{"id":1224430,"date":"2026-08-08T17:16:15","date_gmt":"2026-08-08T17:16:15","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/1224430\/"},"modified":"2026-08-08T17:16:15","modified_gmt":"2026-08-08T17:16:15","slug":"achtung-vor-phishing-betrug-nach-mica-stichtag","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/1224430\/","title":{"rendered":"Achtung vor Phishing-Betrug nach MiCA-Stichtag"},"content":{"rendered":"<p>Die EU-weite \u00dcbergangsfrist der Krypto-Verordnung MiCA ist am 1. Juli 2026 ausgelaufen. Seither melden ESMA und die franz\u00f6sische AMF eine Zunahme an Phishing-Betrug mit gef\u00e4lschten Beh\u00f6rden-Identit\u00e4ten.<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/cvj.ch\/glossary\/markets-in-crypto-assets-mica\/\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">MiCA<\/a> steht f\u00fcr Markets in Crypto-Assets und bildet das EU-weite Lizenzregime f\u00fcr Krypto-Dienstleister. B\u00f6rsen, Broker und Verwahrstellen ben\u00f6tigen daher eine CASP-Zulassung mit Auflagen zu Eigenkapital, Compliance und Anlegerschutz. Ohne diese Bewilligung d\u00fcrfen sie keine EU-Kunden mehr bedienen. Urspr\u00fcnglich erlaubte die \u00dcbergangsfrist Bestandsanbietern maximal 18 Monate Weiterbetrieb, gestaffelt nach Mitgliedstaat. Ende Juli 2026 verzeichnete das ESMA-Register 323 autorisierte CASPs. F\u00fcr Anleger sollte die Umstellung vor allem Rechtssicherheit bringen. Kurzfristig entstand daraus allerdings eine neue Angriffsfl\u00e4che.<\/p>\n<p>Erst 16 der 100 gr\u00f6ssten B\u00f6rsen sind MiCA-lizenziert<\/p>\n<p>Der Stichtag hat den Kreis der legal zug\u00e4nglichen Anbieter sp\u00fcrbar verengt. Im \u00f6ffentlichen ESMA-Register steht jede erteilte CASP-Bewilligung samt zust\u00e4ndiger nationaler Aufsicht. Eine einmal erteilte Zulassung gilt \u00fcber den EU-Pass im gesamten Binnenmarkt. Die Zahl der Eintr\u00e4ge schwankt w\u00f6chentlich, weil laufend neue Zulassungen hinzukommen. Deutlich gr\u00f6sser ist jedoch die Gruppe der Abg\u00e4nge. Der Datenanbieter VASPnet sch\u00e4tzt, dass \u00fcber 1&#8217;700 nicht lizenzierte Krypto-Dienstleister ihr Angebot f\u00fcr EU-Kunden einstellen mussten. Eine amtliche Best\u00e4tigung f\u00fcr diese Sch\u00e4tzung fehlt allerdings.<\/p>\n<p>Auch unter den gr\u00f6ssten Handelspl\u00e4tzen bleibt die Lizenzdichte gering. Von den 100 volumenst\u00e4rksten Krypto-B\u00f6rsen weltweit verf\u00fcgen erst 16 \u00fcber eine MiCA-Zulassung. Dazu geh\u00f6ren Coinbase, Kraken, Bybit, OKX, Crypto.com und KuCoin. An der Spitze liegt die Quote vergleichsweise h\u00f6her, denn sechs der zehn volumenst\u00e4rksten B\u00f6rsen sind lizenziert. Binance, gemessen am Handelsvolumen die gr\u00f6sste B\u00f6rse der Welt, hat bislang keine EU-weite MiCA-Zulassung erhalten. Alle \u00fcbrigen Anbieter d\u00fcrfen EU-Kunden seit Juli folglich nicht mehr aktiv bedienen. Europ\u00e4ische Nutzer mussten sich binnen weniger Wochen neu orientieren.