{"id":1224672,"date":"2026-08-08T19:52:25","date_gmt":"2026-08-08T19:52:25","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/1224672\/"},"modified":"2026-08-08T19:52:25","modified_gmt":"2026-08-08T19:52:25","slug":"aufarbeitung-des-nsu-terrors-berlin-ist-beim-chemnitzer-nsu-dokumentationszentrum-gefordert","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/1224672\/","title":{"rendered":"Aufarbeitung des NSU-Terrors \u2013 Berlin ist beim Chemnitzer NSU-Dokumentationszentrum gefordert"},"content":{"rendered":"<p>\t\t\t\t\t\t<img decoding=\"async\" id=\"img324201\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2026\/08\/324201.jpeg\" alt=\"Polizisten geh\u00f6ren zu den h\u00e4ufigsten Besuchern des NSU-Dokumentationszentrums in Chemnitz\"\/><\/p>\n<p>Polizisten geh\u00f6ren zu den h\u00e4ufigsten Besuchern des NSU-Dokumentationszentrums in Chemnitz<\/p>\n<p>Foto: dpa\/Hendrik Schmidt<\/p>\n<p>Das <a href=\"https:\/\/www.nd-aktuell.de\/artikel\/1191474.rechter-terror-ein-laengst-ueberfaelliger-gedenkort-fuer-opfer-des-nsu-terrors.html\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Chemnitzer NSU-Dokumentationszentrum \u00bbOffener Prozess\u00ab<\/a> erfreut sich anhaltend gro\u00dfen Besucherinteresses. In den 14 Monaten seit der Er\u00f6ffnung seien 18\u2009000 Besucher in die Ausstellung am Johannisplatz gekommen, in der \u00bbdie Geschichte des NSU-Komplexes kritisch beleuchtet und die <a href=\"https:\/\/www.nd-aktuell.de\/artikel\/1193229.rechtsextremismus-chemnitz-und-nsu-in-der-taeterstadt-wird-der-opfer-gedacht.html\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Perspektive der Betroffenen gest\u00e4rkt<\/a>\u00ab werden solle. Die Zahlen \u00bbhaben uns in unserer Arbeit positiv best\u00e4tigt\u00ab, sagte Gesch\u00e4ftsf\u00fchrerin Nora Krzywinski dem \u00bbnd\u00ab. Es habe mehr als 60 Veranstaltungen und \u00fcber 200 F\u00fchrungen gegeben.<\/p>\n<p>Ein Gutteil der bisherigen Tagesbesucher waren G\u00e4ste von Chemnitz als europ\u00e4ischer Kulturhauptstadt 2025. Insofern habe der Zuspruch seither etwas nachgelassen, sagt Krzywinski. Regelm\u00e4\u00dfig kommen aber beispielsweise Studierende der s\u00e4chsischen Hochschule der Polizei sowie Sch\u00fcler. Die Zusammenarbeit mit der Polizei solle k\u00fcnftig bundesweit ausgedehnt werden. Auch s\u00e4chsische Sch\u00fcler k\u00f6nnten k\u00fcnftig wom\u00f6glich noch zahlreicher kommen. Das Chemnitzer Zentrum wurde in eine Datenbank der \u00bbLernorte des Erinnerns und Gedenkens\u00ab in Sachsen aufgenommen, \u00fcber die Klassenfahrten gef\u00f6rdert werden.<\/p>\n<p>Lehrer k\u00f6nnen dabei jetzt auch f\u00fcr die n\u00e4chsten Schuljahre planen. Der Grund: Der Freistaat will Geld f\u00fcr das Chemnitzer Dokumentationszentrum mindestens f\u00fcr zwei weitere Jahre bereitstellen. Im Regierungsentwurf f\u00fcr den Doppelhaushalt 2027\/28 seien pro Jahr 1,75 Millionen Euro eingeplant, teilte das zust\u00e4ndige Staatsministerium f\u00fcr Soziales, Gesundheit und gesellschaftlichen Zusammenhalt auf Anfrage mit. Der Etat muss vom Landtag noch beschlossen werden.<\/p>\n<p>Selbst wenn das gelingt, muss der Erinnerungsort freilich mit deutlich weniger Geld auskommen. Zum einen sinkt der Zuschuss des Freistaats um knapp eine halbe Million Euro gegen\u00fcber dem laufenden Jahr. Viel st\u00e4rker f\u00e4llt aber ins Gewicht, dass der bisher an der Finanzierung beteiligte <a href=\"https:\/\/www.nd-aktuell.de\/artikel\/1200959.erinnerungspolitik-kein-geld-im-bundeshaushalt-fuer-ein-nsu-dokumentationsszentrum.html\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Bund f\u00fcr die n\u00e4chsten beiden Jahre noch gar kein Geld im Etat eingestellt<\/a> hat. Zwar w\u00fcrde noch ein F\u00f6rderantrag beim Bundesinnenministerium gestellt, sagt Krzywinski. Eine regelm\u00e4\u00dfige, h\u00e4lftige Beteiligung des Bundes, wie sie w\u00e4hrend der Aufbauphase gew\u00e4hrt wurde, ist aber nicht abzusehen.