meinung und Tatsachenbehauptung verwischt. Es lie\u00df die Meinung eines Teilnehmers, wonach das Potsdamer Treffen auf &#8222;ethnische S\u00e4uberung&#8220; hinausliefe, eidesstattlich versichern, was nur bei Tatsachenbehauptungen Sinn ergibt.\u00a0<a href=\"https:\/\/taz.de\/Theater-in-Koeln-zeigt-ein-Nachspiel-des-Geheimplan-gegen-Deutschland\/!6105492\/\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer nofollow noopener\">Sowohl die taz<\/a> als\u00a0<a href=\"https:\/\/archive.is\/70FKv\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer nofollow noopener\">auch die FAZ<\/a> gingen nach Betrachtung eines Correctiv-Theaterst\u00fccks irrt\u00fcmlich davon aus, dass in Potsdam tats\u00e4chlich von &#8222;ethnischer S\u00e4uberung&#8220; die Rede gewesen sei. Die taz ver\u00f6ffentlichte deswegen\u00a0<a href=\"https:\/\/taz.de\/Theater-in-Koeln-zeigt-ein-Nachspiel-des-Geheimplan-gegen-Deutschland\/!6105492\/\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer nofollow noopener\">eine Korrektur<\/a>. In der B\u00fchnenauff\u00fchrung von Correctiv am Schauspiel K\u00f6ln wurde sogar insinuiert, dass das Potsdamer Treffen <a href=\"https:\/\/www.schauspiel.koeln\/sites\/default\/files\/2025-09\/Geheimplan%20gegen%20Deutschland%20%E2%80%93%20Ein%20Nachspiel.pdf\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer nofollow noopener\">auf &#8222;Mord&#8220; hinauslaufe.<\/a><\/p>\n<p>Wenn Selbstbild und Wirklichkeit auseinanderfallen<\/p>\n<p>Angesichts der laut gewordenen Kritik am Potsdam-Text scheint es Correctiv vor allem darum zu gehen, die Wagenburg nach innen und au\u00dfen zu schlie\u00dfen. Die Social-Media-Posts gegen Markus Lanz zeigen, dass Correctiv dabei auch vor journalistisch unredlichen Mitteln nicht zur\u00fcckschreckt, um Zweifel an der G\u00fcte der eigenen Berichterstattung zu zerstreuen.<\/p>\n<p>Besonders problematisch ist dabei der Anspruch, mit dem Correctiv weiterhin auftritt: als aufkl\u00e4rendes Medium, das den \u00f6ffentlichen Diskurs gegen Desinformation verteidigt und tats\u00e4chlich meint, andere dar\u00fcber belehren zu k\u00f6nnen, wer Journalist ist und wer nicht.\u00a0Doch das eigene Vorgehen von Correctiv widerspricht diesem Anspruch immer wieder so eklatant, dass das Medium insgesamt in Misskredit gebracht wird. Ob dies schlichtweg von der Correctiv-Spitze nicht erkannt wird, dahinter Selbstsuggestion, unersch\u00fctterliche Selbstgewissheit oder blo\u00dfes Kalk\u00fcl und Schulterzucken steckt, bleibt offen.<\/p>\n<p>Die Priorit\u00e4ten haben sich jedenfalls verschoben: Die Verteidigung der Potsdam-Recherche ist f\u00fcr Correctiv wichtiger geworden als jener faktenbasierte Diskurs, den das Medium einst zu seinem Markenkern erkl\u00e4rte.\u00a0<\/p>\n<p>Zitiervorschlag<\/p>\n<p id=\"citeArticleContent\">\n<p>\t\t\t\t\tSocial-Media-Kampagne in Reaktion auf Potsdam-Kritik:<\/p>\n<p>\t\t\t\t\t. In: Legal Tribune Online,<br \/>\n\t\t\t\t\t07.08.2026<br \/>\n\t\t\t\t\t, https:\/\/www.lto.de\/persistent\/a_id\/60596 (abgerufen am:<br \/>\n\t\t\t\t\t07.08.2026<br \/>\n\t\t\t\t\t)\n\t\t\t\t<\/p>\n<p>\t\t\t\tKopieren<br \/>\n\t\t\t\t<a href=\"https:\/\/www.lto.de\/rechtliches\/zitierhinweise\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Infos zum Zitiervorschlag<\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Markus Lanz kritisiert die Potsdam-Recherche. Correctiv reagiert darauf mit Social-Media-Videos, die Lanz&#8216; Kritik grob verf\u00e4lschen und ihn unfair&hellip;\n","protected":false},"author":2,"featured_media":1221762,"comment_status":"","ping_status":"","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":"","_share_on_mastodon":"0"},"categories":[1776],"tags":[1801,29,214,13217,30,13219,13218,80,2075,93,13220,1802,13221,13222,215],"class_list":["post-1221761","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","category-prominente","tag-celebrities","tag-deutschland","tag-entertainment","tag-feuilleton","tag-germany","tag-juristen","tag-juristisches-feuilleton","tag-kultur","tag-kunst","tag-literatur","tag-persoenlichkeiten","tag-prominente","tag-rechtsgeschichte","tag-rechtshistorie","tag-unterhaltung"],"share_on_mastodon":{"url":"https:\/\/pubeurope.com\/@de\/117054356206183355","error":""},"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/1221761","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=1221761"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/1221761\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media\/1221762"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=1221761"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=1221761"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=1221761"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}