<\/p>\n<p>Die zeitliche Staffelung verst\u00e4rkte die Unsicherheit zudem. Deutschland setzte den nationalen Stichtag auf den 31. Dezember 2025, ein halbes Jahr vor dem EU-Maximum. Frankreich liess seinen Anbietern hingegen die vollen 18 Monate. Wer Konten in beiden M\u00e4rkten hielt, erlebte den R\u00fcckzug seiner Plattformen somit zu unterschiedlichen Zeitpunkten. Bestandskunden mussten ihre Guthaben abziehen, zu einem lizenzierten Anbieter \u00fcbertragen oder in Selbstverwahrung nehmen. Genau diese Un\u00fcbersichtlichkeit nutzen Betr\u00fcger aus.<\/p>\n<p>Betr\u00fcger geben sich als ESMA und AMF aus<\/p>\n<p>Die AMF dokumentierte F\u00e4lle, in denen sich T\u00e4ter als Mitarbeitende der Beh\u00f6rde ausgaben. Sie forderten Anleger auf, ihre Guthaben zur angeblichen Sicherung auf gef\u00e4lschte Webseiten zu \u00fcbertragen. Der Vorwand wirkt plausibel, zumal viele Kunden ohnehin einen Anbieterwechsel vornehmen mussten. \u00dcbertragene Krypto-Guthaben lassen sich zudem praktisch nie zur\u00fcckholen.<\/p>\n<p>Die franz\u00f6sische Aufsicht verzichtete deshalb auf eine harte Abschaltfrist f\u00fcr nicht lizenzierte B\u00f6rsen. Ein abrupter Marktausschluss h\u00e4tte den T\u00e4tern schliesslich zus\u00e4tzliche Vorw\u00e4nde geliefert. Auch der Name der ESMA dient als Vorlage. Gegen\u00fcber der Financial Times best\u00e4tigte die Beh\u00f6rde den Missbrauch ihres Logos und gef\u00e4lschter Dokumente. Offizielle Mitteilungen stammen ausschliesslich von Adressen mit der Endung @esma.europa.eu. Die niederl\u00e4ndische AFM meldet ebenfalls gezielte Angriffe auf Verbraucher, die nach lizenzierten Alternativen suchen.<\/p>\n<p>Die Beh\u00f6rden nennen mehrere Merkmale echter Kommunikation. Aufsichtsstellen fordern niemals zur \u00dcbertragung von Verm\u00f6genswerten auf. Sie verlangen ausserdem keine Geb\u00fchren f\u00fcr die R\u00fcckholung verlorener Gelder. K\u00fcnstliche Fristen geh\u00f6ren ebenso wenig zum beh\u00f6rdlichen Repertoire. Den Lizenzstatus eines Anbieters k\u00f6nnen Anleger direkt im ESMA-Register oder auf der Webseite der AMF pr\u00fcfen. Wer unter Zeitdruck ger\u00e4t, sollte daher misstrauisch werden.<\/p>\n<p>Identit\u00e4tsbetrug wuchs um \u00fcber 1&#8217;400 Prozent<\/p>\n<p>Der Anstieg solcher F\u00e4lle begann jedoch lange vor dem Stichtag. Der Crypto Crime Report 2026 von Chainalysis weist f\u00fcr 2025 best\u00e4tigte <a href=\"https:\/\/cvj.ch\/glossary\/on-chain\/\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">On-Chain<\/a>-Betrugssch\u00e4den von rund 14 Mrd. USD aus. F\u00fcr den Report wertet die Analysefirma Zahlungsstr\u00f6me auf \u00f6ffentlichen Blockchains aus. Bei vollst\u00e4ndiger Erfassung projiziert sie bis zu 17 Mrd. USD. Urspr\u00fcnglich hatte Chainalysis f\u00fcr 2024 9.9 Mrd. USD gemeldet. Diesen Wert revidierte die Firma sp\u00e4ter auf 12 Mrd. USD. Gegen\u00fcber 2024 stieg die Schadenssumme somit um rund 17 Prozent.<\/p>\n<p>Am st\u00e4rksten wuchs der Betrug mit fremden Identit\u00e4ten. Chainalysis beziffert die Zunahme auf \u00fcber 1&#8217;400 Prozent gegen\u00fcber dem Vorjahr. Die durchschnittliche Zahlung pro Fall dieser Masche stieg gleichzeitig um mehr als 600 Prozent. \u00dcber alle Betrugsmaschen hinweg kletterte der Durchschnitt ebenfalls, von 782 auf 2&#8217;764 USD. Diese Werte beziehen sich auf das globale Kryptojahr 2025 und nicht auf die MiCA-Umstellung. Sie zeigen dennoch, wie lohnend das Vort\u00e4uschen einer Institution geworden ist.