<\/p>\n<p>F\u00fcr die Arbeit des noch jungen NSU-Dokumentationszentrums wird das Folgen haben. Selbst wenn es gelingt, zus\u00e4tzliche Mittel etwa bei Stiftungen einzuwerben, k\u00f6nne man wom\u00f6glich \u00bbProjekte nicht in dem Umfang fortf\u00fchren wie bisher\u00ab, sagt die Gesch\u00e4ftsf\u00fchrerin. Die in Chemnitz erscheinende \u00bbFreie Presse\u00ab f\u00fcrchtet auch K\u00fcrzungen bei \u00d6ffnungszeiten und Personal. \u00bbDas wollen wir allerdings am allerwenigsten\u00ab, betont Krzywinski.<\/p>\n<p>Aus Sachsen wird der Bund aufgefordert, den R\u00fcckzug aus der Finanzierung zu \u00fcberdenken. Die Chemnitzer Einrichtung, sagte Sozialministerin Petra K\u00f6pping (SPD) dem \u00bbnd\u00ab, sei \u00bbnicht nur au\u00dferordentlich erfolgreich, sondern nimmt mit der kontinuierlichen Einbeziehung der Opfer und Angeh\u00f6rigen und bundesweiter Bildungsarbeit insbesondere f\u00fcr Schulen und Polizei bundesweite Aufgaben war\u00ab. Es sei deshalb \u00bbnur folgerichtig, dass der Bund Chemnitz in den n\u00e4chsten Jahren mitfinanziert und in die bundesweite Planung integriert\u00ab. Um dem Anliegen mehr Nachdruck zu verleihen, hat sie den in Berlin f\u00fcr das Thema zust\u00e4ndigen Bundesinnenminister Alexander Dobrindt (CSU) bereits Ende Mai per Brief um ein Gespr\u00e4ch gebeten und will ihn nun auch nach Chemnitz einladen. <\/p>\n<blockquote>\n<p>\u00bbChemnitz bleibt auf absehbare Zeit die einzige \u00fcberregional wirkende Einrichtung.\u00ab<\/p>\n<p>Petra K\u00f6pping\u2003s\u00e4chsische Sozialministerin<\/p><\/blockquote>\n<p>Der Fortbestand und die ausk\u00f6mmliche Finanzierung des Chemnitzer Dokumentationszentrums sind nicht zuletzt deshalb wichtig, weil dieses \u00bbauf absehbare Zeit die einzige \u00fcberregional wirkende Einrichtung\u00ab zum Thema bleiben werde, wie K\u00f6pping betont. Eigentlich plante der Bund die Errichtung einer Stiftung zur Aufarbeitung des NSU-Komplexes und eines von dieser getragenen zentralen Dokumentationszentrums. Die Ampel-Koalition wollte dieses in Berlin errichten, das derzeitige Regierungsb\u00fcndnis aus Union und SPD entschied sich f\u00fcr N\u00fcrnberg.<\/p>\n<p>Ein entsprechendes Gesetzesvorhaben kommt indes nicht voran, und Geld war zun\u00e4chst ebenfalls nicht eingeplant. Erst \u00bbnach gro\u00dfem \u00f6ffentlichem Druck\u00ab seien f\u00fcr n\u00e4chstes Jahr Restmittel aus dem Jahr 2026 lockergemacht worden, teilte vor einigen Tagen die bayrische Bundestagsabgeordnete Marlene Sch\u00f6neberger (Gr\u00fcne) mit. Die Rede ist von sechs Millionen Euro. Es brauche jetzt eine \u00bbverl\u00e4ssliche Finanzierung und einen klaren Zeitplan\u00ab, mahnt die Politikerin. Nach Einsch\u00e4tzung K\u00f6ppings gibt es bisher \u00bbweder in Bezug auf die geplante Bundesstiftung zum NSU-Komplex noch zum Dokumentationszentrum in N\u00fcrnberg erkennbare Fortschritte\u00ab.<\/p>\n<p>Das Dokumentationszentrum in Chemnitz geht auf <a href=\"https:\/\/www.nd-aktuell.de\/artikel\/1175364.nsu-komplex-chemnitz-am-stadtrand-wo-die-moerder-wohnten.html\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Bem\u00fchungen aus der Zivilgesellschaft<\/a> zur\u00fcck, den NSU-Komplex aufzuarbeiten und den Fokus dabei st\u00e4rker auf die Opfer und deren Hinterbliebene zu richten. So hatten der Verein ASA-FF und die \u00f6rtliche Initiative Offener Prozess schon vor Jahren eine Wanderausstellung zum Thema erstellt, die nach Stationen in vielen deutschen und europ\u00e4ischen St\u00e4dten in \u00fcberarbeiteter Form das Grundger\u00fcst f\u00fcr den heutigen Erinnerungsort bildete. Dieser wurde 2025 im Rahmen des Chemnitzer Jahres als Kulturhauptstadt Europas er\u00f6ffnet.<\/p>\n<p>In Sachsen hatte man sich lange Zeit auch Hoffnung gemacht, das bundesweite NSU-Dokumentationszentrum beherbergen zu k\u00f6nnen, dessen Errichtung die Ampel-Koalition im Jahr 2021 in ihrem Koalitionsvertrag vorgesehen hatte. Das hatte sich sp\u00e4ter zerschlagen. Im Rahmen einer von der Bundeszentrale f\u00fcr politische Bildung beauftragten, im Fr\u00fchjahr 2024 vorgestellten Machbarkeitsstudie <a href=\"https:\/\/www.nd-aktuell.de\/artikel\/1180648.rechtsextremismus-nsu-in-chemnitz-unklare-aussichten-fuer-zeit-nach-dem-interim.html\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">\u00e4u\u00dferten Angeh\u00f6rige der Opfer und andere Betroffene schwerwiegende Einw\u00e4nde<\/a> gegen einen Standort Chemnitz. Sie verwiesen auf starke rechtsextreme Strukturen in Sachsen und eine \u00bbvon ihnen empfundene Bedrohungslage f\u00fcr migrantisch gelesene Menschen\u00ab. Inzwischen gebe es aber eine gute und regelm\u00e4\u00dfige Zusammenarbeit mit den Angeh\u00f6rigen der NSU-Opfer, die \u00bbunsere Arbeit sehr unterst\u00fctzen\u00ab, sagt Krzywinski.<\/p>\n<p>Der Bund nahm die Bedenken damals indes auf; Chemnitz sollte nur <a href=\"https:\/\/www.nd-aktuell.de\/artikel\/1180649.rechtsextremismus-nsu-gedenken-ein-verbund-mit-starkem-zentrum.html\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">eine Art \u00bbSatellit\u00ab f\u00fcr den zentralen Erinnerungsort<\/a> sein. Derzeit freilich sieht es so aus, als m\u00fcsste der \u00bboffene Prozess\u00ab auf absehbare Zeit diese Rolle allein \u00fcbernehmen. Gesch\u00e4ftsf\u00fchrerin Nora Krzywinski betont freilich: \u00bbUnser Ziel ist, dass das nicht auf Dauer so bleibt.\u00ab Man pl\u00e4diere man nach wie vor f\u00fcr das Konzept eines bundesweiten Zentrums mit mehreren Standorten, zu denen auch Chemnitz geh\u00f6rt.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Polizisten geh\u00f6ren zu den h\u00e4ufigsten Besuchern des NSU-Dokumentationszentrums in Chemnitz Foto: dpa\/Hendrik Schmidt Das Chemnitzer NSU-Dokumentationszentrum \u00bbOffener Prozess\u00ab&hellip;\n","protected":false},"author":2,"featured_media":1224673,"comment_status":"","ping_status":"","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":"","_share_on_mastodon":"0"},"categories":[1851],"tags":[296,1567,2770,3364,29,548,663,3934,30,13,14,15,417,859,12],"class_list":["post-1224672","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","category-chemnitz","tag-berlin","tag-bildungspolitik","tag-chemnitz","tag-de","tag-deutschland","tag-eu","tag-europa","tag-europe","tag-germany","tag-headlines","tag-nachrichten","tag-news","tag-nsu","tag-sachsen","tag-schlagzeilen"],"share_on_mastodon":{"url":"https:\/\/pubeurope.com\/@de\/117061638458583047","error":""},"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/1224672","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=1224672"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/1224672\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media\/1224673"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=1224672"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=1224672"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=1224672"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}