<\/p>\n<p>Auch die Angriffstechnik verschiebt sich. Scam Sniffer registrierte im Januar 2026 Verluste durch sogenanntes Signature Phishing von 6.27 Mio. USD. Gegen\u00fcber Dezember 2025 entspricht das einem Plus von 207 Prozent. Die Zahl der Opfer sank gleichzeitig um 11 Prozent auf 4&#8217;741. Zwei Grossanleger verantworteten allein 65 Prozent der Verlustsumme. Massenkampagnen verlieren folglich an Bedeutung. Diese Konzentration auf wenige verm\u00f6gende Ziele ist als <a href=\"https:\/\/cvj.ch\/glossary\/whale\/\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Whale Hunting<\/a> bekannt.<\/p>\n<p>Schweizer Anleger bleiben ohne MiCA-Schutz<\/p>\n<p>In der Schweiz gilt MiCA nicht. Das Land geh\u00f6rt weder der EU noch dem EWR an, weshalb die FINMA keine MiCA-Lizenz vergeben kann. Wer \u00fcber eine EU-lizenzierte Plattform handelt, profitiert trotzdem von den Anlegerschutzbestimmungen der Verordnung. Bei einer nicht mehr lizenzierten EU-Plattform entf\u00e4llt dieser Schutz hingegen vollst\u00e4ndig. Dasselbe gilt f\u00fcr verbundene Gesellschaften und f\u00fcr Anbieter ausserhalb der Union. Darauf weist die AMF in ihrer Mitteilung vom Juni hin. Schweizer Kunden tragen das Risiko in diesen F\u00e4llen also allein.<\/p>\n<p>Diverse <a href=\"https:\/\/cvj.ch\/fokus\/legal-compliance\/schweizer-krypto-dienstleister-sichern-sich-mica-autorisierung\/\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Schweizer Krypto-Unternehmen haben sich den Zugang \u00fcber T\u00f6chter im EU- und EWR-Raum gesichert<\/a>. Crypto Finance erhielt im Januar 2025 als erstes Haus eine CASP-Lizenz der deutschen BaFin. Sp\u00e4ter folgten AMINA Bank \u00fcber die \u00f6sterreichische FMA sowie Relai und SwissBorg \u00fcber die franz\u00f6sische AMF. Swissquote sicherte sich die Zulassung im April 2026 bei der luxemburgischen CSSF. RuleMatch, Bitcoin Suisse und Sygnum Bank erhielten ihre Bewilligungen schliesslich im Juni 2026 in Liechtenstein. Die acht Lizenzen verteilen sich insgesamt auf f\u00fcnf Aufsichtsbeh\u00f6rden.<\/p>\n<p>Eine direkte Schweizer Entsprechung zur MiCA-Umstellung gibt es nicht. Die FINMA f\u00fchrt dennoch eine Warnliste mit Anbietern, die den Anschein einer Bewilligung erwecken. Sie beruht auf Meldungen und eigenen Abkl\u00e4rungen und ist deswegen nicht abschliessend. Als Pr\u00fcfinstrument erg\u00e4nzt die Liste das Bewilligungsregister, ersetzt es aber nicht. Das Bundesamt f\u00fcr Cybersicherheit registrierte 2025 knapp 65&#8217;000 Meldungen, rund 19 Prozent davon zu Phishing. Im zweiten Halbjahr 2025 gingen 6&#8217;299 Phishing-Meldungen ein, 17 Prozent mehr als ein Jahr zuvor. Wie viele davon Krypto-Anleger betrafen, weist das Amt nicht aus.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Die EU-weite \u00dcbergangsfrist der Krypto-Verordnung MiCA ist am 1. Juli 2026 ausgelaufen. 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